Überblick
Der Kurs zum CAD/CAM-Anwender kombiniert eine intensive theoretische und softwaregestützte Qualifizierung mit einem integrierten Betriebspraktikum in einem Fertigungsbetrieb. Damit ist er mehr als ein reiner Softwarekurs: Teilnehmende erwerben nicht nur Kompetenz in der dreidimensionalen Konstruktion mit SolidWorks und der anschließenden CAM-Programmierung für Fräsen und Drehen, sondern erproben diese Fertigkeiten unmittelbar im industriellen Umfeld. Die Verbindung aus CAD-Entwurf, CAM-Programmerstellung, NC-Simulation und dem praktischen Erleben realer Fertigungsprozesse macht die Qualifizierung besonders praxisnah und für Arbeitgeber in der Zerspanungs- und Metallbranche attraktiv. Ziel ist, Absolventen in die Lage zu versetzen, selbstständig von der Bauteildatei bis zum geprüften NC-Programm zu arbeiten.
Kursinhalte & Lernziele
3D-Konstruktion mit SolidWorks SolidWorks ist das CAD-System, auf dem die gesamte Qualifizierung aufbaut. Teilnehmende erlernen die parametrische Modellierung von Einzelteilen — von der Skizze über extrudierte Körper bis zu komplexen gedrehten und gefrästen Konturen — sowie den strukturierten Aufbau von Baugruppen aus mehreren Komponenten. Fertigungszeichnungen entstehen direkt aus dem 3D-Modell, sodass Maße und Ansichten automatisch aktuell bleiben, wenn das Bauteil geändert wird.
- Skizzenentwicklung in SolidWorks: Zwangsbedingungen, Bemaßungen, Profilgeometrie
- Feature-basierte Modellierung: Extrusion, Rotation, Ausformung, Rib, Shell
- Bohrungsassistent und Gewindedarstellung für Normbohrungen
- Baugruppe aus Einzelteilen zusammenstellen: Mates, Achsen, Ebenen
- Explosionsdarstellung und Stückliste mit Positionsnummern generieren
- Fertigungszeichnung mit Schnittansicht, Bemaßungsstil und Toleranzfeld erstellen
CAM-Programmierung: Fräsen Aus dem fertiggestellten SolidWorks-Modell wird im CAM-Modul direkt die Bearbeitungsstrategie definiert. Teilnehmende lernen, Rohmaterial, Werkzeuge und Bearbeitungsfolgen so zu konfigurieren, dass ein optimales NC-Programm entsteht — kollisionsfrei, effizient und mit der richtigen Oberflächenqualität.
- CAM-Umgebung einrichten: Rohteil, Koordinatensystem, Spannvorrichtung definieren
- 2,5D-Fräsoperationen: Konturfräsen, Taschenfräsen, Bohrzyklen
- 3D-Fräsoperationen: Schruppstrategie, Restmaterial-Schruppen, Schlichten von Freiformflächen
- Werkzeugbibliothek aufbauen und Schnittdaten nach Material und Werkzeug berechnen
- Werkzeugwege simulieren und auf Kollisionen prüfen
- NC-Code ausgeben und Postprozessor für Zielmaschine konfigurieren
CAM-Programmierung: Drehen Neben der Fräsbearbeitung vermittelt der Kurs die Grundlagen der CNC-Drehbearbeitung im CAM-System. Dreh- und Einstechoperationen, Gewindeschneiden und die Übergabe an unterschiedliche Drehmaschinensteuerungen sind Bestandteile dieses Blocks.
- Drehteil als Revolve-Feature in SolidWorks modellieren
- Dreh-Rohteil und Spannmittel im CAM definieren
- Längsdrehen, Plandrehen, Einstechen und Gewindeschneiden als Zyklen anlegen
- Hinterlegungen und Freistiche normgerecht einarbeiten
- Postprozessorausgabe für Siemens SINUMERIK und Fanuc
- NC-Code überprüfen und maschinenseitig anpassen
Betriebspraktikum und Fertigungsintegration Das integrierte Betriebspraktikum in einem Fertigungsbetrieb ist das Alleinstellungsmerkmal dieses Kurses gegenüber rein schulischen CAD/CAM-Ausbildungen. Teilnehmende erleben, wie NC-Programme in realen Maschinen eingesetzt werden, welche Abweichungen zwischen Simulation und Realität vorkommen und wie Qualitätssicherung im Betrieb funktioniert.
- Einrüsten und Starten von CNC-Fräs- und Drehmaschinen unter Anleitung
- NC-Programme auf Maschinensteuerungen übertragen (DNC-Transfer)
- Ersteinsatz eines selbst erstellten NC-Programms und Auswertung des Ergebnisses
- Werkzeugeinmessung und Korrekturen im Maschinenbetrieb vornehmen
- Gefertigte Teile mit Messmitteln (Messschieber, Bügelmessschraube) prüfen
- Vollständigen Fertigungsablauf begleiten: Auftragsstart bis Qualitätsfreigabe
- Arbeitspläne und Fertigungsunterlagen im Betrieb erstellen und anwenden
- CAD-Daten aus externen Quellen importieren und für die Weiterverarbeitung bereinigen
- Übergabe von Fertigungsauftrag an Maschine und Rückmeldung im ERP-System beobachten
- Abschlussdokumentation verfassen: eigenes Fertigungsprojekt mit Zeichnung, CAM-Programm und Messprotokoll
Das Praktikum schafft eine direkte Brücke zwischen Softwarekompetenz und betrieblicher Realität. Wer erlebt, wie eine eigene SolidWorks-Konstruktion als reales Bauteil aus dem Fräszentrum kommt, verankert sein Wissen anders als rein schulisch ausgebildete Absolventen. Diese Erfahrung ist in der Sicht späterer Arbeitgeber schwer zu ersetzen.
Lernziele:
- 3D-Bauteile in SolidWorks parametrisch modellieren und Baugruppenstrukturen aufbauen
- Fertigungszeichnungen mit Bemaßung, Toleranzen und Oberflächen aus dem 3D-Modell ableiten
- Zerspanungsstrategien für Fräsen und Drehen systematisch auswählen und konfigurieren
- CAM-Programme für 2,5D- und 3D-Fräsbearbeitung erstellen und optimieren
- NC-Code für Dreh- und Fräsoperationen generieren und für die Maschine nachbearbeiten
- NC-Simulation zur Kollisions- und Qualitätsprüfung vor dem ersten Werkzeugeingriff nutzen
- Werkzeug- und Technologieparameter (Schnittgeschwindigkeit, Vorschub, Zustellung) berechnen
- Baugruppen mit Stücklisten und Positionsnummern für die Fertigung dokumentieren
- CAD-Daten aus externen Quellen (STEP, IGES, DXF) importieren und für die CAM-Verwendung aufbereiten
- Arbeitspläne und Fertigungsunterlagen strukturiert erstellen
- Betriebliche Fertigungsabläufe und Qualitätssicherungsschritte in der Praxis nachvollziehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit Metallbereichsausbildung oder Zerspanungserfahrung, die ihre CNC-Kenntnisse in Richtung moderner CAD/CAM-Systeme ausbauen wollen. Die Qualifizierung passt zu allen, die an der Schnittstelle zwischen Konstruktion und Fertigung arbeiten oder dorthin wechseln möchten.
- Zerspanungsmechaniker und CNC-Dreher oder Fräser, die in die NC-Programmierung wechseln wollen
- Werkzeugmechaniker und Industriemechaniker mit Interesse an CAD-basierter Konstruktion
- Arbeitsvorbereiter, die Fertigungsunterlagen selbst erstellen möchten
- Techniker im Maschinenbau ohne CAD/CAM-Softwareerfahrung
- Personen in Kurzarbeit oder beruflichem Neustart, die im Metallsektor neu positionieren wollen
Eine abgeschlossene Ausbildung in einem Metallberuf oder mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in der Zerspanung bilden die inhaltliche Grundlage. Grundkenntnisse in der CNC-Programmierung — etwa das Lesen und Verstehen einfacher G-Code-Sätze — werden vorausgesetzt. Solide PC-Anwenderkenntnisse sind ebenfalls erforderlich. CAD-Vorkenntnisse sind vorteilhaft, aber keine formale Anforderung.
Ablauf & Abschluss
Die Schulungszeit ist aufgeteilt in Unterrichtsphasen an CAD/CAM-Workstations und das Betriebspraktikum. Im Unterrichtsteil arbeiten Teilnehmende direkt mit SolidWorks und dem integrierten CAM-Modul; Aufgaben orientieren sich an realen Fertigungsteilen aus der Zerspanungspraxis. Das Betriebspraktikum findet in einem kooperierenden Fertigungsbetrieb statt und wird von Fachleuten aus der Fertigung begleitet. Die Mischung aus Theorie, Software-Training und Werkstattpraxis unterscheidet diesen Kurs von klassischen reinen Seminaren.
Die Gesamtdauer des Kurses richtet sich nach dem Programm des jeweiligen Anbieters und umfasst in der Regel mehrere Wochen mit Vollzeitpräsenz. Die exakte Aufteilung zwischen Unterricht und Praktikum variiert. Teilnehmende erhalten für die gesamte Schulungszeit Zugang zu SolidWorks-Lizenzen mit integriertem CAM-Modul.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat des Bildungsanbieters, das die Qualifizierung zum CAD/CAM-Anwender bescheinigt. Das Zertifikat dokumentiert die erworbenen Kompetenzen in SolidWorks-Konstruktion, CAM-Programmierung für Fräsen und Drehen sowie die Praktikumsteilnahme. Eine externe SolidWorks Certified Associate (CSWA)- oder Professional (CSWP)-Prüfung kann separat bei Dassault Systèmes abgelegt werden.
Nutzen & Perspektiven
Die Kombination aus CAD, CAM und Betriebspraktikum unterscheidet diesen Kurs von Schulungen, die nur auf Software setzen. Wer in einem Fertigungsbetrieb erlebt, wie ein NC-Programm an der echten Maschine läuft, welche Korrekturen nötig sind und wie die Qualitätsprüfung abläuft, kehrt mit einem Erfahrungsschatz zurück, der sich in reinen Softwarekursen nicht vermitteln lässt. Arbeitgeber in der Zerspanungsbranche bewerten diesen Praxisbezug ausdrücklich positiv. Der Beruf des CAD/CAM-Anwenders liegt an der Schnittstelle von Konstruktion und Fertigung — einer Position, die in metallverarbeitenden Unternehmen zunehmend gefragt ist. Statt separater Konstrukteure und NC-Programmierer wird oft eine Fachkraft gesucht, die den gesamten Weg vom Bauteilentwurf bis zum fertigen NC-Programm selbstständig abwickeln kann. Diese Vollständigkeit ist der konkrete berufliche Mehrwert nach der Qualifizierung. SolidWorks gehört zu den weltweit verbreitetsten CAD-Systemen im Maschinenbau und der Fertigungsindustrie. Wer diese Software mit CAM-Kompetenz kombiniert, deckt ein Anforderungsprofil ab, das in Stellenanzeigen für Arbeitsvorbereitung, CNC-Konstruktion und Fertigungsplanung regelmäßig erscheint — und kann seinen Marktwert damit gezielt und nachweisbar steigern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was leistet das Betriebspraktikum, das ein reiner Softwarekurs nicht bieten kann?
Im Praktikum erleben Teilnehmende, wie selbst erstellte NC-Programme an echten CNC-Maschinen eingesetzt werden, welche Abweichungen zwischen Simulation und Realität auftreten und wie Betriebe Qualität sichern. Diese praktische Erfahrung in einem Fertigungsumfeld lässt sich in reinen Schulungskursen nicht nachbilden und wird von Arbeitgebern in der Zerspanungsbranche besonders positiv bewertet.
Muss ich SolidWorks bereits kennen, bevor ich den Kurs beginne?
CAD-Vorkenntnisse sind vorteilhaft, aber keine formale Voraussetzung. Der Kurs beginnt mit den Grundlagen der SolidWorks-Modellierung. Was jedoch vorhanden sein muss: eine abgeschlossene Metallberufsausbildung oder Berufserfahrung in der Zerspanung sowie Grundkenntnisse in der CNC-Programmierung.
Welche Maschinen und Steuerungen werden im Kurs behandelt?
Im CAM-Block werden NC-Codes für weit verbreitete Steuerungen wie Siemens SINUMERIK und Fanuc generiert. Welche konkreten Fräs- und Drehzentren im Betriebspraktikum eingesetzt werden, hängt vom kooperierenden Fertigungspartner ab und variiert je nach Region und Anbieter.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat des Bildungsanbieters, das die Qualifizierung zum CAD/CAM-Anwender inklusive Praktikum belegt. Eine externe Dassault-Prüfung (SolidWorks Certified Associate oder Professional) kann separat abgelegt werden und ist nicht Teil des Kurses.
Für welche Positionen qualifiziert der Kurs im Arbeitsmarkt?
Absolventen können sich auf Stellen als CAD/CAM-Anwender, CNC-Programmierer, Arbeitsvorbereiter oder technischer Produktdesigner in Zerspanungs- und Maschinenbaubetrieben bewerben. Die Kombination aus 3D-Konstruktionswissen und CAM-Kompetenz deckt ein Anforderungsprofil ab, das in Stellenanzeigen für Fertigungsplanung und Arbeitsvorbereitung regelmäßig gesucht wird.
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