Überblick
Seit Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung hat die Rolle des betrieblichen Datenschutzbeauftragten erheblich an Gewicht gewonnen. Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, einen Datenschutzbeauftragten zu bestellen, sobald mindestens zehn Personen regelmäßig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind — oder wenn besonders riskante Verarbeitungsformen wie eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchzuführen sind. Datenschutzbeauftragte tragen Verantwortung für die DSGVO-konforme Gestaltung aller betrieblichen Datenverarbeitungsprozesse. Diese Weiterbildung vermittelt die erforderliche Fachkunde, die Datenschutzbeauftragte benötigen, um ihre Aufgaben kompetent und rechtssicher wahrnehmen zu können.
Kursinhalte & Lernziele
EU-DSGVO, BDSG und rechtliche Grundlagen Das erste Themenfeld legt die gesetzliche Basis für alle weiteren Lerninhalte. Die Teilnehmenden erarbeiten sich ein belastbares Verständnis der zentralen Regelwerke und lernen, die Beziehung zwischen DSGVO als europäischer Verordnung und dem nationalen BDSG einzuordnen. Dieses Grundwissen ist Voraussetzung für alle weiteren praktischen Anwendungsfelder.
- Aufbau und Systematik der EU-DSGVO: Kapitel, Artikel und Erwägungsgründe
- Definition und Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 4 DSGVO
- Grundsätze der Datenverarbeitung: Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datensparsamkeit
- Einwilligung als Rechtsgrundlage: Anforderungen, Widerruf, Nachweispflicht
- Betroffenenrechte: Auskunft, Berichtigung, Löschung, Datenübertragbarkeit
- Verhältnis DSGVO zu nationalem Recht und bereichsspezifischen Regelungen (z. B. TMG, SGB, BetrVG)
Der Datenschutzbeauftragte: Rolle, Aufgaben und Haftung Dieser Abschnitt widmet sich der konkreten Rolle des Datenschutzbeauftragten im Unternehmen. Neben den Bestellvoraussetzungen nach § 37–39 DSGVO und § 38 BDSG werden Fragen der Unabhängigkeit, der Interessenkonflikte und der praktischen Zusammenarbeit mit Geschäftsführung und Fachabteilungen behandelt.
- Pflicht zur Bestellung: Schwellenwerte, Ausnahmen und behördliche Bestellung
- Interne vs. externe Datenschutzbeauftragte: Vor- und Nachteile im Vergleich
- Aufgaben nach Art. 39 DSGVO: Beratung, Überwachung, Schulung, Ansprechpartnerfunktion
- Rechtsstellung: Abberufungsschutz, Schweigepflicht, Haftungsfreistellung
- Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden: Meldepflichten bei Datenpannen
- Aufbau eines Datenschutzmanagement-Systems im Betrieb
Technische und organisatorische Maßnahmen sowie Risikobewertung Der Kern der operativen Datenschutzarbeit liegt in der Gestaltung geeigneter technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen. Dieser Modulblock vermittelt, wie Risiken bewertet werden, welche Schutzklassen relevant sind und wie Maßnahmen systematisch dokumentiert werden.
- Anforderungen an TOM nach Art. 32 DSGVO: Pseudonymisierung, Verschlüsselung, Zugriffskontrolle
- Schutzstufenkonzept: Klassifikation von Daten nach Sensitivität und Risiko
- Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO: Wann, wie, mit wem?
- Risikobewertung: Wahrscheinlichkeit, Schwere, Restrisiko und Abhilfemaßnahmen
- Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 DSGVO: Aufbau, Pflege und Revisionssicherheit
- Mindestregelungen im betrieblichen Datenschutz und deren praktische Umsetzung
Auftragsverarbeitung, internationale Transfers und Personalwesen Viele Unternehmen geben Datenverarbeitungsprozesse an externe Dienstleister weiter oder übertragen Daten in Drittländer. Beide Szenarien unterliegen spezifischen DSGVO-Anforderungen. Ergänzend behandelt dieser Abschnitt das datenschutzrechtlich besonders sensible Feld des Personalwesens — insbesondere die Datenerhebung im Bewerbungsverfahren.
- Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO: Inhalte des AVV, Auswahlpflicht, Subunternehmer
- Vertragliche Regelungen mit IT-Dienstleistern: Standardvertragsklauseln und SCC
- Datentransfer in Drittländer: Angemessenheitsbeschlüsse, geeignete Garantien, Ausnahmen
- Bewerberdaten: Erhebung, Speicherdauer, Absage-Kommunikation und Löschpflichten
- Beschäftigtendatenschutz: Überwachung am Arbeitsplatz, E-Mail-Kontrolle, Zeiterfassung
- Datenschutz bei Cloud-Nutzung und SaaS-Anwendungen im HR-Bereich
Praxisfelder: Schulung, Dokumentation und Sanktionen
- Aufbau eines Datenschutzschulungsprogramms für unterschiedliche Mitarbeitergruppen
- Datenschutzhandbucher und -richtlinien: Gliederung, Pflegeprozess, Versionierung
- Datenpannen: Erkennen, Bewerten, Melden nach Art. 33/34 DSGVO, interne Dokumentation
- Datenschutzkonzepte für spezifische Verarbeitungen: Website, CRM, Kundendatenverwaltung
- Sanktionen nach DSGVO und BDSG: Bußgeldrahmen, Behördenkompetenz, Präventivmaßnahmen
- Aufsichtsbehörden in Deutschland: Aufgaben, Prüfpraxis und Umgang mit Behördenanfragen
- Aktuelle Rechtsprechung und EuGH-Urteile zu ausgewählten DSGVO-Kernfragen
- Datenschutzaudit: Checklisten und methodisches Vorgehen bei internen Prüfungen
- Umgang mit Betroffenenanfragen: Identifizierung, Fristen, Auskunftspflicht und Weigerungsrechte
- Kommunikation des Datenschutzbeauftragten: intern mit Fachabteilungen und extern mit Behörden
- Fallstudie: Aufbau eines betrieblichen Datenschutzmanagementsystems von Grund auf
- Fallstudie: Reaktion auf einen simulierten Datensicherheitsvorfall nach DSGVO-Protokoll
Die Lerninhalte orientieren sich konsequent am aktuellen Stand der DSGVO-Anwendungspraxis und beziehen jüngere Entwicklungen in der Aufsichtspraxis sowie aktuelle EuGH- und BGH-Rechtsprechung ein. Durch die Kombination aus Grundlagen und Fallstudien bauen die Teilnehmenden ein Kompetenzprofil auf, das sie in die Lage versetzt, die Datenschutzbeauftragtenrolle von Beginn an verantwortungsvoll auszufüllen.
Lernziele:
- EU-Datenschutz-Grundverordnung und Bundesdatenschutzgesetz in ihren Grundstrukturen kennen und anwenden
- Rechtliche Stellung, Aufgaben und Pflichten des Datenschutzbeauftragten verstehen
- Technische und organisatorische Maßnahmen nach aktuellem Stand der Technik konzipieren
- Datenschutz-Folgenabschätzungen selbstständig durchführen und dokumentieren
- Risikobewertung und Schutzstufenkonzepte für unterschiedliche Datenverarbeitungen entwickeln
- Betriebliche Datenschutzregelungen erarbeiten und in die Organisation einführen
- Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO rechtssicher gestalten und überwachen
- Internationale Datentransfers rechtskonform organisieren
- Datenschutz im Personalwesen — insbesondere im Bewerbungsverfahren — umsetzen
- Datenschutzschulungen für Mitarbeitende konzipieren und durchführen
- Datenschutzkonzept und Datenschutzhandbuch erstellen und aktuell halten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung ist als Zusatzqualifikation konzipiert und richtet sich an Fachkräfte, die die Datenschutzbeauftragten-Funktion übernehmen sollen oder wollen — sei es intern im eigenen Unternehmen oder als externer Dienstleister. Die Weiterbildung ist branchenübergreifend ausgerichtet und eignet sich für folgende Personengruppen.
- Mitarbeitende aus Verwaltung, IT, Personal, Recht oder Compliance, die zur DSB-Funktion bestellt werden sollen
- Führungskräfte, die Datenschutzverantwortung in ihrer Organisation übernehmen
- IT-Fachkräfte, die ihre technischen Kenntnisse um die rechtliche Datenschutzdimension erweitern möchten
- Personen, die als externe Datenschutzbeauftragte tätig werden wollen
- Compliance-Manager, die Datenschutz als Teil eines integrierten Compliance-Managements verantworten
Für die Teilnahme werden PC- und Office-Grundkenntnisse sowie Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 vorausgesetzt. Eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung sind erforderlich. Inhaltlich sollten Teilnehmende über allgemeine Grundkenntnisse im Datenschutz verfügen — tiefgehende Rechtskenntnisse oder IT-Sicherheitsexpertise sind hingegen keine Voraussetzung; beides wird im Kurs in angemessener Tiefe aufgebaut.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung findet im Combined-Learning-Format in Vollzeit statt. Abwechselnd zwischen Präsenz- und Onlinephasen werden Gesetzestexte, Behördenpraxis und praktische Fallstudien bearbeitet. Der Kurs legt besonderen Wert auf den Transfer in den beruflichen Alltag: Fallstudien, Diskussionen und dokumentenorientierte Übungen stehen neben den theoretischen Unterrichtseinheiten im Mittelpunkt. Die Unterrichtssprache ist Deutsch.
Der genaue zeitliche Umfang variiert je nach Anbieter. Da die Weiterbildung in Vollzeit absolviert wird, können die Inhalte intensiv und ohne Unterbrechungen des Berufsalltags erarbeitet werden. Interessierten empfiehlt sich die direkte Kontaktaufnahme mit dem Anbieter für detaillierte Angaben zur Kursdauer.
Die Weiterbildung schließt mit einem trägerinternen Zertifikat ab. Es handelt sich um kein staatliches oder kammeranerkanntes Datenschutz-Zertifikat, sondern um eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die erfolgreiche Vermittlung der Fachkunde nach DSGVO-Anforderungen dokumentiert. In der Praxis ist das Zertifikat ein hilfreicher Nachweis für Unternehmen, die belegen müssen, dass der bestellte Datenschutzbeauftragte über die erforderliche Fachkunde verfügt.
Nutzen & Perspektiven
Der betriebliche Datenschutz ist kein einmaliges Projekt, sondern eine dauerhafte Compliance-Aufgabe, die in jedem Unternehmen ab einer bestimmten Größe fest verankert sein muss. Wer diese Weiterbildung absolviert, ist in der Lage, die Datenschutzbeauftragtenrolle von Anfang an kompetent auszuüben — von der ersten Bestandsaufnahme über die Erstellung des Verarbeitungsverzeichnisses bis hin zum Management eines Datenschutzvorfalls unter Zeitdruck. Die Kombination aus juristischem Grundwissen, technischem Verständnis und organisatorischer Umsetzungskompetenz ist das, was Aufsichtsbehörden, Geschäftsführungen und Betriebsräte von einem Datenschutzbeauftragten erwarten. Die Weiterbildung bereitet gezielt auf genau diese breite Anforderungsstruktur vor. Wer als externer Datenschutzbeauftragter tätig werden möchte, findet zudem eine solide Grundlage für den Aufbau eines entsprechenden Beratungsportfolios. Datenschutz ist heute ein echtes Wettbewerbsthema: Unternehmen, die nachweislich DSGVO-konform agieren, stärken das Vertrauen ihrer Kundinnen und Kunden und vermeiden die erheblichen Reputations- und Haftungsrisiken, die mit Datenpannen oder Aufsichtsbehördenprüfungen verbunden sein können. Als zertifizierte Fachkraft sind Absolventinnen und Absolventen dieser Weiterbildung in der Position, diesen Schutzauftrag professionell zu übernehmen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist diese Weiterbildung ausreichend, um als Datenschutzbeauftragter bestellt zu werden?
Die Weiterbildung vermittelt die nach DSGVO und BDSG geforderte Fachkunde. Sie ist als Qualifikationsnachweis geeignet, den die Bestellung voraussetzt. Ob sie im konkreten betrieblichen Kontext ausreicht, hängt von Größe und Komplexität der verarbeiteten Daten ab — bei sehr spezifischen Branchen kann eine ergänzende Spezialisierung sinnvoll sein.
Welche Vorkenntnisse sind erforderlich?
Allgemeine Grundkenntnisse im Datenschutz sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung werden vorausgesetzt. Tiefgehende Rechtskenntnisse oder eine IT-Ausbildung sind keine Voraussetzung; beide Dimensionen werden im Kurs angemessen aufgebaut. Deutschkenntnisse auf Niveau B2 sind erforderlich.
In welchem Format wird die Weiterbildung durchgeführt?
Der Kurs läuft im Combined-Learning-Format in Vollzeit. Präsenz- und Onlinephasen wechseln sich ab. Diese Kombination ermöglicht sowohl direkten Austausch mit Dozierenden und anderen Teilnehmenden als auch flexible Selbstlernphasen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Der Kurs endet mit einem trägerinternen Zertifikat, das die erworbene Fachkunde dokumentiert. Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes Abschlusszeugnis, wird aber als Qualifikationsnachweis gegenüber Arbeitgebern und Aufsichtsbehörden eingesetzt.
Kann man mit dieser Weiterbildung auch als externer Datenschutzbeauftragter tätig werden?
Ja. Die Weiterbildung richtet sich ausdrücklich auch an Personen, die die DSB-Funktion extern anbieten möchten. Die Kombination aus Rechtswissen, technischem Verständnis und Umsetzungskompetenz ist eine solide Basis für ein entsprechendes Beratungsangebot.
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