Überblick
Compliance im Projektmanagement bedeutet in der Praxis, dass Datenschutz, regulatorische Anforderungen und operative Projektsteuerung kein Nebeneinander führen, sondern eng verzahnt sind. Wer Projekte leitet oder in datenschutzrelevanten Rollen arbeitet, muss verstehen, wie die DSGVO in Projektstrukturen abgebildet wird, wie Risiken aus Datenverletzungen in Projektpläne einfließen und wie agile sowie klassische Methodenrahmen dabei als Werkzeug dienen. Dieses Programm bündelt vier inhaltlich verwandte Zertifizierungsbereiche: die IAPP-Zertifizierungen CIPP/E (Certified Information Privacy Professional – Europe) und CIPM (Certified Information Privacy Manager) auf der Datenschutzseite sowie Scrum Foundation und PRINCE2 (Foundation, Practitioner, Agile Practitioner) auf der Projektmanagementseite. Das Programm richtet sich damit an Professionals, die eine doppelte Qualifikation in rechtlich-regulatorischem Datenschutz und methodisch fundierter Projektsteuerung anstreben.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – CIPP/E (Certified Information Privacy Professional – Europe) Der CIPP/E ist die führende Datenschutzzertifizierung für den europäischen Rechtsraum. Erarbeitet werden die rechtlichen Grundlagen der DSGVO und verwandter EU-Datenschutzgesetze mit dem Ziel, sie auf Organisationsprozesse anzuwenden. Besonderes Gewicht liegt auf den Pflichten von Verantwortlichen und Auftragsverarbeitern sowie auf den Rechten betroffener Personen. Die Inhalte sind konsequent auf den europäischen Kontext zugeschnitten und berücksichtigen auch nationale Umsetzungsgesetze.
- Grundlagen europäischer Datenschutzgesetze: DSGVO, ePrivacy, nationale Umsetzungsgesetze
- Personenbezogene Daten: Begriffsbestimmungen, besondere Kategorien, Pseudonymisierung
- Verantwortliche und Auftragsverarbeiter: Rollen, AVV-Gestaltung, gemeinsame Verantwortlichkeit
- Verarbeitung personenbezogener Daten: Rechtsgrundlagen, Zweckbindung, Datensparsamkeit
- Rechte der betroffenen Person: Auskunft, Berichtigung, Löschung, Widerspruch, Datenportabilität
- Informationspflichten: Datenschutzhinweise, Transparenzanforderungen, Einwilligungsgestaltung
- Grenzüberschreitende Datenübertragungen: Standardvertragsklauseln, Angemessenheitsbeschlüsse, BCR
- Sicherheit der Verarbeitung: technisch-organisatorische Maßnahmen, Verschlüsselung, Zugriffskontrolle
- Aufsichtsbehörden: Zuständigkeiten, Meldepflichten, Durchsetzung
Modul 2 – CIPM (Certified Information Privacy Manager) Der CIPM vertieft die operative Steuerung von Datenschutzprogrammen in Organisationen. Während der CIPP/E stark rechtlich ausgerichtet ist, vermittelt der CIPM Managementkompetenzen für den Aufbau und die Weiterentwicklung von Datenschutzstrukturen. Wer ein Datenschutzprogramm nicht nur verstehen, sondern steuern und messbar machen will, braucht genau diese Perspektive.
- Einführung in das Management von Datenschutzprogrammen: Ziele, Stakeholder, Reifegrad
- Datenschutz-Governance: DSB-Funktion, Organisationsverankerung, Berichtswesen
- Anwendbare Gesetze und Vorschriften: internationaler Rechtsvergleich, sektor-spezifische Regelungen
- Daten-Assessments: Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA), Risikoklassifizierung
- Policies: Datenschutzrichtlinien, interne Weisungen, Löschkonzepte
- Datenschutzrechte operativ umsetzen: Prozesse, Fristen, Eskalationswege
- Schulung und Bewusstsein: Sensibilisierungsprogramme, Nachweisführung
- Datenpannen-Reaktionspläne: Meldeketten, Notfallkommunikation, Dokumentation
- Messung und Auditierung: KPIs, interne Audits, Reifegradmodelle
Modul 3 – Scrum und agiles Projektmanagement Scrum bietet einen iterativen Rahmen für Teams, die unter Unsicherheit liefern müssen. Gelernt werden die Scrum-Rollen (Product Owner, Scrum Master, Entwicklungsteam), Artefakte (Product Backlog, Sprint Backlog, Increment) und Zeremonien (Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review, Retrospektive). Der Bezug zu datenschutzrelevanten Projekten wird hergestellt, indem Privacy-by-Design-Anforderungen direkt in Backlog-Arbeit einfließen.
- Agile Grundprinzipien: Agiles Manifest, Iterationen, inkrementelle Lieferung
- Scrum-Rollen und ihre Verantwortlichkeiten im Team
- Backlog-Management und Story-Point-Schätzung
- Sprint-Zyklus und kontinuierliche Verbesserung durch Retrospektiven
- Scrum in datenschutzrelevanten Projekten: User Stories mit Privacy-by-Design-Anforderungen
Modul 4 – PRINCE2 (klassisches und agiles Projektmanagement) PRINCE2 ist eine weltweit anerkannte Projektmanagement-Methode, die auf sieben Grundprinzipien basiert. Die Teilnehmenden erarbeiten, wie PRINCE2 von der Initiierung bis zum Abschluss eingesetzt wird und wie der Agile-Practitioner-Pfad PRINCE2 mit agilen Delivery-Methoden verbindet. Ergänzend wird dargestellt, wie Compliance-Anforderungen konkret in PRINCE2-Pläne eingebettet werden — von der Risikoregisterpflege bis zur DSGVO-Meilensteinkontrolle.
- PRINCE2 Foundation: sieben Grundprinzipien, sieben Themen, sieben Prozesse
- PRINCE2 Practitioner: Anwendung auf Projektstudien, Tailoring, Steuerungsdokumente
- PRINCE2 Agile Practitioner: Verbindung von PRINCE2-Governance mit Scrum und Kanban
- Projektpläne, Risikomanagement und Fortschrittsberichte in PRINCE2-Projekten
- Compliance-Anforderungen (DSGVO, Datenschutz-Audits) in PRINCE2-Projektplänen verankern
Praxis-Block
- Entwicklung einer DSFA für ein fiktives Datenverarbeitungsprojekt
- Erstellung eines AVV und einer Datenschutzerklärung anhand eines Fallbeispiels
- Aufbau eines PRINCE2-Projektplans mit integrierten Compliance-Meilensteinen
- Durchführung eines Scrum-Sprint-Zyklus in einer Übungsgruppe
- Risikoanalyse: Datenschutzrisiken in agile Backlogs übersetzen
- Simulierter Datenpannen-Notfall: Meldekette und Dokumentation üben
- Audit-Checkliste für ein Datenschutzprogramm erstellen
- PRINCE2-Practitioner-Fallstudie: Steuerungsdokumente vollständig ausarbeiten
- Kombination: PRINCE2 Agile Practitioner-Szenario mit eingebettetem Datenschutzthema
Wer alle vier Zertifizierungspfade durchläuft, erlangt eine Qualifikation, die in der Praxis selten in einer Person vereint ist: rechtliche Datenschutzkompetenz, operatives Datenschutzmanagement und methodische Projektführung. Diese Kombination ist besonders wertvoll in Organisationen, die Digitalisierungsprojekte unter datenschutzrechtlichen Auflagen umsetzen müssen.
Lernziele:
- Europäische Datenschutzgesetze und die DSGVO systematisch anwenden und in Projektkontexte einordnen
- Rechte betroffener Personen korrekt umsetzen und dokumentieren
- Grenzüberschreitende Datenübertragungen rechtssicher gestalten
- Datenschutz-Governance-Strukturen in Organisationen aufbauen und steuern
- Datenschutz-Assessments (DSFA / DPIA) planen und durchführen
- Datenpannen-Reaktionspläne entwickeln und aktivieren
- Projekte nach PRINCE2-Prinzipien planen, steuern und abschließen
- PRINCE2 Agile auf iterative Projektumgebungen anwenden
- Agile Scrum-Prozesse verstehen und in interdisziplinären Teams einsetzen
- Compliance-Anforderungen in Projektphasen und -pläne integrieren
- Programmleistung messen, überwachen und auditieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Programm spricht Fachleute an, die an der Schnittstelle von Datenschutz, Compliance und Projektmanagement arbeiten oder diese Schnittstelle in ihrer Karriere besetzen möchten.
- Datenschutzbeauftragte und Datenschutzkoordinatoren, die ihre Projektmanagementkompetenz ausbauen möchten
- Projektmanager und Projektleiter, die Compliance-Anforderungen besser in Projekte integrieren wollen
- Compliance-Manager in datenintensiven Branchen (Gesundheit, Finanzdienstleistungen, öffentliche Verwaltung)
- IT-Verantwortliche, die Digitalisierungsprojekte DSGVO-konform steuern müssen
- Juristen und Berater, die ihre technisch-operative Datenschutzexpertise vertiefen möchten
Grundkenntnisse in Datenschutz oder Projektmanagement sind von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Der CIPP/E-Pfad setzt keine spezifischen rechtlichen Vorkenntnisse voraus, empfiehlt aber Vertrautheit mit organisatorischen Abläufen. Für den PRINCE2-Practitioner-Abschluss wird formal das PRINCE2-Foundation-Zertifikat benötigt, das im Programm enthalten ist. Für PRINCE2 Agile Practitioner gilt dieselbe Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht findet im Combined-Learning-Format statt: Online-Live-Einheiten im virtuellen Klassenzimmer verbinden sich mit strukturierten Selbststudienphasen und Übungsaufgaben. Praxiserfahrene Dozenten begleiten die Lernphasen und geben Feedback zu Fallstudien. Die Vollzeitoption erlaubt eine zügige Durcharbeitung aller Themenbereiche ohne große Unterbrechungen zwischen den Modulen.
Das Programm erstreckt sich in Vollzeit über mehr als drei bis sechs Monate, da vier eigenständige Zertifizierungsbereiche abgedeckt werden. Durch die modulare Struktur lassen sich Schwerpunkte je nach Vorkenntnissen und Zeitplan individuell anpassen.
Das Programm bereitet auf vier externe Zertifizierungsprüfungen vor: CIPP/E und CIPM der IAPP sowie PRINCE2 Foundation, Practitioner und Agile Practitioner von Axelos. Die Prüfungen werden jeweils bei autorisierten Testcentern abgelegt. Ergänzend wird ein trägerinternes Lehrgangszertifikat ausgestellt.
Nutzen & Perspektiven
Datenschutz ist kein Bereichsthema mehr, das Juristen allein lösen. In Organisationen mit agilen Entwicklungsteams, Cloud-Projekten und internationalen Datenflüssen entscheiden Projektverantwortliche täglich darüber, ob Datenschutzanforderungen früh genug in Anforderungslisten landen oder erst kurz vor dem Launch als Blockade auftauchen. Das Programm befähigt dazu, Datenschutz als integrierten Bestandteil des Projektmanagements zu denken — nicht als nachträglichen Haken auf einer Checkliste. Das vierfache Zertifikats-Portfolio (CIPP/E + CIPM + PRINCE2 Foundation/Practitioner + Agile Practitioner) ist am Markt kaum in dieser Kombination vorhanden. Wer über alle vier Qualifikationen verfügt, ist für Positionen als Datenschutzbeauftragte oder -beauftragter mit Projektverantwortung, als Compliance-Projektmanager oder als Berater für DSGVO-Digitalisierungsprojekte qualifiziert — Rollen, für die Unternehmen selten auf dem Bewerbermarkt fündig werden. Die Investition in ein mehrmonatiges Vollzeitprogramm zahlt sich insbesondere in regulierten Branchen aus, wo Datenschutzfehler zu Bußgeldern und Reputationsschäden führen können. Ein Team oder eine Person, die sowohl die rechtliche Substanz der DSGVO versteht als auch in der Lage ist, einen PRINCE2-Projektplan datenschutzgerecht zu steuern, ist für Unternehmen deutlich wertvoller als zwei spezialisierte Einzelprofile.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der CIPP/E und für wen ist er gedacht?
Der CIPP/E (Certified Information Privacy Professional – Europe) ist die führende IAPP-Zertifizierung für den europäischen Datenschutzbereich. Er richtet sich an Fachleute, die DSGVO-Anforderungen rechtssicher anwenden und in Organisationsprozesse einbetten wollen — von Datenschutzbeauftragten bis zu IT-Projektleitern, die regelmäßig mit personenbezogenen Daten arbeiten.
Was unterscheidet CIPP/E und CIPM inhaltlich?
Der CIPP/E fokussiert auf das rechtliche Rahmenwerk — DSGVO, Betroffenenrechte, Datenübertragungen, Aufsichtsbehörden. Der CIPM geht einen Schritt weiter in die Managementpraxis: Wie baut man ein Datenschutzprogramm auf, wie steuert man es und wie misst man seine Wirksamkeit? Beide Zertifizierungen ergänzen sich und werden von der IAPP gemeinsam empfohlen.
Warum ist PRINCE2 in einem Datenschutz-Programm enthalten?
Weil Datenschutz in der Praxis in Projekten umgesetzt wird: Cloud-Migrationen, CRM-Einführungen, App-Entwicklungen. Wer PRINCE2 beherrscht, kann Datenschutzanforderungen strukturiert in Projektpläne, Risikoregister und Qualitätsmeilensteine einbauen — statt sie als letzten Punkt vor dem Go-Live zu ergänzen.
Kann man einzelne Module separat buchen?
Die Module sind laut Anbieter individuell kombinierbar. Wer bereits eine der Qualifikationen besitzt, kann das Programm entsprechend anpassen. Der PRINCE2-Practitioner setzt formal das Foundation-Zertifikat voraus, das im Gesamtprogramm enthalten ist.
Welche Branchen profitieren besonders von dieser Qualifikation?
Besonders geeignet für Fachleute in Gesundheit, Finanzdienstleistungen, öffentlicher Verwaltung und E-Commerce — überall dort, wo große Mengen personenbezogener Daten in Projekten verarbeitet werden und Bußgeldrisiken bei Datenschutzverstößen erheblich sind.
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