Überblick
Schweißen ist eine der grundlegendsten handwerklichen Fertigkeiten in der Metallverarbeitung — und MSG-Schweißverfahren (MIG und MAG) gehören zu den am weitesten verbreiteten Techniken in Industrie und Handwerk. Wer MIG/MAG beherrscht, kann Stahl zuverlässig fügen, reparieren und konstruieren. Dieser Kurs vermittelt Schritt für Schritt den praktischen Einstieg: von der sicheren Handhabung der Schweißanlage über die korrekte Einstellung von Schweißparametern bis zur Ausführung von einlagigen und mehrlagigen Nähten in Stahl. Der Fokus liegt auf echter Werkstattpraxis — möglichst viel Zeit mit Brenner in der Hand.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – Einführung in die praktische Schweißtechnik: Grundlagen und Sicherheit Bevor der erste Schweißbrenner gezündet wird, stehen Theorie und Sicherheit im Vordergrund. Dieses Modul vermittelt das notwendige Basiswissen über das MSG-Verfahren, die eingesetzten Geräte und die unverzichtbaren Sicherheitsregeln im Schweißbereich. Schweißen erzeugt Lichtbögen, Schweißspritzer, Rauch und Hitze — ein sicherer Umgang mit all dem muss sitzen, bevor praktisch gearbeitet wird.
- Funktionsprinzip des MSG-Schweißens (MIG/MAG)
- Aufbau der Schweißanlage: Stromquelle, Drahtvorschubgerät, Brenner, Masseverbindung
- Schutzgase: Unterschied zwischen inert (MIG) und aktiv (MAG)
- Arbeitssicherheitsvorschriften im Schweißbereich (DGUV, BGR 500)
- Persönliche Schutzausrüstung: Schweißschutzschild, Handschuhe, Schutzkleidung
- Lüftung, Brandschutz und Notfallmaßnahmen
Modul 2 – Gerätehandhabung und Parametereinstellung Dieses Modul führt Teilnehmer Schritt für Schritt an die Schweißanlage heran. Wer nicht versteht, welchen Einfluss Stromstärke, Drahtvorschubgeschwindigkeit und Schutzgasdurchfluss auf das Schweißergebnis haben, wird keine reproduzierbar gute Nahtqualität erzeugen können. Hier wird das Zusammenspiel der Parameter systematisch erarbeitet — anhand von Probeschweißungen, die unmittelbar zeigen, was eine falsche Einstellung bewirkt.
- Anlage anschließen, prüfen und einschalten
- Drahtrolle einlegen und Draht einfädeln
- Schutzgasdurchfluss einstellen und prüfen
- Schweißstrom und -spannung grundlegend einstellen
- Drahtvorschubgeschwindigkeit und Lichtbogenlänge abstimmen
- Typische Einstellfehler und ihre Auswirkungen auf die Naht
Modul 3 – Einlagiges Schweißen: Stumpfstoß in Stahl Im ersten praktischen Hauptblock üben Teilnehmer die grundlegende Nahtform — den Stumpfstoß — in einer Lage. Diese Übungsform ist der Einstieg ins praktische Schweißen und schult Grundfertigkeiten wie Brennerführung, Vorschubgeschwindigkeit und Abstand, die für alle weiteren Nahtformen entscheidend sind. Jede Nahtserie wird unmittelbar am Werkstück besprochen und ausgewertet.
- Werkstückvorbereitung: Schleifen, Ausrichten, Heften
- Brennerhaltung, Winkel und Vorschubgeschwindigkeit
- Zündung und Beendigung des Lichtbogens
- Schweißen von Stumpfnähten in PA-Position (waagerecht)
- Nahtbild beurteilen: Gleichmäßigkeit, Einbrand, Überhöhung
- Fehleranalyse: Poren, Spritzer, unregelmäßige Nahtbreite
Modul 4 – Mehrlagiges Schweißen in Stahl Das mehrlagige Schweißen ist anspruchsvoller: Jede Lage beeinflusst die nächste, Wärmeeintrag und Zwischenlagenreinigung sind entscheidend für die Nahtqualität. Dieser Block baut auf den einlagigen Übungen auf und erweitert die handwerklichen Fertigkeiten gezielt. Teilnehmer erarbeiten systematisch, wie Wurzel-, Füll- und Decklagen aufeinander abgestimmt werden.
- Fugengeometrie für mehrlagige Nähte vorbereiten
- Wurzellage, Fülllagen und Decklagen setzen
- Schlacke und Spritzer zwischen den Lagen entfernen
- Wärmekontrolle und Vorwärmtemperaturen
- Lagenwechsel ohne Bindefehler ausführen
- Qualitätsbeurteilung mehrlagiger Nähte anhand von Prüfkriterien
Praxisblock – Freie Schweißübungen und Nahtbeurteilung Im abschließenden Praxisblock arbeiten Teilnehmer selbstständig an verschiedenen Übungsaufgaben. Ziel ist die Festigung aller erlernten Fertigkeiten durch wiederholtes, eigenständiges Schweißen unter realistischen Bedingungen. Die Ausbilder geben am Werkstück gezielte Rückmeldung zu Technik und Parametereinstellungen.
- Stumpfnähte in verschiedenen Blechdicken schweißen
- T-Stöße und Kehlnähte erproben
- Schweißparameter eigenständig optimieren und dokumentieren
- Schweißfehler im eigenen Werkstück identifizieren und korrigieren
- Werkstücke nach dem Schweißen säubern und nachbearbeiten
- Schliffbilder von Nähten betrachten und Nahtfehler zuordnen
- Eigene Nahtqualität nach definierten Kriterien bewerten
- Übungen unter verschiedenen Schweißpositionen
- Wiederholung der Sicherheitsroutinen am Ende jeder Einheit
- Aufbaunaht mit mehreren Lagen in freier Ausführung
- Vergleich verschiedener Parametereinstellungen am gleichen Werkstück
- Gruppenbeurteilung: Nähte gemeinsam analysieren und Korrekturen ableiten
Im Praxisblock erhalten alle Teilnehmer individuelle Rückmeldung zu ihrer Schweißtechnik. Diese direkte handwerkliche Begleitung ist der entscheidende Lernmoment, der theoretisches Wissen mit echtem Können verbindet.
Lernziele:
- Schweißtechnische Grundbegriffe und die Funktionsweise des MSG-Verfahrens erklären
- Arbeitssicherheitsregeln im Schweißbereich kennen und einhalten
- Persönliche Schutzausrüstung korrekt anlegen und auf Vollständigkeit prüfen
- Schweißanlage aufbauen, einrichten und sicher in Betrieb nehmen
- Schweißparameter (Stromstärke, Spannung, Drahtvorschub, Schutzgas) korrekt einstellen
- Einfache einlagige Nähte als Stumpfstoß in Stahl ausführen
- Nahtgeometrie und Nahtaussehen beurteilen und Fehler zuordnen
- Mehrlagige Nähte aufbauen und Zwischenlagen korrekt setzen
- Häufige Schweißfehler (Poren, Einbrandkerben, Bindefehler) erkennen
- Brandschutzmaßnahmen im Schweißbereich umsetzen
- Werkzeuge und Hilfsmittel zur Nahtvor- und Nachbereitung einsetzen
- Eigenständig Übungsnähte im MSG-Verfahren ausführen und bewerten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die einen handwerklich-technischen Hintergrund mitbringen und im MSG-Schweißen praktische Kompetenz aufbauen möchten.
- Metallbauer/innen, Schlosser/innen und Konstruktionsmechaniker/innen, die Schweißen erlernen oder ihre Kenntnisse auffrischen möchten
- Produktionsmitarbeiter/innen aus der Metallindustrie, die für Schweißaufgaben qualifiziert werden sollen
- Technische Fachkräfte aus Bau, Handwerk oder Fertigung mit Interesse an Fügetechnologie
- Personen aus metallverarbeitenden Berufen, die ihre Qualifikation erweitern möchten
- Quereinsteiger mit technischer Ausbildung und Interesse an Schweißtechnik
Eine abgeschlossene technische Berufsausbildung oder nachgewiesene praktische Erfahrung in einem technischen Beruf ist Grundvoraussetzung. Der Kurs ist praktisch ausgerichtet und setzt voraus, dass Teilnehmer körperlich belastbar sind und keine Einschränkungen haben, die das Arbeiten in einer Werkstattumgebung mit starkem Licht, Wärme und Rauch erschweren. Vorherige Schweißkenntnisse sind für diesen Einstiegskurs nicht erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist stark praxisorientiert. Theoretische Unterweisungen zu Sicherheit, Gerätekunde und Verfahrensgrundlagen nehmen den kleineren Anteil ein; der überwiegende Teil findet in der Schweißwerkstatt statt. Alle Teilnehmer erhalten einen eigenen Schweißarbeitsplatz mit vollständiger Ausrüstung. Ausbilder geben direkt am Werkstück Rückmeldung zu Technik, Parametereinstellung und Nahtqualität. Der schrittweise Aufbau vom einlagigen Stumpfstoß bis zur mehrlagigen Naht folgt einem didaktisch strukturierten Curriculum.
Der Kurs findet im Vollzeitformat über mehrere Wochen statt. Die tägliche Kurszeit ist auf produktives Üben in der Werkstatt ausgerichtet. Die Vollzeitstruktur ist im handwerklich-technischen Bereich sinnvoll, da motorische Fertigkeiten nur durch wiederholtes Üben erworben werden — punktuelle Einzelstunden über Monate wären hier deutlich weniger wirksam.
Am Ende des Kurses wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt, die die erworbenen Schweißkenntnisse im MSG-Verfahren dokumentiert. Wer ein offizielles Schweißerprüfzeugnis nach ISO 9606 erwerben möchte, kann auf dieser Grundlage eine separate Prüfung ablegen, für die spezialisierte Zertifizierungskurse angeboten werden.
Nutzen & Perspektiven
MSG-Schweißen — also MIG und MAG — ist das Standardverfahren in der Stahl- und Metallverarbeitung. Wer dieses Verfahren beherrscht, ist in Schlossereien, Metallbaubetrieben, der Automobilzulieferindustrie, im Anlagenbau und in der Landmaschinenindustrie sofort einsetzbar. Die praktische Kompetenz im Umgang mit Schutzgasschweißanlagen ist eine der gefragtesten handwerklichen Qualifikationen im technischen Bereich. Anders als rein theoretische Qualifikationen entsteht Schweißkompetenz nur durch echte Werkstattpraxis. Dieser Kurs liefert genau das: wiederholtes, begleitetes Üben unter realistischen Bedingungen mit direktem Feedback am Werkstück. Teilnehmer verlassen den Kurs nicht mit einem Theorieheft, sondern mit handfester Erfahrung an der Anlage — einem Unterschied, den jeder Arbeitgeber im Metallhandwerk sofort erkennt. Die Kombination aus Sicherheitsunterweisung, Gerätekunde und gestuftem Praxisaufbau stellt sicher, dass Teilnehmer auch ohne Vorerfahrung solide Grundlagen erwerben. Wer auf diesem Kurs aufbaut und gezielt eine Schweißprüfung nach ISO 9606 ablegen möchte, hat mit den hier erworbenen Fertigkeiten eine gute Ausgangslage. Das macht diesen Kurs zum richtigen ersten Schritt für alle, die im Metallbereich mit dem MSG-Schweißen beginnen wollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Vorerfahrung im Schweißen?
Nein — der Kurs ist als Einstiegsformat konzipiert. Notwendig sind eine abgeschlossene technische Ausbildung oder entsprechende Berufserfahrung sowie körperliche Eignung für Werkstattarbeit. Vorherige Schweißkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen MIG- und MAG-Schweißen?
Beide Verfahren gehören zum MSG-Schweißen (Metall-Schutzgas). MIG verwendet ein inertes Schutzgas (z. B. Argon), MAG ein aktives (z. B. CO₂ oder Gemische). Im Kurs werden beide Varianten behandelt, da MAG für das Schweißen von Stahl die häufigere Anwendung ist.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach erfolgreichem Kursabschluss wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung für das MSG-Schweißverfahren ausgestellt. Wer zusätzlich ein offizielles Schweißerprüfzeugnis nach ISO 9606 anstrebt, muss dafür eine separate Prüfung bei einer zugelassenen Prüfstelle ablegen.
Wie viel Zeit verbringe ich tatsächlich in der Werkstatt?
Der überwiegende Teil des Kurses findet am Schweißarbeitsplatz statt. Theoretische Einheiten zu Sicherheit und Gerätekunde sind notwendig, nehmen aber bewusst weniger Zeit ein. Der didaktische Ansatz folgt dem Grundsatz: Schweißen lernt man nur durch Schweißen.
Kann ich nach diesem Kurs direkt als Schweißer arbeiten?
Der Kurs legt eine solide praktische Grundlage im MSG-Verfahren. Für bestimmte Tätigkeiten — etwa im Druckbehälterbau oder bei zertifizierungspflichtigen Schweißnähten — ist zusätzlich eine Schweißerprüfung nach ISO 9606 erforderlich, auf die dieser Kurs vorbereitet.
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- Metallbauermeister/Metallbauermeisterin/Bachelor Professional im Metallbauer-Handwerk8 Stellen
- Schweißfachmann/Schweißfachfrau6 Stellen