Überblick
Inklusion ist nicht nur ein bildungspolitisches Ziel, sondern gelebte Praxis in deutschen Schulen und Kindertagesstätten. Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder psychischen Störungen benötigen individuell abgestimmte Unterstützung, die weit über das hinausgeht, was Lehrkräfte im Regelunterricht leisten können. Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter — auch als Integrationsassistentinnen und Integrationsassistenten bezeichnet — übernehmen diese unverzichtbare Rolle. Diese Weiterbildung vermittelt das theoretische Fundament und die praktischen Kompetenzen, die für diese verantwortungsvolle Tätigkeit erforderlich sind. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), einem der häufigsten Förderbedarfe im schulischen Kontext. Die Weiterbildung ist sowohl für Berufseinsteiger als auch für erfahrene pädagogische Fachkräfte geeignet, die ihr Wissen gezielt vertiefen und eine anerkannte Zusatzqualifikation erwerben möchten.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Themenblock legt das Fundament der Schulbegleitung und Inklusion. Er vermittelt das Berufsbild, gesetzliche Grundlagen, den Kontext schulischer Inklusion und die Rolle der Schulbegleitung im multiprofessionellen Team. Dieses Grundlagenwissen ist für alle weiteren Kursbausteine unverzichtbar.
- Berufsbild Schulbegleitung und Integrationsassistenz
- Rechtliche Grundlagen: SGB VIII, SGB XII und Schulgesetze
- Inklusion als gesellschaftlicher Auftrag und schulische Realität
- Rollenverständnis und Abgrenzung zu Lehrkräften und Therapeuten
- Kooperation mit Schule, Träger, Eltern und Jugendamt
Der zweite Block widmet sich Behinderungsarten, Krankheitsbildern und kindlicher Entwicklung. Teilnehmende erwerben das Wissen, um die Lebensrealität der begleiteten Kinder und Jugendlichen besser zu verstehen und individuelle Förderansätze ableiten zu können.
- Überblick über geistige, körperliche und psychische Behinderungsformen
- Entwicklungspsychologie: Kindliche Phasen und Persönlichkeitsreifung
- Chronische Erkrankungen im schulischen Alltag
- Autismus-Spektrum-Störungen und ihre Auswirkungen auf Lernen und Sozialverhalten
- Förderdiagnostik als Grundlage individueller Begleitung
Der dritte Themenblock bildet das Herzstück der Weiterbildung: die ADHS-Spezialisierung. Hier erwerben Teilnehmende vertieftes Wissen über das Störungsbild, seine Ausprägungen, diagnostische Kriterien und vor allem konkrete Handlungsstrategien für den Schulalltag.
- Verhaltensmerkmale und Subtypen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
- Diagnostische Kriterien und Abgrenzung zu anderen Störungsbildern
- Neurobiologische Grundlagen: Warum verhält sich ein Kind mit ADHS so?
- Prinzipien der Unterrichtsgestaltung für Kinder mit ADHS
- Strategien zur Stärkung der Selbstregulation und Impulskontrolle
Der vierte Block befasst sich mit der praktischen Begleitung im Schulalltag und dem professionellen Selbstmanagement der pädagogischen Fachkraft. Er vermittelt Handwerkszeug für die tägliche Arbeit und sensibilisiert für die Belastungen und Ressourcen in der Schulbegleitung.
- Begleitung bei Alltagsbewältigung und schulischem Lernen
- Stärkung von Sozialkompetenz und soziale Integration fördern
- Vertrauensaufbau und Sicherheit schaffen in der Beziehungsarbeit
- Kreative Aktivitäten gezielt einsetzen zur Motivationssteigerung
- Selbstreflexion, Selbstfürsorge und professionelle Grenzen
Der Praxisblock vertieft alle Themen durch anwendungsbezogene Übungen, Fallarbeit und kollegiale Beratung.
- Fallanalysen aus der Schulbegleitungspraxis: Kinder mit ADHS, Autismus und körperlichen Einschränkungen
- Rollenspiele zur Elternkommunikation und zu kritischen Gesprächssituationen
- Entwicklung individueller Förderpläne und Begleitkonzepte
- Reflexion eigener Stärken und Grenzen in der Rolle der Schulbegleitung
- Kommunikation mit Schulen und Behörden: typische Situationen üben
- Strukturierung des Schulalltags für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf
- Strategien beim Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen
- Krisenintervention: Was tun, wenn ein Kind eskaliert?
- Kollegiale Fallberatung als Reflexionsmethode kennenlernen
- Dokumentation und Berichtswesen in der Schulbegleitung
- Übergänge begleiten: Grundschule — weiterführende Schule
- Eigene Ressourcen stärken und Burnout-Prävention
Nach Abschluss des Praxisblocks verfügen die Teilnehmenden über ein breites Repertoire an Kompetenzen, das sie befähigt, die täglichen Herausforderungen der Schulbegleitung professionell und reflektiert zu meistern. Die Weiterbildung schließt mit einem umfassenden Blick auf die eigene Rolle und die weitere berufliche Entwicklung im pädagogischen Handlungsfeld.
Lernziele:
Nach erfolgreichem Abschluss dieser Weiterbildung kennen die Teilnehmenden das Berufsbild der Schulbegleitung und die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Inklusion in Deutschland.
- Sie können verschiedene Behinderungsarten und psychische Störungsbilder fachlich einordnen und beschreiben.
- Sie verstehen kindliche Entwicklungsphasen und können den Entwicklungsstand von Kindern und Jugendlichen einschätzen.
- Sie sind in der Lage, Kinder mit besonderen Förderbedürfnissen individuell zu begleiten und ihre Selbstständigkeit gezielt zu stärken.
- Sie erkennen typische Verhaltensmerkmale von ADHS und können angemessen und professionell darauf reagieren.
- Sie wenden Strategien zur Stärkung der Selbstregulation bei Kindern mit ADHS in der Praxis an.
- Sie können vertrauensvolle Beziehungen zu begleiteten Kindern und Jugendlichen aufbauen und aufrechterhalten.
- Sie arbeiten konstruktiv mit Eltern, Lehrkräften, Jugendämtern und weiteren Fachstellen zusammen.
- Sie kennen die rechtlichen Grundlagen der Schulbegleitung und die Rechte und Pflichten in dieser Rolle.
- Sie fördern die soziale Integration und schulische Teilhabe der begleiteten Kinder aktiv.
- Sie reflektieren ihre eigene berufliche Rolle und betreiben aktive Selbstfürsorge zur Vermeidung von Burnout.
- Sie können Lernprozesse bei Kindern mit ADHS gezielt unterstützen und kreative Aktivitäten gezielt einsetzen.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an ein breites Spektrum von pädagogischen Fachkräften, Hilfskräften und Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern, die in der Schulbegleitung oder Integrationsassistenz tätig sind oder tätig werden möchten. Sie spricht sowohl Berufseinsteiger ohne pädagogische Vorerfahrung als auch erfahrene Fachkräfte an, die ihre Kenntnisse systematisch erweitern möchten.
- Angehende Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter sowie Integrationsassistentinnen und Integrationsassistenten
- Erzieherinnen und Erzieher sowie Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen mit Interesse an Inklusion
- Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen im schulischen Umfeld
- Personen mit pädagogischer Hilfskraftstelle, die sich weiterqualifizieren möchten
- Interessierte mit Erfahrung in der Kinderbetreuung, die eine anerkannte Qualifikation anstreben
Teilnehmende müssen mindestens 18 Jahre alt sein und Deutschkenntnisse auf Niveau B2 in Wort und Schrift nachweisen. Bei Nicht-Muttersprachlern ist ein anerkannter Sprachtest mit dem Ergebnis B2.1 oder höher nachzuweisen. Grundlegende PC-Kenntnisse sind erforderlich, da Kursmaterialien und Online-Ressourcen digital genutzt werden. Praktische Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist von Vorteil, aber keine zwingende Bedingung. Für eine spätere Anstellung als Schulbegleitung wird ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis benötigt; dieses ist jedoch keine Voraussetzung für die Kursteilnahme selbst.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung wird im Combined-Learning-Format durchgeführt: Online-Phasen mit selbstgesteuertem Lernen wechseln sich mit synchronen Lerneinheiten ab. Didaktisch setzt der Kurs auf einen Mix aus theoretischen Inputs, Fallarbeiten, Rollenspielübungen und kollegialer Beratung. Die Teilnehmenden erhalten regelmäßig Feedback und haben Gelegenheit, eigene Erfahrungen und Fallbeispiele aus der Praxis einzubringen. Der Ansatz ist handlungsorientiert und berücksichtigt die unterschiedlichen Vorerfahrungen der Teilnehmenden.
Die Weiterbildung wird als Vollzeitkurs angeboten. Der Umfang variiert je nach Bildungsträger. Da die Weiterbildung sowohl Grundlagen der Schulbegleitung als auch eine Zusatzqualifikation zu ADHS umfasst, handelt es sich um ein inhaltlich umfangreiches Qualifizierungsmodul. Konkrete Stundenzahlen und Termine entnehmen Sie bitte dem Angebot des jeweiligen Bildungsträgers.
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieses Zertifikat bescheinigt sowohl die allgemeinen Kompetenzen in der Schulbegleitung als auch die pädagogische Zusatzqualifikation mit ADHS-Spezialisierung. Es kann bei Bewerbungen und in Qualifizierungsgesprächen mit Trägern der Schulbegleitung vorgelegt werden. Eine staatliche Zertifizierung ist nicht vorgesehen; die Nachfrage nach solchen trägerinternen Qualifikationen ist jedoch auf dem Arbeitsmarkt etabliert und anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Schulbegleitungen und Integrationsassistentinnen und Integrationsassistenten gehören zu den gefragtesten pädagogischen Hilfskräften in Deutschland. Der Bedarf wächst mit den Inklusionsanforderungen an Schulen und Kindertagesstätten kontinuierlich. Eine fundierte Weiterbildung erhöht die Beschäftigungschancen und die Qualität der Arbeit erheblich — und sie schützt auch die Fachkräfte selbst, die ohne Wissen über Störungsbilder wie ADHS schnell an Belastungsgrenzen stoßen. Die ADHS-Spezialisierung ist ein besonderer Mehrwert dieses Kurses: ADHS ist das am häufigsten diagnostizierte Störungsbild im Schulalter, und viele Schulbegleitungen beginnen ihre Tätigkeit ohne fundiertes Wissen darüber. Dieses Wissen ermöglicht nicht nur eine professionellere Begleitung, sondern auch eine bewusste Gestaltung der eigenen Beziehung zu den begleiteten Kindern — auf Augenhöhe, mit Geduld und mit klaren Strategien. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern kann die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden. Auch das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, Förderungen der Deutschen Rentenversicherung und bei entsprechender Situation die Berufsförderung der Bundeswehr kommen als Finanzierungswege in Betracht. Eine Beratung beim zuständigen Leistungsträger empfiehlt sich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich eine pädagogische Ausbildung für diesen Kurs?
Nein, eine formale pädagogische Ausbildung ist keine zwingende Voraussetzung. Der Kurs richtet sich auch an Quereinsteiger und Personen mit Erfahrung in der Kinderbetreuung ohne formalen Abschluss. Deutschkenntnisse auf Niveau B2 und Mindestalter 18 Jahre werden vorausgesetzt.
Was ist eine Schulbegleitung und was macht sie im Alltag?
Eine Schulbegleitung unterstützt Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder psychischen Störungen individuell im Schulalltag. Sie begleitet bei Alltagsbewältigung und schulischem Lernen, fördert Selbstständigkeit und soziale Integration und arbeitet eng mit Lehrkräften, Eltern und Fachstellen zusammen.
Was ist der Unterschied zwischen Schulbegleitung und Integrationsassistenz?
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet. Schulbegleitung ist der gebräuchlichere Begriff in der Praxis, während Integrationsassistenz stärker auf die rechtliche Grundlage (SGB VIII/XII) verweist. Beide Rollen haben das gleiche Ziel: Kinder mit Förderbedarf schulisch zu inkludieren.
Warum ist die ADHS-Spezialisierung ein Teil dieser Weiterbildung?
ADHS ist das am häufigsten diagnostizierte Störungsbild im Schulalter. Viele Schulbegleitungen beginnen ihre Tätigkeit, ohne fundiertes Wissen über ADHS zu haben. Die Spezialisierung vermittelt Erkennungsmerkmale, neurobiologische Grundlagen und konkrete Handlungsstrategien, die im Alltag sofort anwendbar sind.
Ist diese Weiterbildung förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist eine Förderung über Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters möglich. Je nach persönlicher Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben als Finanzierungswege in Betracht.
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