Überblick
Die zahntechnische Abrechnung ist ein komplexes Fachgebiet, das präzises Wissen über gesetzliche Regelwerke, Abrechnungspositionen und Softwareanwendungen vereint. Dieser Kurs vermittelt die grundlegenden Kenntnisse der Abrechnung zahntechnischer Leistungen nach dem Bundeseinheitlichen Leistungsverzeichnis BEL II sowie der Bundeseinheitlichen Benennungsliste BEB. Wer in einem Dentallabor oder einer zahnarztnahen Verwaltung tätig ist oder nach einer Pause wieder in den Beruf einsteigen möchte, erhält hier das nötige handwerkliche Rüstzeug, um Kostenvoranschläge und Rechnungen korrekt zu erstellen und Praxissoftware sicher zu bedienen.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste thematische Modul widmet sich den Grundlagen der zahntechnischen Abrechnung und legt das Fundament für alle weiteren Inhalte. Hier stehen die Systematik von BEL II und BEB sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Teilnehmende lernen, wie Abrechnungsregeln aufgebaut sind und welche Dokumentationspflichten gelten.
- Grundprinzipien des BEL II 2014 und der BEB 97
- Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Abrechnung
- Leistungsgruppen und deren Systematik
- Gesetzliche Richtlinien für zahntechnische Abrechnungen
- Dokumentationspflichten und Aufbewahrungsfristen
- Überblick über die Abrechnungskette vom Auftrag bis zur Rechnung
Das zweite Modul behandelt festsitzenden Zahnersatz und Metallbasis, da diese Leistungsgruppe in der täglichen Praxis besonders häufig vorkommt. Die Teilnehmenden lernen, Kronen, Brücken und Gerüste korrekt zu erfassen und die passenden BEL- sowie BEB-Positionen zuzuordnen.
- Abrechnungspositionen für Vollkeramik und Metallkeramik-Restaurationen
- Metallbasisversorgungen und deren Codierung
- Arbeitsvorbereitung und Modellherstellung korrekt abrechnen
- Verblendungen und Verblendbrücken im BEL II
- Häufige Abgrenzungsfragen zwischen BEL- und BEB-Positionen
- Praxisnahe Fallbeispiele zu festsitzendem Zahnersatz
Das dritte Modul fokussiert auf herausnehmbaren Zahnersatz, Kombinationsprothetik und Reparaturen, also jene Bereiche, die besondere Sorgfalt bei der Positionszuordnung erfordern.
- Totalprothesen und Teilprothesen korrekt abrechnen
- Kombinationsprothetik mit Teleskopkronen und Geschieben
- Reparaturpositionen und deren Abgrenzung zu Neuanfertigungen
- Unterfütterungen und Erweiterungen im Abrechnungssystem
- Rekonstruktionen und deren Sonderfälle
- Fehlerquellen bei der Abrechnung von Prothesen vermeiden
Das vierte Modul vermittelt den sicheren Umgang mit Zahnarztpraxissoftware sowie die Erstellung vollständiger Kostenvoranschläge und Rechnungen. Teilnehmende üben praxisnah an realistischen Szenarien und festigen ihr Wissen durch wiederholte Anwendung.
- Navigation und Grundeinstellungen in gängiger Praxissoftware
- Erfassen und Verwalten von Patientendaten und Aufträgen
- Automatisierte Positionierung und Berechnung im System
- Erstellen und Prüfen von Kostenvoranschlägen nach Muster
- Rechnungsstellung und digitale Belegarchivierung
- Korrekturbuchungen und Stornierungsprozesse
Ein umfangreicher Praxisteil schließt den Theorieblock ab. Hier bearbeiten die Teilnehmenden vollständige Abrechnungsfälle aus dem Laboralltag und trainieren das selbstständige Codieren unter realistischen Bedingungen.
- Abrechnungsübungen an vollständigen Fallbeispielen aus dem Dentallabor
- Erstellung eines Kostenvoranschlags für kombinationsprothetische Versorgung
- Kontrolle und Korrektur fehlerhafter Rechnungen
- Codieren von Reparaturleistungen unter Zeitdruck
- Vergleich BEL- und BEB-Positionen anhand von Originalaufträgen
- Arbeit mit Abzugspositionen und Materialkostenzuschlägen
- Berechnung zahntechnischer Gesamtbeträge mit Softwareunterstützung
- Anlegen eines Musterlabors in der Praxissoftware und Datenpflege
- Erkennen und Beheben typischer Erfassungsfehler
- Abrechnung von Eilaufträgen und Sonderleistungen
- Simulation einer vollständigen Monatsabrechnung
- Feedbackrunde zu den bearbeiteten Fallbeispielen mit Auswertung häufiger Fehler
Die Übungen basieren auf realistischen Laboraufträgen und spiegeln den tatsächlichen Arbeitsalltag in einem Dentallabor wider. Durch die Verbindung von Theorie und Praxis festigen Teilnehmende ihre Kenntnisse und entwickeln ein sicheres Gespür für die korrekte Positionszuordnung. Am Ende des Praxisblocks sind sie in der Lage, selbstständig vollständige Abrechnungsvorgänge zu bearbeiten.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses können die Teilnehmenden die Struktur und den Aufbau der BEL II 2014 sowie der BEB 97 erläutern und sicher anwenden.
- Sie ordnen zahntechnische Leistungen in die richtigen Positionen des Leistungsverzeichnisses ein.
- Sie erstellen regelkonforme Kostenvoranschläge für festsitzenden Zahnersatz, Kombinationsprothetik und herausnehmbaren Zahnersatz.
- Sie erfassen und prüfen zahntechnische Rechnungen anhand realer Fallbeispiele.
- Sie verstehen die Grundsystematik der prothetischen Leistungsgruppen und können Arbeitsvorbereitung, Metallbasis und Reparaturen korrekt abrechnen.
- Sie bedienen eine Zahnarztpraxissoftware für abrechnungsrelevante Aufgaben und navigieren sicher in den entsprechenden Programmmodulen.
- Sie kennen gesetzliche Richtlinien zur Abrechnung gegenüber gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen.
- Sie unterscheiden zwischen gesetzlichen und privatzahnärztlichen Leistungen und wenden die entsprechenden Regelwerke an.
- Sie berechnen zahntechnische Gesamtbeträge und prüfen Plausibilität sowie Vollständigkeit einer Abrechnung.
- Sie identifizieren typische Fehlerquellen in der zahntechnischen Abrechnung und korrigieren diese eigenständig.
- Sie dokumentieren abrechnungsrelevante Vorgänge nachvollziehbar und gesetzeskonform.
- Sie entwickeln ein routiniertes Arbeitstempo beim Codieren und Erfassen von Abrechnungspositionen.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Fachkräfte im Dentalbereich, die ihre Abrechnungskenntnisse auffrischen, vertiefen oder nach einer beruflichen Pause wieder aktivieren möchten.
- Zahntechnikerinnen und Zahntechniker, die in einem Dentallabor mit Abrechnungsaufgaben betraut sind oder sein werden
- Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA), die abrechnungsrelevante Tätigkeiten übernehmen
- Verwaltungskräfte in Dentallaboren und zahnarztnahen Einrichtungen
- Wiedereinsteiger im zahntechnischen oder zahnmedizinischen Bereich mit max. fünfjähriger Berufsunterbrechung
- Fachkräfte, die ihre Kenntnisse in prothetischer Abrechnung gezielt vertiefen möchten
Für eine erfolgreiche Kursteilnahme sind Vorkenntnisse im Bereich der zahntechnischen Abrechnung unbedingt erforderlich. Ideale Teilnehmende bringen bereits praktische Erfahrungen aus dem Berufsfeld mit und haben in der Vergangenheit zahntechnische oder prothetische Abrechnungen eigenständig oder unterstützend bearbeitet. Der Umgang mit einer Zahnarztpraxissoftware wird vorausgesetzt, da die Kursübungen auf dieser Grundlage aufbauen. Zudem sollten grundlegende PC-Kenntnisse vorhanden sein, um sicher und effizient in digitalen Arbeitsoberflächen navigieren zu können. Deutschkenntnisse auf dem Sprachniveau B1 bis B2 sind notwendig, um den Fachinhalten zu folgen und schriftliche Übungen zu absolvieren. Die letzte Berufstätigkeit im zahntechnischen oder zahnmedizinischen Umfeld sollte nicht länger als fünf Jahre zurückliegen, um einen sinnvollen Aufbau auf bestehendem Fachwissen zu gewährleisten.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined Learning durchgeführt und verbindet digitale Selbstlernphasen mit betreuten Präsenz- oder Online-Einheiten. In den Selbstlernphasen erarbeiten die Teilnehmenden theoretische Grundlagen anhand von strukturierten Lernmaterialien und Erklärvideos. In den betreuten Einheiten werden Falllösungen besprochen, Fragen geklärt und die Praxisübungen gemeinsam ausgewertet. Die Kombination aus eigenständiger Erarbeitung und aktivem Austausch fördert ein tiefes Verständnis der Abrechnungslogik und sorgt für nachhaltige Lernergebnisse. Die Kursinhalte sind so aufgebaut, dass die Teilnehmenden schrittweise von einfachen Abrechnungsvorgängen zu komplexen Fallkonstellationen geführt werden.
Der Kurs ist auf eine Dauer von mehr als einer Woche bis zu einem Monat ausgelegt und wird in Vollzeit durchgeführt. In dieser Zeit werden alle Pflichtmodule behandelt und die Praxisübungen vollständig absolviert. Die kompakte Struktur ermöglicht einen zügigen Wiedereinstieg in das Berufsfeld oder eine rasche Qualifizierung für neue Aufgaben im Abrechnungsbereich. Die Lerneinheiten sind so gestaltet, dass ein intensives Arbeiten mit dem Stoff möglich ist, ohne die Teilnehmenden zu überfordern.
Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieses Dokument bestätigt die erworbenen Kenntnisse in der zahntechnischen Abrechnung nach BEL II und BEB und kann gegenüber Arbeitgebern als Nachweis der beruflichen Qualifikation vorgelegt werden. Ein staatlich anerkannter Abschluss wird im Rahmen dieses Kurses nicht erworben.
Nutzen & Perspektiven
Wer in einem Dentallabor oder einer zahnarztnahen Verwaltung tätig ist, weiß: Abrechnungsfehler kosten Zeit, Geld und im schlimmsten Fall das Vertrauen der Auftraggeber. Mit den in diesem Kurs erworbenen Kenntnissen sind Teilnehmende in der Lage, Abrechnungsvorgänge eigenständig, korrekt und zügig zu bearbeiten. Das reduziert Rückfragen, Korrekturrunden und administrative Reibungsverluste im Laboralltag erheblich. Für Wiedereinsteiger ist der Kurs ein strukturierter Weg zurück in den Beruf. Statt sich allein durch veraltete Unterlagen zu arbeiten, erhalten Teilnehmende einen aktuellen, praxisnahen Überblick über die geltenden Regelwerke und lernen, Praxissoftware zielgerichtet einzusetzen. Das stärkt das Selbstvertrauen beim Berufseinstieg und erhöht die Beschäftigungsfähigkeit spürbar. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist dieser Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter förderbar. Darüber hinaus können je nach individueller Situation Leistungen aus dem Qualifizierungschancengesetz, der Berufsförderung der Bundeswehr, Maßnahmen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Anspruch genommen werden. Eine Beratung durch die zuständige Arbeitsvermittlung oder einen Sozialleistungsträger klärt die persönliche Fördersituation.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Sie benötigen praktische Erfahrung in der zahntechnischen oder zahnmedizinischen Abrechnung. Grundkenntnisse in prothetischer Abrechnung sind hilfreich, und die letzte Berufstätigkeit im Fachgebiet sollte nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Außerdem werden PC-Grundkenntnisse und Deutschkenntnisse auf B1–B2-Niveau vorausgesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen BEL II und BEB?
Die BEL II (Bundeseinheitliches Leistungsverzeichnis) regelt die Abrechnung zahntechnischer Leistungen für Kassenpatienten. Die BEB (Bundeseinheitliche Benennungsliste) gilt für Privatpatienten und darüber hinausgehende Leistungen. Beide Regelwerke werden im Kurs vollständig behandelt.
Kann ich diesen Kurs mit einem Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Auch Leistungen aus dem Qualifizierungschancengesetz, der Deutschen Rentenversicherung oder der Bundeswehr-Berufsförderung kommen je nach persönlicher Situation in Frage. Sprechen Sie Ihre Arbeitsvermittlung an.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieses Dokument ist bei Arbeitgebern im Dentalbereich anerkannt, stellt aber keinen staatlich anerkannten Abschluss dar.
Ist der Kurs auch für Quereinsteiger geeignet?
Der Kurs setzt Vorkenntnisse in der zahntechnischen Abrechnung voraus und ist daher nicht für absolute Einsteiger ohne Berufserfahrung geeignet. Quereinsteiger aus ähnlichen Abrechnungsbereichen sollten vorab prüfen, ob ihre Kenntnisse ausreichen, um den Kursinhalten folgen zu können.
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