Überblick
CATIA Basic 2 vertieft die Kenntnisse aus dem Grundkurs und richtet sich an Konstrukteure, die mit Dassault Systèmes CATIA V5 oder V6 bereits elementare Bauteile erstellen können und nun komplexere Konstruktionsmethoden beherrschen wollen. Im Mittelpunkt steht die parametrische Variantenkonstruktion: Teilnehmende lernen, wie sich Bauteilgeometrien über Konstruktionstabellen und erweiterte Referenzelemente systematisch steuern lassen, sodass eine Konstruktionsfamilie aus einer einzigen Quelldatei abgeleitet werden kann. Darüber hinaus werden Boolesche Operationen, variable Verrundungen und die vollständige Zeichnungsableitung — inklusive Schnittdarstellungen, Detailansichten, Positionsnummern und Stücklisten — auf dem Niveau behandelt, das in der industriellen Praxis für Maschinenbau, Fahrzeugbau und Anlagenkonstruktion verlangt wird.
Kursinhalte & Lernziele
Parametrisierung und Variantenkonstruktion Die parametrische Modellierung ist das zentrale Thema dieses Aufbaukurses. Teilnehmende lernen, wie Abmessungen und Geometriemerkmale über Formeln und externe Konstruktionstabellen (Excel-basiert) gesteuert werden. So lassen sich Bauteilfamilien — etwa unterschiedliche Flanschdurchmesser oder Gehäusegrößen — aus einer einzigen Quelldatei verwalten, ohne jedes Mal neu modellieren zu müssen.
- Formel-Editor in CATIA nutzen und Abhängigkeiten zwischen Maßen definieren
- Konstruktionstabellen anlegen, mit Excel verknüpfen und aktivieren
- Designtabellen für Variantenreihen (Schrauben, Flansche, Gehäuse) erstellen
- Parameter mit Publikationen sichtbar machen und in Baugruppen referenzieren
- Konfigurationen wechseln und Ergebnisse im Modellbaum kontrollieren
- Fehlermeldungen bei widersprüchlichen Parametern auflösen
Boolesche Operationen und erweiterte Formgebung In diesem Abschnitt werden Methoden behandelt, um komplexe Körpergeometrien durch das Kombinieren mehrerer Volumenkörper zu erzeugen. Boolesche Operationen ermöglichen Aussparungen, Durchbrüche und zusammengesetzte Formen, die mit Einzelfeatures allein schwer erreichbar wären. Variable Verrundungen und Formschrägen runden das geometrische Repertoire für fertigungsgerechte Konstruktionen ab.
- Vereinigung, Schnitt und Subtraktion von Volumenkörpern durchführen
- Boolesche Operationen in der richtigen Reihenfolge im Modellbaum platzieren
- Variable Verrundungsradien entlang von Kanten und über Gesichtsflächen steuern
- Formschrägen für Guss- und Spritzgussteile korrekt anlegen
- Körper nachträglich umstrukturieren ohne Verlust der Konstruktionshistorie
- Erweiterten Referenzelementsatz einsetzen: Ausweichebenen, Hilfspunkte, Achssysteme
Zeichnungsableitung und Dokumentation Die vollständige technische Dokumentation eines Bauteils oder einer Baugruppe ist Pflichtbestandteil jeder Konstruktionsaufgabe. Teilnehmende erstellen ausgehend vom 3D-Modell normgerechte Zeichnungen mit allen erforderlichen Ansichten, Schnitten und Bemaßungen.
- Ansichten, Schnittdarstellungen und Detailansichten generieren
- Halbschnitte und gestaffelte Schnitte in CATIA zeichnen
- Maßeintragungen, Oberflächen- und Formtoleranzen nach DIN platzieren
- Stücklisten automatisch aus der Baugruppe ableiten und in die Zeichnung einfügen
- Positionsnummern (Ballons) mit Stücklisteneinträgen verknüpfen
- Zeichnungsdateien für Fertigung und Freigabe-Workflows als PDF und DXF exportieren
Praxisübungen Der Kurs folgt einem durchgängigen Praxisprinzip: Jeder Theorieblock wird unmittelbar durch Übungen an realen Konstruktionsaufgaben vertieft. Die Praxisphasen decken typische Aufgaben aus Maschinenbau und Anlagenplanung ab.
- Variantenbauteil (Wellenflansch) mit Konstruktionstabelle vollständig parametrisieren
- Gehäusedeckel mit Booleschen Operationen und variablen Verrundungen modellieren
- Baugruppe aus mehreren parametrisierten Komponenten zusammenstellen
- Vollständige Fertigungszeichnung mit Schnittansicht und Stückliste erzeugen
- Fehlerhafte Bestandsdatei analysieren und Modellstruktur bereinigen
- Varianten aus einer Quelldatei ableiten und auf Konsistenz prüfen
- Stückliste nach Firmentemplate exportieren und Positionsnummern prüfen
- Zeichnungsdaten als PDF und DXF ausgeben
Auf Basis dieser Praxisübungen können Teilnehmende anschließend eigenständig parametrische Konstruktionsprojekte in CATIA abwickeln und die Ergebnisse dokumentationsreif übergeben. Der Kompetenzaufbau orientiert sich an Aufgaben, wie sie in Konstruktionsabteilungen für Serienprodukte und Sondermaschinen anfallen. Wer nach dem Kurs eigenständig Variantenfamilien pflegt und Zeichnungen ohne Nacharbeit übergeben kann, hat die Ziele des Kurses erreicht.
Lernziele:
- Parametrisch konstruierte Bauteile mit Konstruktionstabellen steuern
- Boolesche Operationen (Vereinigung, Schnitt, Subtraktion) sicher anwenden
- Variable Verrundungen und Formschrägen an komplexen Geometrien erzeugen
- Erweiterte Referenzelemente (Achsen, Ebenen, Punkte) gezielt einsetzen
- Variantenkonstruktionen aus einer Quelldatei ableiten
- Baugruppen mit mehreren Bauteilen strukturiert aufbauen und verwalten
- Technische Zeichnungen mit Schnittdarstellungen und Detailansichten erstellen
- Maßeintragungen und Toleranzangaben normgerecht platzieren
- Stücklisten automatisch generieren und mit Positionsnummern verknüpfen
- Fehler in bestehenden CATIA-Modellen analysieren und gezielt beheben
- Konstruktionsdaten für die Weitergabe an Fertigungs- und Simulationsumgebungen vorbereiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Aufbaukurs richtet sich ausschließlich an Personen mit bestehenden CATIA-Grundkenntnissen aus dem Bereich Maschinenbau, Fahrzeugtechnik oder Anlagenkonstruktion. Geeignet sind alle, die schon den Grundkurs abgeschlossen haben und tiefer einsteigen wollen.
- Konstrukteure und Entwicklungsingenieure, die ihre CATIA-Kompetenz über das Grundniveau hinaus ausbauen wollen
- Technische Produktdesigner und technische Zeichner, die in Unternehmen mit Dassault-Software arbeiten
- Maschinenbauingenieure, die CATIA V5/V6 im betrieblichen Einsatz vertiefen möchten
- Quereinsteiger aus anderen CAD-Systemen mit CATIA-Grundlagenerfahrung
- Fachkräfte, die Variantenkonstruktion und parametrische Methoden systematisch erlernen wollen
Teilnehmende sollten den CATIA-Grundkurs (Basic 1) erfolgreich abgeschlossen haben oder über gleichwertige Erfahrung mit der Software verfügen. Eine technische Berufsausbildung im Bereich Maschinenbau, Fahrzeugtechnik oder eine vergleichbare Qualifikation sowie solide Computerkenntnisse werden vorausgesetzt. Grundlegendes Verständnis konstruktiver Zusammenhänge — Toleranzen, Bauteilfunktionen, Zeichnungsnormen — ist für eine sinnvolle Teilnahme notwendig.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als intensive Präsenz- oder Online-Schulung konzipiert, in der Dozenten aus der Konstruktionspraxis die Themen anhand konkreter Bauteile demonstrieren. Jeder Lernblock folgt dem Prinzip: kurze Erklärung am Dozenten-Bildschirm, anschließend selbstständige Umsetzung an der eigenen CATIA-Station. Fragen werden direkt im Arbeitsumfeld beantwortet, nicht in Theoriephasen abgekoppelt. Übungsdateien stammen aus branchentypischen Konstruktionsszenarien, sodass der Transfer in den Arbeitsalltag unmittelbar erkennbar ist.
Der Kurs umfasst typischerweise drei bis fünf Unterrichtstage in Vollzeit und schließt damit zeitlich direkt an einen CATIA-Grundkurs an. Die exakte Stundenanzahl variiert je nach Anbieter und Format (Präsenz oder Online). Während der gesamten Schulungszeit stehen CATIA-Lizenzen zur Verfügung, sodass keine eigene Software-Installation notwendig ist.
Nach Abschluss des Kurses erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung oder ein trägerinternes Zertifikat des durchführenden Bildungsanbieters. Dieses Dokument belegt die erworbenen Kenntnisse in parametrischer CATIA-Konstruktion, Varianten- und Dokumentationskompetenz und kann Bewerbungsunterlagen beigefügt werden. Eine herstellerseitige CATIA-Zertifizierung von Dassault Systèmes ist nicht Bestandteil dieses Kurses.
Nutzen & Perspektiven
Wer CATIA im Berufsalltag einsetzt, stößt nach dem Grundkurs schnell an Grenzen: Wiederholende Einzelkonstruktionen kosten Zeit, Zeichnungen entstehen mühsam von Hand, und Varianten müssen mehrfach neu aufgebaut werden. CATIA Basic 2 schließt genau diese Lücke. Mit parametrisierten Konstruktionstabellen lassen sich ganze Produktfamilien auf Knopfdruck ableiten — ein erheblicher Produktivitätsgewinn, der in Unternehmen mit großen Bauteilbibliotheken täglich spürbar wird. Darüber hinaus schärft der Kurs das Verständnis für sauber strukturierte Modellbäume und fehlerfreie Konstruktionshistorien. Das zahlt sich aus, sobald Dateien zwischen Kollegen oder Abteilungen weitergegeben, in Simulationen importiert oder für CNC-Fertigungsprozesse aufbereitet werden. Konstruktionen, die von Anfang an parametrisch aufgebaut sind, lassen sich im späteren Projektverlauf deutlich schneller anpassen als eingefrorene Modelle ohne Referenzstruktur. Der Abschluss des Aufbaukurses ist zudem ein sinnvoller Schritt auf dem Weg zu spezialisierten CATIA-Modulen wie Flächenkonstruktion, Kinematik oder FEM-Anbindung. Wer parametrische Grundmethoden sicher beherrscht, kann diese Spezialkurse deutlich schneller und mit mehr Praxisnutzen absolvieren. Für Konstrukteure, die langfristig in CATIA-geprägten Unternehmen arbeiten wollen, ist dieser Kompetenzsprung keine Option — er ist der erwartete Standard.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für CATIA Basic 2?
Teilnehmende sollten den CATIA-Grundkurs (Basic 1) abgeschlossen haben oder über gleichwertige Praxiserfahrung verfügen. Elementare Bedienung der Oberfläche, einfache Skizzenerstellung und Bauteilmodellierung sollten bereits bekannt sein. Eine technische Berufsausbildung oder ein Ingenieurstudium im Maschinenbau ist empfehlenswert.
Was sind Konstruktionstabellen in CATIA und wozu dienen sie?
Konstruktionstabellen (Design Tables) sind Excel-Dateien, die Parameterwerte für verschiedene Bauteil-Varianten enthalten. In CATIA verknüpft man das Modell mit dieser Tabelle, sodass durch Auswahl einer Tabellenzeile automatisch alle zugehörigen Abmessungen übernommen werden. Das erspart das wiederholte manuelle Anpassen und ist Standard in der Serienfertigung.
Arbeitet der Kurs mit CATIA V5 oder V6?
Die im Kurs behandelten Methoden — parametrische Konstruktion, Boolesche Operationen, Zeichnungsableitung — gelten für beide Versionen, da die Kernfunktionen in V5 und im V6-kompatiblen CATIA-Modus weitgehend identisch sind. Welche genaue Version eingesetzt wird, legt der jeweilige Bildungsanbieter bei der Anmeldung fest.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
In der Regel stellt der Bildungsanbieter eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung oder ein trägerinternes Kurs-Zertifikat aus. Ein offizielles Hersteller-Zertifikat von Dassault Systèmes ist nicht Bestandteil dieses Kurses. Die Bescheinigung belegt die Kompetenzen in parametrischer Konstruktion und Zeichnungsdokumentation mit CATIA.
Kann ich nach diesem Kurs direkt mit CATIA-Spezialmodulen weitermachen?
Ja. Wer parametrische Methoden und Baugruppen-Workflows sicher beherrscht, hat die ideale Grundlage für Spezialmodule wie Flächenkonstruktion (Generative Shape Design), Kinematiksimulation oder die FEM-Anbindung über CATIA Analysis. Ein direkter Anschluss an diese Vertiefungskurse ist nach Basic 2 sinnvoll.
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