Überblick
Wer als Fahrerin oder Fahrer im gewerblichen Güter- oder Personenverkehr tätig ist und die Schlüsselzahl 95 im Führerschein führt oder erwerben muss, ist gesetzlich verpflichtet, regelmäßige Weiterbildungsmodule nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz (BKrFQG) zu absolvieren. Dieses Modul 5 widmet sich ausschließlich der Ladungssicherung – einem der sicherheitskritischsten Bereiche des Straßengüterverkehrs. Die sachgerechte Sicherung von Fracht schützt nicht nur das transportierte Gut, sondern verhindert schwere Unfälle, die durch verrutschende oder herunterfallende Ladung entstehen können. Der Kurs ist so konzipiert, dass er praxisnah auf die tatsächlichen Anforderungen des Fahrtalltags eingeht und gleichzeitig die formalen Voraussetzungen für den Eintrag im Berufskraftfahrerqualifikationsregister (BQR) beim Kraftfahrtbundesamt erfüllt. Die Inhalte dieses Moduls entsprechen dem Kenntnisbereich 1 gemäß Anlage 1 zur Berufskraftfahrerqualifikationsverordnung (BKrFQV). Neben den physikalischen Grundlagen – welche Kräfte auf Ladung einwirken, wie Reibung die Sicherungskraft beeinflusst und wie sich unterschiedliche Fahrzeugaufbauten auf die Lastverteilung auswirken – werden konkrete Sicherungsmethoden und Hilfsmittel behandelt. Das Modul richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer beider Verkehrssektoren: Lkw im Güterkraftverkehr ebenso wie Busse im Personenverkehr, wo Gepäck und Gegenstände im Fahrgastraum verlässlich zu sichern sind.
Kursinhalte & Lernziele
Die physikalischen Grundlagen der Ladungssicherung bilden das Fundament dieses Moduls. Wer versteht, welche Kräfte beim Bremsen, Anfahren und in der Kurve auf Güter einwirken, kann die Wirksamkeit einer Sicherungsmaßnahme beurteilen und nicht nur schematisch anwenden. Dieser Block schafft das nötige Hintergrundwissen, damit die späteren Praxisregeln nicht als Checkliste auswendig gelernt, sondern wirklich begriffen werden.
- Kräfte bei der Fahrt: Längs-, Quer- und Vertikalkräfte beim Bremsen, Kurvenfahren und Anfahren
- Reibung als Sicherungsmechanismus: Haftreibungszahlen verschiedener Ladeflächen und Güter
- Berechnung der erforderlichen Sicherungskraft in Abhängigkeit von Gewicht und Reibungskoeffizient
- Schwerpunktlage und deren Einfluss auf Fahrstabilität und Kippgefahr
- Lastverteilung auf der Ladefläche und zulässige Achslasten
- Bedeutung von Eigengewicht, Beladungszustand und Fahrzeugaufbau für die Sicherungsplanung
Im zweiten Block werden Fahrzeugaufbauten und Zurrmittel systematisch behandelt. Nicht jedes Fahrzeug eignet sich für jede Ladung; nicht jedes Zurrmittel ist für jeden Einsatz zugelassen. Die Kenntnis der typischen Aufbauformen – Planen-Lkw, Kühlfahrzeuge, Tankfahrzeuge, Kipperaufbauten – und der gängigen Sicherungselemente ist für Berufskraftfahrer unverzichtbar, um vor dem Beladen die richtige Entscheidung zu treffen.
- Gängige Lkw-Aufbauformen und ihre Eignung für unterschiedliche Güterarten
- Zurrgurte, Zurrketten und Zurrstangen: Typen, zulässige Kräfte und Einsatzgrenzen
- Rutschhemmende Unterlagen, Kantenschutz und Füllmaterial als Ergänzung zur Sicherung
- Kennzeichnung und Zustandsprüfung von Zurrmitteln
- Zurrpunkte und deren Tragfähigkeit
- Normen und Richtlinien im Überblick (VDI 2700 als branchenweiter Orientierungsrahmen)
Der dritte Block behandelt die konkreten Arten der Ladungssicherung und die praxisrelevanten Sonderfälle. Hier geht es darum, wann Niederzurren ausreicht, wann eine formschlüssige Sicherung erforderlich ist und wie Mischformen richtig umgesetzt werden. Sonderfälle – von Schüttgut über Rohre bis hin zu Palettengut – erfordern jeweils angepasste Strategien.
- Kraftschlüssige Sicherung: Niederzurren, Unterlegkeile und Stützen
- Formschlüssige Sicherung: Lückenlos Laden, Ausfüllen und Blockieren
- Direktzurren: Diagonalzurren und Schräglaschen bei schweren Gütern
- Sonderladungen: Rohre, Coils, Behälter und Schüttgut sachgerecht sichern
- Häufige Fehler beim Niederzurren und deren Folgen für die Ladungssicherheit
- Dokumentation und Verantwortung des Fahrers bei der Abfahrtkontrolle
Der vierte Block widmet sich der Ladungssicherung im Busbetrieb. Im Linien- und Reisebusverkehr sind Gepäckablagen, Kofferräume und der Fahrgastraum selbst Sicherheitsbereiche. Dieser Abschnitt zeigt die relevanten Unterschiede zur Güterkraftfahrerdisziplin und die spezifischen Anforderungen im Personenverkehr.
- Gepäck im Kofferraum: Gewichtsverteilung und Sicherungsmaßnahmen
- Handgepäck im Fahrgastraum und Sicherung in Gepäckablagen
- Besonderheiten bei Rollstühlen und Mobilitätshilfsmitteln
- Verantwortung des Fahrpersonals vor Fahrtbeginn
Praxis-Block – Anwendungsaufgaben und Situationsanalysen
- Berechnung der erforderlichen Zurrkräfte für eine typische Palettenladung
- Auswahl des richtigen Zurrmittels für eine Mischladung aus Kartons und schweren Maschinenwerkstücken
- Identifizieren von Sicherungsmängeln anhand von Bildbeispielen
- Lastverteilungsberechnung für eine Zwei-Achs-Konfiguration mit ungleichmäßig beladenem Fahrzeug
- Einschätzen der Kippgefahr bei hochschwerpunktigem Gut
- Planung der Sicherung einer Schüttgutfuhre mit Kipper
- Übung zur Abfahrtkontrolle: Checkliste korrekt anwenden
- Busszenarien: Analyse eines Rollstuhlsicherungsplans im Reisebus
- Fallbeispiel: Was passiert beim Vollbremsen bei ungesichertem Gut im Koffer?
- Wiederholung typischer Prüfungsfragen zum Kenntnisbereich 1 der BKrFQV
- Selbstüberprüfung der eigenen Sicherungsroutine am Fahrzeug
- Diskussion von Alltagssituationen aus dem Fahrerbetrieb
Das Modul wird vollständig in Präsenz durchgeführt, was bei dieser Thematik bewusst so vorgesehen ist: Ladungssicherung ist eine praktische Fertigkeit, die von der gemeinsamen Besprechung und Analyse echter Fahrzeugsituationen profitiert. Der Austausch zwischen Teilnehmenden mit unterschiedlichen Erfahrungen aus dem Fahreralltag ist ein eigener Lernwert.
Lernziele:
- Die rechtlichen Grundlagen der Ladungssicherung nach BKrFQG und BKrFQV kennen
- Die physikalischen Kräfte verstehen, die auf Ladung während der Fahrt einwirken
- Den Zusammenhang zwischen Reibungskoeffizient, Ladungsgewicht und erforderlicher Sicherungskraft erklären können
- Verschiedene Fahrzeugaufbauten und ihre Eignung für unterschiedliche Ladearten beurteilen
- Lastverteilung und deren Auswirkung auf das Fahrverhalten einschätzen
- Zurrmittel und Hilfsmittel zur Ladungssicherung korrekt auswählen und anwenden
- Formschlüssige und kraftschlüssige Sicherungsarten voneinander abgrenzen und situationsgerecht einsetzen
- Sonderfälle der Ladungssicherung erkennen und sachgerecht behandeln
- Besonderheiten der Gepäck- und Ladungssicherung im Busbereich kennen
- Häufige Fehler und Sicherungsmängel in der Praxis identifizieren und vermeiden
- Den Nachweis des Kenntnisbereiches 1 gemäß Anlage 1 BKrFQV erbringen
- Den gesetzlichen Eintrag im BQR als Bestandteil der Pflichtweiterbildung nachvollziehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieses Modul richtet sich an alle Fahrerinnen und Fahrer, die der gesetzlichen Weiterbildungspflicht nach BKrFQG nachkommen müssen, sowie an Personen, die den Führerschein mit der Schlüsselzahl 95 anstreben.
- Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer im gewerblichen Güterkraftverkehr mit Fahrerlaubnis der Klassen C1, C1E, C oder CE
- Busfahrerinnen und -Fahrer im Linien- und Reiseverkehr mit Fahrerlaubnis der Klassen D1, D1E, D oder DE
- Fahrerinnen und Fahrer, die ihren Qualifikationsnachweis (Schlüsselzahl 95) durch Weiterbildung erneuern
- Quereinsteiger in die Berufsgruppe, die die Grundausbildung bereits abgeschlossen haben und jetzt Module nachbelegen
- Fuhrparkverantwortliche, die auf dem aktuellen Stand der Ladungssicherungsvorschriften bleiben wollen
Voraussetzung für die Teilnahme ist eine gültige Fahrerlaubnis der Klassen C1, C1E, C, CE, D1, D1E, D oder DE. Das Modul ist Bestandteil der gesetzlichen 35-Stunden-Weiterbildung, die in fünf à 7-Stunden-Module aufgeteilt ist; Modul 5 kann unabhängig von den anderen Modulen und in beliebiger Reihenfolge absolviert werden.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet als Präsenzveranstaltung im Vollzeitformat statt und dauert einen Kurstag mit 7 Unterrichtsstunden, wie es die BKrFQV vorschreibt. Die Methodik verbindet theoretische Erklärungen mit der gemeinsamen Analyse von Fallbeispielen, Berechnungsaufgaben und der Diskussion realer Sicherungssituationen aus dem Fahreralltag. Es gibt keine Prüfung; die Teilnahme selbst ist der Nachweis.
Die Weiterbildung umfasst einen Unterrichtstag mit 7 Stunden Lernzeit und entspricht genau dem gesetzlichen Umfang eines einzelnen BKrFQG-Moduls. In Kombination mit vier weiteren Modulen (je 7 Stunden) ergibt sich die gesetzlich vorgeschriebene Gesamtweiterbildung von 35 Stunden, die alle fünf Jahre zu erneuern ist.
Nach erfolgreicher Teilnahme werden zwei Dokumente ausgestellt: eine Teilnahmebestätigung der durchführenden Stelle sowie die Meldung an das Kraftfahrtbundesamt zur Eintragung im Berufskraftfahrerqualifikationsregister (BQR). Der BQR-Eintrag ist die maßgebliche behördliche Bestätigung, die gegenüber Arbeitgebern und Behörden die gültige Qualifikation nachweist und zur Beantragung der Schlüsselzahl 95 im Führerschein dient.
Nutzen & Perspektiven
Ladungssicherung ist kein bürokratisches Pflichtthema, sondern hat unmittelbaren Einfluss auf die eigene Sicherheit, die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer und die rechtliche Verantwortung der Fahrerin oder des Fahrers. Verrutschende Ladung kann das Fahrverhalten des Fahrzeugs in kritischen Situationen drastisch verschlechtern; herunterfallende Fracht gefährdet andere Verkehrsteilnehmer und führt zu erheblicher zivilrechtlicher und strafrechtlicher Haftung des Fahrpersonals. Wer dieses Modul absolviert hat, bringt nicht nur den gesetzlichen Pflichtnachweis mit – er oder sie hat ein solides Fundament, um im Alltag eigenständig beurteilen zu können, ob eine Ladung ordnungsgemäß gesichert ist. Das ist ein praktischer Kompetenzgewinn, der täglich wirksam wird: beim Beladungsvorgang, bei der Abfahrtkontrolle und beim Einschätzen von Fahrbahnbeschaffenheit, Bremsweg und Ladungsverhalten in besonderen Fahrsituationen. Gleichzeitig ist der Kursabschluss ein konkretes berufliches Dokument: Der BQR-Eintrag ist Voraussetzung für die Beschäftigung im gewerblichen Güter- und Personenverkehr in Deutschland und der EU, und Arbeitgeber verlangen den aktuellen Nachweis in der Regel bei Einstellung und Verlängerung von Arbeitsverträgen. Wer rechtzeitig weiterbildet, vermeidet Lücken im Qualifikationsnachweis, die ansonsten das Recht zur beruflichen Fahrtätigkeit unterbrechen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich alle fünf BKrFQG-Module in einer bestimmten Reihenfolge absolvieren?
Nein. Die fünf Module à 7 Stunden können in beliebiger Reihenfolge und bei verschiedenen Anbietern absolviert werden. Es müssen lediglich alle fünf Module innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein, um den vollen Qualifikationsnachweis zu erhalten.
Was ist der Unterschied zwischen Teilnahmebestätigung und BQR-Eintrag?
Die Teilnahmebestätigung des Anbieters ist ein internes Dokument. Der entscheidende Nachweis ist der Eintrag im Berufskraftfahrerqualifikationsregister (BQR) beim Kraftfahrtbundesamt – diesen Eintrag übermittelt der Anbieter nach dem Kurs direkt an das KBA. Auf Basis des BQR-Eintrags wird die Schlüsselzahl 95 im Führerschein eingetragen.
Gilt das Modul auch für Busfahrerinnen und -fahrer?
Ja. Das Modul behandelt sowohl die Ladungssicherung im Lkw-Bereich als auch die Besonderheiten im Busbetrieb, einschließlich Gepäcksicherung im Kofferraum und Handgepäck im Fahrgastraum. Fahrerlaubnisklassen D1, D1E, D und DE sind explizit eingeschlossen.
Gibt es eine Prüfung am Ende des Moduls?
Nein. Der gesetzliche Nachweis nach BKrFQG erfordert die Teilnahme am Unterricht, keine Prüfungsabnahme. Die Anwesenheit ist der maßgebliche Nachweis, der zur Eintragung im BQR führt.
Was passiert, wenn ich die Weiterbildungspflicht nicht rechtzeitig erfülle?
Ohne gültigen Qualifikationsnachweis (Schlüsselzahl 95) darf die gewerbliche Fahrtätigkeit nicht ausgeübt werden. Das kann zu Beschäftigungsverboten und Bußgeldern führen. Daher empfiehlt es sich, die fünfjährige Frist nicht bis zum letzten Moment auszureizen.
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