Überblick
Dieser Aufbaukurs vertieft die Kompetenzen von Fachkräften im Fallmanagement nach § 16 SGB II und in der Sozialberatung. Aufbauend auf dem Grundlagenmodul werden zentrale Methoden der Sozialberatung, Grundlagen der Notfall- und Krisenintervention sowie Selbstschutz und Psychohygiene systematisch vermittelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Supervision als wichtigem Instrument der professionellen Selbstreflexion und Qualitätssicherung in der Beratungsarbeit. Die Teilnehmenden erwerben nicht nur theoretisches Wissen, sondern stärken auch ihre persönlichen Kompetenzen — denn nur wer selbst stabil und belastbar ist, kann Menschen in schwierigen Lebenslagen dauerhaft professionell unterstützen. Der Kurs ist als Aufbaumodul konzipiert und setzt das Grundlagenmodul Berater:in im Fallmanagement nach § 16 SGB II voraus.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Themengebiet umfasst die Grundlagen und Methoden der Sozialberatung, die systematisch und praxisnah erarbeitet werden. Die Teilnehmenden lernen, welche Beratungsansätze in welchen Situationen geeignet sind und wie eine professionelle Beratungsbeziehung aufgebaut und aufrechterhalten wird.
- Einführung in die Sozialberatung und deren gesellschaftliche Funktion
- Grundlagen der Sozialberatung: Haltung, Rolle und Beziehungsgestaltung
- Methoden der Sozialberatung im Überblick (klientenzentriert, systemisch, lösungsorientiert)
- Gesprächsführungstechniken für herausfordernde Beratungssituationen
- Ressourcenorientiertes Arbeiten im Fallmanagement
- Dokumentation und Fallführung im SGB-II-Kontext
Das zweite Themengebiet behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen, die für die Beratungsarbeit nach § 16 SGB II relevant sind. Kenntnisse des einschlägigen Sozialrechts sind unverzichtbar, um Leistungsberechtigte korrekt zu informieren und ihre Rechte zu wahren.
- Rechtsgrundlagen des SGB II: Leistungen zur Eingliederung in Arbeit nach § 16
- Rechte und Pflichten der Leistungsberechtigten
- Schnittstellen zu SGB III, SGB XII und weiteren Sozialgesetzbüchern
- Datenschutz und Schweigepflicht in der Sozialberatung
- Kooperationspflichten und Netzwerke im Beratungsfeld
- Umgang mit Widersprüchen und Beschwerden
Das dritte Themengebiet widmet sich der Notfall- und Krisenintervention — einem zentralen Kompetenzfeld für alle, die Menschen in akuten Krisen begleiten. Hier werden sowohl theoretische Grundlagen als auch konkrete Handlungsstrategien vermittelt.
- Grundlagen der Notfall- und Krisenintervention
- Erkennen von Krisenanzeichen und psychischen Belastungssituationen
- Erstmaßnahmen in akuten Krisensituationen
- Umgang mit suizidalen Gedanken und eskalierenden Konflikten
- Weitervermittlung an Fachstellen und Krisentelefone
- Nachbereitung kritischer Situationen für Berater:in und Klient:in
Das vierte Themengebiet behandelt Selbstschutz, Psychohygiene und Supervision als tragende Säulen nachhaltiger Beratungsarbeit. Fachkräfte, die dauerhaft mit belasteten Menschen arbeiten, müssen ihre eigene psychische Gesundheit aktiv schützen.
- Psychohygiene und Selbstfürsorge im Sozialberuf
- Erkennen und Vorbeugen von Burnout und sekundärer Traumatisierung
- Selbstschutzstrategien im beruflichen Alltag
- Supervision als Instrument der professionellen Reflexion und Qualitätssicherung
- Formen der Supervision (Einzel-, Gruppen-, Teamsupervision)
- Nutzen und Grenzen von Supervision in der Sozialberatung
Im Praxisblock stehen Fallarbeit, Rollenspiele und kollegiale Beratung im Vordergrund
- Analyse von Fallbeispielen aus dem SGB-II-Beratungsalltag
- Rollenspiele zu schwierigen Beratungsgesprächen
- Kollegiale Fallberatung und Peer-Feedback
- Übungen zur Krisenintervention in simulierten Situationen
- Reflexion eigener Beratungshaltungen und -reaktionen
- Umgang mit Aggression und Grenzsetzung in der Beratung
- Erarbeitung eines persönlichen Psychohygiene-Plans
- Vorbereitung und Durchführung einer Supervisionssitzung (Simulation)
- Auswertung von Fallverläufen in der Gruppe
- Kommunikationsübungen für besonders belastende Gesprächssituationen
- Fallbezogene Rechtsfragen und deren Lösung im Team
- Entwicklung eines eigenen Beratungskonzepts für das Fallmanagement
Die Teilnehmenden arbeiten im gesamten Kurs mit konkreten Fallbeispielen und Rollenspielen, die den Praxisbezug sicherstellen. Gruppenreflexionen, kollegiale Beratung und Plenumsdiskussionen ergänzen die Lehreinheiten. Dieser handlungsorientierte Ansatz stellt sicher, dass das erworbene Wissen unmittelbar in der Beratungspraxis angewendet werden kann.
Lernziele:
Nach dem Abschluss dieses Aufbaukurses können die Teilnehmenden Menschen in komplexen Lebenssituationen im Rahmen des Fallmanagements und der Sozialberatung kompetent begleiten.
- Sie kennen die wesentlichen Methoden der Sozialberatung und können diese situationsgerecht einsetzen.
- Sie verstehen die rechtlichen Grundlagen der Sozialberatung nach SGB II und können diese in der Beratungspraxis anwenden.
- Sie sind in der Lage, Kriseninterventionen zu erkennen, einzuleiten und professionell durchzuführen.
- Sie kennen die Grundlagen der Notfallintervention und können in akuten Belastungssituationen angemessen reagieren.
- Sie wenden Methoden des Selbstschutzes und der Psychohygiene an, um ihre eigene Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten.
- Sie können Supervisionssitzungen vorbereiten, aktiv nutzen und deren Ergebnisse in die Beratungspraxis integrieren.
- Sie reflektieren ihre eigene Beratungsrolle kritisch und entwickeln ein professionelles Selbstbild als Berater:in.
- Sie kennen Grenzen der eigenen Beratungskompetenz und können an geeignete Fachstellen weitervermitteln.
- Sie können Fallverläufe dokumentieren und systematisch auswerten.
- Sie sind sensibel für Machtgefälle in der Beratungsbeziehung und handeln ressourcenorientiert.
- Sie stärken ihre kommunikativen Fähigkeiten im Umgang mit Menschen in belastenden Lebenssituationen.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Aufbaukurs richtet sich an Personen, die bereits das Grundlagenmodul Berater:in im Fallmanagement nach § 16 SGB II absolviert haben und ihre Kompetenzen in der Sozialberatung systematisch vertiefen möchten.
- Fachkräfte aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, die im Fallmanagement tätig sind oder werden möchten
- Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter mit Interesse an Krisenintervention und Supervision
- Pädagogisch ausgebildete Fachleute, die in der Beratung nach SGB II eingesetzt werden
- Mitarbeitende in Jobcentern, Beratungsstellen oder sozialen Einrichtungen
- Quereinsteiger mit entsprechender Fortbildung, die die Zugangsvoraussetzungen erfüllen
Als Mindestvoraussetzung ist das Grundlagenmodul Berater:in im Fallmanagement nach § 16 SGB II inhaltlich vorauszusetzen. Darüber hinaus wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss erwartet. Computerkenntnisse sowie Deutschkenntnisse auf Niveau B2 sind erforderlich. Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und ein Mindestalter von 23 Jahren sind übliche Richtwerte für dieses Berufsfeld; geistige und psychische Reife sind unbedingt erforderlich. Quereinsteiger können unter Beachtung der genannten Anforderungen zugelassen werden.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird als Combined Learning angeboten und in Vollzeit durchgeführt. Die Methodik verbindet theoretische Wissensvermittlung mit handlungsorientierten Elementen wie Fallarbeit, Rollenspielen, Gruppenreflexionen und kollegialer Beratung. Besonderer Wert wird auf die Stärkung persönlicher Kompetenzen gelegt, da professionelle Sozialberatung eine hohe emotionale Reife und Selbstreflexionsfähigkeit erfordert. Die Kombination aus Präsenz- und Onlinephasen ermöglicht flexibles Lernen bei gleichzeitiger Intensität.
Der Kurs wird in Vollzeit als Combined Learning durchgeführt. Die genaue Kursdauer wird vom jeweiligen Anbieter ausgewiesen und variiert je nach Stundenumfang und Träger. Für den Aufbaukurs Sozialberatung ist eine kompakte, aber inhaltlich dichte Qualifizierung charakteristisch, die in der Regel innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden kann.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieses Dokument bestätigt die erworbenen Kompetenzen in der Sozialberatung, der Krisenintervention und der Supervision und kann bei der beruflichen Weiterentwicklung im Fallmanagement und in verwandten Beratungsberufen eingesetzt werden.
Nutzen & Perspektiven
Die Beratung von Menschen in schwierigen Lebenslagen — Arbeitslosigkeit, Schulden, psychische Belastung, familiäre Krisen — ist eine der anspruchsvollsten Tätigkeiten im sozialen Berufsfeld. Mit diesem Aufbaukurs erwerben die Teilnehmenden ein breites methodisches Repertoire, das ihnen ermöglicht, auch in belastenden Situationen professionell und handlungsfähig zu bleiben. Die Kombination aus rechtlichem Wissen, Beratungsmethodik und Selbstfürsorge macht diesen Kurs zu einer umfassenden Qualifizierung für die Sozialberatungspraxis. Besonders wertvoll ist die Auseinandersetzung mit Krisenintervention und Supervision, die in vielen Weiterbildungsprogrammen zu kurz kommt. Wer weiß, wie er auf akute Krisensituationen reagiert und wie er eigene Belastungen verarbeitet, arbeitet langfristig professioneller und gesünder. Der Kurs schafft damit eine wichtige Grundlage für eine nachhaltige Berufslaufbahn im sozialen Bereich. Für Teilnehmende, die die Fördervoraussetzungen erfüllen, ist der Kurs bei AZAV-zertifizierten Trägern über den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Rehabilitationsleistungen oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung kommen je nach individueller Situation infrage. Beratungsstellen können in der Regel den passenden Förderweg aufzeigen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Voraussetzungen muss ich für diesen Aufbaukurs mitbringen?
Inhaltlich ist das Grundlagenmodul Berater:in im Fallmanagement nach § 16 SGB II Mindestvoraussetzung. Formal wird mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss, Deutschkenntnisse auf Niveau B2 sowie grundlegende Computerkenntnisse erwartet. Ein Mindestalter von 23 Jahren und geistige wie psychische Reife sind übliche Richtwerte für dieses Berufsfeld.
Was unterscheidet diesen Aufbaukurs vom Grundlagenmodul?
Während das Grundlagenmodul die Einführung in das Fallmanagement und die Grundprinzipien der Sozialberatung abdeckt, vertieft dieser Aufbaukurs spezifische Themenbereiche: Krisenintervention, Notfallhandeln, Supervision als professionelles Reflexionsinstrument sowie Methoden des Selbstschutzes und der Psychohygiene. Er setzt das Grundlagenmodul voraus.
Kann ich diesen Kurs mit einem Bildungsgutschein finanzieren?
Ja, bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung über den Bildungsgutschein möglich. Darüber hinaus kommen je nach persönlicher Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Rehabilitationsleistungen oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung infrage.
Welche Berufsfelder erschließt dieser Kurs?
Der Kurs qualifiziert für Tätigkeiten in der Sozialberatung, im Fallmanagement nach SGB II sowie in verwandten Beratungsberufen. Typische Einsatzfelder sind Jobcenter, Beratungsstellen freier Träger, soziale Einrichtungen und Rehabilitationsdienste. Mit den erworbenen Kompetenzen können die Absolventen auch in Case-Management-Rollen und als Coaches tätig werden.
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