Überblick
Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) hat die Europäische Union einen der weitreichendsten gesetzlichen Rahmen für Unternehmensberichterstattung geschaffen. Tausende von Unternehmen in Europa sind verpflichtet, ab 2024 und in den Folgejahren Nachhaltigkeitsberichte nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) zu erstellen. Diese Weiterbildung vermittelt das notwendige Fachwissen, um diese Anforderungen strukturiert und rechtskonform umzusetzen. Sie lernen, was die CSRD vorschreibt, wie die ESRS-Standards aufgebaut sind, wie eine Wesentlichkeitsanalyse nach dem Doppelmaterialitätsprinzip durchgeführt wird und wie Nachhaltigkeitsinformationen so aufbereitet und kommuniziert werden, dass sie Prüfungen standhalten und Stakeholder überzeugen.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen CSRD und regulatorischer Rahmen: Zu Beginn der Weiterbildung erarbeiten Sie das Gesamtbild des neuen europäischen Regulierungsrahmens. Sie verstehen, welche Unternehmen berichtspflichtig sind, ab wann die Pflichten greifen und welche Konsequenzen Nichtbeachtung haben kann. Die Einbettung der CSRD in den European Green Deal und das breitere ESG-Regulierungsumfeld wird ebenso erläutert.
- Entstehungsgeschichte und politische Einbettung der CSRD
- Berichtspflichtige Unternehmen: Schwellenwerte und Zeitplan
- Verhältnis der CSRD zur Non-Financial Reporting Directive (NFRD)
- Überblick über die ESRS-Standardarchitektur
- Einbettung in den European Green Deal und die EU-Taxonomie
- Sanktionen und Haftungsrisiken bei Nichteinhaltung
Wesentlichkeitsanalyse und Doppelmaterialität: Das Kernstück der CSRD-Berichterstattung ist die Wesentlichkeitsanalyse nach dem Prinzip der Doppelmaterialität. In diesem Block lernen Sie, wie Sie systematisch die für Ihr Unternehmen relevanten Nachhaltigkeitsthemen identifizieren — sowohl aus finanzieller als auch aus Auswirkungsperspektive.
- Konzept der Doppelmaterialität: Finanzielle und Impact-Materialität
- Prozess zur Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse
- Stakeholder-Mapping und Einbindung relevanter Interessengruppen
- Bewertung und Priorisierung wesentlicher Themen
- Dokumentation und Validierung der Analyseergebnisse
- Verbindung zwischen Wesentlichkeitstabelle und Berichtsinhalt
ESRS-Umweltstandards: Dieser Abschnitt behandelt die ökologischen Dimensionen des ESRS-Rahmenwerks. Klimawandel, Biodiversität, Wassernutzung und Kreislaufwirtschaft sind Themen, zu denen die Standards Pflichtangaben und freiwillige Offenlegungen vorsehen. Sie lernen, welche Daten und Kennzahlen erfasst, aufbereitet und berichtet werden müssen.
- ESRS E1: Klimawandel — Scope 1, 2 und 3-Emissionen, Klimaziele
- ESRS E2: Umweltverschmutzung — Emissionen in Luft, Wasser und Boden
- ESRS E3: Wasser- und Meeresressourcen
- ESRS E4: Biologische Vielfalt und Ökosysteme
- ESRS E5: Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
- Datenmessung, KPIs und Kennzahlensysteme für Umweltberichte
ESRS-Sozial- und Governance-Standards sowie Kommunikation: Im letzten inhaltlichen Block erarbeiten Sie die sozialen und governance-bezogenen ESRS-Standards und lernen, wie Nachhaltigkeitsinformationen in der Unternehmenskommunikation eingesetzt werden. Der Prüfungsprozess wird ebenfalls behandelt, sodass Sie Berichte von Anfang an prüfungssicher konzipieren können.
- ESRS S1: Eigene Belegschaft — Arbeitsbedingungen, Löhne, Diversität
- ESRS S2: Arbeitnehmer in der Wertschöpfungskette
- ESRS S3: Betroffene Gemeinschaften
- ESRS S4: Verbraucher und Endnutzer
- ESRS G1: Unternehmensführung, Risikomanagement, interne Kontrollen
- Prüfung und Assurance: Anforderungen und Prozesse
- Stakeholder-Kommunikation und externe Berichterstattung
Praxis-Block: Die praktischen Übungen sind eng mit den Theorieinhalten verknüpft. Sie erarbeiten Teilelemente eines fiktiven oder realen Nachhaltigkeitsberichts und erhalten Feedback zu Struktur, Vollständigkeit und Konformität mit den ESRS-Standards.
- Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse an einem Fallbeispiel
- Identifikation berichtspflichtiger Datenpunkte nach ESRS
- Formulierung von Angaben zu Strategie, Governance und Zielen
- Erarbeitung eines Emissionsberichts nach Scope 1, 2 und 3
- Konzeption eines Stakeholder-Engagement-Prozesses
- Aufbau und Gliederung eines ESRS-konformen Nachhaltigkeitsberichts
- Simulation einer Prüfungsvorbereitung mit Checklisten
- Übung zur Stakeholder-Kommunikation
- Präsentation eines Berichtsabschnitts und Diskussion
- Analyse eines Beispielberichts auf Konformität und Qualität
- Auswertung typischer Fehlerquellen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung
- Abschlussdiskussion zu aktuellen Entwicklungen und kommenden ESRS-Anpassungen
Nachhaltigkeitsberichterstattung ist ein dynamisches Feld: Die ESRS-Standards werden fortlaufend weiterentwickelt, und die EU-Kommission präzisiert Anforderungen in ergänzenden Leitlinien. Der Kurs bereitet Sie darauf vor, nicht nur den aktuellen Stand zu kennen, sondern Berichte als lebende Dokumente zu verstehen, die jährlich überarbeitet und verbessert werden.
Lernziele:
- Sie verstehen den gesetzlichen Rahmen der CSRD und deren Bedeutung für berichtspflichtige Unternehmen in Europa
- Sie kennen Aufbau und Logik der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und können sie systematisch anwenden
- Sie können eine Wesentlichkeitsanalyse nach dem Doppelmaterialitätsprinzip planen und durchführen
- Sie identifizieren Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG) und ordnen sie den relevanten ESRS-Standards zu
- Sie entwickeln eine Nachhaltigkeitsstrategie und verankern sie in der Unternehmensführung (Governance)
- Sie beschreiben Auswirkungen, Risiken und Chancen im Rahmen des ESRS-Berichtswesens sachgerecht
- Sie kennen die ESRS-Umweltstandards und können klimabezogene sowie weitere ökologische Pflichtangaben formulieren
- Sie kennen die ESRS-Sozialstandards und verstehen Anforderungen zu Arbeitnehmerrechten, Lieferkette und Community
- Sie berücksichtigen Governance-Aspekte wie Unternehmensstruktur, interne Kontrollen und Vergütungsberichterstattung
- Sie verstehen den Prüfungs- und Assurance-Prozess und bereiten Berichte prüfungssicher auf
- Sie kommunizieren Nachhaltigkeitsinformationen zielgruppengerecht mit verschiedenen Stakeholdern
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die in ihrem Unternehmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung verantwortlich sind oder diese Verantwortung übernehmen möchten. Ebenso angesprochen sind Berater, Wirtschaftsprüfer und Compliance-Fachleute, die ihre Kunden oder Mandanten bei der CSRD-Umsetzung unterstützen.
- CSR- und Nachhaltigkeitsmanager, die ihre Kenntnisse auf CSRD-Niveau aktualisieren möchten
- Finanz- und Rechnungswesenverantwortliche in berichtspflichtigen Unternehmen
- Compliance-Beauftragte und interne Revisoren, die neue Prüfanforderungen kennen müssen
- Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, die Nachhaltigkeitsprüfungen übernehmen wollen
- Unternehmensberater, die ihre Mandanten bei der CSRD-Einführung begleiten
- Quereinsteiger aus Umwelt- oder Sozialwissenschaften, die in das Feld der Unternehmensberichterstattung einsteigen möchten
Für die Teilnahme werden Grundkenntnisse im Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmanagement vorausgesetzt. Ein Verständnis grundlegender Nachhaltigkeitsbegriffe und -konzepte ist hilfreich, um den Kursinhalten ohne Einstiegshürden folgen zu können. Gute Deutschkenntnisse auf Niveau B2 sind für das Verständnis der regulatorischen Texte und die Berichtstexte unerlässlich. Kenntnisse im Bereich betriebliches Rechnungswesen oder Unternehmensführung sind von Vorteil, aber keine formale Zulassungsvoraussetzung. Die Bereitschaft, sich in regulatorische Texte und Standards einzuarbeiten, ist für den Lernerfolg entscheidend.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined Learning durchgeführt und verbindet Lehrvorträge mit Fallbeispielen, Gruppenarbeiten und individuellen Übungsaufgaben. Regulatorische Texte werden gemeinsam analysiert und auf praxisnahe Beispiele angewendet. Praktische Übungen zur Wesentlichkeitsanalyse und zur Formulierung von ESRS-konformen Berichtstexten wechseln mit Diskussionsrunden zu aktuellen Entwicklungen im Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Vollzeitstruktur ermöglicht eine intensive und konzentrierte Auseinandersetzung mit den Inhalten in einem kompakten Zeitrahmen.
Die Weiterbildung ist im Vollzeitformat konzipiert und dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat. Diese Dauer ist auf das Wesentliche konzentriert und setzt einen intensiven Lerneinsatz voraus, um den umfangreichen Stoff der ESRS-Standards und der Wesentlichkeitsanalyse innerhalb dieses Zeitrahmens zu durchdringen. Der genaue Stundenumfang variiert je nach Bildungsträger. Für Teilnehmende mit beruflichen Verpflichtungen empfiehlt sich eine vollständige Freistellung für die Dauer der Maßnahme.
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes oder durch externe Institutionen vergebenes Zertifikat. Die Bescheinigung dokumentiert den erworbenen Wissensstand im Bereich CSRD und ESRS-Berichterstattung und kann in der Bewerbung und im beruflichen Kontext als Nachweis einer spezialisierten Weiterbildung eingesetzt werden.
Nutzen & Perspektiven
Die CSRD betrifft in der Ausbauphasierung ab 2025 und 2026 auch mittelständische Unternehmen. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die Nachhaltigkeitsberichte professionell aufstellen können, wächst rapide. Unternehmen suchen intern ausgebildete Fachleute, die die Anforderungen kennen und souverän umsetzen können, ohne vollständig auf externe Beratung angewiesen zu sein. Diese Weiterbildung versetzt Sie in die Lage, diese Rolle zu übernehmen und nachhaltige Berichterstattungsprozesse im Unternehmen zu etablieren. Für Berater, Wirtschaftsprüfer und Compliance-Fachleute eröffnen sich durch CSRD völlig neue Beratungsfelder. Die Fähigkeit, ESRS-konforme Berichte zu konzipieren, Wesentlichkeitsanalysen durchzuführen und Prüfprozesse zu begleiten, ist eine gefragte Zusatzkompetenz mit stetig wachsender Nachfrage in der gesamten EU. Diese Weiterbildung legt dafür die fachliche Grundlage und macht Sie zu einem kompetenten Ansprechpartner in einem Wachstumsbereich der Unternehmensberatung. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder der Jobcenter förderbar. Je nach persönlicher Situation kommen darüber hinaus das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung (BFD) der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine frühzeitige Beratung beim zuständigen Förderstellen-Ansprechpartner wird empfohlen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für welche Unternehmen gilt die CSRD?
Die CSRD gilt zunächst für große kapitalmarktorientierte Unternehmen und wird schrittweise auf weitere große Unternehmen sowie ab 2026 auf börsennotierte kleine und mittelständische Unternehmen ausgeweitet. Der Kurs vermittelt den aktuellen Stand der Berichtspflichten und erklärt die Zeitpläne im europäischen Rechtsrahmen.
Was ist der Unterschied zwischen Materialität und Doppelmaterialität?
Herkömmliche Wesentlichkeitsanalysen fragen, welche Nachhaltigkeitsrisiken das Unternehmen finanziell betreffen. Die CSRD verlangt zusätzlich die Impact-Perspektive: Welche Auswirkungen hat das Unternehmen auf Mensch und Umwelt? Diese Kombination aus finanzieller und Impact-Materialität wird als Doppelmaterialität bezeichnet und ist das Herzstück der ESRS-Berichterstattung.
Brauche ich Vorkenntnisse in Rechnungswesen oder Buchhaltung?
Kenntnisse im Rechnungswesen sind von Vorteil, aber keine formale Zulassungsvoraussetzung. Der Kurs setzt Grundkenntnisse im Nachhaltigkeitsmanagement voraus. Finanz- und Governance-Aspekte der ESRS werden im Kurs erläutert, sodass auch Fachleute ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund die Inhalte erschließen können.
Ist die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein finanzierbar?
Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist eine Förderung über den Bildungsgutschein in der Regel möglich. Das Qualifizierungschancengesetz und weitere individuelle Förderungen können ebenfalls in Betracht kommen. Eine Beratung bei der Bundesagentur für Arbeit oder dem Jobcenter klärt die jeweilige Situation.
Welche Berufsfelder profitieren besonders von diesem Kurs?
Besonders profitieren CSR-Manager, Nachhaltigkeitsbeauftragte, Compliance-Fachleute und Wirtschaftsprüfer. Auch Unternehmensberater und interne Revisoren, die Unternehmen bei der CSRD-Einführung begleiten, sowie Quereinsteiger aus Umwelt- und Sozialwissenschaften, die in die Unternehmensberichterstattung wechseln möchten, sind gut für diesen Kurs geeignet.
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