Überblick
Allplan Advanced richtet sich an Planende, die die Grundlagen von Allplan bereits beherrschen und ihre Arbeitsweise auf ein professionelles Niveau heben möchten. Im Mittelpunkt steht die Vertiefung der räumlichen Modellierung: Gebäudestrukturen werden nicht mehr zweidimensional skizziert, sondern als vollständige 3D-Modelle aufgebaut, die alle relevanten Bauteile — von tragenden Wänden über Decken bis hin zu komplexen Dachgeometrien — in ihrer räumlichen Beziehung zueinander abbilden. Gleichzeitig lernen Teilnehmende, Bewehrungszeichnungen normgerecht zu erstellen und Mengen direkt aus dem Modell abzuleiten, was Fehlerquellen im Übergang von Planung zu Ausführung deutlich reduziert.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Vertiefung 3D-Modellierung und Baukörper Die räumliche Modellierung ist das Kernelement des Aufbaukurses. Teilnehmende erweitern ihr Verständnis für die objektbasierte Arbeitsweise von Allplan und lernen, komplexe Baukörper systematisch aufzubauen. Besonders behandelt werden Gebäudeteile, die in einfachen Kursen oft nur angeschnitten werden.
- Wandkonstruktionen mit mehrschichtigem Aufbau (Kern, Dämmung, Verkleidung)
- Decken und Unterzüge mit variablen Querschnitten und Aussparungen
- Treppen und Podeste parametrisch konstruieren und anpassen
- Erker, Loggien und auskragende Bauteile modellieren
- Fenster- und Türöffnungen mit Sturz und Laibung detailliert ausarbeiten
- Grundrisse, Schnitte und Ansichten automatisiert aus dem 3D-Modell ableiten
Modul 2 — Skelettbau und Dachkonstruktionen Ingenieurbauten und Holzkonstruktionen erfordern spezielle Werkzeuge in Allplan. In diesem Modul werden tragende Strukturen des Hoch- und Hallenbaus ebenso behandelt wie gängige Dachformen in ihrer dreidimensionalen Ausführung.
- Pfettendächer, Sparrendächer und kombinierte Konstruktionen anlegen
- Stützen, Träger und Rahmenkonstruktionen positionieren und verknüpfen
- Freie Ebenen und Dachflächen mit individueller Neigung und Konfiguration
- Dachhaut, Dachaufbau und Traufe konstruktiv ausarbeiten
- Konstruktive Anschlussdetails im Modell vorbereiten
- Konsistenz zwischen Sparren- und Dachebenen-Geometrie sicherstellen
Modul 3 — Bewehrungsplanung Die werkstoffgerechte Darstellung von Bewehrungen ist für Tragwerksplanung und Bauleitung unerlässlich. Allplan bietet eigene Werkzeuge, die normkonforme Bewehrungszeichnungen direkt aus dem Modell ermöglichen.
- Stabförmige Bewehrung in Einzelstäben und Gruppen anlegen
- Bügel, Matten und Sonderbewehrungen für Wände, Stützen und Decken
- Verlegepläne und Stahllisten automatisiert generieren
- Überdeckungsregeln und Mindestabstände nach Norm berücksichtigen
- Bewehrungslisten exportieren und für Ausführungsunterlagen aufbereiten
- Mengenauswertung zur Vorbereitung des Leistungsverzeichnisses
Modul 4 — Mengenermittlung und Modellpflege Ein konsistentes Modell ist die Grundlage für zuverlässige Mengenermittlungen. In diesem Modul lernen Teilnehmende, Bauteil-Attribute gezielt zu vergeben und Auswertungen aus dem Modell heraus zu steuern.
- Attribute und Materialzuweisungen für Bauteile strukturiert anlegen
- Mengenermittlungen nach DIN 277 und DIN 276 aus dem Modell exportieren
- Revisionsstände verwalten und Modellversionen dokumentieren
- Zeichnungsrahmen, Schriftfelder und Planköpfe normgerecht einrichten
- Layerstruktur und Stiftbelegung für Planabgabe an externe Partner optimieren
- Teamwork-Grundlagen — Modellbereiche prüfen, freigeben und übernehmen
Die folgenden Übungen orientieren sich an typischen Aufgaben aus Architekturbüros, Tragwerksplanung und Generalunternehmen.
- Aufbau eines vollständigen Einfamilienhauses als 3D-Modell mit allen Bauteilen
- Erstellung einer Dachkonstruktion mit Gauben und Traufdetails
- Ableitung von Grundriss, Schnitt und Ansicht aus einem fertigen Gebäudemodell
- Bewehrungsplan für eine Kellerdecke aus dem Modell erstellen
- Mengenermittlung für Erdarbeiten, Rohbau und Innenausbau vergleichen
- Planausgabe in verschiedenen Maßstäben und Papierformaten einrichten
- Übergabe eines Teilmodells an einen Kooperationspartner im Teamwork-Modus simulieren
- Revision eines Bestandsplans in die dreidimensionale Allplan-Umgebung überführen
- Dachflächenfenster mit korrekten Laibungsdetails in den Dachkörper einbauen
- Wandschnitt mit Bewehrungsdetail und Materialangaben als Werkstattzeichnung aufbereiten
- Bibliothekselemente anpassen und in das Projekt integrieren
- Kompletten Plansatz für eine Baugenehmigung als PDF-Export vorbereiten
Lernziele:
- Eigenständige Konstruktion und Modifikation dreidimensionaler Gebäudemodelle in Allplan
- Aufbau von Skelettstrukturen mit Sparren, Pfetten und Pfosten nach baupraktischen Anforderungen
- Planung und Darstellung von Dachhaut, Dachebenen und freien Ebenen
- Erstellung normgerechter Bewehrungspläne für Beton- und Stahlbetonbauteile
- Durchführung modellbasierter Mengenermittlungen und Vorbereitung von Leistungsverzeichnissen
- Nutzung von Bauteil-Attributen für die Dokumentation und Weitergabe von Planungsdaten
- Verknüpfung von 3D-Modell und 2D-Ableitung für konsistente Planunterlagen
- Anpassung und Verwaltung von Allplan-Bibliotheken und Zeichnungsvorlagen
- Effizienter Umgang mit Layern, Stiften und Strichstärken für eine normgerechte Plandarstellung
- Grundlagen der Zusammenarbeit im Allplan-Netzwerk (Teamwork-Funktion)
- Vorbereitung von Modellen für die Übergabe an nachgelagerte Fachplanungen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Allplan Advanced eignet sich für Fachkräfte, die nach einer Grundausbildung in Allplan oder nach praktischer Erfahrung mit der Software in komplexere Planungsaufgaben einsteigen möchten.
- CAD-Planende aus Architektur- und Ingenieurbüros, die ihre Allplan-Kenntnisse systematisch vertiefen
- Bauzeichnerinnen und Bauzeichner, die von 2D-Zeichnen auf objektbasiertes 3D-Modellieren umsteigen
- Technische Fachkräfte im Hochbau, die Bewehrungspläne und Mengenermittlungen effizienter erstellen möchten
- Projektverantwortliche, die Modellabgaben an Fachplaner koordinieren und prüfen sollen
- Berufserfahrene im Bauwesen, die Allplan als primäres Planungswerkzeug einsetzen oder einsetzen werden
Teilnehmende sollten über Grundkenntnisse in Allplan verfügen, wie sie ein Einführungskurs oder vergleichbare Berufspraxis vermittelt. Daneben werden eine technische Ausbildung oder ein Studium im Bereich Architektur, Bauingenieurwesen oder einer verwandten Ingenieursdisziplin vorausgesetzt. Sichere Computerkenntnisse und Erfahrung in der Arbeit mit CAD-Oberflächen im Allgemeinen erleichtern den Einstieg.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im kombinierten Lern-Format angeboten — theoretische Einheiten wechseln mit umfangreichen Praxisübungen direkt am System, an denen Allplan-Lizenzen verwendet werden. Typischerweise wird in Teilzeit gelernt, sodass Berufstätige den Kurs parallel zu Arbeits- oder Familienverpflichtungen absolvieren können. Aufgaben und Übungsmodelle werden schrittweise aufgebaut, sodass die Komplexität graduell zunimmt und Gelerntes vertieft wird.
Der genaue Umfang variiert je nach Anbieter und Lernformat. Auf Basis der verfügbaren Marktdaten handelt es sich um einen mehrstufigen Vertiefungskurs, der typischerweise mehrere Wochen umfasst — die genaue Stundenzahl entnehmen Interessierte der jeweiligen Kursausschreibung.
Absolventinnen und Absolventen erhalten ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Dieses Dokument weist die erworbenen Allplan-Kenntnisse auf Advanced-Niveau aus und kann bei Bewerbungen und Qualifikationsnachweisen eingesetzt werden. Die Bescheinigung ist kein Herstellerzertifikat von Nemetschek, dokumentiert aber den Weiterbildungsweg nachvollziehbar.
Nutzen & Perspektiven
Wer 3D-Modelle in Allplan professionell aufbaut, statt auf traditionellem 2D-Zeichnen zu verharren, gewinnt einen entscheidenden Vorteil im Planungsalltag. Inkonsistenzen zwischen Grundriss, Schnitt und Ansicht gehören der Vergangenheit an, weil alle Ansichten aus demselben Modell abgeleitet werden. Das spart Korrekturzeit und reduziert Koordinationsfehler zwischen Gewerken erheblich. Die im Kurs erworbene Fähigkeit zur modellbasierten Mengenermittlung macht Planende unabhängiger von manuellen Massenberechnungen und schafft eine verlässliche Datenbasis für Kostenplanung und Ausschreibung. Gerade in einem Berufsbild, das von steigendem Kosten- und Termindruck geprägt ist, ist dieser direkte Draht vom Modell zur Kalkulation ein handfester Wettbewerbsvorteil. Mit dem Abschluss auf Advanced-Niveau sind Teilnehmende gut vorbereitet, um in Büros oder auf Baustellen anspruchsvolle Planungsaufgaben eigenständig zu übernehmen und auch die Schnittstellenkommunikation zu Tragwerksplanung, TGA und Bauleitung sicherer zu gestalten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Allplan-Vorkenntnisse sind für den Kurs notwendig?
Teilnehmende sollten die Grundlagen von Allplan kennen — etwa aus einem Einführungskurs oder durch praktische Berufserfahrung mit der Software. Wer noch nie mit Allplan gearbeitet hat, sollte zunächst einen Grundkurs absolvieren, da der Advanced-Kurs direkt auf diesen Kenntnissen aufbaut.
Was ist der Unterschied zwischen Allplan Advanced und Allplan Expert?
Allplan Advanced vertieft die Modellierung, Bewehrungsplanung und Mengenermittlung auf einem soliden Aufbauniveau. Allplan Expert geht darüber hinaus und behandelt professionelle BIM-Koordination, IFC-Export, Kollisionsprüfung und fotorealistische Visualisierung — also die Instrumente, die für projektübergreifende BIM-Prozesse und Bauleitung auf Expert-Niveau gebraucht werden.
Ist das Zertifikat ein offizielles Nemetschek-Herstellerzertifikat?
Nein. Das ausgestellte Zertifikat ist ein trägerinternes Abschlussdokument, das die erworbenen Allplan-Kompetenzen nachweist. Es handelt sich nicht um ein Herstellerzertifikat von Nemetschek. Für offizielle Allplan-Zertifizierungen bietet Nemetschek eigene Programme an.
Kann man den Kurs in Teilzeit absolvieren?
Ja. Der Kurs ist typischerweise so strukturiert, dass er in Teilzeit durchgeführt werden kann, sodass Berufstätige ihn neben ihrer regulären Arbeit absolvieren können. Die genaue Zeitplanung variiert je nach Anbieter.
Welche Software wird im Kurs verwendet?
Im Kurs wird mit Allplan gearbeitet. Ob die Software als Testversion oder über Lizenzen des Anbieters bereitgestellt wird, hängt vom jeweiligen Kursanbieter ab — das wird in den Kursunterlagen des Anbieters geregelt.
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