Überblick
Der Schutz von Oberflächengewässern, Grundwasser und Küstengewässern ist eine der zentralen Aufgaben des Umweltrechts. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) bildet die nationale Rechtsgrundlage für den deutschen Gewässerschutz und regelt Nutzung, Bewirtschaftung, Haftung und Schutz von Gewässern umfassend. Ergänzt wird es durch europäische Vorgaben — insbesondere die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) — sowie durch untergesetzliche Regelwerke wie die AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen). Diese Weiterbildung vermittelt vertiefende theoretische und praktische Kenntnisse, mit denen Teilnehmende in Behörden, Unternehmen und Organisationen gewässerschutzrechtliche Sachverhalte eigenständig analysieren und rechtlich fundierte Lösungen erarbeiten können.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Grundlagen des deutschen und europäischen Gewässerschutzrechts Dieses Modul legt das rechtssystematische Fundament. Teilnehmende lernen, wie das Wasserhaushaltsgesetz aufgebaut ist, welche europäischen Vorgaben es umsetzen muss und wie das Gewässerschutzrecht in das allgemeine Umwelt- und Verwaltungsrecht eingebettet ist.
- Aufbau, Regelungsziele und Systematik des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG)
- Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL): Bewirtschaftungsziele, Bewirtschaftungspläne, Maßnahmenprogramme
- Einordnung des Gewässerschutzrechts in das Gesamtsystem des Umweltschutzrechts
- Verhältnis von Bundesrecht, Landesrecht und kommunaler Satzung im Wasserrecht
- Einführung in das allgemeine Verwaltungsrecht im Kontext wasserrechtlicher Genehmigungsverfahren
Modul 2 — Gewässerbenutzungen und Abwasserbeseitigung Jede Nutzung von Gewässern — sei es Entnahme, Einleitung oder Aufstau — unterliegt einem wasserrechtlichen Erlaubnissystem. Dieses Modul behandelt die Typen der Gewässerbenutzung und die Regelungen für die Abwasserbeseitigung als Kernthema des betrieblichen Gewässerschutzes.
- Benutzungsarten nach § 9 WHG: Entnehmen, Einleiten, Ableiten, Aufstauen, Absenken
- Erlaubnis- und Bewilligungsverfahren: Voraussetzungen, Inhalte, Befristungen
- Abwasserbegriff nach WHG und Regelungssystematik der Abwasserbeseitigung
- Kommunale und betriebliche Abwasserbehandlung: Anforderungen und Kontrolle
- Indirekteinleiter-Regelungen und branchenspezifische Anforderungen
Modul 3 — AwSV, wasserwirtschaftliche Planung und Hochwasserschutz Wassergefährdende Stoffe und Hochwasserrisiken sind zwei der wichtigsten Themen in der betrieblichen und behördlichen Praxis. Dieses Modul erläutert die AwSV als eigenständige Verordnung sowie die Instrumente der wasserwirtschaftlichen Planung und des Hochwasserschutzes.
- AwSV: Aufbau, Einstufungssystem für wassergefährdende Stoffe, Anforderungen an Anlagen
- Betreiberpflichten nach AwSV: Eignungsnachweis, Sachverständigenprüfung, Rückhalteeinrichtungen
- Wasserwirtschaftliche Planung: Bewirtschaftungspläne, Maßnahmenprogramme, Flussgebietseinheiten
- Hochwasserschutz nach WHG: Überschwemmungsgebiete, Risikogebiete, Verschärfte Anforderungen
- Rechtliche Auswirkungen von Überschwemmungsgebieten auf Bebauungsplanung und Genehmigungen
Praxis-Block — Anwendung und Fallbearbeitung im Gewässerschutzrecht Der Praxis-Block ermöglicht die Anwendung des Gelernten auf realistische Szenarien aus der Behörden- und Unternehmenspraxis. Teilnehmende arbeiten an typischen wasserrechtlichen Fallkonstellationen und bereiten Stellungnahmen auf.
- Prüfung eines Einleitungsantrags auf Genehmigungsfähigkeit nach WHG
- Begutachtung einer Anlage nach AwSV: Mängel erkennen und dokumentieren
- Fallbearbeitung Hochwasserschutz: Bebauungsplan im Überschwemmungsgebiet
- Kommunale Abwassersatzung: Inhalt, Rechtsgrundlagen, Rechtmäßigkeitsprüfung
- Erstellen einer wasserrechtlichen Stellungnahme zu einem Industrieprojekt
- Haftungsfall Gewässerverunreinigung: Verantwortliche Personen und Haftungsumfang
- Analyse eines Bewirtschaftungsplans für eine Flussgebietseinheit
- Schriftliche Beurteilung einer wasserrechtlichen Genehmigung
- Austausch mit Fachexperten zu aktuellen Rechtsfragen im Gewässerschutz
- Behördenpraxis: Ablauf eines wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens
- Übungsfall zur grenzüberschreitenden Gewässernutzung im EU-Kontext
- Gesamtfallbearbeitung: Wasserrechtliches Gutachten für ein Planungsvorhaben
Aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs sowie Verwaltungsvorschriften der Länder fließen durchgehend in die Kursgestaltung ein. Der Kurs wird im Format Combined Learning als Vollzeitmaßnahme angeboten.
Lernziele:
- Sie kennen die Systematik und Grundprinzipien des Wasserhaushaltsgesetzes und können dessen Regelungen praxisnah anwenden
- Sie ordnen das deutsche Gewässerschutzrecht korrekt in den Rahmen des europäischen Umweltrechts ein
- Sie verstehen die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und deren Umsetzung im nationalen Recht
- Sie erläutern die rechtlichen Rahmenbedingungen für Gewässerbenutzungen und prüfen Erlaubnisfähigkeit konkreter Maßnahmen
- Sie kennen die Rechtsgrundlagen der Abwasserbeseitigung und wenden sie auf betriebliche und kommunale Sachverhalte an
- Sie verstehen Aufbau und Inhalt der AwSV und können Anforderungen an Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen beurteilen
- Sie erläutern die Grundzüge der wasserwirtschaftlichen Planung und deren Verbindung zu Raumordnung und Bauleitplanung
- Sie kennen die rechtlichen Instrumente des Hochwasserschutzes und deren Bedeutung für Planungs- und Genehmigungsverfahren
- Sie wenden allgemeine verwaltungsrechtliche Grundsätze auf gewässerschutzrechtliche Verwaltungsakte an
- Sie kennen Verantwortungs- und Haftungsregelungen bei Gewässerschäden und können Risiken bewerten
- Sie formulieren rechtssichere Stellungnahmen und Gutachten zu gewässerschutzrechtlichen Fragestellungen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die in ihrer beruflichen Tätigkeit regelmäßig mit gewässerschutzrechtlichen Fragestellungen konfrontiert sind und ihr Fachwissen systematisch vertiefen möchten.
- Mitarbeitende in Wasserbehörden, Umweltämtern und Unteren Naturschutzbehörden
- Fachkräfte im betrieblichen Umweltschutz in wasserintensiven Branchen (Chemie, Lebensmittel, Energie)
- Planungsingenieure und Umweltgutachter, die wasserrechtliche Beiträge erstellen
- Gewässerschutzbeauftragte, die ihre rechtliche Kompetenz formal dokumentieren möchten
- Quereinsteiger/innen mit kaufmännischem oder technischem Hintergrund, die in den Bereich Wasserrecht wechseln
Der Kurs setzt eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium im kaufmännischen oder technischen Bereich voraus. Darüber hinaus werden Kenntnisse erwartet, die einem Umweltrecht-Basics-Modul oder einem vergleichbaren Aufbaukurs entsprechen. Wer diese Vorkenntnisse noch nicht mitbringt, sollte zunächst einen Einführungskurs im Umweltrecht absolvieren. Der vorliegende Kurs ist als Vertiefungsmodul konzipiert und knüpft gezielt an diese Grundlagen an.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Format Combined Learning angeboten — eine strukturierte Abfolge von Onlinephasen und betreuten Präsenz- oder Videokonferenzeinheiten. In den Onlinephasen erarbeiten Teilnehmende Gesetzestexte, Kommentarliteratur und Fallstudien im eigenen Lerntempo. Die betreuten Einheiten vertiefen den Stoff durch Falldiskussionen, schriftliche Übungsaufgaben und den Austausch mit Fachtrainerinnen und Fachtrainern. Ergänzend werden aktuelle Gerichtsurteile und Verwaltungsvorschriften in den Kurs integriert, um einen unmittelbaren Bezug zur Rechtspraxis herzustellen.
Die Weiterbildung wird als Vollzeitmaßnahme in einer Dauer von mehr als einer Woche bis zu einem Monat angeboten. Der genaue Zeitrahmen variiert je nach Anbieter. Die Vollzeitstruktur ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten und erlaubt es, juristische Sachverhalte gründlich durchzuarbeiten, ohne Abstriche beim Lerntransfer machen zu müssen.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Dieses Dokument ist in der beruflichen Praxis als Weiterbildungsnachweis anerkannt und belegt erworbene Kompetenzen im Gewässerschutzrecht. Ein staatlicher oder kammerbezogener Abschluss ist mit diesem Kurs nicht verbunden.
Nutzen & Perspektiven
Gewässerschutz ist ein dauerhaft relevantes politisches und rechtliches Thema — verschärft durch Klimawandel, häufigere Extremwetterereignisse und steigenden Wasserbedarf der Industrie. Fachkräfte, die gewässerschutzrechtliche Sachverhalte eigenständig und rechtssicher beurteilen können, sind in Behörden und Unternehmen gleichermaßen gefragt. Wer die Anforderungen der AwSV, der WRRL und des WHG konkret kennt, kann Projekte von Anfang an rechtskonform planen und kostspielige Nachbesserungen vermeiden. Für Mitarbeitende in Behörden bedeutet diese Qualifikation eine deutliche Erweiterung ihrer Handlungskompetenz — von der Bearbeitung von Einleitungsanträgen bis zur Überwachung von Industrieanlagen. Für Beschäftigte in Unternehmen schafft sie die Grundlage, um betriebliche Umweltrisiken frühzeitig zu erkennen, wasserbezogene Compliance-Anforderungen zu erfüllen und proaktiv mit Behörden zu kommunizieren. Der Kurs ist bei AZAV-zertifizierten Trägern in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen je nach Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung (BFD) der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege in Betracht. Interessierte sollten sich frühzeitig bei der zuständigen Behörde beraten lassen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse benötige ich?
Voraussetzung ist eine abgeschlossene kaufmännische oder technische Ausbildung bzw. Studium sowie Kenntnisse im Umweltrecht auf dem Niveau eines Basics- und Aufbaukurses. Ohne diese Grundlagen empfiehlt sich zunächst der Besuch eines Einführungskurses.
Was ist die AwSV und warum ist sie im Kurs wichtig?
Die AwSV ist die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen — ein zentrales Regelwerk für Unternehmen, die Chemikalien, Kraftstoffe oder andere wassergefährdende Stoffe lagern oder verarbeiten. Der Kurs behandelt Aufbau, Einstufungssystem und Betreiberpflichten der AwSV ausführlich.
Ist der Kurs über einen Bildungsgutschein förderbar?
Ja, bei AZAV-zertifizierten Trägern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz und Förderungen der Deutschen Rentenversicherung kommen je nach Situation in Betracht.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Ein staatlicher oder kammerbezogener Abschluss ist mit dem Kurs nicht verbunden.
Für welche Tätigkeiten qualifiziert der Kurs?
Der Kurs qualifiziert für Tätigkeiten in Wasserbehörden, als Gewässerschutzbeauftragte/r oder als Umweltgutachter/in mit Schwerpunkt Wasserrecht. Auch für Planungsbüros und Unternehmen, die wasserrechtliche Genehmigungsverfahren begleiten, ist die Qualifikation relevant.
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