Überblick
Dieser Aufbaukurs vertieft die Kenntnisse von Fachkräften im Fallmanagement nach § 16 SGB II und befähigt sie, Menschen in besonders schwierigen persönlichen Lebenslagen kompetent, empathisch und professionell zu begleiten. Die Weiterbildung baut auf dem Grundlagenmodul Berater:in im Fallmanagement nach § 16 SGB II auf und erweitert das erworbene Wissen um die spezifischen Themenfelder Sucht, Schulden, psychische Erkrankungen, Behinderungen und Wohnungslosigkeit. Wer in Jobcentern, sozialen Einrichtungen oder Beratungsstellen tätig ist und täglich mit komplexen Lebensrealitäten umgeht, erhält hier das theoretische Rüstzeug und praxisnahe Werkzeuge, um auch in herausfordernden Situationen handlungssicher zu bleiben und nachhaltige Unterstützung zu leisten.
Kursinhalte & Lernziele
Die Inhalte des Aufbaukurses sind in thematische Blöcke gegliedert, die jeweils einen Lebenslagenbereich vertiefen und dabei immer den Bezug zur sozialen Beratungspraxis herstellen. Modul 1: Psychische Erkrankungen im Beratungskontext Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen, warum Menschen langfristig aus dem Arbeitsleben herausfallen. In diesem Modul erwerben Sie fundiertes Grundlagenwissen zu den wichtigsten psychischen Störungsbildern und deren Auswirkungen auf die Alltagsbewältigung und Beschäftigungsfähigkeit. Gleichzeitig lernen Sie, wie Sie in Beratungsgesprächen deeskalierend, wertschätzend und handlungsorientiert vorgehen.
- Überblick über häufige psychische Erkrankungen (Depression, Angststörungen, Psychosen)
- Auswirkungen auf Arbeitsfähigkeit und soziale Teilhabe
- Gesprächsführung bei psychisch belasteten Klientinnen und Klienten
- Krisenintervention: Erkennen und reagieren auf akute Ausnahmesituationen
- Kooperation mit psychiatrischen Einrichtungen und niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten
- Abgrenzung: Beratungsauftrag versus therapeutische Aufgaben
Modul 2: Behinderungen und Rehabilitationsleistungen Die rechtlichen Grundlagen im Bereich Behinderung und Rehabilitation sind komplex; dieser Abschnitt gibt Ihnen eine strukturierte Orientierung. Sie erfahren, welche Leistungen welche Träger erbringen, wie Sie Klientinnen und Klienten mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen wirksam begleiten und wo Kooperationspartner zu finden sind.
- Rechtlicher Rahmen: SGB IX, Eingliederungshilfe, Rehabilitationsrecht
- Abgrenzung der Träger: Agentur für Arbeit, Rentenversicherung, Eingliederungshilfe
- Teilhabeplanung und ICF-basierte Dokumentation
- Barrieren in der Beratung und wie man sie abbaut
- Antidiskriminierungsrecht und Rechte von Menschen mit Behinderungen
- Netzwerkpartner: Integrationsfachdienste, WfbM, Sozialdienste
Modul 3: Sucht und Schulden als Beratungsthemen Suchterkrankungen und Überschuldung treten häufig in Kombination auf und erschweren den Weg zurück in den Arbeitsmarkt erheblich. Dieses Modul vermittelt sachliches Wissen zu Entstehung und Verlauf von Suchterkrankungen sowie zu typischen Schuldenfallen und deren Folgen, damit Sie Betroffene realistisch einschätzen und gezielt unterstützen können.
- Suchterkrankungen: Grundlagen, Entstehung, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten
- Motivierende Gesprächsführung mit suchtbelasteten Klientinnen und Klienten
- Überschuldung: Ursachen, Phasen und rechtliche Konsequenzen
- Schuldnerberatung: Grundzüge und Vermittlung an Fachstellen
- Zusammenspiel von Sucht, Schulden und psychischer Belastung
- Förderprogramme und Hilfssysteme für Betroffene
Modul 4: Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe Wohnungslosigkeit ist sowohl Ursache als auch Folge sozialer Ausgrenzung. In diesem Abschnitt beschäftigen Sie sich mit den Strukturen der Wohnungslosenhilfe, den rechtlichen Möglichkeiten und den kommunikativ schwierigen Situationen, die entstehen können, wenn Menschen ohne festen Wohnsitz Beratungsangebote wahrnehmen.
- Ursachen und Formen von Wohnungslosigkeit in Deutschland
- Hilfesystem: Notunterkünfte, begleitetes Wohnen, ambulante Hilfen
- Rechtliche Ansprüche: Sozialhilfe, Unterbringungspflicht, Mietschulden
- Kommunikation mit wohnungslosen Klientinnen und Klienten
- Kooperation mit kommunalen Ämtern und freien Trägern
- Präventionsansätze und Frühwarnsysteme
Praxis: Fallarbeit und Selbstreflexion Ein zentrales Element des Aufbaukurses ist die intensive Arbeit an realen Fallbeispielen. Rollenspiele, Fallanalysen und Supervision ermöglichen es, das theoretische Wissen direkt in Handlungskompetenz umzusetzen und eigene Beratungsstile kritisch zu reflektieren.
- Analyse komplexer Mehrfachproblemlagen anhand von Fallbeispielen
- Rollenspiele zu schwierigen Beratungssituationen (Sucht, Wohnungslosigkeit, Krise)
- Kollegiale Fallberatung und Supervision
- Dokumentation und Förderplanung im Case-Management-Prozess
- Selbstreflexion: eigene Haltungen, Grenzen und Ressourcen
- Burnout-Prävention und professionelle Distanz im Helferberuf
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit simulieren und üben
- Ethische Dilemmata in der Sozialberatung erkennen und bearbeiten
- Qualitätssicherung in der Beratungstätigkeit
- Umgang mit schwierigen Klientensituationen: Aggression, Ablehnung, Schweigen
- Netzwerkkarte erstellen: regionale Anlaufstellen und Kooperationspartner
- Abschlusskolloquium: Reflexion des eigenen Kompetenzprofils
Das Aufbaumodul verfolgt durchgängig einen praxisorientierten Ansatz; Fallbeispiele, Rollenspiele und Gruppenreflexion nehmen breiten Raum ein. Der Austausch innerhalb der Gruppe wird bewusst genutzt, um von unterschiedlichen Berufserfahrungen zu lernen und kollegiale Netzwerke zu stärken.
Lernziele:
Nach Abschluss dieses Aufbaukurses sind Sie in der Lage, die spezifischen Herausforderungen von Klientinnen und Klienten mit psychischen Erkrankungen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
- Sie verstehen die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen im Umgang mit Behinderungen und kennen relevante Unterstützungsangebote.
- Sie sind vertraut mit den Grundlagen der Schuldnerberatung und können Betroffene an geeignete Hilfssysteme vermitteln.
- Sie verfügen über grundlegendes Wissen zu Suchterkrankungen und kennen Interventionsmöglichkeiten im Beratungskontext.
- Sie kennen das Hilfesystem der Wohnungslosenhilfe und können adäquate Unterstützung organisieren.
- Sie stärken Ihre eigene psychische Stabilität und Resilienz, um dauerhaft in einem belastenden Arbeitsfeld handlungsfähig zu bleiben.
- Sie wenden systemische und lösungsorientierte Beratungstechniken in schwierigen Gesprächssituationen an.
- Sie erkennen Grenzen der eigenen Zuständigkeit und leiten Klientinnen und Klienten professionell an spezialisierte Fachstellen weiter.
- Sie gestalten den Case-Management-Prozess bei Menschen mit multiplen Problemlagen strukturiert und nachvollziehbar.
- Sie dokumentieren Beratungsverläufe fachgerecht und datenschutzkonform.
- Sie reflektieren eigene Haltungen und Werte im Umgang mit vulnerablen Gruppen kritisch.
- Sie sind in der Lage, interdisziplinär mit anderen Fachkräften und Einrichtungen zusammenzuarbeiten.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Aufbaukurs richtet sich an Fachkräfte im Fallmanagement, die das Grundlagenmodul nach § 16 SGB II bereits abgeschlossen haben und ihre Kompetenzen in spezifischen Lebenslagenbereichen vertiefen möchten. Die folgenden Gruppen sind insbesondere angesprochen.
- Beraterinnen und Berater in Jobcentern und Arbeitsagenturen
- Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in sozialen Einrichtungen und Beratungsstellen
- Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen mit Interesse an Case Management
- Quereinsteiger mit entsprechender Fortbildung und nachgewiesener Eignung
- Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen und der Pflege, die in sozialbehördlichen Kontexten tätig sind
Für die Teilnahme an diesem Aufbaukurs ist das Grundlagenmodul Berater:in im Fallmanagement nach § 16 SGB II als Mindestvoraussetzung zu erfüllen. Darüber hinaus werden ein mittlerer Bildungsabschluss, Computerkenntnisse sowie Sprachkenntnisse auf dem Niveau B2 erwartet. Lebenserfahrung und Menschenkenntnis sind grundlegende Voraussetzung für den Umgang mit vulnerablen Zielgruppen; ein Mindestalter von 23 Jahren ist ein üblicher Richtwert. Geistige und psychische Reife sind für dieses Berufsfeld unbedingt erforderlich, da die Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenslagen eine hohe persönliche Stabilität voraussetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Format Combined Learning statt, das heißt Präsenz- und Online-Einheiten werden miteinander verbunden. Lehrvorträge wechseln sich mit praxisnahen Übungen, Rollenspielen und Fallbesprechungen ab. Gruppenarbeiten fördern den kollegialen Austausch und das gemeinsame Lernen aus unterschiedlichen Berufsperspektiven. Ein besonderes Gewicht liegt auf der persönlichen Reflexion der eigenen Beratungshaltung, da nur wer selbst stabil ist, andere nachhaltig unterstützen kann. Externe Gastbeiträge aus spezialisierten Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, Suchtberatung oder Schuldnerberatung können den Kurs praxisnah ergänzen.
Dieser Aufbaukurs ist als Vollzeitmaßnahme konzipiert und dauert mehr als eine Woche bis maximal einen Monat. Die Gesamtstundenzahl variiert je nach Anbieter; typisch sind intensive Einheiten, die eine konzentrierte und effektive Wissensvermittlung ermöglichen. Die Vollzeitstruktur sorgt für eine durchgängige Beschäftigung mit den Inhalten und fördert das Lernen in der Gruppe.
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat beziehungsweise eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Dieses Dokument weist Ihre erworbenen Kenntnisse in den spezifischen Beratungsfeldern aus und ergänzt das Zertifikat aus dem Grundlagenmodul. Es handelt sich um keine staatlich anerkannte Prüfung, jedoch wird das Zertifikat von Jobcentern, sozialen Einrichtungen und Arbeitgebern im Sozialwesen als aussagekräftiger Nachweis anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Die Spezialisierung auf besondere Lebenslagen ist im sozialen Beratungsbereich ein entscheidender Mehrwert. Wer Menschen mit Suchterkrankungen, Schuldenproblematiken, psychischen Einschränkungen oder Wohnungslosigkeit wirksam begleiten kann, ist in Jobcentern und sozialen Einrichtungen eine gefragte Fachkraft. Dieser Aufbaukurs erweitert Ihr professionelles Handlungsrepertoire erheblich und macht Sie zu einem kompetenten Ansprechpartner für besonders vulnerable Gruppen, die sonst häufig zwischen den Unterstützungssystemen fallen. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist die Teilnahme in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Daneben kommen je nach Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung (BFD) der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine Beratung bei der zuständigen Stelle klärt, welche Förderung für Sie infrage kommt. Wer in der sozialen Arbeit dauerhaft effektiv sein möchte, muss die Lebensrealitäten seiner Klientinnen und Klienten kennen und verstehen. Dieser Kurs liefert nicht nur Fachwissen, sondern stärkt auch die professionelle Haltung und die persönliche Resilienz, die notwendig sind, um in einem emotional fordernden Berufsfeld langfristig gesund und engagiert zu arbeiten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich diesen Aufbaukurs ohne das Grundlagenmodul besuchen?
Nein. Das Grundlagenmodul Berater:in im Fallmanagement nach § 16 SGB II ist die inhaltliche Mindestvoraussetzung für diesen Aufbaukurs. Der Aufbaukurs setzt auf den dort erworbenen Kompetenzen auf und vertieft ausgewählte Spezialbereiche. Quereinsteiger mit anderweitiger einschlägiger Fortbildung sollten die Anforderungen vorab mit dem Bildungsträger klären.
Welche Lebenslagen werden in diesem Kurs behandelt?
Der Kurs behandelt fünf zentrale Lebenslagenbereiche: psychische Erkrankungen, körperliche und geistige Behinderungen, Schuldensituationen, Suchterkrankungen sowie Wohnungslosigkeit. Für jeden Bereich werden theoretisches Grundwissen, praxisnahe Beratungsstrategien und relevante Hilfssysteme vermittelt.
Ist dieser Kurs mit einem Bildungsgutschein finanzierbar?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist die Teilnahme in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung können je nach Situation in Frage kommen. Sprechen Sie Ihre zuständige Arbeitsvermittlerin oder Ihren zuständigen Arbeitsvermittler an, um die individuell passende Förderung zu klären.
Warum ist ein Mindestalter von 23 Jahren empfohlen?
Die Arbeit mit Menschen in besonders belastenden Lebenslagen erfordert ein hohes Maß an persönlicher Reife, emotionaler Stabilität und Lebenserfahrung. Das Mindestalter von 23 Jahren ist ein üblicher Richtwert in diesem Berufsfeld, weil die täglich erlebten Schicksale eine gefestigte Persönlichkeit voraussetzen. Abweichungen können im Einzelfall mit dem Bildungsträger besprochen werden.
Welche Berufsfelder erschließe ich mir mit diesem Aufbaukurs?
Mit dem Aufbaukurs qualifizieren Sie sich für beratende Tätigkeiten in Jobcentern, sozialen Einrichtungen, Schuldnerberatungsstellen, Suchthilfeeinrichtungen und der Wohnungslosenhilfe. In Kombination mit dem Grundlagenmodul bildet die Weiterbildung eine fundierte Grundlage für eine Karriere im professionellen Case Management.
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