Überblick
Die Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation (ReZa) ist eine anerkannte Aufbauqualifikation für Ausbilder und sozialpädagogische Fachkräfte, die in Betrieben, Berufsbildungswerken, Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) oder anderen Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation tätig sind. Der Kurs vermittelt umfassendes Fachwissen in Pädagogik, Psychologie, Medizin und Recht, um junge Menschen mit Behinderung und besonderem Förderbedarf wirksam in ihrer Ausbildung und beim Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu begleiten. Zehn Anbieter bundesweit bieten die ReZa mit insgesamt über 200 Terminen an. Die Weiterbildung ist als AEVO-Aufbaukurs konzipiert und setzt eine vorhandene Ausbildereignung voraus.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul startet mit der Reflexion der eigenen Ausbildungspraxis. Die Teilnehmenden analysieren ihre bisherige Arbeit als Ausbilder unter dem Blickwinkel der Rehabilitationspädagogik und entwickeln ein vertieftes Verständnis dafür, welche Anpassungen notwendig sind, um Auszubildende mit besonderem Förderbedarf wirksam zu unterstützen.
- Eigene Ausbildungserfahrungen systematisch reflektieren
- Unterschiede zwischen regulärer Ausbildung und Rehabilitation herausarbeiten
- Bedarfsgerechte Anpassung von Lernzielen und Lernsituationen planen
- Ausbildungsplanung für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungsarten
- Dokumentations- und Berichtspflichten im Rehabilitationskontext kennenlernen
- Kollegiale Fallberatung als Instrument der Qualitätssicherung einsetzen
Das zweite Modul vermittelt pädagogische und didaktische Grundlagen für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Verschiedene Lerntheorien, Fördermethoden und Differenzierungsstrategien werden erarbeitet und auf konkrete Ausbildungssituationen angewendet.
- Lerntheorien und ihre Anwendung in der beruflichen Rehabilitation
- Differenzierung und Individualisierung im Ausbildungsunterricht
- Einsatz von Hilfsmitteln und technischen Unterstützungssystemen
- Motivation und Selbstwirksamkeit stärken
- Kooperative Lernformen und Peer-Learning im Rehabilitationskontext
- Didaktische Reduktion und barrierefreie Lernmaterialien gestalten
Das dritte Modul behandelt medizinische, diagnostische und psychologische Grundlagen. Ausbilder in der Rehabilitation müssen verstehen, welche körperlichen, kognitiven oder psychischen Einschränkungen Auszubildende mitbringen, um ihre Unterstützung bedarfsgerecht gestalten zu können.
- Überblick über Behinderungsarten: körperlich, geistig, seelisch, Lernbehinderung
- Medizinische Grundlagen zu häufigen Erkrankungen und Funktionseinschränkungen
- Diagnostische Verfahren: standardisierte Tests und informelle Beobachtungsverfahren
- Psychologische Aspekte von Lernbehinderung und Verhaltensauffälligkeiten
- Umgang mit psychischen Erkrankungen im Ausbildungsalltag
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit medizinischen und therapeutischen Fachkräften
Praxisblock — Systemwissen, Recht und interdisziplinäres Projektwork
- Das System der beruflichen Rehabilitation in Deutschland verstehen: Akteure und Strukturen
- Leistungsträger kennenlernen: Bundesagentur für Arbeit, Rentenversicherung, Unfallversicherung, Sozialhilfe
- Rechtliche Grundlagen: SGB II, III, IX und XII sowie das Berufsbildungsgesetz
- Gleichstellungsgesetze und UN-Behindertenrechtskonvention im Ausbildungsalltag anwenden
- Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für barrierefreie Ausbildungsplatzgestaltung nutzen
- Ergonomie und technische Hilfsmittel am Ausbildungsarbeitsplatz
- Übergänge planen: von der Reha-Maßnahme in die betriebliche Ausbildung
- Netzwerke mit Betrieben, Arbeitgebern und Integrationsfachdiensten aufbauen
- Individuelle Hilfepläne und Förderpläne gemeinsam mit dem Ausbildungsteam erstellen
- Interdisziplinäre Projektarbeit in heterogenen Fachteams
- Praxistransferprojekt in der eigenen Einrichtung entwickeln und präsentieren
- Abschlusspräsentation der Projektergebnisse vor der Kursgruppe
Die Verbindung theoretischer Grundlagen mit der konkreten Berufspraxis ist ein Kernmerkmal der ReZa. Alle Lernmodule sind darauf ausgerichtet, das Gelernte unmittelbar in den Alltag der Teilnehmenden zu übertragen. Das interdisziplinäre Projektwerk am Ende der Qualifizierung ist ein Nachweis dieser Transferkompetenz. Das Combined-Learning-Format erlaubt eine berufsbegleitende oder vollzeitliche Teilnahme, je nach Anbieter und persönlicher Situation. Präsenzphasen, Gruppenarbeiten und kollegiale Beratungsformate wechseln sich mit selbstgesteuerten Lernphasen ab und sichern eine hohe Qualität der beruflichen Reflexion.
Lernziele:
Nach Abschluss der ReZa verfügen die Teilnehmenden über ein interdisziplinäres Handlungsrepertoire, das sie befähigt, Rehabilitationsmaßnahmen fachgerecht zu planen, durchzuführen und zu evaluieren.
- Betriebliche Ausbildungspraxis kritisch reflektieren und an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung anpassen
- Pädagogische und didaktische Methoden für den Förderbedarf von Rehabilitanden einsetzen
- Medizinische Grundlagen zu Behinderungsarten und Funktionseinschränkungen verstehen und anwenden
- Diagnostische Verfahren zur Einschätzung von Lernvoraussetzungen und Förderbedarf kennen
- Psychologische Konzepte zu Lernbehinderung, Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Erkrankungen im Ausbildungskontext einordnen
- Das System der beruflichen Rehabilitation in Deutschland, seine Akteure und Rechtsgrundlagen überblicken
- Rechtliche Grundlagen des Behindertenrechts, des Sozialgesetzbuchs und der Ausbildungsgesetzgebung anwenden
- Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für die behinderungsgerechte Gestaltung von Ausbildungsplätzen nutzen
- Individuelle Förder- und Hilfepläne erstellen und evaluieren
- Interdisziplinär mit Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen und Arbeitgebern zusammenarbeiten
- Übergänge von der Rehabilitation in eine betriebliche Ausbildung aktiv begleiten
- Praxistransferprojekte konzipieren und in der eigenen Einrichtung umsetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die ReZa richtet sich an Ausbilder und (sozial)pädagogische Fachkräfte, die bereits in der beruflichen Rehabilitation tätig sind oder eine solche Tätigkeit anstreben und dabei ihre Kompetenzen im Umgang mit Menschen mit Behinderung systematisch ausbauen möchten.
- Ausbilder in Berufsbildungswerken und Rehabilitationseinrichtungen
- Fachkräfte in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)
- Betriebliche Ausbilder, die Auszubildende mit besonderem Förderbedarf begleiten
- Sozialpädagogische Fachkräfte in der beruflichen Eingliederungshilfe
- Personen, die eine AEVO-Qualifikation haben und diese gezielt in Richtung Reha-Ausbildung erweitern wollen
Die Weiterbildung setzt eine vorhandene Qualifikation als Ausbilder voraus, in der Regel durch den Abschluss des Ausbildereignungsscheins (AEVO). Zusätzlich wird Interesse am Umgang mit Menschen mit Behinderung erwartet, idealerweise verbunden mit erster praktischer Erfahrung in einem Reha-Kontext. Ein Beratungsgespräch vor Kursbeginn hilft dabei zu klären, ob die individuellen Voraussetzungen erfüllt sind und welche Schwerpunkte für die Teilnehmenden besonders relevant sind. Grundlegende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind selbstverständliche Voraussetzung, um den Kursinhalten folgen und Projektarbeiten verfassen zu können.
Ablauf & Abschluss
Die ReZa wird im Combined-Learning-Format durchgeführt, das Präsenzphasen mit selbstgesteuerten Lernphasen kombiniert. Gruppenarbeiten, Fallstudien, kollegiale Beratungsrunden und interdisziplinäre Projektarbeit prägen den Kurs. Die Unterrichtsgestaltung legt besonderen Wert auf Praxistransfer: Lerninhalte werden unmittelbar an eigenen Berufserfahrungen gespiegelt und in Form von Praxisprojekten erprobt. Dozenten aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Medizin und Sozialrecht begleiten die einzelnen Module.
Die genaue Dauer der ReZa variiert je nach Anbieter. Der Kurs wird als Vollzeitmaßnahme durchgeführt. Inhaltlich ist die ReZa als umfassende Zusatzqualifikation angelegt, die alle relevanten Wissensbereiche der Rehabilitationspädagogik abdeckt. Die Kursdauer richtet sich nach den Anforderungen der zuständigen Kammerorganisationen und Bildungsträger.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsanbieters. Es handelt sich um eine anerkannte Zusatzqualifikation im Bereich der beruflichen Rehabilitation, die in Verbindung mit der AEVO-Qualifikation die Voraussetzungen für spezialisierte Ausbildertätigkeiten in Reha-Einrichtungen erfüllt. Die ReZa ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsabschluss, genießt aber in Fachkreisen und bei Arbeitgebern in der Rehabilitationsbranche hohe Anerkennung.
Nutzen & Perspektiven
Die Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation eröffnet Ausbildern und sozialpädagogischen Fachkräften neue berufliche Perspektiven in einem Bereich, der gesellschaftlich und arbeitsmarktpolitisch große Bedeutung hat. Wer Menschen mit Behinderung in der Ausbildung begleitet und dabei auf ein fundiertes interdisziplinäres Fachwissen zurückgreifen kann, leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Inklusion, sondern entwickelt auch das eigene berufliche Profil in eine spezialisierte und gefragte Richtung. Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation suchen gezielt nach Fachkräften mit ReZa-Qualifikation, da diese Qualifizierung nachweist, dass die Person sowohl die pädagogischen als auch die systemischen und rechtlichen Grundlagen der Rehabilitationsarbeit versteht. Das interdisziplinäre Wissen ermöglicht eine bessere Zusammenarbeit mit Therapeuten, Ärzten, Fallmanagern und Arbeitgebern und macht die Fachkraft zu einem wertvollen Mitglied des Reha-Teams. Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist die ReZa in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen je nach persönlicher Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation oder Förderprogramme der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Die Beratung durch den Bildungsträger oder die zuständige Reha-Fachstelle klärt, welcher Förderweg individuell am besten geeignet ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die ReZa und für wen ist sie gedacht?
Die Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation (ReZa) ist ein Aufbaukurs für Ausbilder und sozialpädagogische Fachkräfte, die in der beruflichen Rehabilitation tätig sind. Sie vermittelt interdisziplinäres Wissen aus Pädagogik, Psychologie, Medizin und Recht für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung.
Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?
Für die Teilnahme an der ReZa ist eine abgeschlossene Ausbildereignungsprüfung (AEVO) erforderlich. Zudem wird Interesse am Umgang mit Menschen mit Behinderung erwartet; erste praktische Erfahrungen in einem Rehabilitationskontext sind hilfreich.
Welcher Abschluss wird erworben?
Nach erfolgreicher Teilnahme wird eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Die ReZa ist eine anerkannte Zusatzqualifikation in der Rehabilitationsbranche und gilt in Kombination mit der AEVO als wichtige Qualifikationsvoraussetzung für spezialisierte Ausbildertätigkeiten in Reha-Einrichtungen.
Kann die ReZa über einen Bildungsgutschein gefördert werden?
Bei AZAV-akkreditierten Anbietern ist die ReZa in der Regel über Bildungsgutschein förderbar. Auch Qualifizierungschancengesetz, Berufsförderung der Bundeswehr und Leistungen der Deutschen Rentenversicherung kommen je nach Situation in Betracht.
Wie ist der Kurs aufgebaut und wie lange dauert er?
Die ReZa wird im Combined-Learning-Format durchgeführt und deckt Pädagogik, Medizin, Psychologie, Recht und Praxistransfer ab. Die genaue Kursdauer variiert je nach Anbieter. Abgeschlossen wird die Qualifizierung mit einem interdisziplinären Praxisprojekt.
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