Überblick
Deutschland steht vor einem strukturellen Lehrermangel, der in vielen Bundesländern dazu geführt hat, dass Hochschulabsolventen ohne klassisches Lehramtsstudium als sogenannte Quereinsteiger in den Schuldienst aufgenommen werden. Wer ein abgeschlossenes Hochschulstudium mitbringt, das sich einer beruflichen Fachrichtung und einem Unterrichtsfach zuordnen lässt, erfüllt in der Regel die formale Grundvoraussetzung für den Quereinstieg. Pädagogisches Handwerkszeug jedoch — wie Unterricht zu planen, Schüler zu motivieren, mit Eltern zu kommunizieren und schwierige Situationen im Klassenraum zu meistern — ist nicht Bestandteil des Hochschulstudiums außerhalb des Lehramts. Genau diese Lücke füllt dieser Vorbereitungskurs. Er vermittelt systematisch die Grundlagen des Unterrichtens, beleuchtet typische Herausforderungen im Schulalltag und bereitet Quereinsteiger darauf vor, vom ersten Tag an handlungsfähig zu sein.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Themenblock widmet sich der grundlegenden Frage, was guten Unterricht ausmacht. Hier werden Maßstäbe und Kriterien erarbeitet, an denen sich Unterrichtsqualität messen lässt. Methodik und Didaktik stehen dabei im Zentrum: Wie lassen sich Lernziele klar definieren? Welche Methoden fördern aktives Lernen? Wie wird Unterricht lebendig und verständlich?
- Was ist guter Unterricht? Kriterien, Qualitätsmaßstäbe und pädagogische Grundhaltungen
- Methodik und Didaktik: Unterschiede, Zusammenhänge und praktische Anwendung
- Verschiedene Unterrichtsmethoden im Vergleich: direkte Instruktion, kooperatives Lernen, projektorientiertes Arbeiten
- Lernziele formulieren und Unterrichtseinheiten darauf ausrichten
Der zweite Block behandelt die technische Seite der Unterrichtsplanung. Quereinsteiger unterschätzen häufig, wie wichtig die strukturierte Vorbereitung für einen souveränen Unterricht ist. Dieser Abschnitt vermittelt praxiserprobte Planungstools und -formate.
- Technik der Unterrichtsplanung: vom Groblernziel zum ausgearbeiteten Stundenentwurf
- Aufbau einer Unterrichtsstunde: Einstieg, Erarbeitung, Sicherung, Transfer
- Zeitmanagement im Unterricht: Pufferplanung und Umgang mit unerwarteten Entwicklungen
- Medieneinsatz im Unterricht: analoge und digitale Werkzeuge sinnvoll auswählen
Der dritte Block befasst sich mit Binnendifferenzierung und individuellem Fördern. Jede Klasse ist heterogen — unterschiedliche Lernstände, Sprachkenntnisse, soziale Hintergründe und Lerntempos müssen berücksichtigt werden.
- Binnendifferenzierung: Konzepte, Methoden und praktische Umsetzung im Regelunterricht
- Fördern und Begleiten: individuelle Lernpläne, Nachteilsausgleich und zusätzliche Unterstützungsangebote
- Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
- Kooperation mit Sonderpädagogen und schulinternen Unterstützungssystemen
Praxis-Block: Simulationen, Fallbeispiele und Reflexionsübungen
- Erstellung eines vollständigen Unterrichtsentwurfs für ein eigenes Fach, kritische Besprechung in der Gruppe
- Simulation eines Unterrichtseinstiegs mit Feedbackrunde
- Fallbeispiele zu Unterrichtsstörungen: Analyse und Entwicklung professioneller Reaktionsmuster
- Rollenspiele zu Elterngesprächen in belasteten Situationen (Schulversagen, Konflikte)
- Gruppenübung zur Binnendifferenzierung: Aufgaben für unterschiedliche Leistungsniveaus entwickeln
- Fallbeispiel Inklusion: Unterrichtsplanung für eine Klasse mit heterogenem Förderbedarf
- Reflexion der eigenen Lehrerpersönlichkeit als Quereinsteiger und Stärkung der Berufsidentität
- Analyse von Unterrichtsmitschnitten oder Fallvignetten: Was läuft gut, was würde ich anders machen?
- Erarbeitung eines persönlichen Handlungsplans für die ersten Wochen im Schuldienst
- Diskussion: Typische Fehler beim Quereinstieg und wie man sie vermeidet
- Entwicklung eines Classroom-Management-Konzepts für die eigene Klasse
- Leistungsbewertung üben: Kriterienraster erstellen und Bewertungen argumentativ begründen
Inkludierende Herausforderungen und Besonderheiten des Quereinstiegs werden durchgehend als Querschnittsthema behandelt, nicht als Randnotiz. Soziales Lernen und Persönlichkeitsentwicklung werden ebenso thematisiert, da Schulen heute als soziale Orte verstanden werden, in denen weit mehr als Fachwissen vermittelt wird.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses sind Teilnehmende in der Lage, folgende Kompetenzen in der Praxis einzusetzen.
- Unterrichtsstunden methodisch und didaktisch sicher planen, strukturieren und durchführen
- Die eigene Fachkompetenz mit pädagogischen Vermittlungsmethoden sinnvoll verbinden
- Unterrichtsinhalte binnendifferenziert aufbereiten und an unterschiedliche Lernstände anpassen
- Schülerinnen und Schüler gezielt fördern und begleiten, auch mit sonderpädagogischem Förderbedarf
- Unterrichtsstörungen professionell und deeskalierend ansprechen und bearbeiten
- Eine tragfähige Lehrer-Schüler-Beziehung aufbauen, die Lernmotivation stärkt
- Als Quereinsteiger auch gegenüber erfahrenen Kolleginnen und Kollegen professionell auftreten
- Elterngespräche vorbereiten, führen und nachbereiten — auch in schwierigen Situationen
- Leistungen fair und transparent bewerten und Bewertungsentscheidungen kommunizieren
- Grundprinzipien inklusiver Pädagogik kennen und im Unterricht berücksichtigen
- Soziales Lernen und Persönlichkeitsentwicklung als Bestandteil des Unterrichts begreifen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich ausschließlich an Personen, die als Quereinsteiger im Schuldienst tätig werden möchten oder bereits tätig sind.
- Hochschulabsolventen mit Diplom oder gleichwertigem Abschluss, die formal für den Quereinstieg qualifiziert sind
- Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Natur- oder Sprachwissenschaftler, die in die Schule wechseln möchten
- Bereits beschäftigte Quereinsteiger, die ihre pädagogischen Kompetenzen systematisch ausbauen wollen
- Berufsschullehrer-Anwärter ohne pädagogische Grundausbildung
- Personen, die nach einem Fachwechsel in ein bildungsorientiertes Berufsfeld wechseln möchten
Die Teilnahme setzt ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit Diplom oder gleichwertigem Abschluss voraus. Dieser Abschluss muss sich einer beruflichen Fachrichtung und einem möglichen Unterrichtsfach zuordnen lassen, da nur so die formale Zugangsvoraussetzung für den Quereinstieg in den Schuldienst erfüllt ist. Ein Lehramtsstudium ist ausdrücklich nicht erforderlich. Die Zulassung zum Schuldienst als Quereinsteiger ist ein separates Verfahren der zuständigen Schulbehörde im jeweiligen Bundesland.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird als Combined Learning durchgeführt, also in einer Kombination aus Präsenz- und Online-Lernelementen. In Vollzeit wird der Stoff kompakt vermittelt. Fallbeispiele, Rollenspiele und praktische Übungseinheiten nehmen einen wesentlichen Anteil am Lehrformat ein, da rein theoretisches Wissen für die Unterrichtspraxis nicht ausreicht. Die Lerngruppen sind in der Regel klein, sodass intensiver Austausch und individuelle Rückmeldungen möglich sind.
Die Kursdauer liegt typischerweise bei bis zu einem Monat in Vollzeit. Da der Kurs als kompakter Vorbereitungspfad konzipiert ist, werden die wesentlichsten Kompetenzen in komprimierter Form vermittelt. Einige Anbieter bieten auch längere Varianten mit stärkerer Vertiefung einzelner Themenbereiche an.
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab. Dieses Dokument bestätigt die erfolgreiche Teilnahme und kann als Nachweis der pädagogischen Grundqualifizierung im Bewerbungsverfahren für Lehrerstellen eingesetzt werden. Es handelt sich nicht um ein staatlich anerkanntes Abschlusszeugnis, sondern um eine anerkannte Bescheinigung, die im Quereinstiegskontext von Schulbehörden und Personalverantwortlichen anerkannt wird.
Nutzen & Perspektiven
Der Lehrermangel in Deutschland ist strukturell und wird sich in den kommenden Jahren nicht automatisch auflösen. Das bedeutet: Hochschulabsolventen ohne Lehramtsstudium haben heute realistische Chancen, in den Schuldienst einzusteigen und dort eine sinnstiftende, gesellschaftlich relevante Tätigkeit aufzunehmen. Die größte Hürde ist dabei nicht die fachliche Qualifikation — die bringen Quereinsteiger mit — sondern das pädagogische Rüstzeug für den Alltag im Klassenraum. Dieser Kurs überbrückt genau diese Lücke. Wer gut vorbereitet in den Schuldienst startet, schützt sich vor unnötigem Stress in der Anfangsphase, baut schneller Sicherheit im Unterricht auf und kann professioneller mit den besonderen Dynamiken des Quereinstiegs umgehen. Für die Zusammenarbeit im Kollegium ist es wichtig, als Quereinsteiger weder überheblich noch unsicher aufzutreten. Der Kurs bereitet auf diese soziale Dimension des Berufs vor und gibt Handlungsempfehlungen für typische Situationen, in denen Quereinsteiger sich als Außenseiter erleben könnten. Elternarbeit ist ein weiteres Feld, das viele Quereinsteiger unterschätzen: Im Kurs werden Gesprächsstrategien für normale und für belastende Elterngespräche erarbeitet und in Rollenspielen geübt. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Maßnahme über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Ergänzend kommen je nach individueller Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege in Frage. Eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Kostenträger wird empfohlen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche formale Voraussetzung ist für die Teilnahme notwendig?
Voraussetzung ist ein Diplom oder ein gleichwertiger Hochschulabschluss, der sich einer beruflichen Fachrichtung und einem Unterrichtsfach zuordnen lässt. Ein abgeschlossenes Lehramtsstudium ist nicht erforderlich — der Kurs richtet sich ausdrücklich an Personen, die diesen Weg nicht eingeschlagen haben.
Ersetzt dieser Kurs das Referendariat oder das Antragsverfahren der Schulbehörde?
Nein. Der Kurs bereitet inhaltlich auf den Unterrichtsalltag vor und vermittelt das pädagogische Handwerkszeug. Die formale Zulassung zum Schuldienst als Quereinsteiger erfolgt über die zuständige Landesbehörde und ist ein separater Verwaltungsvorgang, der nicht vom Kurs abhängt.
Welche Schulformen kommen für Quereinsteiger in Frage?
Das hängt vom Bundesland und dem Hochschulabschluss ab. In der Regel kommen Berufsschulen, Sekundarschulen, Realschulen und Gymnasien in Frage, abhängig vom Fachprofil des Studienabschlusses. Der Kurs hilft dabei, die eigene Eignung für verschiedene Schulformen einzuschätzen.
Was sind die zentralen inhaltlichen Schwerpunkte des Kurses?
Zentrale Themen sind Unterrichtsplanung und -durchführung, Methodik und Didaktik, Binnendifferenzierung, Umgang mit Unterrichtsstörungen, inklusive Pädagogik, Leistungsbewertung sowie die Zusammenarbeit mit Eltern und Kolleginnen und Kollegen. Alle Inhalte sind auf die praktischen Herausforderungen des Quereinstiegs abgestimmt.
Ist die Weiterbildung förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Maßnahme über einen Bildungsgutschein förderbar. Darüber hinaus kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation und Förderungen der Deutschen Rentenversicherung je nach individueller Situation in Frage.
Verwandte Kurse
Alle Kurse in Pädagogik & Soziales ansehen →Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Erzieher:innen, Sozialarbeiter:innen und Coaches sind in vielen Bundesländern Engpassberuf. Bedarf in Kitas, Schulsozialarbeit und Erwachsenenbildung wächst kontinuierlich, bezahlung bleibt unter IT, dafür hohe Job-Sicherheit.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Fachlehrkraft für berufliche/allgemeinbildende Schulen358 Stellen
- Lehramt an Grundschulen (Staatsexamen)8 Stellen
- Lehramt an Grundschulen (grundständig außer Staatsexamen)8 Stellen
- Lehrkraft an Schulen0 Stellen
- Quereinsteiger Lehrer/in0 Stellen