Überblick
Wer Azure-Lösungen nicht nur betreibt, sondern konzipiert und entwirft, bewegt sich in einem anderen Verantwortungsrahmen: Es geht um Entscheidungen, die schwer rückgängig zu machen sind — Netzwerktopologien, Identitätsmodelle, Datenstrategie, Hochverfügbarkeit. Der Kurs AZ-301 / Microsoft Azure Architect Design vermittelt das Denkwerkzeug und das technische Wissen, das für fundierte Architekturentscheidungen auf Azure benötigt wird. Der Fokus liegt auf Design — nicht auf Administration oder Betrieb. Zielgruppe sind erfahrene Azure-Fachkräfte, die in Richtung Solutions Architect oder Cloud Architect wachsen.
Kursinhalte & Lernziele
Identität und Governance Das Fundament jeder sicheren Azure-Architektur ist das Identitätsmodell. Dieser Block behandelt Microsoft Entra ID in seiner modernen Form: Tenant-Struktur, Rolle der Managed Identities, Conditional Access Policies, Privileged Identity Management und die Frage, wie man hybride Identitätslösungen (On-Premises AD + Entra ID) architektural sauber gestaltet. Governance-Konzepte schließen sich nahtlos an: Azure Policy, Blueprints (bzw. deren Nachfolger), Management Groups und Subscription-Design für Enterprise-Umgebungen.
- Microsoft Entra ID: Tenant-Modell, externe Identitäten, B2B/B2C-Konzepte
- Managed Identities und Service Principals: wann welche verwenden
- Conditional Access: Risikobewertung, Named Locations, MFA-Erzwingung
- Privileged Identity Management: Just-in-time-Zugriff für privilegierte Rollen
- Azure Policy: Definitionen, Initiatives, Compliance-Reporting
- Management Groups und Subscription-Hierarchien für Großorganisationen
Netzwerkdesign und Konnektivität Azure-Netzwerke sind keine einfachen Firewall-Regeln, sondern eigenständige Architekturen mit Hub-Spoke-Topologien, Private Endpoints, ExpressRoute-Circuits und komplexen Routing-Entscheidungen. Dieser Block behandelt die Designentscheidungen, die Architekten treffen — nicht die Konfigurationsdetails, die Administratoren setzen.
- Virtual Network-Design: Adressräume, Subnetze, Peering-Strategien
- Hub-Spoke-Topologie: Implementierung, Vor- und Nachteile
- Azure Firewall vs. Network Security Groups vs. Application Gateway
- Private Endpoints und Private Link: Datenpfade von öffentlichen Netzen entkoppeln
- Hybridkonnektivität: VPN Gateway vs. ExpressRoute — Entscheidungskriterien
- Multi-Region-Routing: Traffic Manager, Azure Front Door, Latenz-Überlegungen
Datenstrategie und Speicherlösungen Die Wahl der richtigen Datenspeicherlösung ist eine der folgenreichsten Architekturentscheidungen. Azure bietet relationale Datenbanken (SQL), NoSQL-Lösungen (Cosmos DB), Blob Storage für unstrukturierte Daten, Synapse für Analytics und viele Zwischenstufen. Dieser Block liefert das Entscheidungsraster.
- Azure SQL Database vs. SQL Managed Instance vs. SQL Server auf VM
- Azure Cosmos DB: Konsistenzmodelle, Partitionierung, Kostenstruktur
- Azure Storage: Blob, Queue, Table, File — wann welche Variante
- Azure Synapse Analytics und Data Lake Storage Gen2 für analytische Workloads
- Caching-Strategien: Azure Cache for Redis, CDN-Integration
- Datenbankmigrationen: Assessment, Datenbankkompatibilität, Migrationspfade
Resilienz, Hochverfügbarkeit und Sicherheitsdesign Resilienz ist kein Feature, das man nachträglich hinzufügt — es ist eine Entwurfsentscheidung. Dieser Block behandelt die Werkzeuge, die Azure für hochverfügbare Architekturen bereitstellt, und die Denkweise, die Architekten brauchen, um sie korrekt einzusetzen.
- Availability Zones und Availability Sets: Unterschiede und Einsatzszenarien
- Azure Load Balancer, Application Gateway und Traffic Manager im Vergleich
- Disaster Recovery mit Azure Site Recovery und Geo-Redundanz
- RTO und RPO als Designziele: Wie Anforderungen in Architekturentscheidungen überführt werden
- Defender for Cloud als Security Posture Management Tool
- Zero-Trust-Architektur auf Azure: Identität, Gerät, Netzwerk, Anwendung
Praxisblock — Architektur-Design in Fallstudien
- Hub-Spoke-Netzwerk mit Firewall und Private Endpoints entwerfen
- Identitätsstrategie für eine hybride Organisation mit externen Partnern konzipieren
- Hochverfügbarkeitsarchitektur für eine dreischichtige Webanwendung skizzieren
- Datenbankauswahl anhand von Konsistenz-, Skalierungs- und Kostenkriterien begründen
- Disaster-Recovery-Plan mit RTO/RPO-Zielen für eine produktionskritische Anwendung erstellen
- Azure Policy Initiative für ein Enterprise-Umfeld entwerfen
- Migrationsstrategie für eine On-Premises-Datenbank nach Azure entwickeln
- Kostenoptimierungsanalyse für eine bestehende Azure-Architektur durchführen
- Monitoring-Architektur mit Log Analytics Workspaces und Alerts aufbauen
- Sicherheitsarchitektur-Review anhand des Well-Architected Framework durchführen
- Multi-Region-Deployment-Strategie für globale Nutzergruppen entwerfen
- Abschlussfallstudie: Gesamtarchitektur für ein Enterprise-Szenario präsentieren und begründen
Lernziele:
- Azure-Architekturen auf Basis der Microsoft Azure Well-Architected Framework-Säulen entwerfen
- Identitäts- und Zugriffslösungen mit Microsoft Entra ID (vormals Azure AD) konzipieren
- Netzwerktopologien für hybride und multi-region Azure-Deployments entwerfen
- Datenlösungen auf Azure (relationale, NoSQL, analytische) architektonisch einordnen und auswählen
- Hochverfügbarkeits- und Desaster-Recovery-Konzepte für Azure-Workloads entwickeln
- Sicherheitsarchitekturen für Azure-Umgebungen entwerfen
- Migrationspfade von On-Premises zu Azure strukturieren
- Azure Policy und Management Groups für Governance einsetzen
- ARM-Templates und Bicep für Infrastructure as Code verstehen und bewerten
- Kostenoptimierung als architektonisches Designprinzip anwenden
- Monitoringarchitekturen mit Azure Monitor und Log Analytics entwerfen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an erfahrene Azure-Fachkräfte, die sich auf Architektur-Designaufgaben spezialisieren möchten. Er setzt operatives Azure-Wissen voraus und baut darauf auf.
- Azure-Administratoren, die in Richtung Architektenrolle wachsen
- Cloud Engineers mit mehrjähriger Azure-Erfahrung
- IT-Architekten, die ihre Kenntnisse auf Azure-spezifische Designmuster erweitern
- Solutions Architects, die Azure als primäre Cloud-Plattform verantworten
- Senior-IT-Berater im Cloud-Umfeld
Solide Azure-Administrationskenntnisse sind zwingend — idealerweise auf dem Niveau des AZ-104-Zertifikats oder vergleichbarer Praxiserfahrung. Grundkenntnisse in Netzwerken (IP-Adressierung, DNS, Routing), Datenbanken und Identitätssystemen werden vorausgesetzt. Der Kurs ist nicht für Einsteiger konzipiert; ohne operative Azure-Erfahrung fehlt der nötige Kontext für Designdiskussionen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs arbeitet stark mit Fallstudien und Architektur-Workshops: Statt Konfigurationsschritt-für-Schritt werden Designentscheidungen diskutiert, verglichen und begründet. Architektur-Diagramme werden gemeinsam entwickelt und kritisch bewertet. Theorieblöcke werden durch strukturierte Designaufgaben ergänzt, in denen Teilnehmende eigene Lösungen entwickeln und vorstellen. Der Austausch zwischen Teilnehmenden mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund ist ein bewusster didaktischer Baustein.
Der Kurs ist für Vollzeit- und Teilzeitteilnahme ausgelegt. Die Dauer richtet sich nach dem Prüfungsumfang des Architektur-Design-Exams. Aktuelle Termin- und Formatinformationen sind direkt bei den Kursanbietern erhältlich.
Der Kurs schließt mit einer trägerinternen Teilnahmebescheinigung ab. Der Kursinhalt orientiert sich am früheren Prüfungsformat AZ-301, das durch AZ-305 (Designing Microsoft Azure Infrastructure Solutions) abgelöst wurde. Teilnehmende, die eine aktuelle Microsoft-Zertifizierung als Azure Solutions Architect Expert anstreben, sollten prüfen, ob der Kursinhalt auf die aktuell gültige AZ-305-Prüfung vorbereitet, und sich beim Anbieter entsprechend informieren.
Nutzen & Perspektiven
Der Sprung von Azure-Administrator zu Azure-Architekt ist einer der folgenreichsten Karriereschritte im Cloud-Bereich — und er erfordert einen anderen Denkstil: weniger „Wie konfiguriere ich X?" und mehr „Welche Lösung ist unter diesen Rahmenbedingungen die richtige, und warum?" Dieser Kurs trainiert genau diese Denkweise. Der Mehrwert liegt nicht nur in den einzelnen Architekturmustern, sondern im strukturierten Entscheidungsrahmen: Well-Architected Framework, Governance-Hierarchien, RTO/RPO als Designziele, Zero-Trust als Prinzip. Wer diese Konzepte verinnerlicht, entwirft Architekturen, die nicht nur heute funktionieren, sondern unter veränderten Anforderungen skalierbar bleiben. Für Unternehmen, die interne Azure-Architekten aufbauen wollen, bietet dieser Kurs eine fundierte Grundlage — praxisnahe Fallstudien statt abstrakter Theorie, mit direktem Bezug zu den Designfragen, die in Enterprise-Umgebungen täglich auftreten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist AZ-301 noch aktuell? Ich habe von AZ-305 gehört.
Der Prüfungscode AZ-301 wurde durch AZ-305 (Designing Microsoft Azure Infrastructure Solutions) abgelöst. Dieser Kurs orientiert sich an den Themenfeldern des früheren AZ-301. Wer eine aktuell gültige Microsoft-Architekten-Zertifizierung anstrebt, sollte beim Anbieter erfragen, ob der Kursinhalt auf AZ-305 ausgerichtet ist.
Was ist der Unterschied zwischen AZ-104 (Azure Administrator) und AZ-301/305 (Azure Architect Design)?
AZ-104 bescheinigt operative Administrationskompetenz: Dienste konfigurieren, Ressourcen verwalten, Nutzer anlegen. AZ-301/305 fokussiert auf Architekturentscheidungen: Welche Lösung ist unter gegebenen Anforderungen die richtige, und wie begründe ich das? Beide Zertifikate ergänzen sich, richten sich aber an unterschiedliche Karrierestufen.
Kann ich diesen Kurs ohne vorherige Azure-Erfahrung besuchen?
Nicht empfohlen. Der Kurs setzt operative Azure-Kenntnisse voraus — ohne diesen Kontext fehlt die Grundlage, um Architekturentscheidungen nachzuvollziehen. Wer noch keine Azure-Erfahrung hat, sollte zunächst AZ-900 und AZ-104 absolvieren.
Sind die Fallstudien im Kurs an realen Enterprise-Szenarien orientiert?
Ja. Die Designaufgaben beziehen sich auf typische Unternehmensszenarien: hybride Identitäten, Migrations-Roadmaps, Hochverfügbarkeitsanforderungen, Governance-Strukturen für Großorganisationen. Erfundene oder unrealistisch vereinfachte Szenarien werden vermieden.
Welche Vorkenntnisse in Netzwerken brauche ich?
IP-Adressierung (CIDR-Notation), DNS-Grundlagen und Routing-Prinzipien sollten bekannt sein. Detailliertes Netzwerkadministrations-Know-how ist nicht vorausgesetzt — der Fokus liegt auf Netzwerk-Design-Entscheidungen, nicht auf der Konfiguration einzelner Geräte.
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