Überblick
Diese Weiterbildung verbindet zwei inhaltlich komplementäre Zertifizierungspfade zu einem geschlossenen Lehrgang: das Cisco-Concentration-Modul 300-510 SPRI (Implementing Cisco Service Provider Advanced Routing Solutions) und die CompTIA Security+-Zertifizierung. Wer im Service-Provider-Umfeld tätig ist oder werden möchte, braucht beides — tiefes Wissen über komplexe Routing-Architekturen und ein fundiertes Verständnis von Sicherheitskonzepten und Angriffsvektoren. Der Lehrgang richtet sich an erfahrene Netzwerktechnikerinnen und -techniker, die ihre CCNP-Laufbahn mit einer Konzentrationsprüfung abschließen und gleichzeitig den Nachweis einer breiten Sicherheitskompetenz erbringen wollen. Das Combined-Learning-Format lässt sich im Vollzeitmodus innerhalb von ein bis drei Monaten absolvieren.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Implementing Cisco Service Provider Advanced Routing (SPRI 300-510) Der Schwerpunkt dieses Modulteils liegt auf fortgeschrittenen Routing-Technologien, die in der Praxis großer Telekommunikationsanbieter und Netzbetreiber eingesetzt werden. Behandelt werden sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die praktische Konfiguration und Fehlerbehebung in komplexen SP-Umgebungen. Besonderer Wert wird auf die Integration verschiedener Routing-Technologien in einem einheitlichen Netzwerkdesign gelegt.
- Interior Gateway Protocols (OSPF für SP-Umgebungen, IS-IS in großen Netzwerken)
- Border Gateway Protocol (BGP): Policy-Kontrolle, Route Reflection, Confederations, BGP-Optimierungstechniken
- MPLS-Grundlagen, Label Distribution Protocol (LDP), Traffic Engineering mit RSVP-TE
- Segment Routing (SR-MPLS und SRv6): Konzepte, Konfiguration, Anwendungsfälle in modernen SP-Netzen
- Multicast-Routing: PIM-SM, PIM-SSM, MLDP in Service-Provider-Kernnetzwerken
- Policy Language: Route Maps, Prefix Lists, AS-Path-Filter, Route Reflector-Konfigurationen
Anhand typischer SP-Konfigurationsszenarien wird durchgearbeitet, wie sich Routing-Entscheidungen auf Skalierbarkeit, Konvergenzzeit und Fehlerbehebbarkeit auswirken — Qualitäten, die für den Betrieb carrier-grade Netzwerke entscheidend sind. Dabei stehen Laborübungen mit Netzwerksimulatoren im Vordergrund.
- Konfiguration von BGP-Route-Reflektoren und Confederations in großen Autonomous Systems
- Traffic-Engineering-Pfade mit RSVP-TE anlegen und ihre Auswirkungen messen
- Segment-Routing-Policies entwerfen und auf Cisco-Geräten implementieren
- Multicast-Gruppen konfigurieren und Rendezvous Points in PIM-SM-Umgebungen platzieren
- Fehlersuche in MPLS-Forwarding-Tabellen und Label-Binding-Problemen
- MPLS-TE Fast Reroute und Failover-Verhalten analysieren
Modul 2 — CompTIA Security+ Security+ ist eine von Industrie, Regierung und Wissenschaft gemeinsam entwickelte herstellerunabhängige Zertifizierung, die ein breites Fundament an IT-Sicherheitswissen abdeckt. Das Modul behandelt konzeptionelle Tiefe, die weit über eine einzelne Technologie hinausgeht und für viele Unternehmens- und Behördenrollen als Mindestnachweis gilt.
- Bedrohungslandschaft: Malware-Typen, Social Engineering, Insider-Threats, Advanced Persistent Threats (APTs)
- Angriffsvektoren und Schwachstellen: OWASP-Kategorien, Netzwerkangriffe, physische Sicherheitsrisiken
- Sicherheitstechnologien und -werkzeuge: Firewalls, IDS/IPS, SIEM, VPNs, Endpoint-Schutz
- Architektur und Design: Zero-Trust-Konzepte, Netzwerksegmentierung, Cloud-Sicherheitsarchitekturen
- Identitäts- und Zugangsverwaltung (IAM): MFA, SSO, RBAC, Verzeichnisdienste
- Risikomanagement: Risikoanalyse, Compliance-Frameworks (NIST, ISO 27001), Business Continuity
- Kryptografie und PKI: symmetrische und asymmetrische Verschlüsselung, Zertifikatsmanagement, TLS/SSL
Die Kombination aus SP-Routing und Security+ eröffnet eine seltene Perspektive: Wer versteht, wie BGP-Hijacking funktioniert und wie MPLS-Segmentierung Angriffsflächen verkleinert, kann Netzwerksicherheit auf Infrastrukturebene fundierter gestalten als jemand, der nur eines der beiden Felder kennt.
Lernziele:
- Routing-Protokolle wie OSPF, IS-IS und BGP in großen Service-Provider-Kernnetzwerken konfigurieren und optimieren
- Multiprotocol Label Switching (MPLS) konzeptionell verstehen und in typischen SP-Szenarien einsetzen
- Segment-Routing-Architekturen planen und in bestehende Netze integrieren
- Policy-basierte Routing-Mechanismen (Policy Language) definieren und anwenden
- Multicast-Routing-Technologien im SP-Kontext implementieren
- Sicherheitsbedrohungen, Angriffsmuster und bekannte Schwachstellen klassifizieren und bewerten
- Sicherheitsarchitekturen und Designprinzipien für hybride IT-Umgebungen entwerfen
- Kryptografische Verfahren und Public-Key-Infrastrukturen (PKI) einsetzen
- Identitäts- und Zugriffsverwaltung als Teil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts verstehen
- Risikomanagement-Frameworks anwenden und Gegenmaßnahmen priorisieren
- Sicherheitswerkzeuge und -technologien in der Praxis einsetzen und konfigurieren
- Die inhaltlichen Anforderungen der Prüfungen 300-510 SPRI und CompTIA Security+ kennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Netzwerkspezialistinnen und -spezialisten, die bereits über praktische Erfahrung im Bereich Routing und Switching verfügen und den nächsten Schritt in Richtung Service-Provider-Expertise und formaler Sicherheitszertifizierung gehen möchten.
- Network Engineers mit Erfahrung in der Konfiguration von Cisco-Systemen
- Techniker in Telekommunikations- und Internet-Service-Provider-Umgebungen
- IT-Fachkräfte, die eine CCNP-Konzentrationsprüfung anstreben
- Sicherheitsverantwortliche, die ihre Netzwerkkenntnisse um Sicherheitsthemen erweitern wollen
- Quereinsteiger mit solidem Netzwerkfundament, die in den SP-Bereich wechseln möchten
Der Kurs setzt fundierte Grundkenntnisse in Netzwerktechnologien voraus. Für das SPRI-Modul sind Kenntnisse auf dem Niveau des CCNP Core (350-501 SPCOR) empfohlen oder bereits absolviert — die Konzentrationsprüfung 300-510 baut auf diesem Kernmodul auf und ist keine eigenständige Einstiegszertifizierung. Für das Security+-Modul genügen grundlegende IT-Kenntnisse sowie idealerweise erste praktische Erfahrungen in der Netzwerk- oder Systemadministration. Wer die CompTIA Network+-Zertifizierung (oder gleichwertige Praxis) mitbringt, ist auf der sicheren Seite; sie ist keine formale Pflicht, aber eine sinnvolle Basis.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang wird im Combined-Learning-Format durchgeführt — Präsenz- oder Videounterricht mit Trainer-Begleitung wechselt mit praxisorientierter Übungszeit und Laborarbeit. Für das SPRI-Modul stehen Netzwerksimulatoren und -emulatoren bereit, sodass Routing-Konfigurationen in realistischen SP-Szenarien erprobt werden können. Das Security+-Modul arbeitet mit szenariobasierten Aufgaben und Fallstudien, die typische Angriffs- und Abwehrsituationen abbilden. Das Vollzeit-Format ermöglicht ein klares Lerntempo mit ausreichend Raum für individuelle Vertiefung je nach Kenntnisstand.
Der Gesamtlehrgang erstreckt sich je nach Anbieter und Lernintensität über mehr als einen Monat bis zu drei Monaten. Er wird in Vollzeit durchgeführt. Die wöchentliche Stundenbelastung umfasst typischerweise mehrere Stunden täglich betreuten Unterricht zuzüglich Laborzeit. Beide Module werden nacheinander absolviert, sodass ausreichend Zeit für die inhaltliche Verarbeitung und den Übergang zwischen den Zertifizierungsthemen bleibt.
Wer den Lehrgang erfolgreich abschließt, erhält eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung. Darüber hinaus bereitet der Kurs auf zwei externe Zertifizierungsprüfungen vor: die Cisco-Prüfung 300-510 SPRI (Concentration-Examen des CCNP Service Provider) sowie die CompTIA Security+-Prüfung. Beide Zertifikate werden durch die jeweiligen Hersteller- und Verbandsstellen ausgestellt — Cisco bzw. CompTIA — und sind international anerkannt. Die CCNP-Konzentrationsprüfung gilt in Verbindung mit dem bestandenen Core-Examen (350-501 SPCOR) als vollständiger CCNP Service Provider-Abschluss. CompTIA Security+ ist unbefristet gültig und wird durch Continuing Education-Nachweise erneuert.
Nutzen & Perspektiven
Die Kombination aus SP-Routing-Spezialisierung und CompTIA Security+ ist besonders wertvoll in Arbeitsumfeldern, in denen Netzwerk- und Sicherheitsverantwortung eng verzahnt sind. Service-Provider, Rechenzentren und Unternehmen mit eigenen WAN-Infrastrukturen suchen Fachkräfte, die komplexe Routing-Architekturen nicht nur aufbauen, sondern auch gegen Angriffe und Fehlkonfigurationen absichern können. Mit dem SPRI-Modul gelingt die Spezialisierung auf einen der technisch anspruchsvollsten Teilbereiche des CCNP-Programms — im Markt für fortgeschrittene Netzwerkrollen ein zunehmend gefragtes Profil. Das Security+-Zertifikat ergänzt diese Spezialisierung um einen formalen Nachweis von Sicherheitsgrundlagen, der in vielen Unternehmen — insbesondere in regulierten Branchen oder bei öffentlichen Auftraggebern — als Mindestqualifikation gilt. Damit öffnet der Abschluss Türen sowohl in klassischen Netzwerkabteilungen als auch in Security-Operations-Teams, die Netzwerkexpertise benötigen. Nicht zuletzt schärft dieser Lehrgang den Blick dafür, wie Routing-Entscheidungen Sicherheitsimplikationen haben: Wer versteht, wie BGP-Hijacking funktioniert, MPLS-Segmentierung Angriffsflächen verkleinert oder Segment Routing neue Sicherheitsarchitekturen ermöglicht, kann in der täglichen Arbeit fundierter abwägen und zielgerichteter handeln als jemand mit reiner Netzwerkkompetenz ohne Sicherheitsperspektive.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich den CCNP Core (350-501 SPCOR) bereits bestanden haben?
Der SPCOR ist keine formale Teilnahmevoraussetzung, aber inhaltlich dringend empfohlen. Das 300-510 SPRI ist eine Concentration-Prüfung, die auf dem Core aufbaut — wer die Grundkonzepte von MPLS und BGP noch nicht kennt, wird im SPRI-Modul schnell überfordert sein. Am besten eignet man sich den Stoff des SPCOR zuerst an oder belegt ihn parallel.
Werden die Prüfungsgebühren für 300-510 und Security+ mitbezahlt?
Nein, die externen Zertifizierungsprüfungen bei Cisco und CompTIA sind nicht im Kurspreis enthalten und müssen separat gebucht und bezahlt werden. Die genauen Gebühren sind auf den Websites von Cisco und CompTIA aktuell einsehbar.
Warum Security+ und nicht eine reine Cisco-Sicherheitszertifizierung?
CompTIA Security+ ist herstellerneutral und in vielen Unternehmen, Behörden und internationalen Ausschreibungen als Basisqualifikation anerkannt. Sie ist breiter positioniert als eine herstellerspezifische Cisco-Security-Zertifizierung und ergänzt das SP-Routing-Profil um einen Nachweis, der auch außerhalb des Cisco-Ökosystems gilt.
Ist dieser Lehrgang für CCNA-zertifizierte Personen geeignet?
Ein CCNA reicht als Vorbereitung auf das SPRI-Modul in der Regel nicht aus — der CCNP-Concentration-Level setzt deutlich tiefere Kenntnisse voraus. Wer frisch den CCNA hinter sich hat, sollte zunächst praktische Erfahrung in SP-Umgebungen sammeln oder den SPCOR absolvieren, bevor er diese Weiterbildung beginnt.
Kann man den Kurs auch nur für Security+ besuchen?
Nein, der Lehrgang ist als Kombinations-Maßnahme konzipiert. Wer ausschließlich Security+ anstrebt, findet dafür eigene, kürzer formatierte Kurse. Dieses Programm richtet sich an Personen, die beide Zertifikate gemeinsam erwerben und von der inhaltlichen Verzahnung profitieren wollen.
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