Überblick
Bauprojekte scheitern selten an mangelndem technischem Know-how — häufiger an unzureichender Kostenkontrolle, fehlerhafter Ausschreibung oder Unkenntnis vertraglicher Pflichten nach VOB und HOAI. Diese Weiterbildung vermittelt das rechtlich-technische Fundament für die kompetente Begleitung von Bauprojekten auf der Kostenseite: von der frühzeitigen Kostenermittlung nach DIN 276 über die Honorarplanung nach HOAI bis zur vollständigen Durchführung des AVA-Prozesses und der Anwendung der VOB in Teilen A, B und C.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Kostenmanagement und DIN 276/277 Die systematische Kostenermittlung ist der erste Schritt jeder wirtschaftlichen Bauplanung. Dieser Abschnitt vermittelt die normativen Grundlagen und zeigt, wie Kostenstrukturen von der ersten Projektstufe bis zur Abrechnung aufgebaut werden.
- Überblick Kostenmanagement im Bauwesen: Kostenbegriffe, Kostengruppen, Kostenziele
- Kostenermittlungsstufen nach DIN 276: Kostenschätzung, Kostenberechnung, Kostenanschlag, Kostenfeststellung
- Strukturierte Gliederung der Gesamtkosten nach Kostengruppen (KG 100–700)
- Flächen- und Rauminhalte nach DIN 277: BGF, NUF, BRI als Planungs- und Abrechnungsgrundlage
- Ermittlung anrechenbarer Kosten als Basis für die HOAI-Honorarberechnung
- Budgetplanung und Kostenverfolgung im Projektverlauf
Modul 2 — HOAI: Honorarordnung für Architekten und Ingenieure Die HOAI regelt die Vergütung von Planungsleistungen in Deutschland. Fehler bei der Honorarvereinbarung oder der Zuordnung von Leistungsbildern können für alle Projektbeteiligten erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Dieser Abschnitt vermittelt das notwendige Grundlagenwissen für die rechtssichere Anwendung der HOAI.
- Leistungsbilder der HOAI: Grundleistungen und besondere Leistungen im Überblick
- Honorarzonen I bis V: Einordnung nach Planungsanforderungen
- Berechnung der anrechenbaren Kosten und der Honorarspanne
- Honorarvereinbarungen: Mindest- und Höchstsätze, vertragliche Gestaltungsmöglichkeiten
- Besondere Leistungen und Zusatzhonorare
- Stufenverträge und phasenweise Beauftragung in der Planungspraxis
Modul 3 — VOB: Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen Die VOB ist das Regelwerk für öffentliche und private Bauaufträge in Deutschland. Ihre drei Teile haben unterschiedliche rechtliche Charaktere und Anwendungsbereiche, die für die Praxis sauber unterschieden werden müssen.
- VOB/A — Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe von Bauleistungen: offenes und beschränktes Verfahren, Wettbewerbsprinzip
- VOB/B — Allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen: Leistungspflichten, Änderungsanordnungen, Abnahme, Mängelrecht
- VOB/C — Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV): Gewerk-spezifische Anforderungen und deren Bedeutung für die Leistungsbeschreibung
- Zusammenspiel von VOB und BGB: wann welches Recht gilt
- Bauzeitplanung und Terminvereinbarung nach VOB/B
- Abnahme, Gewährleistung und Mängelbeseitigung in der Praxis
Modul 4 — AVA-Prozess: Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung Der AVA-Prozess bildet das operative Rückgrat der Bauabwicklung: Wer ihn beherrscht, kann Bauprojekte von der Planung über die Auftragsvergabe bis zur Schlusskostenermittlung strukturiert begleiten.
- Leistungsverzeichnis (LV) erstellen: Positionen, Mengen, Einheitspreis- und Pauschalverträge
- Bieterauswahl und Angebotsauswertung nach VOB/A
- Vergabevermerk und Auftragsschreiben rechtssicher formulieren
- Aufmaß und Mengenermittlung im Bauablauf
- Schlussrechnung prüfen und freigeben
- Nachtragsprüfung: Berechtigung, Dokumentation, Einigung
Praxisworkflow — Bauprojektbegleitung von der Kalkulation bis zur Abrechnung In einem durchgehenden Praxisworkflow werden alle Modulinhalte auf ein reales Bauprojektszenario angewendet.
- Kostenberechnung nach DIN 276 aufstellen: KG-Struktur, Schätzansätze, Unvorhergesehenes
- BGF und BRI nach DIN 277 ermitteln und für Honorarberechnung dokumentieren
- HOAI-Honorar berechnen: Leistungsbild, Honorarzone, anrechenbare Kosten, Prozentsatz
- Leistungsverzeichnis (LV) für ein Gewerk erstellen und Mengen berechnen
- Angebotsvergleich nach VOB/A durchführen und Vergabeentscheidung begründen
- Auftragsschreiben an Bauunternehmen vorbereiten
- Bautagebuch und Regieberichte als Grundlage für Nachtragsansprüche führen
- Aufmaß nehmen und in Abrechnungsposition überführen
- Nachtragsantrag prüfen: Berechtigung nach VOB/B § 2 klären
- Schlussrechnung formal und inhaltlich prüfen und freigeben
- Kostenfeststellung nach DIN 276 erstellen und Soll-Ist-Abgleich durchführen
- Projektabschlussdokumentation: Kostenentwicklung, Nachtragsliste, offene Restpunkte
Diese Praxisübungen simulieren die tatsächliche Arbeit in einem Bau- oder Planungsbüro und machen deutlich, wie eng Kostenrecht, Vergaberecht und operative Projektsteuerung zusammenhängen.
Lernziele:
- Grundprinzipien des Kostenmanagements in Bauprojekten kennen und auf Projekte anwenden
- Kostenermittlungsstufen nach DIN 276 erläutern und strukturierte Kostenberechnungen aufbauen
- Grundflächen und Rauminhalte nach DIN 277 ermitteln und als Berechnungsgrundlage einsetzen
- Honorarzonen und anrechenbare Kosten nach HOAI bestimmen und Honorarvereinbarungen vorbereiten
- Die drei Teile der VOB (A, B, C) kennen und ihren jeweiligen Anwendungsbereich im Bauprojekt einordnen
- Ausschreibungsunterlagen nach VOB/A rechtssicher erstellen
- Bauvertragliche Pflichten und Rechte nach VOB/B verstehen und im Projektalltag anwenden
- Technische Vertragsbedingungen nach VOB/C lesen und für die Leistungsbeschreibung nutzen
- Den vollständigen AVA-Prozess (Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung) strukturieren und durchführen
- Nachtragsmanagement im laufenden Bauprojekt vorbereiten und dokumentieren
- Leistungsbilder der HOAI kennen und Planungsleistungen zuordnen
- Kostencontrolling-Methoden im Bauablauf anwenden und Budgetabweichungen erkennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte mit technischem oder baukaufmännischem Hintergrund, die ihre Kenntnisse im Kosten- und Vertragsrecht des Bauwesens gezielt erweitern wollen.
- Absolventinnen und Absolventen eines Studiums in Architektur oder Bauingenieurwesen
- Baufachleute mit Berufserfahrung, die Kosten- und Vertragsrecht vertiefen möchten
- Mitarbeitende in Planungsbüros, die Honorarberechnungen und Kostenkontrollen selbstständig übernehmen sollen
- Projektsteuernde in Bauunternehmen oder bei Bauherren, die die rechtlichen Grundlagen der VOB und HOAI kompakt erarbeiten möchten
- Techniker/innen, die in baukaufmännische Positionen wechseln wollen
Die Weiterbildung setzt ein abgeschlossenes Studium im Bereich Architektur oder Bauingenieurwesen oder vergleichbare Berufserfahrung in einem technischen Bau- oder Planungsberuf voraus. Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind erforderlich, da Ausschreibungen, Verträge und Normen auf Deutsch erarbeitet werden. Grundlegende PC-Kenntnisse werden vorausgesetzt. Spezifische Kenntnisse in HOAI oder VOB sind nicht notwendig — beide Regelwerke werden im Kurs systematisch eingeführt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Combined-Learning-Format statt und kann sowohl in Teilzeit als auch in Vollzeit absolviert werden. Die Vermittlung von Normwissen (DIN 276, DIN 277, HOAI, VOB) erfolgt anhand konkreter Berechnungsbeispiele und Dokumentenmuster. Der AVA-Prozess wird durchgehend an einem Praxisprojekt geübt, sodass die erlernten Methoden nicht abstrakt bleiben.
Die Weiterbildungsdauer variiert je nach Anbieter und Durchführungsmodus (Teilzeit oder Vollzeit). Konkrete Laufzeiten entnehmen Sie bitte den Angeboten des jeweiligen Kursanbieters. Die Inhalte umfassen alle wesentlichen Themengebiete des Kosten- und Baumanagements in kompakter Form.
Bei erfolgreichem Abschluss wird ein trägerinternes Zertifikat „Kosten- und Baumanagement nach HOAI, VOB und AVA" ausgestellt. Es handelt sich um eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Kursanbieters, kein staatlich anerkanntes Examen. Die Weiterbildung bereitet nicht auf eine externe Zertifizierungsprüfung vor.
Nutzen & Perspektiven
Das Zusammenspiel von HOAI, VOB und DIN-Normen ist für viele Fachkräfte im Bauwesen ein blinder Fleck — Honorarrecht und Vergaberecht werden selten im Studium praxisnah behandelt. Diese Weiterbildung schließt diese Lücke gezielt und qualifiziert Teilnehmende für operative Aufgaben, die im Bauprojektalltag täglich anfallen: Kosten prüfen, Ausschreibungen formulieren, Vertragsrisiken einschätzen, Nachträge bewerten. Planungsbüros, Bauherren-Vertretungen und öffentliche Auftraggeber suchen Fachkräfte, die nicht nur technisch planen, sondern auch Kosten zuverlässig ermitteln, Honorare rechtssicher vereinbaren und den VOB-konformen Vergabeprozess eigenständig durchführen können. Wer diese Kompetenz mitbringt, ist für verantwortungsvolle Positionen in der Projektsteuerung und im Baukostencontrolling qualifiziert. Die Weiterbildung legt zudem eine solide Grundlage für weiterführende Spezialisierungen — etwa im Bereich Bauprojektmanagement, Projektentwicklung oder öffentliches Vergaberecht — und ist damit nicht nur ein Abschluss, sondern ein Ausgangspunkt für weitere berufliche Entwicklung im Bauwesen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich HOAI oder VOB schon kennen?
Nein. Beide Regelwerke werden im Kurs von Grund auf eingeführt — HOAI als Honorarordnung für Planungsleistungen, VOB als Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen. Voraussetzung ist lediglich ein technischer Hintergrund (Architektur, Bauingenieurwesen oder Berufserfahrung), der das Verständnis der baufachlichen Zusammenhänge erleichtert.
Was bedeutet AVA im Bauwesen genau?
AVA steht für Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung — die drei Kernprozesse, mit denen Bauleistungen eingekauft und abgerechnet werden. Im Kurs wird der vollständige AVA-Prozess von der Leistungsverzeichnis-Erstellung über die Bieterauswahl bis zur Schlussrechnungsprüfung Schritt für Schritt erarbeitet.
Was sind die drei Teile der VOB und wofür stehen sie?
VOB/A regelt das Vergabeverfahren (Ausschreibung, Bieterauswahl, Auftragserteilung), VOB/B die vertraglichen Bedingungen der Bauausführung (Leistungspflichten, Abnahme, Mängelrecht, Nachtragsvergütung) und VOB/C die technischen Anforderungen an einzelne Gewerke (Allgemeine Technische Vertragsbedingungen). Der Kurs behandelt alle drei Teile und zeigt ihr Zusammenspiel.
Führt diese Weiterbildung zu einem staatlich anerkannten Abschluss?
Nein. Es wird ein trägerinternes Zertifikat ausgestellt, das die Weiterbildungsinhalte dokumentiert. Der Kurs bereitet nicht auf eine externe Prüfung vor. Für Positionen im Bauprojektmanagement und Kostenwesen wird dieser Nachweis in der Praxis anerkannt, da HOAI/VOB-Kenntnisse selten im Studium praxisnah vermittelt werden.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs von einem allgemeinen Projektmanagement-Kurs im Bauwesen?
Dieser Kurs fokussiert ausschließlich auf das rechtlich-technische Kostenwesen: Honorarrecht (HOAI), Vergaberecht (VOB) und Kostenermittlung (DIN 276/277). Allgemeine Projektmanagementmethoden — Terminplanung, Risikomanagement, Kommunikation — sind nicht Bestandteil; diese würden in einem separaten Bauprojektmanagement-Kurs vermittelt.
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