Überblick
Mobilgeräte dominieren den digitalen Alltag, und professionelle Softwaretests müssen dieser Realität folgen. Dieser Kurs verbindet zwei eigenständige Kompetenzbereiche, die für moderne QA-Engineers zunehmend untrennbar sind: die Testautomatisierung mobiler Anwendungen mit Appium und den kompetenten Umgang mit AWS-Cloud-Diensten aus Testersicht. Das Ergebnis ist ein Profil, das mobile Test-Suites schreibt, verwaltet und auf Cloud-Infrastruktur ausführt – eine Kombination, die im Stellenmarkt für QA-Automatisierer stark nachgefragt wird.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Mobile Testing mit Appium: Grundlagen und Setup Appium ist ein Open-Source-Framework, das native, hybride und Web-Applikationen auf Android- und iOS-Geräten über das WebDriver-Protokoll steuert. Der erste Kursblock legt das technische Fundament: Installation, Konfiguration, Verbindung zu realen und emulierten Geräten sowie die ersten Test-Sessions.
- Mobile Applications: Unterschiede zwischen nativen, hybriden und Web-Apps
- Appium-Architektur, Desired Capabilities und Server-Konfiguration
- Appium Inspector: Elementbäume analysieren, Locator-Strategien wählen (XPath, Accessibility ID, UIAutomator)
- Erste Test-Sessions: App starten, navigieren, Elemente identifizieren und interagieren
- Verbindung zu Android-Emulatoren (AVD) und realen iOS-/Android-Geräten
- Debugging häufiger Setup-Probleme: ADB-Verbindung, Capability-Fehler, Treiber-Kompatibilität
Modul 2 — Framework-Integration: TestNG, Cucumber und Page Object Model Professionelle Test-Automatisierung erfordert mehr als einzelne Skripte. In diesem Block lernen Sie, wie Appium-Tests in strukturierte Frameworks eingebettet werden, die Wartbarkeit, Wiederverwendbarkeit und lesbare Berichte ermöglichen.
- TestNG: Annotationen, Test-Suites, Daten-Provider und parallele Ausführung
- Cucumber: Feature-Dateien schreiben, Step Definitions implementieren, BDD-Reporting
- Integration von Appium mit TestNG und Cucumber in einer Maven-/Gradle-Projektstruktur
- Page Object Model (POM) mit Page Factory: Klassen für App-Bildschirme strukturieren
- Trennung von Test-Logik und Seitenrepräsentation für wartbare Suites
- Reporting: Extent Reports, Allure oder TestNG HTML-Reports aus Mobile-Test-Suiten generieren
Modul 3 — Mobile Test Automation: Gestenerkennung und erweiterte Interaktionen Mobile Apps erfordern spezifische Interaktionsmuster, die Desktop-Testing-Frameworks nicht kennen: Wischen, Tippen, Mehrfingergesten und Scrollverhalten. Dieser Block behandelt die Appium-APIs für diese Interaktionen – sowohl die ältere TouchAction-API als auch die modernere W3C-Actions-API.
- TouchAction-API: Tipp-, Halten- und Schiebeaktionen auf Koordinaten- und Element-Basis
- MultiTouch: gleichzeitige Mehrfingergesten für Pinch/Zoom und Rotation
- Scroll-Automatisierung: vertikal und horizontal, bis zum Element oder Ende der Liste
- Swipe-Gesten: Carddecks, Onboarding-Flows und Wischnavigation automatisieren
- Gesture-Automated: moderne W3C-kompatible Gesten-Implementierungen in Appium 2.x
- Stabilitätsstrategien: explizite Waits, Retry-Mechanismen und Fehlerbehandlung bei Gesteninteraktionen
Modul 4 — AWS Cloud für Tester: Von den Grundlagen zu Test-relevanten Diensten AWS wird nicht aus der Perspektive eines Cloud-Administrators, sondern eines Test-Ingenieurs erschlossen: Welche Dienste sind für Testumgebungen relevant? Wie werden Test-Pipelines in AWS betrieben? Der Block führt systematisch von Cloud-Grundkonzepten zu konkreten Test-Use-Cases.
- Cloud Computing Basics und AWS-Überblick: Regionen, Availability Zones, Global Infrastructure
- AWS IAM: Benutzer, Rollen und Policies für sicheres Ressource-Management in Testprojekten
- EC2: Instanztypen, Konfiguration und Betrieb von Test-Servern in der Cloud
- EC2-Erweiterungen: Elastic Load Balancer (ELB), Auto Scaling Groups (ASG), Security Groups (SG), EBS-Volumes
- S3: Test-Artefakte, Appium-Reports und APK-/IPA-Dateien im Object Storage verwalten
- Datenbankdienste: RDS für relationale Testdaten, Überblick über DynamoDB für NoSQL-Szenarien
- VPC und Netzwerk: Subnetze, Routing-Tabellen und Internet-Gateway für isolierte Testumgebungen
- Route 53: DNS-Konfiguration für Testdomänen und Failover-Szenarien
- CloudFront: CDN-Konfiguration und Testing verteilter Web-Anwendungen
- CloudFormation: Test-Infrastruktur als Code definieren und reproduzierbar deployen
- AWS SDK für Java: Programmatische Interaktion mit AWS-Diensten aus Test-Code
- CloudWatch: Monitoring von Test-Deployments, Logs-Auswertung und Alarme
- Lambda und API Gateway: serverlose Test-Stubs und Mocking-Services aufbauen
Praxisteil — Capstone-Projekt und integriertes Testing auf AWS Das Capstone-Projekt fasst beide Kurshalbjahre zusammen: eine vollständige Mobile-Testing-Lösung, die auf AWS-Infrastruktur aufbaut. Hier entsteht keine isolierte Testsammlung, sondern eine deploybare Test-Pipeline.
- Architektur des Capstone-Projekts: Mobile App + Appium-Suite + AWS-Infrastruktur planen
- CloudFormation-Template für die Testumgebung (EC2-Instanz, S3-Bucket, IAM-Rolle) schreiben
- Appium-Test-Suite auf AWS EC2 deployen und gegen eine Mobile App in AWS Device Farm ausführen
- YAML/JSON-Konfigurationsdateien für AWS-Deployments erstellen und validieren
- AWS SDK für Java: programmatisch Testergebnisse in S3 speichern und CloudWatch-Logs schreiben
- Lambda-Funktion als Test-Trigger implementieren (z. B. automatischer Start bei APK-Upload in S3)
- API Gateway-Endpunkt für Remote-Test-Ausführung konfigurieren
- CloudWatch-Dashboard für Test-Metriken und Fehlerzähler einrichten
- VPC-Netzwerkkonfiguration absichern: Security Groups für Appium-Server und Test-Datenbank
- RDS-Datenbank für Testdaten-Management aufsetzen und aus Test-Code anbinden
- Ende-zu-Ende-Durchlauf: Code-Change simuliert, Pipeline startet, Appium-Tests laufen, Report landet in S3
Das Capstone-Projekt macht die Verbindung zwischen den beiden Kursmodulen erlebbar: Appium-Kenntnisse alleine erlauben lokale Testausführung; erst die AWS-Integration ermöglicht skalierbare, automatisierte und nachvollziehbare Testing-Infrastruktur.
Lernziele:
- Appium als Framework für mobile Testautomatisierung auf Android und iOS aufsetzen und konfigurieren
- Appium Inspector für Element-Identifikation und Session-Debugging einsetzen
- Mobile Test-Suites mit TestNG und Cucumber in Java entwickeln
- Page Object Model (Page Factory) als Strukturmuster für wartbare Mobile-Tests implementieren
- Gestensteuerung automatisieren: Touch-Aktionen, MultiTouch, Scroll und Swipe über Appium-APIs
- AWS-Kernkonzepte und Grunddienste (EC2, S3, VPC, IAM) für Testzwecke nutzen
- Cloud-Infrastruktur für Testumgebungen mit CloudFormation und YAML/JSON konfigurieren
- Serverlose Testpipeline-Bestandteile mit AWS Lambda und API Gateway verstehen
- Netzwerk- und Datenbankdienste (RDS, VPC, Route 53) in Testarchitekturen einbeziehen
- AWS CloudWatch für Monitoring von Test-Deployments nutzen
- Ein Capstone-Projekt als vollständige Ende-zu-Ende-Mobile-Test-Lösung auf AWS realisieren
- YAML und JSON für Konfigurationsdateien in AWS-Deployments sicher anwenden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an IT-Fachkräfte mit Vorkenntnissen in Testautomatisierung, die ihre Kompetenzen gezielt auf mobile Plattformen und Cloud-Infrastruktur ausweiten möchten.
- QA-Automatisierer mit Selenium-Erfahrung, die mobile Plattformen erschließen möchten
- Java-Entwicklerinnen und -Entwickler, die in Testautomatisierung wechseln oder QA-Aufgaben übernehmen
- Softwaretester mit manueller Erfahrung, die den Schritt zur Testautomatisierung vollziehen
- IT-Professionals mit Java-Grundkenntnissen, die eine Cloud-nahe QA-Rolle anstreben
- Personen mit solider Selenium-, Jenkins- und API-Testing-Erfahrung, die ein strukturiertes AWS-Fundament aufbauen wollen
Die Eingangsanforderungen für diesen Kurs sind substanziell und unterscheiden ihn von Einsteigerkursen: Erwartet werden Java-Grundkenntnisse einschließlich objektorientierter Programmierung und Lambda-Ausdrücken, Erfahrung mit Git/GitHub, Grundkenntnisse in HTML und CSS sowie fundierte Kenntnisse in manuellem Testing (SDLC/STLC). Außerdem werden Vorkenntnisse in Selenium, Selenium Grid, Jenkins, API-Testing, SQL und JDBC vorausgesetzt. Allgemein sind gute bis sehr gute Kenntnisse der Kurssprache sowie Englischkenntnisse auf A2-B1-Niveau erforderlich, da Appium- und AWS-Dokumentation überwiegend englischsprachig sind. Die Fachberatung klärt die individuelle Eignung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als Combined-Learning-Format in Vollzeit konzipiert. Online-geleitete Unterrichtseinheiten, in denen Appium-Sessions demonstriert und AWS-Konfigurationen live durchgeführt werden, wechseln sich mit eigenständigen Implementierungsphasen ab. Der praxisorientierte Aufbau bedeutet: Wenig Folienpräsentation, viel aktives Coding und Konfigurieren. Das Capstone-Projekt am Ende integriert den gesamten Lernstoff.
Der Kurs findet in Vollzeit statt; die konkrete Gesamtdauer variiert je nach Anbietertermin. Da zwei eigenständige technische Domänen kombiniert werden, ist mit einem Kursumfang im Bereich mehrerer Wochen zu rechnen.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein trägerausgestelltes Zertifikat (Clarusway-Zertifikat) sowie eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Das Zertifikat dokumentiert den absolvierten Lehrgang; es handelt sich um einen trägereigenen Abschluss, kein Hersteller- oder Verbandszertifikat. Die Weiterbildung bereitet nicht auf eine externe Prüfung (z. B. ISTQB oder AWS-Zertifizierung) vor, vermittelt aber die praktischen Grundlagen, die für solche weiterführenden Zertifizierungen hilfreich sind.
Nutzen & Perspektiven
Die Kombination aus Appium und AWS-Kenntnissen adressiert eine reale Marktlücke: Viele QA-Engineers sind entweder in Selenium und Testautomatisierung stark, kennen aber Cloud-Infrastruktur kaum – oder umgekehrt. Wer beides verbindet, kann nicht nur Tests schreiben, sondern auch die Infrastruktur mitgestalten, auf der diese Tests laufen: automatisierte Pipelines auf AWS, skalierbare Device-Farmen, reproduzierbare Testumgebungen per CloudFormation. Mobile Testing wird mit zunehmender App-Verbreitung wichtiger: Unternehmen, die Native Apps oder Progressive Web Apps entwickeln, brauchen QA-Engineers, die auf echten Geräten oder Cloud-Emulationsumgebungen testen können. Appium als plattformübergreifendes Framework – es unterstützt Android und iOS – ist dabei de facto Industriestandard. Wer Appium souverän beherrscht und zusätzlich AWS-Dienste für Test-Infrastruktur einsetzen kann, ist für moderne App-Entwicklungsteams ein wertvoller Spezialist. Das Capstone-Projekt ist ein konkreter Bewerbungsvorteil: Ein lauffähiges Projekt auf AWS, das Appium-Tests orchestriert, ist ein Kompetenznachweis, der sich in Portfolios und Bewerbungsgesprächen einsetzen lässt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was macht Appium zum Standard-Framework für Mobile Testing?
Appium nutzt das WebDriver-Protokoll und unterstützt damit native, hybride und Web-Apps auf Android und iOS mit einer einheitlichen API. Es ist Open Source, aktiv gepflegt und in vielen Unternehmen als Mobile-Testing-Standard etabliert. Die Integration mit TestNG und Cucumber erlaubt denselben Framework-Aufbau, den viele Teams bereits von Selenium kennen.
Brauche ich Selenium-Vorkenntnisse für diesen Kurs?
Ja, Selenium-Kenntnisse werden als Eingangsvoraussetzung erwartet. Da Appium das WebDriver-Protokoll verwendet und sich in ähnliche Frameworks (TestNG, Page Object Model) integriert wie Selenium, profitieren Selenium-erfahrene Tester direkt. Ohne Automations-Vorkenntnisse ist der Kurs zu steil.
Wofür werden AWS-Kenntnisse im Testing-Kontext gebraucht?
Cloud-Plattformen wie AWS werden für skalierbare Testinfrastruktur genutzt: Test-Server auf EC2, Testergebnisse in S3, CloudFormation für reproduzierbare Umgebungen, Lambda für event-getriebene Test-Trigger. Wer AWS kennt, kann Test-Pipelines aufbauen, die nicht von einem lokalen Rechner abhängen, sondern jederzeit und skalierbar ausgeführt werden können.
Führt dieser Kurs zu einer AWS-Zertifizierung?
Nein. Der Kurs vermittelt praxisnahe AWS-Kenntnisse aus Testersicht, bereitet aber nicht auf eine offizielle AWS-Zertifizierungsprüfung vor. Abschluss ist ein trägerausgestelltes Clarusway-Zertifikat. Die erworbenen AWS-Kenntnisse können jedoch als gute Grundlage für spätere AWS-Zertifizierungen dienen.
Was ist das Capstone-Projekt?
Das Capstone-Projekt ist ein abschließendes Integrationsprojekt, in dem eine vollständige Mobile-Test-Pipeline auf AWS realisiert wird. Dabei werden Appium-Tests auf AWS-Infrastruktur (EC2, S3, CloudFormation, Lambda) deployed und ausgeführt. Es ist kein Einzelaufgabe, sondern ein eigenständiges Endprodukt, das alle Kursinhalte zusammenführt.
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