Überblick
Transact-SQL (T-SQL) ist die proprietäre SQL-Erweiterung von Microsoft SQL Server und bildet die Grundlage für Datenbankabfragen, Datenmanipulation und serverseitige Programmierung in nahezu allen Microsoft-Datenbankumgebungen. Dieser Kurs basiert auf dem Microsoft-Offizialkurrikel MOC 761 „Querying Data with Transact-SQL" und führt systematisch durch alle zentralen T-SQL-Konzepte — von einfachen SELECT-Anweisungen über mehrere JOINs und Aggregatfunktionen bis hin zu Fensterfunktionen, Pivot-Transformationen und gespeicherten Prozeduren mit Programmierkonstrukten. Das Curriculum folgt dabei dem offiziellen Microsoft-Lernpfad und legt den Grundstein für den Einstieg in professionelle SQL-Server-Datenbankarbeit.
Kursinhalte & Lernziele
SQL Server und T-SQL-Grundlagen Der erste Themenblock schafft das konzeptionelle Fundament für alle weiteren Kursabschnitte. Die Teilnehmenden lernen, wie SQL Server als relationales Datenbankmanagementsystem aufgebaut ist, welche Dienste und Komponenten zusammenwirken und welche Rolle T-SQL als Abfrage- und Programmiersprache darin spielt. Mengentheorie und Prädikatenlogik — die mathematischen Grundlagen relationaler Abfragesprachen — werden so eingeführt, dass sie als Denkrahmen für alle späteren Abfragekonstrukte dienen.
- SQL-Server-Architektur: Instanzen, Datenbanken, Schemas, Objekte
- Relationale Datenmodelle: Tabellen, Schlüssel, Beziehungen
- T-SQL als Sprache: DDL, DML, DCL und TCL im Überblick
- Mengentheorie: Tupel, Relationen und Mengenoperationen
- Prädikatenlogik: Wahrheitswerte, NULL und die Drei-Wert-Logik
- SQL-Server-Datentypen: numerisch, zeichenbasiert, Datum/Zeit, binär
SELECT-Abfragen — von einfach bis komplex Das Herzstück des T-SQL-Kursus liegt in der Beherrschung von SELECT-Anweisungen in all ihren Ausprägungen. Beginnend mit einfachen Einzeltabellenabfragen werden schrittweise Filterbedingungen, Sortierung, Berechnung neuer Spalten und logische Ausdrücke eingeführt. Anschließend folgen Multi-Table-Abfragen mit den verschiedenen JOIN-Typen — ein Kernkompetenz für alle, die mit normalisierten Datenbankstrukturen arbeiten.
- SELECT-Grundstruktur: Spaltenliste, FROM, WHERE, ORDER BY
- Berechnete Spalten und Aliasnamen
- WHERE-Bedingungen: Vergleiche, Bereiche, Listen, Mustersuche (LIKE)
- INNER JOIN, LEFT/RIGHT OUTER JOIN, FULL JOIN, CROSS JOIN
- Selbst-Joins (Self-Joins) für hierarchische Abfragen
- TOP, OFFSET/FETCH und Seitennummerierung
Aggregation, Gruppenabfragen und DML Nachdem Lesezugriffe beherrscht werden, widmet sich dieser Abschnitt der Datenaggregation und der Datenmanipulation. Aggregatfunktionen wie SUM, COUNT, AVG, MIN und MAX in Kombination mit GROUP BY und HAVING ermöglichen statistische Auswertungen direkt im Datenbankserver. DML-Anweisungen (INSERT, UPDATE, DELETE) und die MERGE-Anweisung für Upsert-Szenarien schließen den Kreis zur vollständigen Datenbankarbeit.
- Aggregatfunktionen: SUM, COUNT, AVG, MIN, MAX, COUNT DISTINCT
- GROUP BY und HAVING: Bedingungen auf Gruppenebene
- Rollup- und Cube-Aggregationen für mehrdimensionale Auswertungen
- INSERT: Einzelzeilen, Mehrfacheinfügung, INSERT ... SELECT
- UPDATE mit WHERE-Bedingungen und JOIN-basierte Updates
- DELETE und TRUNCATE sowie die MERGE-Anweisung
Unterabfragen, Ansichten und Mengenoperatoren Unterabfragen ermöglichen es, Abfrageergebnisse als Eingabe für weitere Abfragen zu verwenden — ein mächtiges Konzept für komplexe Analyseszenarien. Common Table Expressions (CTEs) machen verschachtelte Unterabfragen lesbarer und wartbarer. Ansichten (Views) und Tabellenwertfunktionen kapseln wiederholt genutzte Abfragelogik. Mengenoperatoren verbinden Ergebnismengen zweier Abfragen auf Basis von Mengenlehre.
- Unterabfragen: skalare Unterabfragen, zeilenbasierte und tabellarische Unterabfragen
- Korrelierte Unterabfragen und EXISTS-Operator
- Common Table Expressions (CTEs): einfach und rekursiv
- Ansichten (Views) erstellen, abfragen und verwalten
- Inline-Tabellenwertfunktionen als parametrisierbare Ansichten
- UNION, UNION ALL, INTERSECT, EXCEPT
Fensterfunktionen, PIVOT und gespeicherte Prozeduren Der abschließende Block behandelt fortgeschrittene T-SQL-Techniken, die im professionellen Datenbankbetrieb täglich benötigt werden. Fensterfunktionen erlauben Berechnungen über Zeilenmengen, ohne die Abfrage gruppieren zu müssen — unverzichtbar für Rankings, laufende Summen und Zeitreihenvergleiche. PIVOT und UNPIVOT transformieren tabellarische Daten in Kreuzberichtsformen. Gespeicherte Prozeduren kapseln T-SQL-Logik serverseitig und machen sie wiederverwendbar.
- Fensterfunktionen: ROW_NUMBER, RANK, DENSE_RANK, NTILE
- Offset-Funktionen: LAG und LEAD für Zeitreihenvergleiche
- Aggregat-Fensterfunktionen mit OVER/PARTITION BY
- PIVOT und UNPIVOT für Kreuzberichtslayouts
- ROLLUP und CUBE für mehrstufige Subtotals
- Gespeicherte Prozeduren erstellen, Parameter übergeben, ausführen
- T-SQL-Variablen, bedingte Ausführung (IF-ELSE), Schleifen (WHILE)
- Fehlerbehandlung mit TRY/CATCH
Praktische Abfrageübungen und Praxisszenarien Alle Themenblöcke werden durch realitätsnahe Datenbankübungen vertieft. Die Teilnehmenden arbeiten an einer praxisnahen Beispieldatenbank und lösen typische Aufgabenstellungen aus dem betrieblichen Datenbankbetrieb.
- Kundendatenauswertung mit Aggregation und Gruppenfilter
- Produktdatenbank: mehrstufige JOIN-Abfragen über drei Tabellen
- Monatsvergleich mit LAG-Fensterfunktion
- Umsatz-Ranking nach Verkäufer mit RANK und DENSE_RANK
- PIVOT: Monatsumsätze als Spalten in einem Kreuzbericht
- CTE-basierte rekursive Mitarbeiterhierarchie
- UPDATE mit JOIN: Preisanpassung nach Lieferantenkategorie
- Gespeicherte Prozedur mit INPUT-Parameter und TRY/CATCH
- View für den Reporting-Layer: Kundensicht mit aggregierten Bestelldaten
- Unterabfrage mit EXISTS: aktive Kunden ohne Bestellrückstand
- MERGE-Statement für Bestandsaktualisierung
- Abschlussaufgabe: vollständiger Reporting-Report aus mehreren Abfragen
Die Übungsaufgaben sind so konzipiert, dass häufige Fehler — falsche JOIN-Typen, GROUP-BY-Fehler, NULL-Handling-Probleme — systematisch behandelt und damit dauerhaft vermieden werden. Das Verständnis, warum eine Abfrage so und nicht anders formuliert werden muss, hat langfristig mehr Wert als das Auswendiglernen von Syntax.
Lernziele:
- die wichtigsten Funktionen und Komponenten von SQL Server zu beschreiben und einzuordnen
- T-SQL-Konzepte, Mengentheorie und Prädikatenlogik als konzeptionelles Fundament zu verstehen
- vollständige SELECT-Anweisungen für einzelne Tabellen korrekt zu formulieren
- Multi-Table-Abfragen mit verschiedenen JOIN-Typen (INNER, LEFT, RIGHT, FULL, CROSS) zu schreiben
- Filterbedingungen und Sortieroptionen in Abfragen präzise einzusetzen
- SQL-Server-Datentypen sicher zu handhaben und Typkonvertierungen zu verstehen
- DML-Anweisungen (INSERT, UPDATE, DELETE, MERGE) korrekt zu schreiben
- integrierte Skalarfunktionen (String, Datum, Mathematik) in Abfragen zu nutzen
- Aggregatfunktionen mit GROUP BY und HAVING-Klauseln einzusetzen
- Unterabfragen (Subqueries) und Common Table Expressions (CTEs) zu formulieren
- Ansichten (Views) und Tabellenwertfunktionen zu erstellen und zu verwenden
- Mengenoperatoren (UNION, INTERSECT, EXCEPT) und Fensterfunktionen (ROW_NUMBER, RANK, LEAD/LAG) zu nutzen
- Daten mit PIVOT und UNPIVOT sowie ROLLUP und CUBE zu transformieren
- gespeicherte Prozeduren zu erstellen und T-SQL-Programmierkonstrukte (Variablen, IF-ELSE, Schleifen) einzusetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die professionell mit SQL-Server-Datenbanken arbeiten oder arbeiten wollen — unabhängig davon, ob sie auf der Entwicklungs-, Analyse- oder Administrationsseite tätig sind.
- Datenbankentwickler, die ihre T-SQL-Kenntnisse strukturieren und vertiefen wollen
- Datenbankadministratoren, die Abfragekompetenz für tägliche Wartungs- und Analyseaufgaben aufbauen
- Business-Intelligence-Entwickler, die Daten für Reports und Dashboards vorbereiten
- Datenanalysten mit Grundkenntnissen in SQL, die auf T-SQL-Niveau aufsteigen wollen
- IT-Generalisten in Windows-lastigen Umgebungen, die SQL-Server-Datenbanken betreuen
Grundlegendes Verständnis relationaler Datenbanken — Tabellen, Primärschlüssel, Fremdschlüssel, einfache SELECT-Abfragen — sollte vorhanden sein. Erfahrung mit SQL Server ist hilfreich, aber keine formale Voraussetzung; wer bereits SQL in einer anderen Umgebung (MySQL, PostgreSQL) verwendet hat, findet sich schnell zurecht. Der Kurs startet bei T-SQL-Grundlagen und setzt kein vorhandenes T-SQL-Wissen voraus.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs folgt dem Konzept des angeleiteten Lernens mit hohem Übungsanteil. Theorieinputs werden unmittelbar in Datenbankübungen übertragen — die Teilnehmenden schreiben Abfragen aktiv selbst, anstatt nur Ergebnisse nachzuvollziehen. Typische Fehler und ihre Ursachen sind fester Bestandteil des Unterrichts, da das Verstehen von Fehlerquellen das Lernen nachhaltiger macht.
Das Curriculum entspricht dem klassischen Format eines kompakten Microsoft-Offizialkurses; typischerweise wird es in drei bis fünf Kurstagen absolviert. Je nach Vorkenntnissen und Lerngeschwindigkeit der Gruppe kann der Umfang variieren.
Der Kurs schließt mit einem Lehrgangszertifikat ab, das den Abschluss des MOC-761-Curriculums dokumentiert. Ein offizielles Microsoft-Zertifikat ist an diesen Kurs nicht direkt gekoppelt; er bildet jedoch die inhaltliche Basis für die Vorbereitung auf die Microsoft-DP-900-Prüfung (Azure Data Fundamentals) oder für weiterführende SQL-Server-Administrations- und Entwicklungszertifizierungen.
Nutzen & Perspektiven
T-SQL ist in Windows-lastigen Unternehmensumgebungen — und damit in einem Großteil des deutschen Mittelstands — die dominierende Datenbanksprache. Wer T-SQL sicher beherrscht, kann Auswertungen und Reports, die früher Datenbankspezialisten vorbehalten waren, eigenständig erstellen. Das spart Zeit, verkürzt Berichtszyklen und macht den einzelnen Mitarbeitenden wertvoller für die Organisation. Fensterfunktionen und PIVOT-Transformationen sind Techniken, die den Unterschied zwischen einem SQL-Einsteiger und einem produktiven Datenbankentwickler ausmachen. Wer versteht, wie RANK, LAG und ROLLUP funktionieren, kann Analyseaufgaben lösen, die mit einfachen Gruppenabfragen nicht möglich wären. Dieser Kurs legt genau dieses tiefere Verständnis an. Als Einstiegspunkt in den Microsoft-Datenbank-Ökosystem öffnet dieser Kurs auch den Weg zu weiterführenden Themen: SQL-Server-Administration, Datenbankdesign und -optimierung, Azure SQL und die Integration mit Power BI bauen alle direkt auf soliden T-SQL-Kenntnissen auf.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist MOC 761 und wie hängt es mit Microsoft-Zertifizierungen zusammen?
MOC 761 „Querying Data with Transact-SQL" ist ein offizielles Microsoft-Kurrikelwerk, das T-SQL-Abfragekenntnisse systematisch aufbaut. Es bildete die Grundlage für die frühere Microsoft-Prüfung 70-761. Heute dient es als solides Fundament für weiterführende Datenbankzertifizierungen im Microsoft-Ökosystem, ohne selbst an eine aktuelle Prüfungsnummer gebunden zu sein.
Muss ich SQL Server lokal installieren?
Der Kurs setzt eine SQL-Server-Instanz voraus, auf der die Übungen durchgeführt werden. SQL Server Express steht kostenlos zur Verfügung und ist für den Kurszweck ausreichend. Alternativ kann SQL Server auch in Azure-Cloud-Umgebungen genutzt werden. Details werden zu Kursbeginn kommuniziert.
Ist der Kurs auch für Einsteiger ohne SQL-Vorkenntnisse geeignet?
Der Kurs setzt ein Grundverständnis relationaler Datenbanken voraus — Tabellen, Primärschlüssel und einfache SELECT-Abfragen sollten bekannt sein. Wer noch nie SQL geschrieben hat, sollte zunächst einen SQL-Grundlagenkurs absolvieren. Kenntnisse aus MySQL oder PostgreSQL sind vollständig übertragbar.
Welche T-SQL-Themen unterscheiden Fortgeschrittene von Einsteigern?
Fensterfunktionen (ROW_NUMBER, RANK, LAG/LEAD), Common Table Expressions, PIVOT/UNPIVOT und gespeicherte Prozeduren mit Programmierkonstrukten markieren den Übergang vom Einsteiger- zum Fortgeschrittenenniveau. Diese Inhalte bilden den Kern des letzten Kursdrittels.
Für welche Folge-Qualifizierungen bereitet dieser Kurs vor?
Der Kurs legt die T-SQL-Grundlage für SQL-Server-Administrationskurse (MOC 10987), Business-Intelligence-Entwicklung und Azure-Data-Services. Wer Cloud-Datenbankarbeit anstrebt, findet hier eine gute Basis für den DP-900-Pfad (Azure Data Fundamentals).
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