Überblick
Schweißen ist ein handwerkliches Können, das Fingerspitzengefühl, räumliches Vorstellungsvermögen und viel Übung erfordert. Wer das Schweißen von Grund auf erlernen möchte, steht vor einer klassischen Herausforderung: Echter Lichtbogen bedeutet Funken, Wärme, Schutzgas und Verbrauchsmaterial – und Fehler in der Anfangsphase sind teuer und manchmal gefährlich. Die Virtual-Welding-Technologie bietet hier eine sinnvolle Alternative für den Einstieg. In diesem Kurs wird MSG-Schweißen (Metallschutzgasschweißen, umfasst MAG mit aktivem Schutzgas und MIG mit inerten Gasen) vollständig an einem Schweißsimulator trainiert. Teilnehmende lernen, Schweißnähte an Stahl und Chrom-Nickel-Legierungen einlagig und mehrlagig zu setzen, erhalten sofortiges Feedback zur Brennerhaltung, Schweißgeschwindigkeit und Nahtqualität – und bauen dabei eine stabile Grundtechnik auf, die am echten Gerät direkt einsetzbar ist.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Modulblock führt in die Virtual-Welding-Technologie und die Grundlagen des MSG-Schweißprozesses ein. Teilnehmende verstehen, wie der Simulator aufgebaut ist, was er misst und wie die Rückmeldungen zur Brennerführung zu interpretieren sind. Parallel dazu werden die physikalischen Grundlagen des Lichtbogens und die Funktion von Schutzgas und Drahtelektrode vermittelt.
- Einführung in die Virtual Welding-Technologie: Aufbau, Sensorik und Rückmeldesystem
- Grundlagen des MSG-Schweißprozesses: MAG und MIG, Lichtbogenarten, Kurzschluss- und Sprühlichtbogen
- Schutzgase und ihre Wirkung auf den Schweißprozess
- Drahtelektroden: Werkstoffe, Durchmesser und Vorschubeinstellungen
- Grundbegriffe der Nahtgeometrie: Stumpfstoß, Kehlnaht, Überlappstoß
Der zweite Modulblock widmet sich dem einlagigen virtuellen Schweißen an Stahl. Hier steht die Grundtechnik der Brennerführung im Vordergrund: Geschwindigkeit, Winkel, Abstand und Pendeltechnik werden systematisch trainiert, bis eine gleichmäßige, fehlerfreie Einlagennaht reproduzierbar gelingt.
- Virtual Welding Stahl: einlagiges Schweißen im Stumpfstoß
- Brennerhaltung, Anstellwinkel und Stickout im einlagigen Betrieb
- Kontrolle der Schweißgeschwindigkeit und Nahtbreite
- Pendeltechnik für gleichmäßige Nahtform
- Auswertung der Simulationsdaten: Was zeigen die Rückkopplungen?
Der dritte Modulblock vertieft die mehrlagige Technik an Stahl. Mehrlagiges Schweißen ist anspruchsvoller: Jede Lage muss korrekt aufgebaut werden, Zwischenabreinigung und Lagenfolge müssen stimmen, und der thermische Verzug des Werkstücks muss berücksichtigt werden.
- Virtual Welding Stahl: mehrlagiges Schweißen im Stumpfstoß
- Lagenfolge und Füllstrategien
- Zwischen- und Endlagenreinigung
- Wärmeeintrag und Verzugsverhalten beim mehrlagigen Aufbau
- Qualitätsbewertung mehrlagiger Nähte im Simulator
Der vierte Modulblock bringt das Schweißen an Chrom-Nickel-Legierungen. Cr/Ni-Stähle (nichtrostende Stähle) stellen besondere Anforderungen an Parameterführung und Schutzgasauswahl und kommen in der Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaindustrie häufig vor.
- Virtual Welding Cr/Ni-Legierungen: einlagiges Schweißen im Stumpfstoß
- Besonderheiten von nichtrostendem Stahl beim Schweißen
- Schutzgaswahl für Cr/Ni-Werkstoffe
- Sensibilisierung und Verzugsverhalten bei Cr/Ni-Legierungen
- Parameteranpassung im Vergleich zu unlegiertem Stahl
Im Virtual-Welding-Gerät werden alle Techniken am Simulator intensiv trainiert. Das System erfasst Brennerführung, Winkel, Geschwindigkeit und Abstand in Echtzeit und gibt nach jeder Naht eine detaillierte Bewertung – so sind gezielte Korrekturen von Sitzung zu Sitzung möglich.
- Einlagige Stahl-Stumpfnähte in Wannen-, Horizontal- und Steigposition üben und Parameterwirkung verstehen
- Mehrlagige Nähte an Stahl aufbauen und jede Lage einzeln auswerten und korrigieren
- Cr/Ni-Stumpfnähte einlagig schweißen und Simulationsfeedback zu Schutzgaseinstellung und Einbrand auswerten
- Brennerwinkel und Stickout gezielt variieren und die Auswirkungen auf Nahtqualität und Einbrand beobachten
- Typische Fehler gezielt provozieren und identifizieren – Poren, Einbrandkerben, ungleichmäßige Nahtbreite
- Schweißgeschwindigkeit und Pendeltechnik in mehreren Übungssequenzen schrittweise verbessern
- Fortschritt über Sitzungen hinweg vergleichen und eigene Entwicklung anhand der Simulationsprotokolle dokumentieren
- Kursabschluss mit Nachweis technisch einwandfreier einlagiger und mehrlagiger Nähte
- Unterschied in der Parametrierung zwischen Stahl und Cr/Ni-Legierungen in der Praxis erfahren
- Einbrand und Nahtgeometrie als Qualitätskriterien am Simulator beurteilen
- Wannenposition sicher beherrschen, bevor an schwierigere Positionen gewechselt wird
- Grundlagen der Arbeitssicherheit beim MSG-Schweißen anhand von Simulationsszenarien verinnerlichen
Lernziele:
Nach Abschluss dieses Kurses sind die Teilnehmenden in der Lage, folgende Aufgaben auszuführen.
- die Grundprinzipien des MSG-Schweißprozesses (Lichtbogenphysik, Schutzgas, Drahtvorschub) erklären
- den virtuellen Schweißsimulator sicher und korrekt einrichten und bedienen
- eine stabile Brennerhaltung und konstante Schweißgeschwindigkeit entwickeln und kontrollieren
- einlagige Schweißnähte an Stahl im Stumpfstoß aufbauen
- mehrlagige Schweißnähte an Stahl korrekt aufbauen und Lage für Lage optimieren
- Cr/Ni-Legierungen (nichtrostender Stahl) einlagig im Stumpfstoß schweißen
- den Einfluss von Stickout, Anstellwinkel und Vorschubbewegung auf die Nahtqualität einschätzen
- typische Schweißfehler (Bindefehler, Poren, Einbrandkerben) am Simulator erkennen und vermeiden
- Simulationsergebnisse auswerten und gezielt an der eigenen Technik arbeiten
- Grundlagen der Arbeitssicherheit beim MSG-Schweißen kennen und anwenden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen mit technisch-handwerklicher Affinität, die das Schweißen von Grund auf erlernen möchten.
- Berufseinsteiger aus Metallbearbeitung, Schlosserei, Kfz-Technik oder Bauwesen
- Technische Fachkräfte, die Schweißkenntnisse als Zusatzqualifikation aufbauen möchten
- Personen mit Affinität zu praktischen Tätigkeiten in der Metallbranche
- Auszubildende und Umschüler in metallverarbeitenden Berufen
- Interessierte ohne Schweißerfahrung, die risikoarm einsteigen wollen
Technisches Grundverständnis und Affinität zu handwerklichen Tätigkeiten sind hilfreich. Erfahrung in einem metallverarbeitenden Beruf oder in technischen Bereichen erleichtert den Einstieg, ist aber keine formale Bedingung. Besondere Vorkenntnisse im Schweißen sind nicht erforderlich, da der Kurs von Null aufbaut.
Ablauf & Abschluss
Das gesamte Kurskonzept basiert auf dem Virtual-Welding-Gerät, das alle wesentlichen physikalischen Parameter des MSG-Schweißens simuliert. Theorieinputs werden kompakt vor den jeweiligen Übungseinheiten vermittelt, sodass das Gelernte unmittelbar in Praxis überführt wird. Das System liefert nach jeder Übung eine detaillierte Auswertung der Brennerführung, sodass gezielte Korrekturen möglich sind. Da kein echter Lichtbogen entsteht, können auch Personen ohne Schweißerfahrung von Beginn an intensive Übungssequenzen absolvieren.
Die Kursdauer variiert je nach Angebot und hängt vom angestrebten Übungsumfang ab. Typisch für dieses Format sind kompakte Einheiten von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen, je nach Intensität. Genaue Termindaten und Angebotsdetails sind beim jeweiligen Anbieter erhältlich.
Nach Abschluss des Kurses wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt, die die trainierten Techniken und die eingesetzten Simulationsmodule dokumentiert. Das virtuelle Schweißzertifikat ist kein Ersatz für einen anerkannten Schweißerpass (etwa nach ISO 9606), kann aber als dokumentierter Einstieg und Vorbereitung für den Erwerb eines formalen Schweißerzeugnisses dienen.
Nutzen & Perspektiven
Virtual Welding ermöglicht einen intensiven, fehlerfreundlichen Einstieg in das Schweißen ohne den Materialverschleiß, die Unfallrisiken und die Einrichtungskosten, die mit echtem Lichtbogenschweißen verbunden sind. Wer am Simulator eine stabile Grundtechnik entwickelt, kommt am echten Gerät mit deutlich weniger Anlauffehlern aus und kann Verbrauchsmaterial und Zeit effizienter nutzen. Für Arbeitgeber in der Metallbranche ist ein Mitarbeiter, der bereits virtuell Schweißen geübt hat, schneller in den realen Schweißbetrieb integrierbar. Die dokumentierte Simulationserfahrung zeigt, dass die grundlegende Technik beherrscht wird, und erleichtert die Einschätzung, auf welchem Niveau mit dem echten Gerät angesetzt werden kann. Schweißkenntnisse sind in der deutschen Fertigungs-, Bau- und Handwerksbranche nach wie vor stark gefragt. MSG-Schweißen (MAG/MIG) ist die am häufigsten eingesetzte Schweißmethode in der Industrie – von der Automobilzulieferung über den Stahlbau bis zur Anlagentechnik. Wer hier eine nachgewiesene Kompetenz vorweisen kann, eröffnet sich berufliche Möglichkeiten in einem breiten Branchenspektrum.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Virtual Welding und wie realistisch ist es?
Virtual Welding ist ein Schweißsimulator, der Brennerführung, Lichtbogenphysik und Nahtbildung ohne echten Lichtbogen realitätsnah nachbildet. Sensoren erfassen Brennerhaltung, Geschwindigkeit und Stickout in Echtzeit und geben sofort Rückmeldung. Die Technik wird von Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben als sinnvoller Einstieg vor dem realen Schweißen eingesetzt.
Was ist MSG-Schweißen und welche Verfahren werden trainiert?
MSG steht für Metallschutzgasschweißen und umfasst MAG (Metall-Aktivgas-Schweißen) und MIG (Metall-Inertgas-Schweißen). MAG wird hauptsächlich für Baustahl, MIG für Aluminium und Sonderwerkstoffe verwendet. Beide Verfahren werden in diesem Kurs am Simulator trainiert.
Kann ich nach diesem Kurs einen Schweißerpass machen?
Dieser Kurs bereitet die technische Grundlage vor, ist aber kein Ersatz für eine formale Schweißerprüfung nach ISO 9606. Wer nach dem Kurs einen anerkannten Schweißerpass anstrebt, benötigt zusätzlich reale Schweißpraxis am echten Gerät und eine zertifizierte Prüfung bei einer zugelassenen Stelle.
Brauche ich Schweißkenntnisse als Voraussetzung?
Nein. Der Kurs ist explizit für Einsteiger konzipiert. Technisches Verständnis und Affinität zu handwerklichen Tätigkeiten sind hilfreich, aber formale Schweißkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Welche Materialien werden im Kurs trainiert?
Es werden Stahl (unlegiert, einlagig und mehrlagig) und Chrom-Nickel-Legierungen (nichtrostender Stahl, einlagig) trainiert. Cr/Ni-Stähle stellen besondere Anforderungen an Schutzgasauswahl und Parametrierung und sind in vielen Industriezweigen wie Lebensmittel- und Chemietechnik relevant.
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