Überblick
Dieser Aufbaukurs vermittelt die zentralen Techniken der Character Animation in der 3D-Software Blender. Aufbauend auf soliden Grundkenntnissen der Software lernen Teilnehmer, wie dreidimensionale Charaktere mit einem vollständigen Rig versehen, animiert und schließlich professionell gerendert werden. Der Kurs schließt darüber hinaus spezialisierte Themen wie Cloth-Simulation, Hair-Dynamik und Retargeting ein, die für eine überzeugende Darstellung digitaler Figuren in Film, Werbung und Games unverzichtbar sind. Das Kurssetting kombiniert Präsenz- und Online-Phasen (Combined Learning) und ermöglicht so flexibles, praxisorientiertes Lernen in Vollzeit. Character Animation ist heute ein Kernkompetenzfeld in der digitalen Medienwirtschaft. Produktionsstudios, Werbeagenturen, Spieleentwickler und Architekturbüros suchen Fachkräfte, die komplexe Bewegungen glaubwürdig darstellen und technisch sauber umsetzen können. Blender hat sich als marktführende Open-Source-Lösung für 3D-Produktion etabliert und wird weltweit von kleinen wie großen Studios eingesetzt. Wer Blender auf professionellem Niveau beherrscht, öffnet sich Türen in einer Vielzahl von Branchen – von der klassischen Animationsproduktion bis hin zu VR/AR-Anwendungen und interaktiven Echtzeitumgebungen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Rigging und Armatures Das Rigging bildet das Fundament jeder Character Animation. In diesem Modul wird der gesamte Prozess von der Platzierung der ersten Knochen (Bones) bis zum vollständig gewichteten Charakter durchlaufen. Teilnehmer lernen, wie Hierarchien und Constraints aufgebaut werden, damit spätere Animationen organisch und kontrollierbar bleiben.
- Armature-Objekte erstellen und benennen
- Bone-Hierarchien, Parent-Relationen und Roll-Winkel einstellen
- Inverse Kinematics mit IK-Solvern und Pole-Targets konfigurieren
- Weight Painting für präzise Mesh-Deformationen
- Custom Bone Shapes für ein übersichtliches Rig-Interface
- Pose-Library anlegen und Referenz-Posen speichern
Modul 2 — Character Animation Workflows Auf Basis des fertigen Rigs werden hier die klassischen Animationsprinzipien (12 Principles of Animation) in Blender umgesetzt. Vom einfachen Walk-Cycle über Aktionssequenzen bis zu emotionalen Gesichtsanimationen wird der komplette Workflow erarbeitet.
- Walk- und Run-Cycles mit Timing und Spacing optimieren
- Jump-, Fall- und Landungssequenzen mit Anticipation und Follow-Through
- Gesichtsanimation über Shape Keys und Armature-Controller
- NLA-Editor für das Mischen und Schichten von Animationsclips
- Graph-Editor für feine Kurvenbearbeitung und F-Curve-Modifier
- Animationsprinzipien Squash & Stretch, Overlap, Arcs
Modul 3 — Cloth, Hair und Sekundärbewegungen Realistische Charaktere wirken erst dann überzeugend, wenn Kleidung und Haare physikalisch korrekt auf Bewegungen reagieren. Dieses Modul behandelt die Einrichtung von Cloth-Simulationen und Particle-Hair sowie deren Integration in den Animations-Workflow.
- Cloth-Modifier konfigurieren: Pinning, Kollisionsgruppen, Steifigkeit
- Cloth-Cache baken und für lange Animationen optimieren
- Particle-Hair erstellen, kämmen und mit Dynamics versehen
- Curve-basiertes Hair für Stylized Characters
- Soft-Body-Simulationen für weiche Objekte und Accessoires
- Sekundäre Knochen (Jiggle Bones) für organische Bewegungsüberlagerung
Modul 4 — Retargeting, Kamera und Rendering Im abschließenden Modul werden übergeordnete Produktionsfähigkeiten vermittelt: das Übertragen von Animationsdaten auf andere Charaktermodelle (Retargeting), die kinematische Kameraarbeit sowie die finalen Render-Einstellungen.
- Retargeting mit dem Action-Editor und Auto-IK-Mapping
- Motion-Capture-Daten (BVH/FBX) importieren und bereinigen
- Kamerabewegungen und Schnitt mit dem Video Sequence Editor planen
- Depth of Field, Motion Blur und Kamerastabilisierung in Eevee und Cycles
- Render-Passes und Compositing-Nodes für Post-Production
- Exportformate für Film (EXR, ProRes) und Game-Engines (FBX, glTF)
Praxis-Block — Eigenständiges Animationsprojekt In der abschließenden Praxisphase realisieren Teilnehmer ein vollständiges Animationsprojekt, das alle erlernten Techniken integriert. Betreuung und Feedback finden in regelmäßigen Live-Sessions statt.
- Konzept und Storyboard entwickeln
- Charaktermodell importieren und vollständiges Rig erstellen
- Animationssequenz (mindestens 10 Sekunden) ausarbeiten
- Cloth- und Hair-Simulationen in die Szene integrieren
- Kamerabewegung und Lichtsetzung gestalten
- Finales Rendering in Cycles optimieren und ausgeben
- Exportdatei für Demoreel oder Portfolio aufbereiten
- Peer-Review und Kursleiter-Feedback einarbeiten
- Retargeting auf ein zweites Charaktermodell demonstrieren
- Render-Output für Web (H.264/MP4) und Broadcast (ProRes) erstellen
- Projektdokumentation und Rig-Anleitung anlegen
- Abschlusspräsentation der Arbeitsergebnisse
Der Praxis-Block macht den größten Teil der Kurszeit aus und ist bewusst so angelegt, dass Teilnehmer einen vorzeigbaren Portfolio-Eintrag erstellen. Betreuer geben kontinuierlich technisches und gestalterisches Feedback, sodass die Arbeitsergebnisse professionellen Qualitätsstandards entsprechen. Ergänzend empfiehlt sich der Blender-Kurs zu Motion Graphics, der hervorragend mit diesem Character-Animation-Kurs kombinierbar ist.
Lernziele:
- Grundprinzipien des Riggings verstehen und anwenden, um Charaktermodellen eine vollständige Knochenstruktur zu geben
- Forward Kinematics (FK) und Inverse Kinematics (IK) gezielt für natürliche Bewegungsabläufe einsetzen
- Keyframe-basierte Animationen für Körper, Gesicht und Hände erstellen und im Graph-Editor verfeinern
- Cloth-Simulationen für Bekleidung, Stoffe und Accessoires realistisch konfigurieren
- Hair-Partikel-System nutzen, um organisch wirkendes, dynamisch bewegtes Haar darzustellen
- Animationen mittels Retargeting auf unterschiedliche Charaktermodelle übertragen
- Kamerabewegungen gestalten und Szenen kinematisch inszenieren
- Render-Einstellungen für Eevee und Cycles professionell konfigurieren, um hochwertige Ausgaben zu erzeugen
- Non-Linear Animation (NLA-Editor) für das Kombinieren und Wiederverwenden von Animations-Clips einsetzen
- Shape Keys für Gesichtsausdrücke und Blend-Übergänge erstellen
- Exportformate für Game-Engines und Compositing-Pipelines korrekt wählen und nutzen
- Eigene Animationsprojekte von der Konzeption bis zum finalen Rendering selbstständig umsetzen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit bestehenden Blender-Grundkenntnissen, die ihre Fähigkeiten auf das Niveau professioneller Character Animation heben möchten. Angesprochen sind insbesondere Quereinsteiger und Umschüler aus Kreativberufen, die eine fundierte Zusatzqualifikation anstreben.
- Grafikdesigner, Mediengestalter und Illustratoren mit erstem 3D-Interesse
- Fachkräfte aus der Werbe-, Film- und Spielebranche mit Fokus auf Animation und VFX
- Architekten, Bauzeichner und Fotografen, die ihre Visualisierungskompetenz erweitern möchten
- Personen aus AR/XR und Realtime-Anwendungsentwicklung, die Character-Assets selbst erstellen wollen
- Berufswechsler und Arbeitssuchende, die mit einem Bildungsgutschein oder anderen Förderprogrammen qualifiziert werden
Der Kurs setzt die im vorangehenden Blender-Basic-Kurs vermittelten Fähigkeiten voraus, alternativ kann eine Eignungsprüfung beim Anbieter absolviert werden. Gute Deutschkenntnisse auf dem Sprachniveau B2 sowie grundlegende Englischkenntnisse sind notwendig, da Teile der Kurs- und Softwaredokumentation auf Englisch vorliegen. Darüber hinaus wird Erfahrung im Umgang mit Computern erwartet. Eine handwerklich-kreative Ausbildung oder eine berufliche Affinität zu Kreativthemen ist von Vorteil, jedoch keine formale Bedingung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Combined-Learning-Format statt und verbindet betreute Präsenzphasen mit flexiblen Online-Lernphasen. Die Teilnehmer arbeiten praxisorientiert direkt in Blender, während Dozierende technisches und gestalterisches Feedback geben. Live-Sessions, aufgezeichnete Tutorials und individuelles Coaching ergänzen sich zu einem ausgewogenen Lernformat. Das Vollzeitsetting ermöglicht intensive Beschäftigung mit dem Stoff und schnellen Kompetenzaufbau.
Die Weiterbildung dauert mehr als einen Monat und bis zu drei Monate und wird in Vollzeit absolviert. Der genaue Stundenumfang variiert je nach Anbieter. Die Combined-Learning-Struktur erlaubt es, einen Teil der Lernzeit ortsunabhängig zu gestalten, sofern ein geeignetes technisches Setup (leistungsfähiger PC oder Mac mit Blender) vorhanden ist.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmer ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers (u. a. Ihr JobCoach, IFP, SBW GmbH, JOBINKUBATOR, Institut für Bildung & Beruf, Pangea Bildungszentrum). Dieses Zertifikat dokumentiert die erworbenen Kompetenzen und dient als Portfolio-Nachweis gegenüber potenziellen Arbeitgebern in der Medien- und Kreativbranche. Es handelt sich um ein trägerinternes Abschlussdokument, kein staatlich anerkannter Berufsabschluss.
Nutzen & Perspektiven
Die Nachfrage nach qualifizierten Character Animatoren und 3D-Artists steigt in nahezu allen visuellen Medienbranchen kontinuierlich an. Ob Film, Games, Werbung, Produktvisualisierung oder Virtual Reality — überall werden Fachkräfte gesucht, die glaubwürdige Charaktere und Bewegungen technisch sauber umsetzen können. Mit dem Abschluss dieses Kurses besitzen Teilnehmer ein vorzeigbares Portfolio und konkrete, marktrelevante Fähigkeiten, die direkt in Projekten eingesetzt werden können. Der Kurs ist daher ein strategisch sinnvoller Schritt für alle, die eine nachhaltige berufliche Neuausrichtung im Kreativbereich anstreben. Bei Anspruch auf einen Bildungsgutschein (AZAV-zertifizierte Träger) kann die Weiterbildung in vielen Fällen vollständig über die Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter gefördert werden. Darüber hinaus sind Förderungen über das Qualifizierungschancengesetz (für Beschäftigte), die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation sowie Förderprogramme der Deutschen Rentenversicherung möglich. Eine individuelle Beratung beim jeweiligen Anbieter hilft, den optimalen Förderweg zu ermitteln. Wer diesen Kurs erfolgreich absolviert, baut nicht nur technische Fähigkeiten auf, sondern entwickelt auch ein ästhetisches Bewusstsein für Bewegung, Timing und Inszenierung. Diese Kombination aus Handwerk und Kreativität ist es, die Arbeitgeber in der Medienbranche suchen. In Verbindung mit dem Blender-Kurs zu Motion Graphics entsteht ein umfassendes Kompetenzprofil, das für eine breite Palette von Projekten und Auftraggebern qualifiziert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Der Kurs setzt solide Blender-Grundkenntnisse voraus, die entweder im vorangehenden Basic-Kurs oder durch eine Eignungsprüfung beim Anbieter nachgewiesen werden. Allgemeine Computerkenntnisse und eine kreative Ausrichtung sind hilfreich.
Kann ich den Kurs mit einem Bildungsgutschein finanzieren?
Ja, AZAV-zertifizierte Anbieter dieses Kurses akzeptieren Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter. Auch Förderungen über das Qualifizierungschancengesetz oder die Deutsche Rentenversicherung sind möglich. Eine individuelle Beratung beim Anbieter empfiehlt sich.
Welches Abschlussdokument erhalte ich?
Nach erfolgreichem Abschluss stellt der jeweilige Bildungsträger ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung aus. Es handelt sich nicht um einen staatlich anerkannten Berufsabschluss, das Zertifikat dokumentiert jedoch die erworbenen Fachkompetenzen gegenüber Arbeitgebern.
Was unterscheidet diesen Kurs vom Motion-Graphics-Kurs in Blender?
Der Character-Animation-Kurs fokussiert auf das Rigging und die Bewegungsanimation von 3D-Figuren, während der Motion-Graphics-Kurs Kamera-, Shader- und Lichtanimation sowie Geometry Nodes behandelt. Beide Kurse ergänzen sich ideal und können zusammen ein umfassendes Blender-Kompetenzprofil aufbauen.
Wie ist der Kurs zeitlich strukturiert?
Der Kurs läuft in Vollzeit über mehr als einen Monat und bis zu drei Monate im Combined-Learning-Format. Das bedeutet eine Kombination aus betreuten Präsenz- oder Live-Online-Phasen und selbstgesteuertem Lernen mit Aufgaben und Projekten, die ortsunabhängig absolviert werden können.
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