Überblick
Die Erlaubnis zur Ausübung von Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie — kurz Heilpraktiker für Psychotherapie oder HP Psych — ist in Deutschland nach dem Heilpraktikergesetz (HPG §1) geregelt. Wer ohne approbationsgebundene Ausbildung psychotherapeutisch tätig werden möchte, benötigt diese Erlaubnis, die nach einer mündlichen Überprüfung durch das zuständige Gesundheitsamt erteilt wird. Diese Weiterbildung bereitet intensiv und strukturiert auf genau diese Prüfung vor. Sie vermittelt das psychopathologische Grundlagenwissen, das diagnostische Verständnis psychischer Störungsbilder und das pharmakologische Hintergrundwissen, das Prüferinnen und Prüfer an den Gesundheitsämtern erwarten. Die Prüfung selbst ist nicht im Kursumfang enthalten und muss gesondert beim zuständigen Gesundheitsamt angemeldet werden.
Kursinhalte & Lernziele
Psychopathologischer Befund und diagnostische Systematik Das AMDP-System und die klinische Befunderhebung bilden das methodische Fundament der Überprüfung. Teilnehmende lernen, psychopathologische Auffälligkeiten präzise zu beschreiben, zu systematisieren und von normalen psychischen Reaktionen abzugrenzen.
- Grundbegriffe der psychopathologischen Befunderhebung nach AMDP
- Bewusstseinsstörungen: Quantität (Somnolenz bis Koma) und Qualität (Dämmerzustand, Delir)
- Orientierungsstörungen zu Person, Ort, Zeit und Situation
- Gedächtnisstörungen: Amnesien, Konfabulation, Paramnesien
- Denkstörungen: formal (Denkhemmung, Ideenflucht, Gedankendrängen) und inhaltlich (Wahn)
- Ich-Störungen (Depersonalisation, Derealisation, Gedankenentzug) und Wahrnehmungsstörungen (Halluzinationen, Illusionen)
Psychische Störungsbilder F0 bis F9 (ICD-10) Das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen nach ICD-10 wird in dieser Kurseinheit behandelt — von organisch bedingten Störungen über Suchterkrankungen und schizophrene Psychosen bis zu Persönlichkeitsstörungen. Ziel ist differentialdiagnostische Sicherheit für die mündliche Überprüfung.
- organische psychische Störungen (F0): Demenz, Delir, amnestisches Syndrom, organische Persönlichkeitsveränderung
- Sucht und Abhängigkeit (F1): Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigkeit, Entzugsbilder
- schizophrene und wahnhafte Störungen (F2): Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie, schizoaffektive Störung, anhaltende wahnhafte Störungen
- affektive Störungen (F3): depressive Episode, rezidivierende Depression, Manie, bipolare Störung
- Angst- und Zwangsstörungen (F4): Panikstörung, generalisierte Angst, Agoraphobie, Zwangsstörung
- Belastungs-, Anpassungs-, dissoziative und somatoforme Störungen (F4/F5): PTBS, Konversionsstörung, Somatisierungsstörung
- Persönlichkeitsstörungen (F6): Borderline, narzisstische, histrionische, paranoide Persönlichkeitsstörung
- Störungen der Impulskontrolle (F6), Kinder- und Jugendpsychiatrie (F8/F9), Epidemiologie psychischer Erkrankungen
Therapiemodelle, Pharmakologie und Neurophysiologie Neben der Diagnostik prüfen Gesundheitsämter auch das Grundverständnis für Behandlungsansätze und biologische Grundlagen psychischer Erkrankungen. Dieser Block vermittelt das erforderliche Überblickswissen, ohne die Tiefe einer klinischen Ausbildung zu beanspruchen.
- Überblick Psychotherapieverfahren: psychoanalytische und tiefenpsychologische Modelle, Verhaltenstherapie, humanistische Verfahren
- Indikationen, Kontraindikationen und Grenzen der Heilpraktikertätigkeit auf dem Gebiet der Psychotherapie
- Grundlagen der Psychopharmakologie: Antidepressiva (SSRI, SNRI, trizyklisch), Antipsychotika, Anxiolytika, Phasenprophylaktika
- Neurotransmitter, synaptische Übertragung, Wirkprinzipien psychoaktiver Substanzen
- Abgrenzung zur Verordnungspflicht: was Heilpraktiker dürfen und nicht dürfen
Prüfungsvorbereitung und Fallsimulationen Der abschließende Kursteil widmet sich der direkten Vorbereitung auf die mündliche Überprüfung beim Gesundheitsamt. Fallbeispiele werden durchgearbeitet und typische Prüfungssituationen simuliert, damit Teilnehmende die Inhalte nicht nur kennen, sondern auch sicher kommunizieren können.
- Aufbau und Ablauf der Überprüfung beim Gesundheitsamt: Anmeldung, Prüfungsformat, Erwartungen
- Fallvignetten zu den häufigsten Störungsbildern: Anamnese, Diagnose, Abgrenzung, Therapiehinweis
- Abgrenzungsfragen: Wann ist eine Überweisung an Arzt oder Psychotherapeut erforderlich?
- Suizidalität: Risikoeinschätzung und Handlungspflichten des HP Psych
- schriftliche Prüfungssimulation mit Musterfragen und mündliche Übungsszenarien
- rechtliche Grenzen der HP-Psych-Tätigkeit: HPG, Psychotherapeutengesetz, Abgrenzung zu approbierten Berufen
- Dokumentations- und Aufklärungspflichten in der eigenen Praxis
Lernziele:
- den psychopathologischen Befund systematisch erheben und dokumentieren
- Störungsbilder nach ICD-10 (F0–F9) sicher einordnen und voneinander abgrenzen
- Bewusstseins-, Orientierungs-, Gedächtnis- und Denkstörungen klinisch beschreiben
- Ich-Störungen, Wahrnehmungsstörungen und Störungen des Affekts korrekt benennen
- suizidale Krisen erkennen und leitliniengerecht einschätzen
- Abhängigkeitserkrankungen, schizophrene Störungen und Persönlichkeitsstörungen differentialdiagnostisch beurteilen
- Grundzüge der gängigen Therapiemodelle (tiefenpsychologisch, verhaltenstherapeutisch, humanistisch) erläutern
- pharmakologische Grundlagen psychotroper Substanzen und deren Wirkprofile benennen
- neurophysiologische Zusammenhänge für die Prüfungsgespräche plausibel erklären
- epidemiologische Grunddaten zu psychischen Erkrankungen in Deutschland kennen
- rechtliche Rahmenbedingungen des HPG und die Abgrenzung zur Psychotherapeutenapprobation darstellen
- typische mündliche Prüfungsfragen zu Störungsbildern kompetent beantworten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Menschen, die bereits in psychosozialen, pädagogischen oder beratenden Berufen tätig sind und ihre Tätigkeit rechtlich absichern oder erweitern möchten. Auch Personen ohne psychotherapeutische Berufsausbildung, die psychologisch beraten und dabei rechtlich auf solidem Boden stehen wollen, profitieren.
- Coaches und Business-Coaches, die ihr Methodenspektrum klinisch fundieren möchten
- Personalberatende und HR-Fachkräfte mit Beratungsanteilen
- Heilpraktiker (Allgemein) ohne bisherigen psychotherapeutischen Schwerpunkt
- Sozialpädagogen und Sozialarbeiter mit Interesse an psychotherapeutischer Vertiefung
- Berater in Sucht-, Krisen- oder Lebensberatungsstellen ohne Approbation
Sehr gute Deutschkenntnisse ab Niveau B2 sind erforderlich, da die mündliche Überprüfung beim Gesundheitsamt ausschließlich auf Deutsch stattfindet und die Fähigkeit voraussetzt, psychopathologische Befunde differenziert zu formulieren. Inhaltliche Vorkenntnisse aus dem psychologischen, medizinischen oder sozialen Bereich sind hilfreich, aber nicht formal vorgeschrieben. Für die eigentliche HP-Psych-Überprüfung gilt, dass keine bestimmte Berufsausbildung nachgewiesen werden muss — die Zulassung liegt im Ermessen des jeweiligen Gesundheitsamtes. Teilnehmende sollten sich im Vorfeld beim zuständigen Gesundheitsamt über die lokalen Zulassungsvoraussetzungen informieren.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Hybrid-Learning-Format statt, das Präsenzphasen mit Online-Lernphasen kombiniert. In den Präsenzeinheiten stehen interaktive Fallbesprechungen, Prüfungssimulationen und Diskussionen zu Grenzfällen im Mittelpunkt. Während der Online-Phasen werden Lehrmaterialien, Skripte und Übungsaufgaben zu den Störungsbildern selbstgesteuert erarbeitet. Vollzeit-Termine ermöglichen eine intensive, konzentrierte Vorbereitung über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum.
Die Weiterbildung wird als Vollzeitkurs angeboten. Die genaue Stundenzahl variiert je nach Bildungsträger; das Curriculum deckt alle prüfungsrelevanten ICD-10-Kapitel von F0 bis F9 ab. Da die HP-Psych-Überprüfung ausschließlich mündlich stattfindet, ist ein erheblicher Teil der Lernzeit dem Einüben von Fallgesprächen und der mündlichen Formulierung diagnostischer Einschätzungen gewidmet.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat, das die absolvierten Lehrinhalte ausweist. Die eigentliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie wird nicht durch den Bildungsträger verliehen, sondern ausschließlich nach bestandener mündlicher Überprüfung beim zuständigen Gesundheitsamt erteilt. Diese Überprüfung muss selbstständig angemeldet werden und ist kostenpflichtig. Das trägerinterne Zertifikat kann in Kombination mit weiteren Modulen zu einem umfassenderen Qualifikationsnachweis im psychologischen Beratungsbereich führen.
Nutzen & Perspektiven
Die HP-Psych-Erlaubnis schließt eine echte Versorgungslücke im deutschen Gesundheitswesen: Wartezeiten auf einen kassenfinanzierten Therapieplatz bei approbierten Psychologischen Psychotherapeuten liegen in vielen Regionen bei über einem Jahr. Heilpraktiker für Psychotherapie können diese Wartezeit überbrücken und Menschen mit psychischem Leidensdruck zeitnah unterstützen — in eigener Praxis, auf privater Honorarbasis, ohne Kassenzulassung. Für all jene, die ohnehin bereits beratend tätig sind, ist die HP-Psych-Erlaubnis die rechtssicherste Grundlage für psychotherapeutisch angelegte Gespräche. Coaches und Berater profitieren besonders: Wer fundiertes klinisches Wissen mitbringt und die gesetzlichen Grenzen der HP-Psych-Tätigkeit kennt, kann Klienten mit ernsthafteren Beschwerden sicherer einschätzen und bei Bedarf an geeignete Fachstellen weiterverweisen. Das verringert das Haftungsrisiko, erhöht die professionelle Glaubwürdigkeit und erweitert das eigene Beratungsfeld in Richtung psychische Gesundheitsförderung. Für Personen, die langfristig eine eigene Praxis für psychologische Beratung aufbauen möchten, bildet die HP-Psych-Erlaubnis zusammen mit einer fundierten Coaching-Ausbildung ein tragfähiges Geschäftsmodell. Die Weiterbildung legt dafür die inhaltliche Grundlage: Das systematisch erarbeitete psychopathologische Wissen und das Verständnis für therapeutische Grundhaltungen unterscheiden professionelle Berater dauerhaft von fachfremden Anbietern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen HP Psych und einem approbierten Psychotherapeuten?
Approbierte Psychologische Psychotherapeuten haben ein reguläres Hochschulstudium und eine Ausbildung nach Psychotherapeutengesetz abgeschlossen; sie können Leistungen über gesetzliche Krankenkassen abrechnen. Der Heilpraktiker für Psychotherapie erhält die Erlaubnis über das Heilpraktikergesetz nach einer Überprüfung beim Gesundheitsamt und arbeitet ausschließlich auf privatem Honorarbasis. Die inhaltliche Kompetenz kann vergleichbar sein, der Rechtsrahmen unterscheidet sich grundlegend.
Wo und wie findet die HP-Psych-Überprüfung statt?
Die Überprüfung findet mündlich beim zuständigen Gesundheitsamt statt und wird von einem Amtsarzt oder einer Ärztin abgenommen. Format, Gebühren und Zulassungsbedingungen variieren je nach Bundesland und Gesundheitsamt. Eine schriftliche Prüfungskomponente gibt es — im Unterschied zur allgemeinen Heilpraktikerprüfung — in den meisten Bundesländern nicht.
Ist dieser Kurs auch ohne Vorkenntnisse geeignet?
Der Kurs setzt keine formale Berufsausbildung voraus. Sehr gute Deutschkenntnisse (B2+) und ein grundsätzliches Interesse an psychologischen Themen sind jedoch wichtig. Teilnehmende mit Beratungs- oder Pflegehintergrund haben erfahrungsgemäß einen leichteren Einstieg; auch komplette Quereinsteiger können die Inhalte erarbeiten, sollten aber ausreichend Zeit für Selbststudium einplanen.
Darf ich nach der HP-Psych-Erlaubnis eigene Patienten behandeln?
Ja — nach Erteilung der Erlaubnis nach §1 HPG darf man auf dem Gebiet der Psychotherapie selbstständig tätig sein, Klienten empfangen und Honorare in Rechnung stellen. Es gelten die allgemeinen heilpraktikerrechtlichen Pflichten: Aufklärung, Dokumentation, ggf. Überweisung an Arzt oder Facharzt bei medizinisch indikationspflichtigen Zuständen.
Was ist das trägerinterne Zertifikat dieses Kurses wert?
Das Zertifikat dokumentiert einen definierten Qualifikationsweg und die absolvierten Lerninhalte. Es ist kein staatlich anerkannter Abschluss und kein Ersatz für die Gesundheitsamt-Überprüfung, kann aber bei Kombination weiterer Kursmodule zu einem breiteren Nachweis im psychologischen Beratungsbereich führen.
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Arbeitsmarkt-Report
Pflege- und Gesundheits-Fachkräfte sind seit 2018 durchgehend als Engpassberuf gelistet. Demografische Entwicklung treibt die Nachfrage; höhere Tarife in Pflege und Reform der Pflegeausbildung verbessern Einstiegsbedingungen 2025/26 weiter.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Heilpraktiker/Heilpraktikerin für Psychotherapie10.640 Stellen
- Heilpraktiker/in für Psychotherapie8.345 Stellen
- Fachpraktiker/Fachpraktikerin im Gesundheitswesen (§66 BBiG/§42r HwO)403 Stellen
- Heilpraktiker/Heilpraktikerin184 Stellen
- Fachpsychotherapeut/Fachpsychotherapeutin für Erwachsene17 Stellen
- Psychologischer Berater5 Stellen