Überblick
CATIA gehört zu den leistungsfähigsten CAD/CAM-Systemen für die Konstruktion im Maschinen- und Fahrzeugbau. Wer die Grundfunktionen bereits beherrscht, steht vor der Aufgabe, diese Werkzeuge auf komplexere Baugruppen, Kinematiken und Fertigungssimulationen auszuweiten. Dieser Aufbaukurs setzt genau dort an: Er vertieft die Kenntnisse in Bereichen, die in der professionellen Konstruktionsarbeit täglich gefordert werden, aber in Grundkursen nicht ausreichend behandelt werden können. Baugruppenstrukturierung, Blechkonstruktion, kinematische Verbindungen und digitale Montagesimulation bilden den Kern eines modernen CAD-Workflows, der weit über das Zeichnen von Einzelteilen hinausgeht.
Kursinhalte & Lernziele
Erweiterte Baugruppenverwaltung Baugruppen in industriellen Projekten umfassen oft Hunderte oder Tausende von Einzelteilen. Dieser Block zeigt, wie CATIA diese Komplexität handhabbar macht, ohne dass die Übersicht verloren geht.
- Baugruppenstruktur: Unterbaugruppen, Kontextmodellierung und Verwaltungsstrategien
- Constraints (Positionsbedingungen) definieren, bearbeiten und analysieren
- Stücklisten generieren und mit der Zeichnungsableitung verknüpfen
- Produktstruktur-Explorer: Filterfunktionen und Massenauswertungen
- Bauteil-Alternativen und Varianten innerhalb einer Baugruppe verwalten
Kinematik und Verbindungstypen Sobald Bauteile sich bewegen sollen, reicht statische Modellierung nicht mehr aus. CATIA bietet einen eigenen Kinematiksimulator, der die Bewegungsanalyse direkt im Modell ermöglicht.
- Gelenke und Verbindungstypen: Drehgelenk, Schiebegelenk, Nocken, Punktkontakt
- Zahnrad- und Kurvenverbindungen modellieren und parametrieren
- Kinematische Simulation durchführen und Bahnkurven auswerten
- Geschwindigkeits- und Beschleunigungsanalysen in der Kinematiksimulation
- Kollisionsprüfung während der Bewegungssimulation
Blechkonstruktion und Abwicklung Blechbauteile folgen eigenen konstruktiven Regeln, die von der Massivkörper-Modellierung grundlegend abweichen. CATIA stellt dafür eine spezialisierte Sheetmetal-Umgebung bereit.
- Blechparameter definieren: Materialdicke, Biegeverfahren, Biegezugabe
- Flansche, Rippen, Stege und Sicken als Blechoperationen erzeugen
- Abwicklung berechnen und auf Plausibilität prüfen
- Fertigungszeichnungen aus Blechmodellen ableiten
- Stanzwerkzeug-Elemente integrieren
Digitale Montagesimulation (DMU) Die digitale Montagesimulation macht es möglich, Montageprozesse virtuell zu testen, bevor ein Prototyp gebaut wird. Dies reduziert kostspielige Fehler in der späten Fertigungsphase.
- DMU-Grundkonzepte: Produktstruktur, Vorder-/Hintergrundmodell
- Bewegungspfade für Montageschritte definieren und validieren
- Kollisionsprüfung in statischen und dynamischen Szenarien
- Querschnittsanalysen für Zugänglichkeitsuntersuchungen
- Ergebnisse dokumentieren und für Produktionsplanung aufbereiten
Praxis und Anwendungsszenarien
- Vollständige Baugruppe eines Maschinenbau-Subassemblys aufbauen und dokumentieren
- Kinematische Analyse an einem realen Mechanismus (z. B. Kurbelgetriebe)
- Blechbauteil von der Rohflanke bis zur Fertigungszeichnung konstruieren
- Montagesimulation für ein mehrstufiges Bauteil durchführen und Kollisionen bereinigen
- Normgerechte Zeichnungsableitung mit Toleranz- und Passungsangaben erstellen
- Stückliste aus einer komplexen Baugruppe generieren und exportieren
- Eigene Konstruktionsaufgaben aus dem Berufsalltag in den Kurs einbringen
- Fehleranalyse an vorhandenen Modellen: Constraint-Konflikte und Topologieprobleme lösen
- Arbeitsabläufe vergleichen: manuelle vs. parametrisch assoziative Modellierung
- Bahnkurvenanalyse für eine kinematisch definierte Bewegung dokumentieren
- Abwicklung eines Blechteils auf Materialausnutzung optimieren
- Besprechung typischer Konstruktionsfehler und deren Auswirkungen auf nachgelagerte Prozesse
Am Ende des Kurses haben die Teilnehmenden an einem zusammenhängenden Konstruktionsprojekt gearbeitet, das Baugruppenstruktur, Kinematik, Blechteil und DMU-Analyse vereint. Dieses Projekt kann unmittelbar als Arbeitsprobe verwendet werden. Wer im Berufsalltag bisher nur mit Einzelteilen gearbeitet hat, merkt dabei, wie viel strukturierter und effizienter die Arbeit wird, sobald Baugruppen, Kinematik und Blechkonstruktion als Einheit gedacht werden. Das ist der eigentliche Kompetenzsprung dieses Aufbaukurses. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Übergang von der Einzelteilmodellierung zur vollständigen Baugruppenanalyse in der Praxis oft unterschätzt wird, aber erhebliche Auswirkungen auf die Qualität und Nachvollziehbarkeit der gesamten Konstruktionsdokumentation hat.
Lernziele:
- Komplexe Baugruppen in CATIA strukturieren, verwalten und dokumentieren
- Kinematische Verbindungen zwischen Bauteilen definieren und simulieren
- Kollisionsprüfungen in Baugruppen gezielt durchführen und auswerten
- Blechteile konstruieren, Abwicklungen berechnen und Fertigungszeichnungen ableiten
- Zahnrad- und Kurvenverbindungen modellieren und in Baugruppen integrieren
- Digitale Montagesimulationen (DMU) aufsetzen und ablaufen lassen
- Konstruktionszeichnungen mit Toleranzen, Passungen und Beschriftungen normgerecht erstellen
- Baugruppen für nachgelagerte Prozesse (FEM, CAM, Dokumentation) aufbereiten
- Arbeitsabläufe in CATIA durch parametrische und assoziative Modellierung effizienter gestalten
- Typische Konstruktionsfehler in Baugruppen erkennen und systematisch beheben
- Technische Produktdokumentation in CATIA-Projekten erstellen und pflegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich ausschließlich an Personen mit belastbarer Grundlagenerfahrung in CATIA, die ihre Fähigkeiten auf ein professionelles Niveau für industrielle Konstruktionsprojekte anheben wollen.
- Konstrukteurinnen und Konstrukteure im Maschinenbau, Anlagenbau oder Fahrzeugbau mit CATIA-Grundkenntnissen
- Technische Produktdesignerinnen und -designer, die komplexere Baugruppen und Kinematiken selbstständig bearbeiten wollen
- CAD-Spezialistinnen und -Spezialisten, die in neue Aufgabenbereiche (Blech, DMU) wechseln
- Ingenieurinnen und Ingenieure, die CATIA für Simulationsvorbereitung und Produktdokumentation einsetzen
- Technische Zeichnerinnen und Zeichner mit mehrjähriger Praxis, die in anspruchsvollere Konstruktionsrollen aufsteigen wollen
Vorausgesetzt werden eine technische Berufsausbildung oder ein ingenieurwissenschaftliches Studium sowie sichere Grundkenntnisse in CATIA (Part Design, Baugruppengrundlagen). Wer CATIA bisher nur sporadisch genutzt hat, sollte zunächst einen Grundkurs absolvieren. Gute allgemeine Computerkenntnisse und ein technisches Verständnis für Baugruppen und Fertigungsprozesse sind ebenfalls Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht ist stark praxisorientiert. Neue Funktionen werden zunächst demonstriert und unmittelbar danach eigenständig in übungsbegleiteten Einheiten angewendet. Die Teilnehmenden arbeiten an CATIA-Installationen und setzen die Kursinhalte an konstruktiv realistischen Aufgaben um. Die Kursatmosphäre erlaubt es, eigene Modelle und Problemstellungen aus dem beruflichen Alltag einzubringen und im Kurs zu bearbeiten.
Der Kurs ist als Kompaktkurs konzipiert. Je nach Anbieter und Durchführungsform variiert die genaue Stundenzahl. Typisch sind mehrere aufeinanderfolgende Unterrichtstage in Vollzeit, sodass die Themen gebündelt und ohne lange Unterbrechungen vertieft werden können.
Der Kurs schließt mit einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab, die den erfolgreich absolvierten Aufbaukurs CATIA dokumentiert. Eine herstellerseitige Zertifizierung durch Dassault Systèmes ist kein Bestandteil dieses Kurses; das ausgestellte Zertifikat ist ein trägerinternes Dokument.
Nutzen & Perspektiven
Konstruktionsprojekte in der Industrie werden zunehmend digital vorintegriert, bevor ein physischer Prototyp entsteht. Wer CATIA auf Aufbau-Niveau beherrscht, kann an diesem Prozess von Anfang an vollständig teilnehmen: von der Baugruppenstrukturierung über die Kinematikanalyse bis zur digitalen Montagesimulation. Diese Fähigkeiten reduzieren teure Nacharbeiten in der physischen Fertigungsphase und machen Konstrukteurinnen und Konstrukteure zu wertvolleren Mitgliedern im Entwicklungsteam. Besonders die Kombination aus Blechkonstruktion und DMU ist ein Kompetenzfeld, das viele Grundkursabsolventen bisher nicht abdecken, aber in der Automotive- und Maschinenindustrie regelmäßig gefragt ist. Wer diese Bereiche beherrscht, kann ohne Umwege in Projekte einsteigen, in denen Montierbarkeit, Zugänglichkeit und Fertigungsgeometrie von Anfang an Teil der Konstruktionsaufgabe sind. Die im Kurs erstellten Arbeitsergebnisse können direkt als Nachweis beruflicher Kompetenz dienen. Wer an einem zusammenhängenden Konstruktionsprojekt bis zum DMU-Abschluss gearbeitet hat, hat eine greifbare Arbeitsprobe in der Hand, die technisches Niveau und Methodenkompetenz in CATIA belegt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche CATIA-Vorkenntnisse sind für diesen Kurs erforderlich?
Sichere Grundkenntnisse in CATIA Part Design und den Basisfunktionen der Baugruppe werden vorausgesetzt. Wer CATIA bisher nur sporadisch genutzt hat, sollte zunächst einen Grundkurs absolvieren, da der Aufbaukurs ohne Vorkenntnisse zu schnell voranschreitet.
Was ist digitale Montagesimulation (DMU) und warum ist sie relevant?
DMU steht für Digital Mock-Up und bezeichnet die virtuelle Nachbildung von Montageprozessen im CAD-System. Sie ermöglicht es, Kollisionen, Zugänglichkeitsprobleme und Montierbarkeit zu prüfen, bevor ein physischer Prototyp gebaut wird. Das spart Zeit und Kosten in der Fertigung.
Kann ich eigene Konstruktionsaufgaben aus dem Berufsalltag mitbringen?
Ja, der Kurs ist so gestaltet, dass eigene Modelle und Problemstellungen aus dem beruflichen Kontext eingebracht und im Kurs bearbeitet werden können. Das erhöht den direkten Nutzen des Kurses für den Arbeitsalltag.
Welchen Abschluss erhalte ich nach diesem Kurs?
Der Kurs schließt mit einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab, die den erfolgreich absolvierten CATIA-Aufbaukurs dokumentiert. Eine externe Herstellerzertifizierung durch Dassault Systèmes ist kein Bestandteil; das Zertifikat ist ein trägerinternes Dokument.
Ist der Kurs auch für Blechkonstruktion in anderen Branchen als Fahrzeugbau geeignet?
Ja. Die Blechkonstruktionsfunktionen in CATIA sind branchenübergreifend einsetzbar, unter anderem im Anlagenbau, in der Luft- und Raumfahrt und im allgemeinen Maschinenbau. Die Kursübungen sind so gestaltet, dass sie nicht auf eine spezifische Branche beschränkt sind.
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