Überblick
In der modernen Holzbearbeitung entscheidet die CAD/CAM-Prozesskette maßgeblich über Qualität, Reproduzierbarkeit und Fertigungsgeschwindigkeit. Dieser Kurs vermittelt das vollständige digitale Handwerk: von der technischen Zeichnung über die 3D-Konstruktion von Holzbauteilen bis zur CAM-Programmierung mit SolidCAM und der finalen NC-Code-Ausgabe für die CNC-Fräsmaschine. Wer diesen Prozess beherrscht, kann Konstruktions- und Fertigungsaufgaben ohne Medienbruch durchgängig digital bearbeiten — ein entscheidender Vorteil in einer Branche, in der handwerkliche Präzision und digitale Fertigung immer enger zusammenwachsen.
Kursinhalte & Lernziele
Technisches Zeichnen und 2D-CAD für Holzbauteile Ehe ein Bauteil gefräst werden kann, muss es präzise beschrieben sein. Der Einstiegsmodul legt das zeichnerische Fundament: technische Darstellungskonventionen für Holz- und Holzwerkstoff-Bauteile, Normschriften, Bemaßungsregeln und die Überführung von Handskizzen in das digitale 2D-CAD.
- DIN-gerechte Linienarten, Projektionsmethoden und Maßstäbe für Holzbauteile
- Bemaßung von Längs- und Querschnitten sowie Zapfenverbindungen
- Kavaliersperspektive: Konstruktionsregeln und typische Anwendungen im Möbelbau
- Isometrische Darstellung von Korpussen, Rahmen und Massivholzteilen
- Ansichtsverwaltung und Layerstruktur im 2D-CAD
- Export von Zeichnungen als DXF/DWG für CNC-Import
3D-Konstruktion von Holzbauteilen und Baugruppen CAD-Modelle bilden die Informationsbasis für CAM-Programmierung, Stücklisten und Fertigungsplanung. Dieser Modul führt von der ersten Skizze über parametrische Volumenkörper bis zur Mehrteile-Baugruppe.
- Skizzieren und Bemaßen von Profilquerschnitten im 3D-CAD
- Extrusion, Rotation und Schweif-Operationen für typische Holzbauformen
- Verbindungselemente modellieren: Nut, Feder, Dübel, Schlitz und Zapfen
- Baugruppen erstellen: Teile zuordnen, Freiheitsgrade sperren, Kollisionsprüfung
- Materiallisten und Stücklisten aus dem Modell generieren und als CSV exportieren
- Modell-Vereinfachung für den CAM-Import: Unterdrücken nicht relevanter Features
CAM-Programmierung mit SolidCAM für Holzfräsaufgaben SolidCAM ist als assoziatives CAM-System direkt in die CAD-Umgebung integriert, sodass Änderungen am Modell automatisch in die CAM-Programmpfade übernommen werden. Dieser Modul deckt die praxisrelevanten Fräsoperationen für den Holz- und Plattenwerkstoffe-Bereich ab.
- SolidCAM-Oberfläche und Jobmanager: Aufbau und Navigationskonzepte
- Werkzeugdatenbank: Fräser, Bohrertypen und Materialschnittdaten für MDF, Massivholz und Sperrholz
- 2,5D-Fräsoperationen: Taschenfräsen, Konturfräsen innen/außen, Bohr- und Gewindeoperationen
- 3D-Frässtrategien: Z-Ebenen-Fräsen, Rasterstrategien und Restmaterialbearbeitung
- Einfahrbewegungen, Sicherheitsabstände und Spannmittelkollision vermeiden
- Werkzeugweg-Simulation im SolidCAM-Viewer: Rohteil-Abtrag und Kollisionsprüfung
Praxisprojekt: Von der Zeichnung bis zum NC-Code Im Praxisteil realisieren Teilnehmer ein selbstgewähltes Holzbauteil — von der ersten Konstruktions-Skizze bis zum fertigen, maschinentauglichen NC-Programm.
- Bauteil nach Kundenanforderung in 3D konstruieren und zeichnungsgerecht bemaßen
- Stückliste und Materialbedarf aus dem CAD-Modell ermitteln
- CAM-Job mit allen erforderlichen Operationen (Außenkontur, Nuten, Bohrungen) strukturieren
- Bearbeitungsreihenfolge und Werkzeugwechsel-Strategie festlegen
- Post-Prozessor für eine gängige CNC-Router-Steuerung (z. B. SINUMERIK) konfigurieren und NC-Code ausgeben
- NC-Code im Texteditor lesen und kritische Bewegungssätze identifizieren
- Simulationsergebnis mit Fertigungszeichnung abgleichen und Abweichungen korrigieren
- Programmdokumentation: Aufspannplan, Werkzeug-Setup-Sheet und Nullpunkt-Protokoll
- Fehlertypologie: Ausfransung durch falschen Drehsinn, Tiefensprung durch fehlerhafte Z-Referenz
- Serienfertigung: Nestingstrategien für die optimale Aufteilung auf Plattenmaterial
- Parametrisches Modell: Maßänderungen im CAD und automatische Anpassung des CAM-Jobs
- Rückführung von Maschinenmessdaten in die Qualitätsdokumentation
Wer das Praxisprojekt vollständig abschließt, hat den gesamten digitalen Fertigungsprozess einmal eigenständig durchlaufen und ist in der Lage, vergleichbare Aufgaben im Berufsalltag selbstständig zu meistern. Der Kurs endet mit einer strukturierten Auswertung der entstandenen Programme und einer gemeinsamen Betrachtung typischer Optimierungspotenziale.
Lernziele:
- Technische Holzbau-Zeichnungen in 2D normgerecht erstellen und bemaßen
- Bauteile in Kavaliersperspektive und isometrischer Ansicht darstellen
- 3D-Modelle von Holzbauteilen und -verbindungen in der CAD-Software konstruieren
- Baugruppen aus mehreren Einzelteilen zusammensetzen und auf Kollision prüfen
- Materiallisten und Stücklisten aus dem CAD-Modell ableiten und exportieren
- CAM-Strategien für unterschiedliche Fräsaufgaben (Tasche, Kontur, Bohrung) in SolidCAM definieren
- Werkzeugbibliotheken anlegen und geeignete Fräser für Holz- und Plattenwerkstoffe auswählen
- 2,5D- und 3D-Frässtrategien in SolidCAM konfigurieren und vergleichen
- Werkzeugweg-Simulation durchführen und Kollisionen vor der Maschinen-Einrichtung erkennen
- NC-Code über einen Post-Prozessor generieren und auf Plausibilität prüfen
- Typische Fräsfehler (Ausfransung, falscher Werkzeugeinsatz, Kollision mit Spannelement) in der Simulation identifizieren
- Den CAD/CAM-Workflow für ein Serienbauteil vollständig dokumentieren und wiederverwertbar ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an handwerklich ausgebildete Fachkräfte und technische Mitarbeiter, die den Sprung von der manuellen oder maschinengesteuerten Fertigung zur vollständig digitalisierten CAD/CAM-Prozesskette machen wollen.
- Tischler und Schreiner mit CNC-Maschinenpraxis, die die Programmierseite vertiefen möchten
- CNC-Fachkräfte aus der Holzverarbeitung, die bisher mit manuell erstellten NC-Programmen arbeiten
- Technische Produktdesigner mit Fokus auf Holz- und Möbelkonstruktion
- CAM-Programmierer, die ihre Kenntnisse gezielt auf SolidCAM und Holzanwendungen erweitern wollen
- Holztechniker und Ingenieure aus dem Holzbau, die CAD/CAM in den Planungsprozess integrieren
Vorausgesetzt werden grundlegende Kenntnisse in der Holz- oder Kunststofftechnik, vorzugsweise aus einer ingenieurtechnischen Ausbildung oder Berufspraxis. Computerkenntnisse auf Anwenderniveau (Dateimanagement, Office-Software) sind erforderlich; spezifische CAD-Vorkenntnisse werden im Kurs nicht verlangt, da der Einstieg von Grund auf erfolgt. Wer bereits erste Erfahrungen mit einer 2D-CAD-Anwendung hat, wird die Einstiegsphase schneller durchlaufen.
Ablauf & Abschluss
Theorie-Einheiten zu Zeichnungsnormen, CAD-Konstruktionstechniken und CAM-Strategien wechseln sich eng mit Übungsaufgaben am eigenen Schulungsrechner ab. Jeder behandelte Konstruktions- oder Programmierschritt wird unmittelbar an einem praxisnahen Holzbauteil angewendet, sodass Abstraktes sofort greifbar wird. Trainergestützte Simulation-Reviews machen typische Fräsfehler sichtbar, bevor sie an der Maschine Ausschuss erzeugen. Im Praxissteil am Kursende steht die eigenständige Projektarbeit im Mittelpunkt.
Die Weiterbildung erstreckt sich über rund drei Wochen Vollzeitstudium mit etwa 80 Unterrichtsstunden. Schulungsrechner mit installierten CAD- und SolidCAM-Lizenzen stehen für alle Teilnehmer bereit. Der Kurs ist in Präsenz- und Online-Varianten verfügbar.
Nach Abschluss der Weiterbildung erhalten Teilnehmer eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die erworbenen Kompetenzen in CAD-Konstruktion und CAM-Programmierung für die CNC-Holzbearbeitung dokumentiert. Ein staatlich anerkannter Abschluss wird nicht vergeben; die Bescheinigung ist jedoch als Nachweis gegenüber Arbeitgebern und Auftraggebern im Holzgewerbe anerkannt.
Nutzen & Perspektiven
Die Fähigkeit, einen Holz-Entwurf vollständig digital — von der Skizze bis zum NC-Code — zu realisieren, verkürzt den Weg von der Idee zur Fertigteil erheblich. Fehler, die in der klassischen Fertigung erst beim Probelauf erkannt werden, lassen sich in der CAM-Simulation bereits am Bildschirm beheben. Wer diese Prozesskette beherrscht, reduziert Ausschuss und Rüstzeiten und trägt direkt zur Produktivitätssteigerung des eigenen Betriebs bei. Für Einzelpersonen bedeutet diese Qualifikation eine deutliche Erweiterung des Kompetenzprofils: Die Kombination aus handwerklichem Holzwissen und digitalem CAD/CAM-Know-how ist am Arbeitsmarkt gefragt, insbesondere in Tischlereien und Holzbau-Unternehmen, die ihre Fertigung stärker digitalisieren. Wer zusätzlich SolidCAM-Erfahrung nachweisen kann, hebt sich in Bewerbungssituationen von Kandidaten ab, die nur maschinengestützte Fertigung kennen. Langfristig legt der Kurs die Grundlage für weiterführende Themen wie 5-Achsbearbeitung, Holzbau-BIM-Integration oder die automatisierte Übergabe von Schnittlisten aus ERP-Systemen an die CNC-Programmierung. In einer Branche, die zunehmend auf durchgängige Digitalisierung setzt, ist CAD/CAM-Kompetenz kein Spezialistenwissen mehr, sondern wird zur Standardanforderung in modernen Fertigungsbetrieben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche CAD- und CAM-Software wird eingesetzt?
Der Kurs arbeitet mit einer branchenüblichen CAD-Anwendung für Holzkonstruktion sowie SolidCAM für die CAM-Programmierung. Schulungslizenzen werden für die Kursdauer bereitgestellt.
Muss ich bereits CNC-Maschinen bedienen können?
Grundlegende Kenntnisse in der Holz- oder CNC-Technik sind von Vorteil, aber keine Aufnahmevoraussetzung. Der Kurs vermittelt die CAD/CAM-Prozesskette von Grund auf und setzt das maschinenspezifische Bedienerwissen als praxisbezogenes Korrektiv ein.
Kann ich den NC-Code für meine eigene CNC-Maschine verwenden?
Das NC-Post-Processing ist maschinenabhängig. Im Kurs werden typische Post-Prozessoren für gängige CNC-Router behandelt; die Übertragbarkeit auf Ihre spezifische Maschine hängt vom Steuerungstyp (z. B. Heidenhain, Fanuc, SINUMERIK) ab.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Sie erhalten eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die Ihre Kompetenzen in CAD-Konstruktion und CAM-Programmierung für die CNC-Holzbearbeitung dokumentiert. Dieses Dokument eignet sich als Nachweis gegenüber Arbeitgebern und Auftraggebern.
Für welche Holzbearbeitungs-Branchen ist der Kurs relevant?
Der Kurs ist für Tischlereien, Möbelhersteller, Holzbau-Unternehmen, Beschriftungs- und Schilderhersteller sowie Kunststoffverarbeiter relevant — überall dort, wo 2,5D- oder 3D-Fräsarbeiten an holzartigen Materialien anfallen.
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