Überblick
Das LPIC-2-Programm des Linux Professional Institute ist die zweite Stufe im weltweit anerkannten Linux-Zertifizierungspfad und bestätigt fortgeschrittene Kenntnisse in der Administration von Linux-Systemen in produktiven Unternehmensumgebungen. Dieser Kurs erweitert das vorhandene Linux-Grundlagenwissen aus LPIC-1 und bereitet gezielt auf die zwei Prüfungen 117-201 (LPIC-2 Exam 201) und 117-202 (LPIC-2 Exam 202) vor. Im Mittelpunkt stehen die Verwaltung kleiner bis mittelgroßer gemischter Netzwerke, der Kernel-Betrieb, Dienste-Konfiguration sowie Netzwerksicherheit. Die Weiterbildung verbindet theoretische Grundlagen mit einem hohen Anteil an praktischen Laborübungen, sodass Teilnehmende die gelernten Inhalte sofort auf reale Systeme anwenden können. Alle Kursinhalte orientieren sich am aktuellen LPIC-2-Prüfungskatalog des Linux Professional Institute und werden regelmäßig auf neue Prüfungsversionen abgestimmt.
Kursinhalte & Lernziele
Kernel und Systemstart bilden das erste thematische Fundament des Kurses. Teilnehmende verstehen die Architektur des Linux-Kernels, lernen Kernel-Parameter gezielt zu setzen und Kernel-Module zu laden oder zu entladen. Sie konfigurieren GRUB und GRUB2 als Bootloader und können Startprobleme systematisch analysieren und beheben.
- Linux-Kernel-Konfiguration und Kompilierung aus dem Quellcode
- Kernel-Module verwalten, debuggen und dauerhaft aktivieren
- GRUB/GRUB2 konfigurieren und Bootoptionen für verschiedene Szenarien setzen
- Systemd-Units und Runlevel-Konzepte verstehen und konfigurieren
- Initialisierungsprozesse analysieren, steuern und Fehler beim Systemstart diagnostizieren
Speicher und Dateisysteme stellen den zweiten Schwerpunkt dar. Der Kurs behandelt fortgeschrittene Dateisystem-Technologien sowie deren Einrichtung und Verwaltung unter Produktionsbedingungen. Teilnehmende lernen, wie Software-RAID und logische Volumes für maximale Ausfallsicherheit und Flexibilität eingerichtet werden.
- Ext4, XFS, Btrfs und weitere Linux-Dateisysteme einrichten und verwalten
- LVM (Logical Volume Manager) konfigurieren, erweitern und Snapshots erstellen
- Software-RAID mit mdadm einrichten, überwachen und simulierten Ausfall beheben
- Swap-Verwaltung und Speicheroptimierung in Produktionsumgebungen
- Gerätezuordnung und udev-Regeln für eine konsistente Geräteverwaltung anpassen
Netzwerkdienste und Server-Administration bilden den dritten und umfangreichsten Block. Teilnehmende konfigurieren alle wesentlichen Netzwerkdienste, die in einem professionellen Linux-Serverumfeld benötigt werden, und lernen dabei, Dienste korrekt abzusichern und in bestehende Infrastrukturen zu integrieren.
- Netzwerkinterfaces, Routing-Tabellen und Firewall-Regeln mit iptables verwalten
- BIND-DNS-Server konfigurieren, Forward- und Reverse-Zonen anlegen und absichern
- Apache-Webserver mit virtuellen Hosts, SSL/TLS und Zugriffssteuerung betreiben
- Samba-Dateiserver für Windows-Client-Integration konfigurieren und testen
- NFS-Freigaben mit Zugriffssteuerung anlegen und in heterogene Netzwerke integrieren
Sicherheit und Systemwartung ist der vierte thematische Block. Sicherheit ist in produktiven Linux-Umgebungen keine optionale Ergänzung, sondern integraler Bestandteil des Systembetriebs. Dieser Abschnitt behandelt sowohl präventive Maßnahmen als auch die Reaktion auf Sicherheitsvorfälle.
- OpenSSH absichern, schlüsselbasierte Authentifizierung konfigurieren und Root-Login deaktivieren
- Paketfilter mit iptables und nftables sowie Sicherheitsrichtlinien umsetzen
- Systemprotokolle analysieren, zentralisiertes Logging mit rsyslog einrichten
- SELinux- und AppArmor-Grundlagen verstehen und in der Praxis anwenden
- Backup-Strategien mit rsync und Cron planen, automatisieren und testen
Im Rahmen der praktischen Laborarbeit setzen Teilnehmende die theoretisch erlernten Inhalte in simulierten und realen Laborumgebungen um. Die Übungen umfassen unter anderem die Kernel-Neukompilierung mit angepasster Konfigurationsdatei, das Anlegen und Testen von RAID-1- und RAID-5-Verbünden, die Einrichtung von LVM-Volumes mit Snapshots sowie die vollständige BIND-Konfiguration mit Forward- und Reverse-Zonen. Darüber hinaus richten Teilnehmende einen Apache-Virtualhost mit selbst signiertem SSL-Zertifikat ein, konfigurieren Samba als Dateiserver für Windows-Clients und automatisieren regelmäßige Backups mit rsync. Postfix-Mailserver-Grundkonfigurationen und iptables-Regelketten für produktive Server-Anwendungsfälle runden die praktischen Einheiten ab. Abschließend bearbeiten Teilnehmende LPIC-2-Prüfungssimulationen im Format der offiziellen Examen, um die Zeitplanung zu üben und verbleibende Wissenslücken zu schließen.
Lernziele:
- Kapazitätsplanung für Linux-Systeme durchführen und Ressourcenengpässe frühzeitig erkennen
- Den Linux-Kernel anpassen, neu kompilieren und dauerhaft auf aktuellem Stand halten
- Systemstart- und Bootprozesse unter verschiedenen Linux-Distributionen konfigurieren und Fehler systematisch beheben
- Dateisysteme verwalten, einrichten und unter Produktionsbedingungen warten
- Erweiterte Speichergeräteverwaltung einschließlich RAID und LVM planen und betreiben
- Netzwerkkonfiguration für Linux-Server in heterogenen Unternehmensnetzen korrekt umsetzen
- Domain Name Server auf Basis von BIND installieren, konfigurieren und absichern
- Web-Services auf Linux-Basis mit Apache betreiben und für den Produktionsbetrieb optimieren
- File-Sharing-Dienste mit Samba und NFS konfigurieren und in Windows-Linux-Mischnetze integrieren
- E-Mail-Dienste mit Postfix und Dovecot planen, einrichten und administrieren
- Netzwerk-Client-Management und zentralisierte Authentifizierungsdienste verwalten
- Systemsicherheit implementieren und Linux-Server gegen unbefugten Zugriff absichern
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Linux-Administratoren und Systemadministratoren mit soliden LPIC-1-Kenntnissen oder gleichwertigem praktischen Erfahrungsstand, die ihre Fähigkeiten auf das LPIC-2-Niveau heben und dies durch eine international anerkannte Zertifizierung nachweisen möchten.
- Linux-Systemadministratoren, die sich für Senior-Positionen qualifizieren wollen
- Fachinformatiker für Systemintegration mit Linux-Schwerpunkt
- Netzwerkadministratoren, die Linux-Server in ihr Verantwortungsgebiet integrieren
- IT-Infrastrukturingenieure in gemischten Windows-Linux-Umgebungen
- Quereinsteiger mit nachgewiesenen Linux-Grundkenntnissen auf LPIC-1-Niveau oder vergleichbar
Teilnehmende sollten über eine abgeschlossene LPIC-1-Zertifizierung oder nachweislich gleichwertige Linux-Kenntnisse verfügen. Grundlegende Erfahrung im Umgang mit der Linux-Kommandozeile, der Benutzer- und Rechteverwaltung sowie einfachen Netzwerkkonfigurationen wird vorausgesetzt. Vor Kursbeginn findet ein individuelles Beratungsgespräch statt, in dem ein auf die eigenen Vorkenntnisse und Berufsziele abgestimmter Lernplan erarbeitet wird. Englischkenntnisse sind hilfreich, da ein Teil der offiziellen LPI-Dokumentation und der Prüfungsaufgaben auf Englisch vorliegt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird überwiegend als Combined Learning durchgeführt, das heißt, Präsenz- oder Online-Seminarphasen wechseln sich mit begleiteten Selbstlernphasen ab. Praktische Übungen in einer dedizierten Laborumgebung machen den Hauptteil des Lernprozesses aus, da LPIC-2 ausdrücklich auf nachgewiesene Handlungsfähigkeit im Serveralltag setzt. Trainer mit Linux-Praxiserfahrung stehen für Fragen zur Verfügung, und auf Wunsch können individuelle Teilzeit-Starttermine vereinbart werden. Lernfortschritte werden regelmäßig durch Übungsaufgaben und Zwischentests überprüft, und der Lernplan wird bei Bedarf individuell angepasst.
Die Weiterbildung dauert in der Regel mehr als einen Monat bis zu drei Monaten, abhängig vom gewählten Intensitätsmodell und den individuellen Vorkenntnissen. Vollzeitvarianten ermöglichen eine kompakte und intensive Vorbereitung; Teilzeitvarianten sind nach individueller Absprache möglich. Der Kurs deckt den vollständigen Prüfungsstoff beider LPIC-2-Examen ab, einschließlich aller Prüfungsbereiche des aktuellen LPI-Katalogs.
Nach Abschluss der Weiterbildung erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Lehrgangszertifikat des Anbieters. Wer beide Prüfungen 117-201 und 117-202 des Linux Professional Institute erfolgreich ablegt, erhält das international anerkannte LPIC-2-Herstellerzertifikat. Dieses Zertifikat gilt weltweit als Qualitätsnachweis für fortgeschrittene Linux-Administrationskompetenz und wird von Arbeitgebern in der IT-Branche anerkannt und nachgefragt.
Nutzen & Perspektiven
Mit dem LPIC-2 positionieren sich Teilnehmende als ausgewiesene Linux-Experten auf dem Arbeitsmarkt. Rollen wie Senior Linux-Administrator, IT-Infrastruktur-Administrator oder Linux-Systemadministrator in Unternehmensumgebungen stehen nach der Zertifizierung offen. Da Linux in Rechenzentren, Cloud-Umgebungen und im DevOps-Bereich zunehmend dominiert, ist das LPIC-2 eine langfristig werthaltige Investition in die eigene Karriere. Die Weiterbildung ist bei AZAV-zertifizierten Trägern in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach individueller Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Rehabilitationsförderung) oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Der praxisnahe Aufbau des Kurses sorgt dafür, dass Teilnehmende nicht nur die Prüfung bestehen, sondern das Gelernte unmittelbar im Berufsalltag einsetzen können. Komplexe Aufgaben wie die Verwaltung heterogener Netzwerke, die Absicherung von Produktionssystemen oder die Automatisierung wiederkehrender Administrationsaufgaben werden durch den Kurs konkret und sicher beherrschbar. Wer den Kurs abschließt und beide Examen ablegt, kann LPIC-3-Spezialisierungen anstreben und seine Karriere als Linux-Experte gezielt weiterentwickeln.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist LPIC-2 und worin unterscheidet es sich von LPIC-1?
LPIC-2 ist die zweite Zertifizierungsstufe des Linux Professional Institute und bestätigt fortgeschrittene Administrationskenntnisse für kleine bis mittelgroße Unternehmensnetzwerke. Während LPIC-1 grundlegende Kenntnisse der Linux-Kommandozeile und Systemadministration abprüft, setzt LPIC-2 auf die professionelle Verwaltung von Netzwerkdiensten, Kernel-Anpassungen und Systemsicherheit.
Welche Prüfungen muss ich ablegen, um LPIC-2 zu erhalten?
Für die LPIC-2-Zertifizierung müssen zwei Prüfungen abgelegt werden: Examen 117-201 (LPIC-2 Exam 201) und Examen 117-202 (LPIC-2 Exam 202). Der Kurs bereitet auf beide Prüfungen vor und schließt Übungsaufgaben im Prüfungsformat ein.
Wird der Kurs als Vollzeit- oder Teilzeitvariante angeboten?
Der Kurs wird überwiegend in Vollzeit angeboten, auf Anfrage sind jedoch individuelle Teilzeit-Starttermine möglich. Die Gesamtdauer beträgt je nach Intensitätsmodell mehr als einen Monat bis zu drei Monate.
Kann der Kurs über einen Bildungsgutschein gefördert werden?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen je nach Situation das Qualifizierungschancengesetz oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
Brauche ich Vorkenntnisse in Englisch?
Englischkenntnisse sind hilfreich, da ein Teil der offiziellen LPI-Dokumentation und Prüfungsaufgaben auf Englisch vorliegt. Der Unterricht selbst wird auf Deutsch durchgeführt, sodass grundlegende Englischkenntnisse im Regelfall ausreichen.
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