Überblick
Sicherheitsfachkräfte stehen heute vor einer doppelten Anforderung: Sie müssen das klassische rechtliche und kommunikative Fundament des Sicherheitsgewerbes beherrschen und gleichzeitig mit modernen Technologien wie Drohnen und vernetzten Überwachungssystemen umgehen können. Diese Weiterbildung verbindet drei Qualifikationsstränge in einem strukturierten Lehrgang: die Vorbereitung auf die IHK-Sachkundeprüfung nach §34a GewO, den EU-Kompetenznachweis für Drohnenpiloten (A1/A3 nach EU-Drohnenverordnung) und die fachkundige Bedienung und Auswertung von Videoüberwachungsanlagen. Wer alle drei Bausteine abschließt, verfügt über ein Profil, das für Bewachungsunternehmen, Objektschutz und Sicherheitsdienstleister zunehmend relevant wird.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Einsatzkommunikation und professionelles Auftreten (ca. 4 Wochen) Sicherheitspersonal ist täglich in Situationen gefordert, die klare Kommunikation und situationsgerechtes Auftreten verlangen. Dieser Baustein legt die kommunikative und psychologische Grundlage für alle weiteren Qualifikationsstufen.
- Rollenverständnis im Sicherheitsdienst: Aufgaben, Befugnisse, Grenzen
- Gesprächsführung unter Einsatzbedingungen: Struktur, Ton, Zielsetzung
- Deeskalation und Interaktionssteuerung: Techniken für konflikthafte Situationen
- Wahrnehmungspsychologie: wie Körpersprache und Sprechweise wirken
- Fallanalyse: Einsatzsituationen systematisch dokumentieren und auswerten
- Datenschutzkonforme Dokumentation von Vorfällen
Modul 2: Drohnenabwehr und EU-Kompetenznachweis A1/A3 (ca. 4 Wochen) Unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) sind im Sicherheitsgewerbe doppelt relevant: als Einsatzmittel und als Bedrohungsobjekt. Dieser Block vermittelt sowohl die Abwehr unerwünschter Drohnenaktivitäten als auch die Grundlagen für den eigenen rechtskonformen Drohnenbetrieb.
- Grundlagen der Drohnentechnik: Flugprinzipien, Sensorik, Kommunikationssysteme
- EU-Drohnenverordnung (EU 2019/947): Kategorien Open/Specific/Certified, UAS-Klassen
- Unterkategorien A1 und A3: Betriebsanforderungen, Mindestabstände, Einschränkungen
- Luftraumstruktur und No-Fly-Zones: UTM-Systeme und Anmeldepflichten
- Drohnen als Bedrohung: Angriffsmuster, Detektionstechnologien, Abwehrkonzepte
- Schutzkonzepte für Veranstaltungen, Objekte und kritische Infrastrukturen
- Best Practices und Zukunftsentwicklungen im UAS-Sicherheitsmanagement
Modul 3: Videoüberwachung und Leitstellenarbeit (ca. 4 Wochen) Moderne Videoüberwachungsanlagen sind vernetzte Systeme, deren Wirksamkeit von der fachkundigen Bedienung und rechtssicheren Handhabung abhängt. Dieser Block vermittelt das notwendige Wissen für Leitstellen- und Überwachungstätigkeiten.
- Kameratechnologien: IP-Kameras, PTZ-Systeme, Wärmebildtechnik, Videoanalytik
- Systemarchitektur: NVR/DVR, Netzwerkinfrastruktur, Redundanz und Ausfallsicherheit
- Beobachtungspsychologie: Wahrnehmungsverzerrungen, Aufmerksamkeitssteuerung
- Lageorientierte Einschätzung: verdächtiges Verhalten erkennen und bewerten
- Leitstellenprozesse: Alarmierungsketten, Einsatzkoordination, Kommunikationsstrukturen
- DSGVO und Videoüberwachung: Zweckbindung, Speicherfristen, Kennzeichnungspflicht
- Dokumentation und Qualitätssicherung: Protokollierung, Fehleranalyse, Übergabe
Modul 4: Sachkundeprüfung nach §34a GewO (ca. 8 Wochen) Die Sachkundeprüfung nach §34a Gewerbeordnung ist die formale Eingangshürde für bestimmte Tätigkeiten im Bewachungsgewerbe — unter anderem für Türsteher und Kontrollpersonal im öffentlichen Raum. Dieser Hauptblock bereitet systematisch auf die IHK-Prüfung vor.
- Recht des Bewachungsgewerbes: §34a GewO, Bewachungsverordnung, BewachV
- Strafrecht (StGB): Notwehr, Nothilfe, Hausrecht, Jedermannsrechte
- Bürgerliches Recht (BGB): Vertragsrecht, Haftung, Schadenersatz
- Datenschutz: DSGVO im Sicherheitskontext, Videoüberwachung, Auskunftspflichten
- Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaft (DGUV)
- Umgang mit Hilfsmitteln und Waffen: rechtliche Grundlagen
- Kundenorientierung und professionelle Kommunikation im Sicherheitsdienst
- Deeskalation und Konfliktbewältigung aus rechtlicher und praktischer Perspektive
- Interkulturelle Kompetenz und Antidiskriminierung im Sicherheitseinsatz
Praxisübungen Alle vier Module sind praxisorientiert aufgebaut. Fallstudien, Rollenspiele und Übungsszenarien begleiten den gesamten Lehrgang.
- Einsatzkommunikation in simulierten Konfliktsituationen trainieren
- Deeskalationsgespräche nach dem Harvard-Konzept strukturieren
- Drohnen-Bedrohungslage auf einer simulierten Veranstaltungsfläche analysieren
- Schutzkonzept für ein Objekt mit UAS-Bedrohungspotenzial erstellen
- Drohnenklassen und Betriebsszenarien nach EU-Verordnung kategorisieren
- Kamerastandorte für ein Objekt unter DSGVO-Gesichtspunkten planen
- Überwachungsprotokoll für eine Nachtschicht führen und auswerten
- Alarmierungsablauf von der Ersterkennung bis zur Polizeiübergabe simulieren
- §34a-Prüfungsaufgaben im Bereich Strafrecht lösen und begründen
- Fallszenarien aus dem Bewachungsrecht auf Notwehr- und Haftungsfragen prüfen
- Datenschutzkonforme Vorfallsdokumentation erstellen
- Abschlusskolloquium zur Sachkundeprüfungsvorbereitung
Lernziele:
- Rechtliche Grundlagen des Sicherheitsgewerbes (StGB, BGB, GewO, Datenschutz) sicher anwenden
- Kommunikationstechniken und Deeskalationsstrategien im Sicherheitseinsatz beherrschen
- Grundprinzipien der Drohnentechnik und -navigation verstehen
- Rechtliche Rahmenbedingungen des Drohnenbetriebs nach EU-Drohnenverordnung kennen
- Drohnenspezifische Bedrohungslagen erkennen, analysieren und Schutzkonzepte entwickeln
- Den EU-Kompetenznachweis A1/A3 beim Luftfahrt-Bundesamt fachlich vorbereiten
- Technische Systeme der Videoüberwachung verstehen und bedienen
- Leitstellenprozesse und Einsatzkoordination strukturieren
- DSGVO-konforme Videoüberwachung planen und dokumentieren
- Datenschutzanforderungen im gesamten Sicherheitseinsatz einhalten
- Sachkundeprüfungsstoff nach §34a GewO vollständig aufbereiten und anwenden
- Fallanalysen aus Sicherheitssituationen dokumentieren und kommunizieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die eine fundierte berufliche Basis im Sicherheitsgewerbe aufbauen oder ihren Quereinstieg strukturiert vollziehen wollen.
- Berufseinsteiger mit Interesse am Sicherheitsgewerbe ohne Vorkenntnisse in der Branche
- Quereinsteiger aus verwandten Berufsfeldern (Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr, soziale Arbeit)
- Beschäftigte im Sicherheitsdienst ohne formalen Sachkundenachweis
- Personen, die in Leitstellentätigkeiten oder den Objektschutz einsteigen möchten
- Fachkräfte, die zusätzlich den EU-Drohnenführerschein für erweiterte Einsatzfelder anstreben
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung, ein abgeschlossenes Studium, ein abgebrochenes Hochschulstudium oder ausreichend einschlägige Berufserfahrung. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind erforderlich, da die IHK-Sachkundeprüfung auf Deutsch abgelegt wird. Grundlegende EDV-Kenntnisse werden erwartet. Im Sicherheitsgewerbe verlangen viele Arbeitgeber ein eintragungsfreies polizeiliches Führungszeugnis sowie je nach Einsatzbereich körperliche und geistige Eignung, Führerschein Klasse B und Bereitschaft zu Schicht- und Wochenenddienst.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang läuft im Combined-Learning-Format in Vollzeit über mehrere Monate. Theoretische Inhalte werden in strukturierten Unterrichtseinheiten erarbeitet, praktische Kompetenzen in Rollenspielen, Fallstudien und Gruppenübungen trainiert. Videoüberwachungs- und Drohnenszenarien werden mit praxisnahem Material anschaulich gemacht. Die Sachkundeprüfungsvorbereitung schließt schriftliche Übungsaufgaben nach IHK-Muster ein.
Die Gesamtdauer beträgt zwischen mehr als drei und sechs Monaten in Vollzeit. Die einzelnen Module haben folgende Orientierungsdauern: Einsatzkommunikation ca. 4 Wochen, Drohnenabwehr und EU-Kompetenznachweis ca. 4 Wochen, Videoüberwachung ca. 4 Wochen, §34a-Sachkundeprüfungsvorbereitung ca. 8 Wochen.
Absolventen streben drei Abschlüsse an: die IHK-Sachkundeprüfung nach §34a GewO (abgelegt bei der zuständigen IHK), den EU-Kompetenznachweis A1/A3 für Drohnenpiloten (ausgestellt durch das Luftfahrt-Bundesamt nach der EU-Drohnenverordnung) sowie ein Trägerzertifikat über die gesamte Weiterbildungsmaßnahme. Die IHK-Prüfung und der EU-Kompetenznachweis werden extern abgelegt und sind keine trägerinternen Dokumente.
Nutzen & Perspektiven
Das Sicherheitsgewerbe in Deutschland wächst — getrieben durch steigende Anforderungen an Objektschutz, Veranstaltungssicherheit und kritische Infrastrukturen. Die §34a-Sachkundeprüfung ist gesetzliche Voraussetzung für zahlreiche Tätigkeiten im Bewachungsgewerbe und öffnet Türen zu attraktiveren Positionen und höheren Einstiegsgehältern als ohne Sachkundenachweis. Der EU-Drohnenführerschein (A1/A3) ist seit der EU-Drohnenverordnung (EU 2019/947) Pflicht für den Betrieb bestimmter Drohnenkategorien im gewerblichen Bereich. Wer diesen Nachweis mitbringt, kann Drohnentechnologie als Einsatzmittel nutzen — für Geländeüberwachung, Perimeterschutz und Lageaufklärung. Diese Fähigkeit ist im Markt noch nicht weit verbreitet und verschafft Fachkräften einen messbaren Vorteil. Die Kombination aus Sachkundenachweis, Drohnenkompetenz und Videoüberwachungsfachwissen ergibt ein Qualifikationsprofil, das auf die nächste Generation des Sicherheitsgewerbes ausgerichtet ist: technologieaffin, rechtssicher und kommunikativ stark. Unternehmen, die in moderne Sicherheitstechnik investieren, suchen genau diese Profile.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die IHK-Sachkundeprüfung nach §34a GewO Pflicht für alle Tätigkeiten im Sicherheitsgewerbe?
Nein, nicht für alle. Die Sachkundeprüfung ist nach §34a GewO für bestimmte Tätigkeiten vorgeschrieben — insbesondere für Kontrollkräfte im öffentlichen Raum, in Diskotheken und ähnlichen Einrichtungen sowie für Bewachung mit erhöhten Sicherheitsanforderungen. Für einfache Tätigkeiten wie Werkschutz genügt oft eine Unterrichtung. Der Kurs bereitet auf die vollständige Sachkundeprüfung vor.
Was ist der EU-Kompetenznachweis A1/A3 und wer stellt ihn aus?
Der EU-Kompetenznachweis A1/A3 ist ein Pflichtnachweis für den gewerblichen Betrieb von Drohnen in den Unterkategorien A1 und A3 der EU-Drohnenverordnung (EU 2019/947). Er wird nach einer Online-Prüfung und praktischen Übungen beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA) erlangt. Der Kurs bereitet systematisch auf diese externe Prüfung vor.
Brauche ich Vorkenntnisse im Sicherheitsgewerbe?
Nein, Vorkenntnisse sind keine formale Voraussetzung. Der Kurs setzt eine abgeschlossene Ausbildung, ein Studium oder einschlägige Berufserfahrung voraus, aber keine spezifischen Sicherheitskenntnisse. Der Einstieg ist auch für Quereinsteiger aus anderen Berufsfeldern möglich.
Welche drei Abschlüsse werden in dieser Weiterbildung angestrebt?
Der Kurs bereitet auf drei getrennte Abschlüsse vor: die IHK-Sachkundeprüfung nach §34a GewO (extern bei der IHK), den EU-Kompetenznachweis A1/A3 (extern beim Luftfahrt-Bundesamt) und ein Trägerzertifikat über die gesamte Weiterbildung. IHK-Prüfung und EU-Kompetenznachweis sind unabhängige, extern validierte Abschlüsse.
Welche praktischen Voraussetzungen verlangt das Sicherheitsgewerbe von Arbeitgebern?
Viele Arbeitgeber im Sicherheitsgewerbe verlangen zusätzlich ein eintragungsfreies polizeiliches Führungszeugnis. Je nach Einsatzbereich können Führerschein Klasse B, körperliche Eignung und die Bereitschaft zu Schicht- und Wochenenddienst erwartet werden. Diese Anforderungen sind arbeitgeberseitig und nicht Teil des Kursinhalts.
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