Überblick
Diese Weiterbildung vereint zwei klar voneinander abgegrenzte Zertifizierungsziele: die CompTIA Linux+ Prüfung (aktueller Prüfungscode XK0-005) und die EXIN Scrum Foundation Prüfung. Beide Module werden in einer kombinierten Maßnahme unterrichtet und bereiten auf die jeweiligen externen Zertifizierungsprüfungen vor. Zur Abgrenzung: CompTIA Linux+ XK0-005 ist der aktuelle, einheitliche Nachfolger des früheren Zwei-Prüfungs-Modells LX0-103/LX0-104 (alias LPIC-1-Doppelprüfung), das seit dem Relaunch des Programms 2019 abgelöst wurde. Wer die aktuelle CompTIA Linux+-Zertifizierung anstrebt, legt eine einzige Prüfung (XK0-005) ab — keine zwei separaten LPIC-Prüfungen. CompTIA Linux+ ist die einzige berufsorientierte Linux-Zertifizierung, die bewusst distributionsneutral angelegt ist und alle wesentlichen Linux-Distributionen abdeckt, die in Cloud-, Sicherheits-, Mobil- und Serverumgebungen eingesetzt werden.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Systemarchitektur und Hardware-Grundlagen (CompTIA Linux+) Das Verständnis der Linux-Systemarchitektur ist die Basis für alle weiteren administrativen Aufgaben. Dieser Block behandelt den Aufbau des Systems vom Hardware-Layer bis zum Betriebssystem-Kernel.
- BIOS/UEFI, Bootloader (GRUB2), Kernel-Initialisierung
- Initialisierungssysteme: SysVinit, systemd — Units, Targets, Runlevel
- Hardwarekomponenten erkennen und konfigurieren: lspci, lsusb, dmesg
- Kernel-Module laden und verwalten: lsmod, modprobe, modinfo
- Gerätedateien in /dev, udev, Hotplug-Verarbeitung
- Grundlegende Systemüberwachung: top, htop, vmstat, iostat
Modul 2 — Dateisysteme, Partitionen und Dateirechte Linux-Dateisystem-Management ist eine Kernkompetenz jedes Linux-Administrators — von der Partitionierung bis zu den granularen Zugriffsrechten des POSIX-Rechtemodells.
- Partitionierung: MBR, GPT, fdisk, gdisk, parted
- Dateisystem-Typen: ext4, XFS, Btrfs, tmpfs, swap
- Mounten und /etc/fstab, Automount mit systemd.mount
- Dateirechte: rwx-Bits, SUID, SGID, Sticky Bit; chown, chmod, umask
- Access Control Lists (ACLs): getfacl, setfacl
- LVM (Logical Volume Manager): PV, VG, LV erstellen und skalieren
Modul 3 — Systemdienste, Netzwerk und Sicherheit Linux in produktiven Umgebungen einzusetzen bedeutet, Netzwerkdienste zu konfigurieren und den Zugriff auf das System abzusichern. Dieser Block deckt die wichtigsten Dienste und Sicherheitsmechanismen ab.
- Netzwerkkonfiguration: ip, nmcli, /etc/network/interfaces, NetworkManager
- DNS-Auflösung: /etc/resolv.conf, /etc/hosts, BIND-Grundlagen
- SSH-Konfiguration und Schlüsselbasierte Authentifizierung
- Paketfilter und Firewalls: iptables-Grundkonzepte, firewalld, ufw
- Benutzer- und Gruppenmanagement: useradd, usermod, passwd, /etc/sudoers
- Logging und Monitoring: journalctl, syslog, logrotate, auditd
Modul 4 — Scripting, Automatisierung und Paketverwaltung Shell-Scripting und Paketverwaltung sind das tägliche Handwerkszeug des Linux-Administrators — von der Automatisierung wiederkehrender Aufgaben bis zur Distribution-spezifischen Softwarepflege.
- Bash-Skripting: Variablen, Bedingungen, Schleifen, Funktionen, Exit-Codes
- Reguläre Ausdrücke: grep, sed, awk für Textverarbeitung in Skripten
- Cron und at für zeitgesteuerte Aufgaben
- Debian-basiert: apt, dpkg, /etc/apt/sources.list
- Red-Hat-basiert: yum/dnf, rpm, EPEL-Repository
- Kompilieren aus dem Quellcode: configure, make, make install
Modul 5 — EXIN Scrum Foundation Scrum ist ein iteratives Rahmenwerk für die Verwaltung und Durchführung von Projekten — ursprünglich in der Softwareentwicklung entstanden, heute branchenübergreifend verbreitet. Das EXIN-Scrum-Foundation-Modul vermittelt die Grundlagen systematisch und bereitet auf die EXIN-Prüfung vor.
- Agiles Manifest und die 12 agilen Prinzipien; Unterschied Agile vs. Scrum
- Scrum-Rollen und deren Verantwortlichkeiten: Product Owner, Scrum Master, Entwicklungsteam
- Scrum-Artefakte: Product Backlog, Sprint Backlog, Increment; Definition of Done
- Scrum-Events: Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review, Sprint Retrospektive
- Schätzung und Planung: Story Points, Planning Poker, Velocity, Release-Planung
- Monitoring: Burn-down-Charts, Cumulative Flow Diagrams, Kanban als Ergänzung
- Scrum in skalierten und verteilten Teams; Scrum of Scrums, LeSS-Grundkonzepte
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung beherrschen die Teilnehmenden die folgenden Kernkompetenzen —
- Linux-Systeme installieren, konfigurieren und in Netzwerkumgebungen einbinden
- Systemarchitektur, Bootprozess und Initialisierungssysteme (systemd) beschreiben und administrieren
- Dateisysteme einrichten, mounten, Partitionen verwalten und Dateirechte korrekt setzen
- Shell-Skripte für administrative Automatisierungsaufgaben schreiben
- Benutzer- und Gruppenkonten verwalten und Sicherheitsrichtlinien umsetzen
- Netzwerkdienste konfigurieren: DNS, DHCP, SSH, Paketfilter (iptables/nftables)
- Systemdienste überwachen, Logs analysieren und Probleme systematisch eingrenzen
- Paketverwaltung auf Debian- und Red-Hat-basierten Systemen beherrschen
- Agile Prinzipien und das Scrum-Framework im Team anwenden
- Scrum-Rollen, Artefakte und Events korrekt unterscheiden und einsetzen
- Sprint-Planung, Schätzung und Monitoring (Burn-down-Charts, Kanban) durchführen
- Die CompTIA Linux+ XK0-005 und die EXIN Scrum Foundation Prüfung erfolgreich ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an IT-Fachleute und Einsteiger, die fundierte Linux-Kenntnisse erwerben und diese mit einer international anerkannten Zertifizierung belegen möchten, während sie gleichzeitig die EXIN-Scrum-Foundation-Zertifizierung erlangen.
- Linux-Einsteiger mit IT-Grundkenntnissen, die eine vollständige distributionsneutrale Ausbildung anstreben
- Windows-Administratoren, die auf Linux-Systeme erweitern möchten
- Entwickler und DevOps-Einsteiger, die Linux-Systemkenntnisse formalisieren wollen
- IT-Fachleute in agil arbeitenden Teams, die eine Scrum-Grundlage benötigen
Allgemeine IT-Kenntnisse und ein grundlegendes Verständnis von Betriebssystemen (nicht notwendigerweise Linux) erleichtern den Einstieg. Erfahrung mit der Kommandozeile ist hilfreich, aber kein Muss — das Modul beginnt mit den Grundlagen. Für den Scrum-Teil sind keine Vorkenntnisse in agilen Methoden erforderlich. Der Kurs findet im Vollzeitformat als Combined-Learning-Maßnahme statt.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht basiert auf dem Combined-Learning-Ansatz über mehrere Wochen im Vollzeitformat. Für den Linux+-Teil sind praktische Übungen an Linux-Systemen ein wesentlicher Bestandteil — Kommandozeilenarbeit, Konfigurationsaufgaben und Fehleranalysen werden in begleiteten Lab-Phasen geübt. Das Scrum-Foundation-Modul kombiniert Theorie mit Fallbeispielen und schließt Übungsexamen für die EXIN-Prüfungsvorbereitung ein. Unterlagen und Prüfungsvorbereitung für beide Zertifizierungen sind im Lehrgang enthalten.
Die Weiterbildung dauert im Vollzeitformat mehr als einen Monat bis zu drei Monate, abhängig vom Anbieter und der gewählten Intensität. Der genaue Stundenumfang variiert. Beide Prüfungen — CompTIA Linux+ XK0-005 und EXIN Scrum Foundation — werden nach Abschluss des jeweiligen Moduls abgelegt.
Zielabschlüsse sind das CompTIA Linux+ Zertifikat (nach bestandener Prüfung XK0-005) und das EXIN Scrum Foundation Zertifikat. CompTIA Linux+ ist eine berufsorientierte, international anerkannte Herstellerzertifizierung, die Kernskills für Linux-Administrationspositionen dokumentiert. Das EXIN Scrum Foundation Zertifikat bestätigt grundlegende Kenntnisse des Scrum-Frameworks und ist zeitlich unbefristet. Ergänzend wird eine trägerinterne Lehrgangsbescheinigung ausgestellt.
Nutzen & Perspektiven
Linux ist das dominierende Betriebssystem in Cloud-Infrastrukturen, auf Servern, in Container-Umgebungen und in der Embedded-Welt. AWS, Azure und Google Cloud betreiben ihre virtuellen Maschinen und Container standardmäßig auf Linux-Basis; Kubernetes-Nodes laufen auf Linux; der überwiegende Teil der Webserver und Datenbankserver in deutschen Rechenzentren ebenfalls. CompTIA Linux+ XK0-005 ist distributionsneutral — die Kenntnisse gelten für Ubuntu genauso wie für Red Hat Enterprise Linux, CentOS oder Debian, was die Zertifizierung in heterogenen Unternehmensumgebungen besonders wertvoll macht. Das EXIN Scrum Foundation Zertifikat ergänzt das Profil um eine methodische Komponente, die in modernen IT-Teams weitgehend vorausgesetzt wird. Linux-Administratoren, die an agil arbeitenden DevOps-Teams beteiligt sind, profitieren davon, Scrum nicht nur passiv zu erleben, sondern aktiv mitzugestalten — Sprints mitplanen, in Retrospektiven konstruktiv beitragen und mit Product Ownern auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Die kombinierte Maßnahme ermöglicht es, zwei unabhängige Zertifizierungsziele in einer Weiterbildung zu verfolgen, was organisatorisch und zeitlich effizienter ist als zwei getrennte Lehrgänge. Für Personen, die AZAV-geförderte Weiterbildungen nutzen, ist diese Bündelung ein praktischer Vorteil.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen CompTIA Linux+ XK0-005 und LPIC?
CompTIA Linux+ XK0-005 ist die aktuelle, seit 2019 überarbeitete Version der Zertifizierung — eine einzige Prüfung, die das frühere Zwei-Prüfungs-Modell (LX0-103/LX0-104, auch als LPIC-1-Äquivalent bekannt) ersetzt hat. LPIC ist das Zertifizierungsprogramm der Linux Professional Institute (LPI) und ist separat. CompTIA Linux+ und LPIC sind von verschiedenen Organisationen ausgestellt und nicht identisch, obwohl es historisch eine Überschneidung im Prüfungsstoff gab.
Für welche Linux-Distributionen gilt die CompTIA Linux+ Zertifizierung?
CompTIA Linux+ ist bewusst distributionsneutral konzipiert und deckt alle gängigen Linux-Distributionen ab — darunter Ubuntu, Debian, Red Hat Enterprise Linux (RHEL), CentOS Stream und SUSE. Die Prüfung testet Kernkonzepte und Kommandos, die distributionsübergreifend gültig sind.
Muss ich beide Prüfungen gleichzeitig ablegen?
Nein. Die Prüfungen können zeitlich unabhängig voneinander abgelegt werden — typischerweise nach Abschluss des jeweiligen Moduls. Die Reihenfolge ist grundsätzlich flexibel, aber in der Regel wird Linux+ zuerst abgelegt, da es den größeren technischen Umfang hat.
Wie lange ist das CompTIA Linux+ Zertifikat gültig?
CompTIA Linux+ ist drei Jahre ab Ausstellungsdatum gültig. Es kann über das CompTIA Continuing Education (CE) Programm verlängert werden, ohne die Prüfung erneut ablegen zu müssen. Dafür müssen im Dreijahreszeitraum ausreichend CEUs gesammelt werden.
Ist der Kurs auch für komplette Linux-Einsteiger geeignet?
Ja, der Kurs setzt keine spezifischen Linux-Vorkenntnisse voraus. Grundlegende IT-Kenntnisse und eine gewisse Bereitschaft zur Kommandozeilenarbeit sind ausreichend für den Einstieg. Das Modul beginnt mit Systemarchitektur und Grundlagen und baut das Wissen systematisch auf.
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