Überblick
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) hat sich in den letzten Jahren von einer freiwilligen Zusatzleistung zu einer strategischen Notwendigkeit für Unternehmen entwickelt. Der demografische Wandel, steigende Fehlzeiten und der zunehmende Fachkräftemangel machen es für Arbeitgeber dringend erforderlich, die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit ihrer Belegschaft systematisch zu fördern. Diese Weiterbildung vermittelt das notwendige Wissen und die praktischen Werkzeuge, um ein funktionsfähiges BGM in der eigenen Organisation aufzubauen, weiterzuentwickeln und nachhaltig zu verankern. Die Qualifizierung schließt mit einem Projektauftrag, in dem die Teilnehmenden das Gelernte auf ihre eigene Organisation übertragen und ein reales BGM-Konzept entwickeln.
Kursinhalte & Lernziele
Die Weiterbildung ist praxisorientiert aufgebaut und verwendet moderne Unterrichtsmethoden. Die Inhalte gehen über eine reine Wissensvermittlung hinaus: Die Teilnehmenden wenden das Gelernte regelmäßig auf ihre eigene Organisation an und entwickeln konkrete Handlungsoptionen. Der erste Themenblock befasst sich mit den Hintergründen und Zielen des BGM. Wer BGM in einer Organisation aufbauen möchte, muss zunächst den gesellschaftlichen und betrieblichen Kontext verstehen und in der Lage sein, den Nutzen gegenüber Entscheidungsträgern zu belegen.
- Demografischer Wandel: Überalterung der Belegschaft, Fachkräftemangel und steigende Krankheitskosten
- Fehlzeiten und ihre Ursachen: Statistiken, Burnout, Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Belastungen
- Ziele des BGM: Prävention, Rehabilitation, Motivation und Bindung von Mitarbeitenden
- Betriebswirtschaftlicher Nutzen: Kostenrechnung, Return on Investment und Arbeitgeberattraktivität
- Rechtlicher Rahmen: Arbeitsschutzgesetz, Sozialgesetzbuch V und betriebliche Mitbestimmung
Der zweite Block behandelt Analyse und Planung als Grundlage für ein wirksames BGM. Ohne eine sorgfältige Bestandsaufnahme können Maßnahmen nicht zielgerichtet geplant werden.
- Analyse-Instrumente: Gesundheitsbefragungen, Arbeitsunfähigkeitsstatistiken und Gefährdungsbeurteilungen
- Stakeholder-Analyse: Wer muss eingebunden werden? Betriebsrat, Führungskräfte, Arbeitsmedizin
- Planungsprozess: Ziele definieren, Prioritäten setzen und Ressourcen zuweisen
- Projektmanagement-Grundlagen für BGM-Projekte
- Umgang mit Risiken: Widerstände erkennen und überwinden
Der dritte Block stellt konkrete Werkzeuge und Maßnahmen des BGM vor. Hier lernen die Teilnehmenden, welche Angebote zur Verfügung stehen und wie sie sinnvoll eingesetzt werden.
- Verhältnisprävention: Ergonomie, Lärmschutz, Beleuchtung und Arbeitsorganisation
- Verhaltensprävention: Bewegungsprogramme, Ernährungsberatung, Stressbewältigung und Suchtprävention
- Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM): Ablauf, Rechtspflicht und Datenschutzaspekte
- Externe Partner einbinden: Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Präventionsdienste
- DIN 45001: Aufbau der Norm, Anforderungen und Umsetzungsschritte
Der vierte Block widmet sich der Evaluation und der Kommunikation von BGM-Ergebnissen. Ohne Evaluation ist nicht messbar, ob Maßnahmen wirksam sind, und ohne Kommunikation lässt sich die Unterstützung der Unternehmensführung nicht dauerhaft sichern.
- Evaluationsmethoden: quantitativ (Kennzahlen, Fehlzeiten) und qualitativ (Befragungen, Interviews)
- Ergebnisberichte für Führungskräfte und Betriebsrat aufbereiten
- Kommunikationsstrategien: BGM-Newsletter, Gesundheitstage und interne Kampagnen
- Motivationspsychologie: intrinsische Motivation fördern und Teilnahmebarrieren abbauen
Praxisblock mit Projektarbeit: Jeder Teilnehmende entwickelt im Verlauf des Kurses ein angepasstes BGM-Konzept für die eigene Organisation oder für einen vorgegebenen Fallstudien-Betrieb.
- Ist-Analyse der betrieblichen Gesundheitssituation durchführen
- Prioritäre Handlungsfelder auf Basis der Analyseergebnisse bestimmen
- Maßnahmenplan mit Verantwortlichkeiten und Zeitplan erstellen
- Budget- und Ressourcenplanung für das erste BGM-Jahr aufstellen
- Kommunikationskonzept für die Einführung des BGM entwerfen
- Präsentation des BGM-Konzepts vor der Gruppe mit Feedbackrunde
- Evaluationskonzept für die geplanten Maßnahmen entwickeln
- Verbindung zu bestehenden Managementsystemen (ISO 9001, Arbeitssicherheit) herstellen
- BEM-Verfahren für die eigene Organisation operationalisieren
- Führungskräfte-Workshop zur BGM-Einführung planen und skizzieren
- Ergebnis-Kennzahlen definieren und Messzeitpunkte festlegen
- Schriftliche Projektdokumentation als abschließende Leistung erstellen
Die Projektarbeit ist zentrales Element des Lernprozesses, da sie sicherstellt, dass die erworbenen Kenntnisse nicht abstrakt bleiben, sondern direkt auf eine reale organisationale Situation angewendet werden. Teilnehmende verlassen den Kurs mit einem fertigen oder weit fortgeschrittenen BGM-Konzept, das sie sofort in ihrer Organisation vorstellen können. Verbindungen zu anderen Managementsystemen werden im gesamten Kurs hergestellt, weil BGM in modernen Organisationen nicht isoliert funktioniert, sondern als integrierter Bestandteil des Gesamtmanagementsystems verankert sein muss.
Lernziele:
- Die demografischen Herausforderungen und ihre Auswirkungen auf das betriebliche Gesundheitsgeschehen analysieren
- Ziele und strategischen Nutzen des BGM gegenüber Führungskräften und der Geschäftsleitung argumentativ vertreten
- Den Bedarf an Gesundheitsförderungsmaßnahmen mit geeigneten Analysemethoden ermitteln
- BGM-Maßnahmen planen, priorisieren und in einem Handlungsplan zusammenfassen
- Relevante Risikobereiche im Arbeitsumfeld identifizieren und Gefährdungsbeurteilungen einordnen
- Werkzeuge und Maßnahmen des BGM auswählen, einsetzen und auf ihre Wirksamkeit hin bewerten
- Die Evaluation von BGM-Maßnahmen strukturiert durchführen und Ergebnisse kommunizieren
- Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) als Pflichtbestandteil des betrieblichen Gesundheitsprozesses verstehen und umsetzen
- Führungskräfte für das Thema BGM gewinnen und als Multiplikatoren einsetzen
- Motivationsstrategien entwickeln, um Mitarbeitende zur Teilnahme an Gesundheitsangeboten zu bewegen
- Die DIN 45001 (Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit) kennen und für die eigene Organisation nutzbar machen
- Verbindungen zwischen BGM und anderen Managementsystemen (Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit) herstellen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die in ihrer Organisation Verantwortung für Gesundheitsthemen übernehmen oder diese Verantwortung künftig übernehmen möchten. Konkret angesprochen sind folgende Gruppen.
- Fach- und Führungskräfte, die BGM in ihrer Abteilung oder im gesamten Unternehmen einführen wollen
- Personalverantwortliche und HR-Fachkräfte, die Gesundheitsmanagement als Aufgabe übernehmen
- Verantwortliche für Gesundheitsmanagement, Arbeitssicherheit oder Qualitätsmanagement
- Betriebsratsmitglieder, die ihre Mitwirkungs- und Überwachungsrechte im BGM wahrnehmen möchten
- Unternehmensberater und Coaches, die BGM als Dienstleistung in ihr Portfolio aufnehmen möchten
Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist wünschenswert; die fachliche Ausrichtung ist dabei beliebig. Es werden keine medizinischen Kenntnisse vorausgesetzt, da der Kurs auf organisationale und managementbezogene Aspekte des Gesundheitsmanagements fokussiert ist. Berufliche Erfahrung in einem Unternehmen oder einer Organisation ist von Vorteil, weil sie das Verständnis für die praktischen Herausforderungen bei der BGM-Einführung erleichtert.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung nutzt moderne Unterrichtsmethoden und verbindet Lehrvortrag, Gruppenarbeit, Fallstudienanalysen und eigenständige Projektarbeit. Erfahrungen der Teilnehmenden aus ihren Organisationen fließen aktiv in die Diskussionen ein und bereichern das Lernen der gesamten Gruppe. Das kombinierte Lernformat ermöglicht flexible Teilnahme; typischerweise wird der Kurs als Vollzeitkurs angeboten.
Die Weiterbildung dauert typischerweise zwischen einer Woche und einem Monat bei Vollzeitbelegung. In diesem kompakten Zeitraum werden sowohl die konzeptuellen Grundlagen als auch die praktischen Anwendungsübungen und die Projektarbeit abgedeckt. Eigenständige Arbeitszeiten außerhalb der Kurszeiten sollten für die Projektdokumentation eingeplant werden.
Nach Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat oder eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Es handelt sich um keinen staatlich anerkannten Abschluss; das Zertifikat bestätigt jedoch gegenüber Arbeitgebern und Geschäftspartnern, dass die Grundlagen des BGM systematisch erarbeitet und in einer Projektarbeit angewendet wurden.
Nutzen & Perspektiven
Unternehmen, die BGM einführen, profitieren mittel- und langfristig von sinkenden Fehlzeiten, höherer Mitarbeiterzufriedenheit und einer gesteigerten Arbeitgeberattraktivität. Wer diese Maßnahmen intern koordiniert, schafft messbaren Mehrwert für die Organisation und positioniert sich als strategischer Partner der Unternehmensführung. BGM-Beauftragte und -Koordinatoren sind in mittleren und großen Unternehmen zunehmend als eigenständige Funktionsrollen verankert, was die Karrierechancen für Absolventinnen und Absolventen dieser Weiterbildung verbessert. Die DIN 45001, die im Kurs behandelt wird, bietet einen international anerkannten Rahmen für Managementsysteme zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Wer diese Norm kennt und anwenden kann, kann BGM in einem normierten und auditfähigen Rahmen gestalten, was für Unternehmen mit Qualitätsmanagement-Zertifizierungen besonders relevant ist. Die Weiterbildung ist bei AZAV-akkreditierten Bildungsträgern in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach individueller Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr sowie Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben und Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich medizinische Kenntnisse für diese Weiterbildung?
Nein, medizinische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Weiterbildung fokussiert auf organisationale, planerische und kommunikative Aspekte des BGM. Medizinisches Fachwissen wird durch externe Fachleute wie Betriebsärzte oder Krankenkassen eingebracht; die Aufgabe des BGM-Koordinators ist die Steuerung des Prozesses, nicht die medizinische Beratung.
Was ist die DIN 45001 und warum ist sie für BGM relevant?
Die DIN 45001 ist eine internationale Norm für Managementsysteme zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Sie ersetzt die frühere OHSAS 18001 und bietet einen strukturierten Rahmen, um Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung systematisch zu managen. Unternehmen, die ISO 9001 oder ISO 14001 kennen, finden in DIN 45001 eine vertraute Logik.
Was ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM)?
Das BEM ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe des Arbeitgebers nach § 167 Abs. 2 SGB IX. Es muss angeboten werden, wenn Mitarbeitende innerhalb eines Jahres mehr als sechs Wochen krankheitsbedingt fehlen. Ziel ist es, Maßnahmen zu finden, die den Arbeitsplatz erhalten oder eine Wiedereingliederung ermöglichen. Im Kurs wird der BEM-Prozess vollständig erläutert.
Wie unterscheidet sich BGM von betrieblicher Gesundheitsförderung?
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) bezeichnet einzelne Maßnahmen wie Rückenkurse oder Ernährungsworkshops. BGM ist der übergeordnete systematische Ansatz, der BGF, Arbeitsschutz und BEM zu einem integrierten Managementprozess zusammenführt. BGM analysiert Ursachen, plant Maßnahmen, setzt sie um und evaluiert die Wirksamkeit dauerhaft.
Kann die Weiterbildung mit einem Bildungsgutschein gefördert werden?
Bei AZAV-akkreditierten Trägern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Daneben kommen das Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte sowie Leistungen zur Rehabilitation und Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
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Arbeitsmarkt-Report
Pflege- und Gesundheits-Fachkräfte sind seit 2018 durchgehend als Engpassberuf gelistet. Demografische Entwicklung treibt die Nachfrage; höhere Tarife in Pflege und Reform der Pflegeausbildung verbessern Einstiegsbedingungen 2025/26 weiter.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Personalreferent/Personalreferentin6.774 Stellen
- Fachkraft für Arbeitssicherheit2.533 Stellen
- Betriebswirt/Betriebswirtin (Fachschule) für Management im Gesundheitswesen/Bachelor Professional in Wirtschaft151 Stellen
- Fachkinderkrankenpfleger/Fachkinderkrankenpflegerin für Nephrologie63 Stellen
- Arbeitsmedizinischer Assistent/Arbeitsmedizinische Assistentin6 Stellen
- Betrieblicher Gesundheitsmanager5 Stellen