Überblick
Der IT-Service-Spezialist ist ein breit angelegtes Kombiprogramm, das technische Serverkompetenz, Servicemanagement-Methodik und Projektmanagement-Qualifikation in einer einzigen Weiterbildung verbindet. Der technische Teil basiert auf den Windows-Server-2016-MOC-Kursen (20740, 20741, 20742, 20413, 20414), die Server-Administration, Netzwerke, Identity-Dienste und Infrastrukturplanung abdecken. Ein ehrlicher Hinweis ist hier angebracht: Windows Server 2016 ist nicht mehr die aktuelle Microsoft-Serverversion — Windows Server 2022 und 2025 sind die aktuellen Releases. Die in diesen Kursen vermittelten Konzepte (Active Directory, Netzwerkdienste, Speicher, Hochverfügbarkeit) gelten jedoch auch in neueren Versionen grundlegend, sodass die erworbenen Kenntnisse eine solide Basis für den Einstieg in Windows-Server-Umgebungen bilden. Ergänzt wird das Programm durch ITIL (Foundation-Niveau und Vertiefungsmodule) sowie PRINCE2 Foundation und Practitioner.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Windows Server 2016 — Installation, Storage und Compute (MOC 20740) Dieser Einstiegskurs in die Windows-Server-Welt legt das technische Fundament für alle weiteren Servermodule. Die Inhalte stammen aus dem offiziellen Microsoft-Kurs MOC 20740.
- Installation und Konfiguration von Windows Server 2016
- Verwaltung von Servern: Tools, Remote Management, Server Core
- Storage-Technologien: Festplattentypen, Volumes, Dateisysteme, Storage Spaces
- Compute-Dienste: Hyper-V, virtuelle Maschinen, Container-Grundlagen
- Hochverfügbarkeit: Failover-Clustering, Network Load Balancing
- Backup- und Wiederherstellungsstrategien
Modul 2: Netzwerke mit Windows Server 2016 (MOC 20741) Netzwerkkonfiguration und -dienste sind Kernaufgaben der Server-Administration. Dieser Abschnitt deckt die relevanten Netzwerkprotokolle und -dienste unter Windows Server 2016 ab.
- TCP/IP-Grundlagen im Windows-Server-Kontext
- DHCP: Implementierung, Verwaltung, Failover
- DNS: Zonen, Records, Auflösung, Replikation
- IPAM: IP-Adressverwaltung
- Remote-Zugriff: VPN, DirectAccess, Web Application Proxy
- Software-Defined Networking (SDN): Grundkonzepte
- Netzwerksicherheit: Firewall, Netzwerkrichtlinien
Modul 3: Identity-Dienste mit Windows Server 2016 (MOC 20742) Active Directory ist das Herzstück nahezu jeder Windows-Unternehmensumgebung. MOC 20742 vermittelt die Administration von Verzeichnisdiensten, Authentifizierung und Gruppenrichtlinien.
- Active Directory Domain Services (AD DS): Installation, Struktur, Replikation
- Benutzerverwaltung: Konten, Gruppen, Organisationseinheiten
- Gruppenrichtlinien (GPO): Erstellung, Verknüpfung, Fehlerbehandlung
- Active Directory Certificate Services (AD CS): PKI-Grundlagen, Zertifikatsverwaltung
- Active Directory Federation Services (AD FS): Grundkonzepte
- Azure AD und Hybridszenarien (grundlegend)
Modul 4: Server-Infrastruktur entwerfen und implementieren (MOC 20413 und 20414) Diese beiden Kurse sind für fortgeschrittene Administratoren und Architekten konzipiert. Sie beschäftigen sich mit dem Entwurf komplexer Infrastrukturen und deren Implementierung auf Enterprise-Niveau.
- Planung und Implementierung einer Server-Virtualisierungsinfrastruktur
- Entwurf und Implementierung von Identitätslösungen für komplexe Umgebungen
- Hochverfügbarkeit: erweiterte Clustering-Konzepte, Hyper-V Replica
- Entwurf von Backup- und Notfallwiederherstellungsstrategien
- Netzwerkinfrastruktur-Planung für Enterprise-Umgebungen
- Patch-Management und Softwareverteilung im Unternehmensnetzwerk
- Sicherheitsplanung für Server-Infrastrukturen
Modul 5: ITIL — Service Management Foundation und Vertiefung Der ITIL-Anteil dieses Kurses umfasst mehrere Stufen. Klarstellend sei angemerkt: Inhalte wie "ITIL Lifecycle Stream mit Service Management" und "Managing Across the Lifecycle" beziehen sich auf die ITIL-v3-Systematik (Lifecycle-Streams: Service Strategy, Design, Transition, Operation, Continual Service Improvement). ITIL 4, das 2019 veröffentlichte aktuelle Framework, hat diese Lifecycle-Struktur durch das Service Value System ersetzt. Teilnehmende erhalten im Foundation-Modul Grundkenntnisse, die auch in ITIL 4 anschlussfähig sind, sollten aber wissen, dass für aktuelle ITIL-4-Qualifikationen separate Prüfungen nach dem neuen Rahmenwerk erforderlich sind.
- ITIL Foundation: Servicedefinition, Wertbegriff, Rollen, Grundprozesse
- Service Value System (ITIL 4): Service Value Chain, Wertströme
- Die 7 Leitprinzipien von ITIL 4
- Die 4 Dimensionen des Servicemanagements
- Kernpraktiken: Incident Management, Problem Management, Change Enablement, Service Desk, Configuration Management
- ITIL-v3-Lifecycle-Überblick: Service Strategy, Design, Transition, Operation, CSI
- Managing Across the Lifecycle: Integration von ITIL-Prozessen über Lifecycle-Stufen
Modul 6: PRINCE2 Foundation und Practitioner PRINCE2 ist das weltweit verbreitete Projektmanagement-Framework für strukturierte, kontrollierte Projektdurchführung. Foundation legt die Grundlagen; Practitioner zeigt, wie die Methode in der Praxis angewendet wird.
- Die 7 Prinzipien von PRINCE2
- PRINCE2-Themen: Business Case, Organisation, Qualität, Pläne, Risiken, Änderungen, Fortschritt
- PRINCE2-Prozesse: Vorbereitung, Initiierung, Lenkung, Steuerung, Lieferung, Abschluss
- Tailoring: PRINCE2 an Projektgröße und -umgebung anpassen
- Foundation: Konzepte und Terminologie
- Practitioner: Anwendung auf Szenarien, Rollenzuordnung, Entscheidungslogik
- PRINCE2 Practitioner läuft nach 3 Jahren ab und erfordert dann eine Rezertifizierung
Laborübungen und szenariobasierte Praxis Alle technischen Kursmodule sind mit Labs in virtuellen Umgebungen verknüpft. Dieser Praxisanteil ist ein wesentlicher Bestandteil des Programms und unterscheidet den IT-Service-Spezialist-Lehrgang von rein theoretischen Zertifikatskursen.
- Lab: Windows Server 2016 installieren und konfigurieren
- Lab: DHCP-Server einrichten und testen
- Lab: DNS-Zone und Records erstellen, Auflösung prüfen
- Lab: Active-Directory-Domäne einrichten, Benutzer und Gruppen anlegen
- Lab: Gruppenrichtlinien erstellen und deren Anwendung verifizieren
- Lab: Hyper-V — virtuelle Maschine erstellen und konfigurieren
- Lab: Failover-Clustering konfigurieren und Failover-Szenario testen
- Lab: Storage Spaces konfigurieren und Speicherpool verwalten
- Lab: VPN-Verbindung einrichten und Remote-Zugriff testen
- Lab: ITIL-Praktik anwenden — Incident-Ticket simulieren und durch Prozess begleiten
- Lab: PRINCE2-Projektinitiierungsdokumentation für ein Szenario erstellen
- Lab: Server-Infrastrukturplanung für ein mittelgroßes Unternehmen entwerfen
Die Labs finden in einer virtuellen Umgebung statt, sodass keine physische Serverinfrastruktur benötigt wird. Für ITIL und PRINCE2 kommen szenariobasierte Übungen und Fallstudien zum Einsatz.
Lernziele:
- Windows-Server-2016-Umgebungen installieren, konfigurieren und verwalten
- Speicher- und Compute-Lösungen in Windows Server planen und einrichten
- Netzwerkdienste unter Windows Server implementieren und betreiben
- Active-Directory-Infrastruktur aufbauen und pflegen
- Komplexe Server-Infrastrukturen entwerfen und implementieren
- ITIL-4-Konzepte auf IT-Serviceprozesse anwenden
- ITIL-Praktiken für Incident, Problem, Change und Service Desk einsetzen
- IT-Services nach dem Service-Value-System-Ansatz ausrichten
- PRINCE2-Projekte nach den sieben Prinzipien strukturieren und steuern
- PRINCE2 Foundation- und Practitioner-Prüfungsanforderungen erfüllen
- Technische Labore in virtualisierten Umgebungen selbstständig durchführen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Programm richtet sich an Personen mit technischem IT-Hintergrund, die ihr Profil gezielt um Servicemanagement- und Projektmanagementkompetenz erweitern wollen.
- IT-Administratoren und Systemadministratoren mit Windows-Kenntnissen
- IT-Fachleute, die in Service-Management- oder Projektleitungsrollen wechseln wollen
- Netzwerk- und Infrastrukturadministratoren, die ihre Qualifikation vertiefen
- IT-Mitarbeitende, die ITIL- und PRINCE2-Zertifikate anstreben
- Berufsumsteiger:innen mit technischer Vorerfahrung im IT-Bereich
Grundkenntnisse in Windows-Betrieb und -Administration sowie Erfahrung mit Netzwerkgrundlagen werden empfohlen. Für die fortgeschrittenen Servermodule (MOC 20413/20414) sind Kenntnisse aus den Grundlagenmodulen (20740/20741/20742) oder vergleichbare Praxiserfahrung hilfreich. Für PRINCE2 und ITIL werden keine spezifischen Vorkenntnisse vorausgesetzt, jedoch ist allgemeines IT-Prozessverständnis vorteilhaft.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs arbeitet mit einem kombinierten Ansatz aus Instruktion, szenariobasiertem Lernen und technischen Labs in virtuellen Umgebungen. Die Labs sind integraler Bestandteil des Programms — sie stellen sicher, dass die Serverkonzepte nicht nur verstanden, sondern auch praktisch angewandt werden. ITIL- und PRINCE2-Inhalte werden durch Fallstudien und Szenarioübungen vertieft. Der Kurs ist überwiegend in Teilzeit, in einigen Varianten auch in Vollzeit verfügbar.
Das Programm umfasst fünf technische MOC-Kurse, ITIL Foundation plus Vertiefungsmodule sowie PRINCE2 Foundation und Practitioner — ein erheblicher Umfang, der entsprechende Zeit erfordert. Lernunterlagen sowie der Zugang zur virtuellen Lab-Umgebung sind inbegriffen.
Der Kurs bereitet auf mehrere externe Zertifizierungsprüfungen vor: PRINCE2 Foundation (unbefristet gültig), PRINCE2 Practitioner (Rezertifizierung nach 3 Jahren), ITIL Foundation sowie weiterführende ITIL-Prüfungen. Für den Windows-Server-Anteil existierten historisch die MCSA/MCSE-Zertifizierungen von Microsoft — diese wurden 2021 eingestellt und durch rollenbasierte Zertifizierungen ersetzt. Der Kurs bereitet auf die inhaltliche Wissensbasis vor; aktuelle Microsoft-Zertifizierungen nach dem rollenbasierten Modell erfordern separate Prüfungen. Ergänzend wird ein trägerinternes Lehrgangszertifikat ausgestellt.
Nutzen & Perspektiven
Der IT-Service-Spezialist ist kein Nischenprogramm für eine einzige Rolle, sondern eine Breitenqualifikation für IT-Fachleute, die technische Serverkompetenz, Servicemanagement-Wissen und Projektmanagement-Methodik in einer Person vereinen wollen. Das ist in der Praxis ein gefragtes Profil: Viele mittelgroße IT-Organisationen suchen Mitarbeitende, die nicht nur Systeme betreiben, sondern auch verstehen, wie Services gesteuert werden und wie Projekte strukturiert ablaufen. PRINCE2 und ITIL sind dabei keine Modewörter, sondern bewährte internationale Rahmenwerke mit nachweislicher Marktrelevanz. Die PRINCE2-Zertifikate (Foundation und Practitioner) öffnen Türen zu strukturiertem Projektmanagement — in der IT, aber auch darüber hinaus. ITIL Foundation ist in IT-Service-Organisationen weltweit Grundvoraussetzung für Servicemanagement-Rollen. Wer beides mitbringt, ist sowohl für interne IT-Abteilungen als auch für Dienstleister und Managed-Service-Provider attraktiv. Der technische Windows-Server-Anteil vermittelt Konzepte, die — auch wenn die konkrete Version 2016 nicht mehr aktuell ist — in ihrer Grundstruktur auf aktuelle Server-Generationen übertragbar sind. Wer Active Directory, DNS, DHCP, Clustering und Storage-Konzepte einmal praktisch in einer Lab-Umgebung durchgearbeitet hat, findet sich in Windows-Server-2022- oder Azure-Arc-Umgebungen erheblich schneller zurecht als jemand, der nur theoretisches Buchwissen mitbringt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum werden Windows-Server-2016-Kurse gelehrt, obwohl es neuere Versionen gibt?
Windows Server 2016 ist nicht mehr die aktuelle Version — Windows Server 2022 und 2025 sind aktuell. Die vermittelten Konzepte (Active Directory, Netzwerkdienste, Speicher, Hochverfügbarkeit) sind jedoch in allen Windows-Server-Versionen grundlegend und direkt übertragbar. Wer die 2016-Basis in Labs praktisch erarbeitet hat, findet sich in neueren Versionen rasch zurecht.
Auf welche ITIL-Version bereitet der Kurs vor?
Der Kurs umfasst ITIL Foundation in ITIL-4-Grundkonzepten sowie ältere Vertiefungsmodule, die auf der ITIL-v3-Lifecycle-Systematik basieren. Das aktuelle Framework ist ITIL 4 (seit 2019). Für eine vollständige ITIL-4-Qualifikation sind separate aktuelle Prüfungen erforderlich.
Was unterscheidet PRINCE2 Foundation von PRINCE2 Practitioner?
PRINCE2 Foundation prüft das Verständnis der Konzepte, Prinzipien, Prozesse und Themen des Frameworks — es ist unbefristet gültig. PRINCE2 Practitioner geht einen Schritt weiter und prüft die Anwendung des Frameworks auf reale Projektszenarien; diese Zertifizierung ist 3 Jahre gültig und erfordert dann eine Rezertifizierung.
Sind Labs in der virtuellen Umgebung inbegriffen?
Ja. Alle technischen Kursmodule (Windows Server) sind mit Labs in einer virtuellen Umgebung verknüpft. Lernunterlagen sowie der Zugang zur Lab-Umgebung sind im Kurs enthalten. Für die Arbeit in den Labs wird kein physischer Server benötigt.
Welche Zertifikate kann ich nach dem Kurs ablegen?
Der Kurs bereitet auf PRINCE2 Foundation, PRINCE2 Practitioner und ITIL Foundation vor. Für den Windows-Server-Anteil wurden die alten MCSA/MCSE-Zertifizierungen von Microsoft 2021 eingestellt; aktuelle rollenbasierte Microsoft-Zertifizierungen sind separate Prüfungen. Ein trägerinternes Lehrgangszertifikat wird in jedem Fall ausgestellt.
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