Überblick
Wer in Hochregallagern und auf engen Verkehrswegen mit einem Schubmaststapler unterwegs ist, braucht mehr als die allgemeine Staplerfahrberechtigung. Diese Qualifizierung baut auf der Grundausbildung nach Stufe 1 des DGUV-Grundsatzes 308-001 auf und vermittelt speziell die Besonderheiten des Schubmaststaplers: sein Aufbau, sein Fahrverhalten bei ausgeschobenem Mast und die Standsicherheitsgrenzen, die dieses Flurförderzeug von einem klassischen Gabelstapler unterscheiden. Am Ende steht eine theoretische und praktische Prüfung, die zum personenbezogenen Fahrausweis führt.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Rechtliche Grundlagen und Verantwortung Bevor es an das Fahrzeug geht, klärt dieses Modul den rechtlichen Rahmen: Wer darf einen Schubmaststapler führen, welche Nachweise sind erforderlich und welche Pflichten treffen Fahrpersonal und Unternehmen gleichermaßen. Der DGUV-Grundsatz 308-001 bildet dabei die verbindliche Referenz für Ausbildung, Beauftragung und Fahrausweis.
- Rechtsgrundlagen für den Betrieb von Flurförderzeugen im Betrieb
- Voraussetzungen für die Beauftragung als Staplerfahrer/in
- Aufgaben und Pflichten von Fahrpersonal und Vorgesetzten
- Bedeutung und Geltungsbereich des personenbezogenen Fahrausweises
- Dokumentationspflichten bei Einweisung und Beauftragung
- Zusammenhang zwischen Stufe 1 (Grundqualifizierung) und Stufe 2 (Zusatzqualifizierung)
Modul 2 — Aufbau, Funktion und Betrieb von Schubmaststaplern Der Schubmaststapler unterscheidet sich konstruktiv deutlich vom klassischen Gegengewichtsstapler: Der gesamte Hubmast lässt sich nach vorn schieben, wodurch sich der Lastschwerpunkt während der Fahrt verändert. Dieses Modul erklärt die technischen Baugruppen und wie sich diese Besonderheit auf das Fahrverhalten auswirkt.
- Konstruktionsprinzip und Baugruppen des Schubmaststaplers
- Funktionsweise des Schubmastes und der Hubvorrichtung
- Unterschiede zu Gegengewichtsstaplern in Aufbau und Einsatzbereich
- Bedienelemente und Anzeigen im Fahrerstand
- Lastaufnahmemittel und deren bestimmungsgemäßer Einsatz
- Typische Einsatzszenarien in Hochregal- und Schmalganglagern
Modul 3 — Standsicherheit und Gefahrenlehre Standsicherheit ist beim Schubmaststapler kein statischer Wert, sondern verändert sich mit Hubhöhe, Mastposition und Lastgewicht. Wer diesen Zusammenhang nicht verinnerlicht, riskiert Kippunfälle. Das Modul vermittelt die physikalischen Grundlagen und macht sie an praktischen Beispielen greifbar.
- Physikalische Grundlagen der Standsicherheit bei Flurförderzeugen
- Einfluss von Hubhöhe, Mastausschub und Lastschwerpunkt
- Kippgefahren erkennen und durch angepasste Fahrweise vermeiden
- Verhalten bei ungünstigen Bodenverhältnissen und Gefällestrecken
- Lastdiagrammlesung und zulässige Traglasten
- Regelmäßige Prüfungen nach Vorgaben der Berufsgenossenschaft
Modul 4 — Praxis: Fahrübungen und Prüfung Im praktischen Teil wird das theoretische Wissen unmittelbar am Fahrzeug umgesetzt. Die Fahrübungen orientieren sich strikt an den Vorgaben des DGUV Grundsatzes 308-001 und simulieren reale Lagersituationen, bevor die Ausbildung mit einer kombinierten theoretischen und praktischen Prüfung abschließt.
- Grundfahrübungen mit dem Schubmaststapler unter Aufsicht
- Ein- und Auslagern in Hochregalen mit engen Gassenbreiten
- Rangieren und Wenden auf begrenztem Raum
- Lastaufnahme und -abgabe in unterschiedlichen Regalhöhen
- Verhalten in Mischverkehr mit Fußgängern und anderen Fahrzeugen
- Umgang mit eingeschränkter Sicht bei hoch gehobener Last
- Sichtprüfung und Funktionskontrolle vor Schichtbeginn
- Reaktion auf simulierte Störfälle während der Fahrt
- Kommunikation mit Einweisern in unübersichtlichen Lagerbereichen
- Fahrverhalten bei beladenem und unbeladenem Fahrzeug im Vergleich
- Abschließende theoretische Prüfung zu Rechtsgrundlagen und Technik
- Abschließende praktische Prüfung am Schubmaststapler
Die Kombination aus rechtlichem Grundlagenwissen, technischem Verständnis und intensiver Fahrpraxis macht diese Stufe-2-Qualifizierung zu einer gezielten Ergänzung für alle, die im betrieblichen Alltag regelmäßig mit Schubmaststaplern arbeiten. Wer die Prüfung besteht, erhält einen personenbezogenen Nachweis, der die Berechtigung für dieses spezielle Flurförderzeug dokumentiert.
Lernziele:
- Aufbau, Funktion und technische Besonderheiten von Schubmaststaplern erklären
- Unterschiede zum konventionellen Gabelstapler in Fahrverhalten und Lastaufnahme benennen
- Standsicherheitsgrenzen bei ausgeschobenem Hubmast einschätzen und einhalten
- Rechtliche Grundlagen für den Betrieb von Flurförderzeugen im Unternehmen anwenden
- Prüfungspflichten und Prüfintervalle für Schubmaststapler kennen und einordnen
- Fahrübungen nach DGUV Grundsatz 308-001 sicher und regelkonform durchführen
- Lasten in Hochregallagern unter beengten Platzverhältnissen sicher ein- und auslagern
- Gefahrenstellen im Lager- und Rangierbetrieb frühzeitig erkennen und vermeiden
- Verantwortung als Fahrer/in im Rahmen der betrieblichen Beauftragung wahrnehmen
- Sichtprüfungen und tägliche Funktionskontrollen am Schubmaststapler durchführen
- Verhalten bei Störungen und Notsituationen im Fahrbetrieb anwenden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Qualifizierung richtet sich an alle Mitarbeitenden, die innerhalb der betrieblichen Transportkette mit einem Schubmaststapler arbeiten oder dies zukünftig tun sollen. Das schließt sowohl Berufseinsteiger/innen mit bereits abgeschlossener Grundqualifizierung als auch erfahrene Lagerkräfte ein, die ihr Einsatzspektrum um dieses spezielle Fahrzeug erweitern möchten.
- Fachkräfte für Lagerlogistik mit Bedarf an Schubmaststapler-Berechtigung
- Staplerfahrer/innen, die von Gegengewichts- auf Schubmaststapler wechseln
- Mitarbeitende in Hochregal- und Schmalganglagern
- Betriebliches Personal, das für den innerbetrieblichen Transport eingeteilt wird
- Unternehmen, die Fahrpersonal für neue Lagertechnik qualifizieren möchten
Teilnehmende müssen mindestens 18 Jahre alt sein und die allgemeine Qualifizierung gemäß Stufe 1 des DGUV-Grundsatzes 308-001 erfolgreich abgeschlossen haben. Erforderlich sind zudem körperliche und geistige Eignung zum Führen von Flurförderzeugen; in Einzelfällen kann eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 25 notwendig werden. Für die erfolgreiche Teilnahme wird ein Sprachniveau von mindestens B1 empfohlen, da theoretische Inhalte und Prüfungsfragen ein sicheres Verständnis der deutschen Fachsprache voraussetzen.
Ablauf & Abschluss
Die Ausbildung kombiniert einen theoretischen Unterrichtsblock mit intensiven praktischen Fahrübungen direkt am Schubmaststapler. Fachliche Inhalte zu Recht, Technik und Standsicherheit werden im Seminar vermittelt, bevor das Gelernte unter Anleitung in realitätsnahen Lagerszenarien trainiert wird. Die Vollzeit-Durchführung ermöglicht einen kompakten, zusammenhängenden Ausbildungsverlauf ohne lange Unterbrechungen zwischen Theorie und Praxis.
Die Qualifizierung wird als Vollzeitseminar durchgeführt und schließt mit einer kombinierten theoretischen und praktischen Prüfung ab. Der kompakte Zeitrahmen ist bewusst so gestaltet, dass Theorie und Fahrpraxis eng miteinander verzahnt bleiben.
Nach bestandener Prüfung erhalten Teilnehmende ein Zertifikat der zuständige Prüforganisation sowie einen personenbezogenen Fahrausweis, der die Berechtigung zum Führen von Schubmaststaplern dokumentiert. Dieser Nachweis ist an die Person gebunden und muss dem Arbeitgeber vor der betrieblichen Beauftragung vorgelegt werden.
Nutzen & Perspektiven
Für Unternehmen mit Hochregallagern ist qualifiziertes Fahrpersonal keine Formsache, sondern eine Frage der Betriebssicherheit. Ein Schubmaststapler verhält sich bei ausgeschobenem Mast anders als jedes andere Flurförderzeug, und wer diese Besonderheiten nicht kennt, gefährdet sich und andere. Diese Stufe-2-Qualifizierung schließt genau diese Wissenslücke und macht Fahrpersonal fit für den sicheren Einsatz in engen Lagergassen. Für Teilnehmende bedeutet der Abschluss eine unmittelbar einsetzbare Zusatzqualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt für Lagerlogistik und innerbetrieblichen Transport gefragt ist. Der personenbezogene Fahrausweis lässt sich bei Arbeitgeberwechseln mitnehmen und dokumentiert eine spezialisierte Kompetenz, die über die Standard-Staplerberechtigung hinausgeht. Betriebe profitieren zudem davon, dass geschultes Personal Unfallrisiken reduziert und Prüfpflichten sowie rechtliche Vorgaben zuverlässig einhält. Gerade in modernen Hochregallagern mit engen Gassenbreiten ist die Investition in spezialisierte Fahrqualifizierung ein direkter Beitrag zur Betriebssicherheit und Effizienz im Lagerbetrieb.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer darf an der Schubmaststapler-Ausbildung Stufe 2 teilnehmen?
Voraussetzung ist die erfolgreich abgeschlossene Grundqualifizierung nach Stufe 1 des DGUV-Grundsatzes 308-001 sowie ein Mindestalter von 18 Jahren. Zusätzlich müssen Teilnehmende körperlich und geistig zum Führen von Flurförderzeugen geeignet sein.
Was unterscheidet einen Schubmaststapler von einem normalen Gabelstapler?
Beim Schubmaststapler lässt sich der gesamte Hubmast nach vorn schieben, wodurch sich der Lastschwerpunkt während der Fahrt verändert. Das erfordert spezielles Wissen zur Standsicherheit, das im Kurs gezielt vermittelt wird.
Welchen Abschluss erhalte ich nach der Ausbildung?
Nach bestandener theoretischer und praktischer Prüfung erhalten Sie ein Zertifikat der DEKRA Akademie sowie einen personenbezogenen Fahrausweis, der die Berechtigung zum Führen von Schubmaststaplern dokumentiert.
Ist ein bestimmtes Sprachniveau erforderlich?
Empfohlen wird ein Sprachniveau von mindestens B1, da die theoretischen Inhalte und Prüfungsfragen ein sicheres Verständnis der deutschen Fachsprache voraussetzen.
In welcher Form findet die Ausbildung statt?
Die Qualifizierung wird als Vollzeitseminar durchgeführt und kombiniert theoretischen Unterricht mit praktischen Fahrübungen direkt am Schubmaststapler, bevor sie mit einer kombinierten Prüfung endet.
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