Überblick
Unreal Engine ist eine der leistungsfähigsten Realtime-3D-Engines der Welt und findet Einsatz in der Videospielentwicklung, Filmproduktion, Architekturvisualisierung, Produktentwicklung und im Kommunikationsdesign. Dieser Aufbaukurs setzt dort an, wo das Kennenlernen der Software endet: Teilnehmende entwickeln eigenständig Anwendungen, ohne eine einzige Zeile Code schreiben zu müssen — dank des visuellen Scripting-Systems Blueprint. Der Kurs führt systematisch durch die Kernthemen der Anwendungsentwicklung mit der Unreal Engine: von der Steuerung und Animation von Charakteren über Interaktionssysteme und Benutzeroberflächen bis hin zu Sound-Design, Physik-Simulationen und professionellem Szenen-Management. Er richtet sich an Personen, die bereits Grundkenntnisse in der Unreal Engine mitbringen und ihre Fähigkeiten gezielt in Richtung interaktiver Anwendungsentwicklung vertiefen möchten. Die in diesem Kurs erlernten Techniken sind in der Spieleentwicklung ebenso relevant wie in der Architekturvisualisierung, im Produktdesign oder im Bereich Film und Animation.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul führt in das Blueprint-System als Herzstück der visuellen Anwendungsentwicklung in der Unreal Engine ein. Blueprints ermöglichen es, vollständige Spiellogiken und Interaktionen aufzubauen, ohne in C++ programmieren zu müssen — eine Fähigkeit, die sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Artisten unverzichtbar ist.
- Einführung in das Blueprint-Visual-Scripting-System
- Blueprint-Klassen und Vererbungshierarchien
- Variablen, Funktionen, Events und Makros in Blueprints
- Kommunikation zwischen Blueprints — Cast, Interfaces, Event Dispatcher
- Debugging von Blueprints mit Print-Nodes und Breakpoints
- Blueprint Best Practices für wartbare und performante Projekte
Das zweite Modul behandelt Character Movement, Animation und Rigging — die technische Basis für lebendige und glaubwürdige Spielfiguren. Ohne ein fundiertes Verständnis dieser Systeme lassen sich keine immersiven Spielerlebnisse oder überzeugenden Visualisierungen realisieren.
- Character-Movement-Komponente und ihre Parameter
- Animation-Blueprints und State Machines für Charakterbewegungen
- Blend Spaces für flüssige Übergänge zwischen Animationszuständen
- Inverse Kinematics (IK) für realistische Fußplatzierung und Blick-Targets
- Character-Rigging-Grundlagen — Bone-Hierarchie, Skin Weights, Control Rig
- Import von Charakteren und Animationen aus externen 3D-Tools
Das dritte Modul widmet sich Interaktionssystemen, Benutzeroberflächen und dem Inventarsystem — den Grundlagen für jede interaktive Anwendung, ob Spiel, Simulation oder Architektur-Walkthrough.
- Kollisionserkennung und Overlap-Events für Objekt-Interaktionen
- Line-Trace und Sphere-Trace für Interaktionssysteme
- UMG (Unreal Motion Graphics) für Benutzeroberflächen — Widgets und HUD
- Datenbindung zwischen Gameplay-Logik und UI-Elementen
- Aufbau eines vollständigen Inventarsystems mit Drag-and-Drop
- Dialoge, Hinweissysteme und kontextabhängige UI-Elemente
Das vierte Modul schließt mit Sound-Design, Physik-Simulationen und professionellem Szenen-Management ab. Die Atmosphäre einer Anwendung wird maßgeblich durch Sound und physikalische Interaktionen geprägt; effizienter Workflow erfordert darüber hinaus durchdachtes Projektmanagement.
- Sound Cues und Meta Sounds für dynamische Audio-Events
- Atmo-Sounds, Raumklang und Reverb-Zonen
- Physik-Simulationen — Rigid Body, Constraints und Destruktible Objekte
- Physik-Materialien und Kollisionsantworten
- Szenen-Management mit Subleveln, World Partition und Data Layers
- Optimierungsstrategien — LOD, Occlusion Culling und Profiler-Analyse
Im Praxisteil entwickeln Teilnehmende ein vollständiges interaktives Kurzprojekt und setzen alle gelernten Systeme in einem zusammenhängenden Anwendungskontext ein.
- Konzeption und Planung eines Kurzprojekts mit Blueprint-Architektur
- Implementierung eines spielbaren Charakters mit Animations-Blueprint
- Aufbau eines Interaktionssystems für Objekte in der Spielwelt
- Gestaltung eines vollständigen HUD mit Gesundheitsanzeige und Inventar
- Integration eines Inventarsystems mit Pick-up- und Drop-Funktionalität
- Einbau von Soundeffekten und Hintergrundmusik per Sound Cue
- Physikalische Interaktionen — zerstörbare Objekte und Physik-Objekte
- Aufbau einer mehrstöckigen Szene mit Sublevel-Struktur
- Profiler-Analyse und erste Performance-Optimierung des Projekts
- Peer-Review mit Feedback zur Blueprint-Architektur
- Iterative Verbesserung des Projekts auf Basis des Feedbacks
- Abschlusspräsentation des fertigen Kurzprojekts
Das Kurzprojekt dient als Portfolio-Stück für Bewerbungen und zeigt Arbeitgebern aus der Spiele-, Film- und Visualisierungsbranche die praktische Handlungskompetenz der Teilnehmenden.
Lernziele:
Nach Abschluss dieser Weiterbildung können Teilnehmende Blueprints als visuelles Scripting-System verstehen und einsetzen, um komplexe Spiellogiken und Interaktionen ohne Programmierkenntnisse zu implementieren. Sie steuern die Bewegung von Charakteren im dreidimensionalen Raum und passen Character-Movement-Komponenten für unterschiedliche Gameplay-Anforderungen an. Sie implementieren und steuern Animationen für Spielfiguren, einschließlich Animation-Blueprints und State Machines. Sie richten Character Rigging korrekt ein und bereiten Charaktermodelle für die Animations-Pipeline vor. Sie entwickeln Interaktionssysteme zwischen Charakteren und Objekten in der Spielwelt. Sie gestalten und implementieren Benutzeroberflächen (User Interface) mit dem UMG-System der Unreal Engine. Sie bauen ein funktionsfähiges Inventarsystem auf und verknüpfen es mit dem Gameplay-Loop. Sie integrieren Sound-Effekte und Hintergrundmusik mit dem Unreal-Audio-System und steuern Sound-Cues dynamisch. Sie nutzen die Physik-Engine der Unreal Engine, um realistische physikalische Simulationen und Interaktionen zu erzeugen. Sie strukturieren komplexe Projekte durch professionelles Szenen-Management mit Layern, Subleveln und World-Partition-Techniken. Sie organisieren ihr Projekt nach Best-Practice-Standards für den Workflow in Teams und in größeren Produktionen. Sie sind in der Lage, ein vollständiges Kurzprojekt als interaktive Echtzeit-Anwendung eigenständig zu konzipieren und umzusetzen.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Aufbaukurs richtet sich an Personen mit Grundkenntnissen in der Unreal Engine, die ihre Kenntnisse in der interaktiven Anwendungsentwicklung gezielt vertiefen und für den Berufseinstieg qualifizieren möchten.
- 3D-Artisten und Visualisierungsspezialist:innen aus der Architektur- und Produktdesignbranche
- Mediengestalter:innen, Animatoren und CGI-Artists mit Wunsch zur Spezialisierung
- Quereinsteiger:innen aus kreativen Berufen mit erster Unreal-Erfahrung
- Personen, die in die Videospielentwicklung oder Filmbranche einsteigen möchten
- Berufstätige aus Werbe-, Marketing- oder Kommunikationsdesign-Bereichen
Vorausgesetzt werden gute Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2, da alle Kursmaterialien und der Unterricht auf Deutsch stattfinden. Grundlegende Englischkenntnisse sind hilfreich, da viele Ressourcen und Dokumentationen in der Unreal-Community auf Englisch verfügbar sind. Erfahrung im Umgang mit Computern und grundlegende Kenntnisse der Unreal Engine sind notwendig — der Kurs ist als Aufbaukurs konzipiert und setzt Vertrautheit mit der Benutzeroberfläche und den Grundfunktionen der Software voraus. Eine Affinität zu oder Ausbildung in einem Kreativberuf erleichtert den Einstieg erheblich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format durchgeführt und verbindet Präsenzphasen mit digitalen Lerneinheiten. Präsenzphasen dienen der gemeinsamen Erarbeitung von Blueprints, Animationssystemen und Interaktionslogiken sowie dem Feedback in Gruppen. Online-Lernphasen ermöglichen die selbstgesteuerte Vertiefung und die Arbeit an eigenen Projekten im eigenen Tempo. Teilnehmende erhalten Zugang zu einer Lernplattform mit Tutorials, Übungsprojekten und einer Unreal-Engine-Installationsanleitung. Projektorientiertes Arbeiten ist zentrales Lernprinzip: die Entwicklung eines eigenen Kurzprojekts zieht sich durch den gesamten Kursverlauf.
Die Weiterbildung dauert mehr als einen Monat bis zu drei Monate und wird in Vollzeit absolviert. Die Vollzeitstruktur ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Systemen der Unreal Engine und die Entwicklung eines vollständigen Portfolio-Projekts. Die genaue Stundenzahl variiert je nach Anbieter; typischerweise sind mehrere Hundert Unterrichtsstunden einzuplanen, zuzüglich eigenständiger Projektarbeit.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Das Zertifikat dokumentiert die erworbenen Kompetenzen in den Bereichen Blueprint-Scripting, Character Animation, Interaktionssysteme und Szenenmanagement in der Unreal Engine. Es handelt sich um keinen staatlich anerkannten Berufsabschluss, aber es wird von Arbeitgebern in der Spiele-, Film- und Visualisierungsbranche als Weiterbildungsnachweis akzeptiert. Das im Kurs entwickelte Portfolio-Projekt ergänzt das Zertifikat als konkreter Kompetenznachweis.
Nutzen & Perspektiven
Der Markt für Realtime-3D-Anwendungen wächst rasant — nicht nur in der Videospielbranche, sondern auch in Architekturvisualisierung, Film-Postproduktion, Produktdesign, virtualem Training und interaktivem Marketing. Fachkräfte mit nachgewiesenen Unreal-Engine-Kompetenzen sind gefragt und können ihre Kenntnisse in einem breiten Spektrum von Branchen einsetzen. Das visuelle Scripting mit Blueprints senkt die Einstiegshürde in die Anwendungsentwicklung erheblich und ermöglicht Kreativprofis ohne Programmierhintergrund den Einstieg in ein technisch anspruchsvolles Berufsfeld. Der Aufbaukurs vermittelt nicht nur einzelne Techniken, sondern ein integriertes Verständnis dafür, wie die verschiedenen Systeme der Unreal Engine — Blueprints, Animation, Sound, Physik und UI — zusammenspielen. Diese systemische Kompetenz ist es, die Arbeitgeber bei Bewerbern suchen: nicht das Beherrschen einzelner Werkzeuge, sondern die Fähigkeit, komplexe interaktive Anwendungen von der Konzeption bis zur Fertigstellung zu realisieren. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist diese Weiterbildung über den Bildungsgutschein förderbar. Zusätzlich kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen zur Rehabilitation sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege in Betracht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich programmieren können, um an diesem Kurs teilzunehmen?
Nein. Der Kurs basiert auf dem Blueprint-Visual-Scripting-System der Unreal Engine, das keine Programmierkenntnisse erfordert. Blueprints ermöglichen es, komplexe Anwendungslogiken durch visuelle Verbindungen von Knoten zu erstellen, ohne C++-Code schreiben zu müssen.
Welche Vorkenntnisse in der Unreal Engine werden vorausgesetzt?
Der Kurs ist ein Aufbaukurs und setzt voraus, dass Teilnehmende bereits mit der Benutzeroberfläche der Unreal Engine vertraut sind und grundlegende Funktionen wie das Platzieren von Objekten, die Kamerasteuerung und das Erstellen einfacher Szenen beherrschen. Wer noch keinerlei Erfahrung mit der Unreal Engine hat, sollte zuerst den Basics-1-Kurs absolvieren.
In welchen Branchen kann ich die erlernten Fähigkeiten einsetzen?
Die Kompetenzen aus diesem Kurs sind in der Videospielentwicklung, Filmproduktion und VFX, Architekturvisualisierung, Produktdesign, Simulation und Training sowie im interaktiven Marketing einsetzbar. Die Unreal Engine hat sich als plattformübergreifendes Werkzeug in vielen kreativen Industrien etabliert.
Erhalte ich ein Portfolio-Projekt für Bewerbungen?
Ja. Im Praxisteil des Kurses entwickeln Sie ein vollständiges interaktives Kurzprojekt, das alle gelernten Systeme integriert. Dieses Projekt können Sie als Portfolio-Stück bei Bewerbungen in der Spiele-, Film- und Visualisierungsbranche verwenden.
Ist der Kurs über einen Bildungsgutschein förderbar?
Ja. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern kann die Weiterbildung über den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden. Auch das Qualifizierungschancengesetz sowie Leistungen der Deutschen Rentenversicherung kommen als Förderweg in Betracht.
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