Überblick
Diese Weiterbildung qualifiziert vom Grundlagenwissen bis zur fahrpraktischen Abnahme vollständig für den Beruf der Triebfahrzeugführer:in. Das Lehrgangskonzept ist nach den Anforderungen der Triebfahrzeugführerscheinverordnung (TfV) strukturiert und umfasst drei voneinander aufbauende Ausbildungsphasen: den Einstieg in Aufbau und Organisation des Eisenbahnbetriebs inklusive Zusatzqualifikationen, die Ausbildung im Bedienen und Führen von Triebfahrzeugen mit Prüfung gemäß TfV-Anlagen 6 und 7, sowie die abschließende Baureihen- und Fahrtenkunde mit betrieblicher Lernphase und fahrpraktischer Prüfung. Der Anbieter ist als Weiterbildungs- und Prüfstelle vom Eisenbahnbundesamt (EBA) anerkannt, was die Prüfungsabnahme unmittelbar beim Bildungsträger ermöglicht.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Aufbau und Organisation im Eisenbahnbetrieb In diesem ersten Lehrgangsabschnitt werden die organisatorischen und sicherheitsrechtlichen Grundlagen gelegt, die für jede Tätigkeit im Eisenbahnbetrieb unverzichtbar sind. Neben dem formalen Regelwerk steht die praktische Einordnung in das System Bahn im Mittelpunkt — von der Struktur der Eisenbahnverkehrsunternehmen bis hin zu den Verantwortlichkeiten des einzelnen Mitarbeitenden.
- Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit im Eisenbahnbetrieb
- Grundkenntnisse im Betriebsdienst gemäß TfV Anlage 5
- Grundlagen des Bahnbetriebs: Signalwesen, Streckenordnung, Betriebsprozesse
- Qualifizierung zur/zum Rangierbegleiter:in
- Qualifizierung zur/zum Bremsprobeberechtigten
- Qualifizierung zur/zum Technisch berechtigten Mitarbeiter:in nach VDV 758
- Gefahrgutschulung für den Schienenverkehr
- Prüfungsvorbereitung und Prüfung gemäß TfV Anlage 5
Modul 2: Bedienen, Prüfen und Führen von Triebfahrzeugen Dieser Abschnitt vermittelt die operative Kernkompetenz des Berufsbildes — das sichere Führen von Triebfahrzeugen unter Regelbedingungen und bei Abweichungen. Der Einsatz von Simulatoren erlaubt intensives Training für Situationen, die im regulären Betrieb selten, aber sicherheitskritisch sind.
- Signale erkennen, interpretieren und regelkonform reagieren
- Bedienung und Funktionsweise der Sicherheitseinrichtungen PZB und Sifa
- Notwendige Unterlagen und Informationen für den sicheren Fahrbetrieb
- Züge fahren: Regelbetrieb, Anfahren, Bremsen, Halt an Bahnsteigen
- Bahnübergänge: Verhalten bei Störungen und Unfällen
- Besonderheiten und Unregelmäßigkeiten: Störungsmanagement auf der Strecke
- Grundlagen elektrischer Triebfahrzeuge (E-Traktion) und dieselbetriebener Fahrzeuge
- Prüfungsvorbereitung und Prüfung gemäß TfV Anlagen 6 und 7
Modul 3: Baureihen und Fahrten Im abschließenden Lehrgangsabschnitt stehen die baureihenspezifischen Fahrzeugkenntnisse und die betriebliche Lernphase im Vordergrund. Das praktische Fahren auf realen Strecken und Fahrzeugen bringt die theoretisch erworbenen Kenntnisse in die Anwendung und bereitet direkt auf die fahrpraktische Prüfung vor.
- Struktur und Organisation von Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und betriebliche Grundsätze
- Allgemeine Aufgaben des Triebfahrzeugführers: Vorbereitung, Fahrt, Übergabe
- Vertiefung der Technikkenntnis an spezifischen Baureihen
- Arbeits- und Umweltschutz im Fahrbetrieb
- Betriebliche Lernphase: Praktikum bei einem Eisenbahnverkehrsunternehmen
- Fahrpraktische Prüfung nach TfV-Anforderungen
Prüfungsvorbereitung und Simulatortraining Das intensive Simulatortraining ermöglicht das gefahrlose Einüben kritischer Fahrsituationen, die im Regelbetrieb kaum trainiert werden können. Theoriestunden werden durch fahrtechnische Szenarien am Simulator ergänzt, sodass Reaktionsmuster und Entscheidungssicherheit vor der realen Fahrprüfung aufgebaut werden.
- Simulation von Störungsfällen: Signalstörungen, Fahrzeugausfälle, Streckensperrungen
- Einüben korrekter Kommunikation mit Fahrdienstleiter und Leitstelle
- Notfallszenarien: Evakuierung, Brandfall, medizinischer Notfall an Bord
- Zeitkritische Entscheidungen unter Druck: Abwägen von Fahrplänen und Sicherheitsvorgaben
- Baureihenspezifische Simulationsübungen an realistisch nachgebildeten Führerständen
- Rückmeldegespräche und Leistungsauswertung nach Simulationsfahrten
- Vorbereitung auf die mündliche und praktische Prüfungsabnahme gemäß TfV
- Streckenkundige Fahrten: Kennenlernen spezifischer Streckenabschnitte und Besonderheiten
- Trainingsfahrten mit Prüfer:innenbewertung als Probelauf für die fahrpraktische Prüfung
- Vertiefung der Fahrzeugkunde an realen Triebfahrzeugen verschiedener Baureihen
- Überprüfung der Fahrzeugbereitschaft: Sichtprüfung, Bremsprobe, Traktionsprüfung
- Abschlusstraining Regelbetrieb: selbstständige Zugfahrten unter Aufsicht
Die Weiterbildung führt in Vollzeit über mehr als sechs Monate bis zu einem Jahr, was dem Umfang des Lehrstoffs und den gesetzlichen Anforderungen der TfV entspricht. Simulator-, Strecken- und Praxisphasen wechseln sich planvoll ab.
Lernziele:
- Sicheres und regelkonformes Führen von Triebfahrzeugen im Güter- und Personenverkehr nach TfV
- Kenntnis und Anwendung der relevanten Eisenbahnvorschriften, Betriebsregeln und Sicherheitskonzepte
- Durchführung der Betriebssicherheitsprüfung an Triebfahrzeugen vor und nach der Fahrt
- Professioneller Umgang mit Regelbetrieb, Unregelmäßigkeiten und Störungsfällen auf der Strecke
- Beherrschung der Sicherheitseinrichtungen PZB (Punktförmige Zugbeeinflussung) und Sifa (Sicherheitsfahrschaltung)
- Zusammenstellen von Zügen und Durchführung von Bremsprobe-Aufgaben im Güter- und Personenverkehr
- Qualifikation als Rangierbegleiter:in sowie als Technisch berechtigte:r Mitarbeiter:in nach VDV 758
- Lesen und Anwenden von Streckenkarten, Zugmeldebüchern und betrieblichen Dokumenten
- Fachgerechter Umgang mit Gefahrgutvorschriften im Schienenverkehr
- Vertiefung der Technikkenntnis an elektrischen und dieselbetriebenen Triebfahrzeugen
- Bestehen der fahrpraktischen Prüfung nach TfV-Anlage 5 sowie Anlagen 6 und 7
- Souveränes Handeln in Notfall- und Evakuierungssituationen auf der Strecke
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die den Beruf der Triebfahrzeugführer:in von Grund auf erlernen möchten oder eine formale Qualifizierung nach TfV anstreben. Vorerfahrung im Eisenbahnbetrieb ist hilfreich, aber keine zwingende Voraussetzung.
- Quereinsteiger:innen aus technischen, handwerklichen oder logistischen Berufen
- Personen mit bestehender Erfahrung im Schienenbetrieb, die einen formalen Abschluss nach TfV anstreben
- Beschäftigte aus dem ÖPNV- oder Güterverkehrsbereich mit Interesse am Lokführerberuf
- Stellensuchende, die eine neue berufliche Perspektive aufbauen wollen
- Männer und Frauen (m/w/d) ohne Altersobergrenze, die das Mindestalter von 20 Jahren erfüllen
Die TfV schreibt als Mindestalter 20 Jahre vor. Weiterhin werden ein Hauptschulabschluss, eine bestandene Bahntauglichkeitsuntersuchung (medizinische und psychologische Eignungsprüfung), persönliche Zuverlässigkeit sowie ausreichende Deutschkenntnisse (mindestens GER B1, angestrebt B2) verlangt. Die medizinischen Anforderungen beziehen sich unter anderem auf Seh- und Hörvermögen, Reaktionsvermögen und allgemeine gesundheitliche Eignung für den Schichtdienst. Eine frühzeitige Klärung der Bahntauglichkeit vor Lehrgangsbeginn wird empfohlen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet überwiegend als Combined Learning statt, das heißt Präsenzunterricht, Simulatortraining und betriebliche Lernphasen sind verzahnt. Theorieblöcke werden durch praktische Übungen am Simulator ergänzt; das Praktikum bei einem Eisenbahnverkehrsunternehmen bringt die Lerninhalte in den realen Betriebsalltag. Die gesamte Ausbildung erfolgt in Vollzeit, um den gesetzlich geforderten Ausbildungsumfang zu gewährleisten. Der Anbieter ist vom Eisenbahnbundesamt als anerkannte Weiterbildungs- und Prüfstelle zugelassen, sodass die Prüfungen direkt beim Bildungsträger abgelegt werden können.
Die Lehrgangszeit beträgt mehr als sechs Monate bis zu einem Jahr in Vollzeit. Der Zeitrahmen ergibt sich aus den vorgeschriebenen Unterrichts-, Simulator- und Praxisstunden nach TfV sowie aus den drei hintereinander aufbauenden Prüfungsabschnitten. Kurze Ausfallzeiten können in der Regel im Rahmen des Gesamtlehrgangs aufgeholt werden.
Nach Bestehen aller Prüfungen wird der Triebfahrzeugführerschein Klasse B nach TfV ausgestellt. Dieser Führerschein berechtigt zum selbstständigen Führen von Triebfahrzeugen im Güter- und Personenverkehr. Zusätzlich erhalten die Absolvent:innen ein trägereigenes Abschlusszertifikat sowie die Nachweise der erworbenen Zusatzqualifikationen (Rangierbegleiter:in, Bremsprobeberechtigte:r, VDV 758). Der Führerschein ist behördlich anerkannt und Grundvoraussetzung für eine Beschäftigung als Triebfahrzeugführer:in bei deutschen EVUs.
Nutzen & Perspektiven
Triebfahrzeugführer:innen gehören zu den gefragtesten Fachkräften im deutschen Schienengüter- und Personenverkehr. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels bei Bahnbetreibern und der Verkehrswende hin zur Schiene sind qualifizierte Lokführer:innen dauerhaft gefragt — sowohl bei großen staatlichen Betreibern als auch bei privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen. Mit dem TfV-Führerschein Klasse B und den integrierten Zusatzqualifikationen steigen Absolvent:innen direkt als vollwertige Triebfahrzeugführer:innen ein. Die erworbenen Qualifikationen als Rangierbegleiter:in, Bremsprobeberechtigte:r und nach VDV 758 verbessern die Einsatzflexibilität erheblich und machen die Absolvent:innen für Arbeitgeber besonders attraktiv. Wer in dieser Branche einsteigt, tritt in ein Berufsfeld ein, das langfristige Beschäftigungssicherheit und ein klar definiertes Qualifikationsprofil verbindet. Da der Lehrgang an einer EBA-anerkannten Prüfstelle durchgeführt wird, entfällt der zusätzliche Aufwand für eine externe Prüfanmeldung: Theorie, Simulation, Praxis und Prüfung finden unter einem Dach statt. Das erleichtert die organisatorische Planung erheblich und stellt sicher, dass Prüfungsstandards konsistent eingehalten werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Triebfahrzeugführerschein Klasse B nach TfV?
Der TfV-Führerschein Klasse B berechtigt zum selbstständigen Führen von Triebfahrzeugen im Güter- und Personenverkehr auf dem deutschen Schienennetz. Er ist die gesetzliche Grundvoraussetzung für eine Tätigkeit als Lokführer:in bei deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmen.
Brauche ich Vorkenntnisse im Bahnbereich?
Spezifische Vorkenntnisse im Eisenbahnbetrieb sind keine Pflicht. Der Lehrgang baut von Grund auf auf, setzt aber technisches Verständnis und Lernbereitschaft voraus. Erfahrungen aus Logistik, Fahrzeugtechnik oder dem ÖPNV-Bereich sind von Vorteil.
Was ist eine Bahntauglichkeitsuntersuchung?
Die Bahntauglichkeitsuntersuchung prüft die medizinische und psychologische Eignung für den Lokführerberuf. Sie umfasst unter anderem Seh- und Hörtests, eine Reaktionsmessung sowie eine allgemeine Gesundheitsbeurteilung. Die Untersuchung sollte vor Lehrgangsbeginn abgeklärt werden.
Wird die Weiterbildung finanziell gefördert?
Für AZAV-zertifizierte Kurse kann bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ein Bildungsgutschein beantragt werden. Die Bewilligung hängt von der persönlichen Situation ab; eine Beratung beim zuständigen Vermittler klärt die individuelle Förderfähigkeit.
Welche Zusatzqualifikationen werden im Kurs erworben?
Neben dem TfV-Führerschein werden Zertifikate als Rangierbegleiter:in, als Bremsprobeberechtigte:r und als Technisch berechtigte:r Mitarbeiter:in nach VDV 758 erworben. Außerdem ist eine Gefahrgutschulung im Lehrgang integriert.
Verwandte Kurse
Alle Kurse in Transport & Logistik ansehen →Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Transport- und Logistik-Branche meldet seit Jahren akuten Fahrer- und Disponenten-Mangel. Berufskraftfahrer-Qualifikation (BKrFQG-Module) ist Pflicht; Logistik-Disposition und Lagerlogistik wachsen mit E-Commerce-Volumen stabil.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Kranführer/Kranführerin1.553 Stellen
- Eisenbahner/in im Betriebsdienst1.378 Stellen
- Lokführer/in1.082 Stellen
- Dienstwagenfahrer/Dienstwagenfahrerin214 Stellen
- Transportgeräteführer/Transportgeräteführerin146 Stellen
- Leiter/Leiterin - Lagerwirtschaft117 Stellen