Überblick
Dieser Aufbaukurs richtet sich an Personen, die bereits ein Grundverständnis des Krankheitsbildes Demenz mitbringen und ihre Handlungskompetenz in der praktischen Begleitung Betroffener gezielt ausbauen möchten. Im Mittelpunkt steht nicht die Theorie, sondern der Alltag: Wie gestaltet man einen strukturierten, würdevollen Tagesablauf für Menschen mit Demenz? Wie reagiert man auf herausforderndes Verhalten? Wie kommuniziert man einfühlsam und dennoch klar? Und wie unterstützt man Angehörige, die oft selbst an die Grenzen ihrer Kräfte geraten? Der Kurs vermittelt praxisnahe Methoden, die in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, in Hospizen und in der häuslichen Pflege unmittelbar eingesetzt werden können.
Kursinhalte & Lernziele
Tagesgestaltung und sinnstiftende Beschäftigung: Ein strukturierter, aber flexibler Tagesablauf bietet Menschen mit Demenz Orientierung und Sicherheit. Dieses Modul vermittelt Konzepte und konkrete Methoden zur Tagesgestaltung, die biografische Bezüge nutzen, Ressourcen aktivieren und Überforderung vermeiden. Rituale, Beschäftigungsangebote und sensorische Aktivierung werden praxisnah vorgestellt.
- Bedeutung von Tagesstruktur und Ritualen für das Wohlbefinden Demenzkranker
- Biografieorientierte Beschäftigung: Hobbys, Berufsbiografie und Lebenserfahrungen einbeziehen
- Sensorische Stimulation: Musik, Düfte, Texturen und ihre beruhigende Wirkung
- Bewegungsangebote und Spaziergänge — Chancen und Risikomanagement
- Gruppenbeschäftigung vs. Einzelbegleitung: Vor- und Nachteile im Überblick
- Zeiteinteilung und Flexibilität im Pflegealltag bei wechselnden Zuständen
Herausforderndes Verhalten verstehen und professionell reagieren: Aggressives Verhalten, Weglauftendenzen, Apathie oder nächtliche Unruhe sind häufige Erscheinungen in der Demenzpflege. Dieses Modul schult das Verständnis für die Hintergründe solcher Verhaltensweisen und vermittelt deeskalierende Strategien.
- Ursachen von herausforderndem Verhalten: Schmerz, Überforderung, Angst, unerfüllte Bedürfnisse
- Beobachtungsbögen und Dokumentation zur Analyse von Verhaltensmustern
- Deeskalationstechniken im Akutmoment
- Umgang mit Weglauftendenz: Sicherheit schaffen ohne Freiheitseinschränkung
- Nächtliche Unruhe und Schlafstörungen — Ursachen und Interventionsmöglichkeiten
- Teamabsprachen und kollegiale Fallbesprechung bei wiederkehrendem Verhalten
Kommunikation mit Menschen mit Demenz: Die Kommunikation mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, erfordert besondere Sensibilität. Sprache, Tonfall, Körperhaltung und der richtige Moment sind entscheidend. Dieses Modul vermittelt validierungsbasierte und personenzentrierte Kommunikationsansätze.
- Grundsätze valider Kommunikation nach Naomi Feil
- Personenzentrierter Ansatz nach Tom Kitwood in der praktischen Umsetzung
- Nonverbale Kommunikation: Blickkontakt, Berührung, Mimik und Gestik gezielt einsetzen
- Einfache, klare Sprache und angepasstes Sprechtempo
- Umgang mit Wiederholungen, Verwirrtheit und Vergessen ohne Korrektur oder Konfrontation
- Gesprächsabschlüsse und Übergänge gestalten
Angehörigenarbeit und Selbstfürsorge: Angehörige von Menschen mit Demenz sind oft co-betroffen. Ihre Begleitung, Beratung und Entlastung ist ein wesentlicher Teil professioneller Demenzpflege. Gleichzeitig brauchen Pflegekräfte selbst Strategien, um in einer emotional belastenden Tätigkeit langfristig gesund zu bleiben.
- Typische Belastungen und emotionale Phasen von Angehörigen verstehen
- Beratungsgespräche führen: Informationen vermitteln, Ressourcen aufzeigen
- Angehörigengruppen und Vernetzung als Entlastungsangebot
- Grenzen der professionellen Unterstützung — was Pflegekräfte leisten können und was nicht
- Selbstfürsorge-Strategien: Abstandsrituale, kollegiale Unterstützung, Supervision
- Burnout-Früherkennung und präventive Massnahmen im Pflegealltag
Pflegerische Versorgung und Körperhygiene bei Demenz: Die Pflege des Körpers kann für Menschen mit Demenz eine belastende Erfahrung sein. Dieses Modul vermittelt Techniken, um Körperpflege, Mahlzeiten und Inkontinenzversorgung behutsam und würdevoll zu gestalten.
- Waschen und Ankleiden bei verminderter Kooperationsbereitschaft
- Mundpflege und Zahnhygiene behutsam durchführen
- Inkontinenzversorgung einfühlsam und routiniert gestalten
- Ernährungsunterstützung bei Schluckproblemen und Nahrungsverweigerung
- Schmerzbeobachtung bei Menschen mit eingeschränkter Ausdrucksfähigkeit
- Dokumentation pflegerischer Massnahmen bei verhaltensbedingten Besonderheiten
- Lagerung und Mobilisation zur Dekubitusprophylaxe
- Unterstützung bei der Mobilität und Stürzprävention in häuslicher und stationärer Umgebung
- Ernährungsgewohnheiten und Trinkverhalten im Alter erfassen und fördern
- Umgang mit Schmerzmitteln und Medikamentengabe bei nicht-kooperativen Patienten
- Rückzugsräume und beruhigende Umgebungsgestaltung in der Pflegeeinrichtung
- Pflegevisiten und multiprofessionelle Zusammenarbeit bei Demenzkranken
Die in diesem Kurs vermittelten Kompetenzen sind in der täglichen Pflegepraxis unmittelbar einsetzbar und erhöhen sowohl die Versorgungsqualität als auch die Arbeitszufriedenheit. Pflegekräfte, die sicher und souverän mit den Herausforderungen der Demenzpflege umgehen können, sind in der Branche hoch gefragt.
Lernziele:
- Vertiefte Kenntnisse über den Verlauf von Demenzerkrankungen und ihre Auswirkungen auf das Alltagserleben Betroffener
- Entwicklung eines professionellen Haltungsrahmens für die würdevolle Begleitung von Menschen mit Demenz
- Kompetenz in der Tagesgestaltung und sinnstiftenden Beschäftigung für demenzkranke Menschen
- Sicherer Umgang mit herausforderndem Verhalten wie Aggression, Weglauftendenz oder Unruhe
- Anwendung valider und biografieorientierter Kommunikationsstrategien
- Wissen über die besondere Bedeutung nonverbaler Kommunikation und Körpersprache in der Demenzpflege
- Fähigkeit zur professionellen Angehörigenberatung und -begleitung
- Kenntnisse über Möglichkeiten der Selbstfürsorge und Burnout-Prävention für Pflegekräfte
- Anwendung geeigneter Methoden der Körperpflege und Hygienepflege bei Menschen mit Demenz
- Förderung verbliebener Fähigkeiten durch aktivierende Ansätze
- Reflexion eigener Haltungen und Reaktionsmuster im Pflegealltag mit Demenzkranken
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die bereits über Grundkenntnisse zur Demenz verfügen und ihre praktische Handlungskompetenz in der Begleitung Betroffener ausbauen möchten.
- Pflegefachkräfte aus stationären und ambulanten Einrichtungen
- Pflegehilfskräfte mit Grundkenntnissen in der Demenzbegleitung
- Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI (früher § 87b) in Pflegeeinrichtungen
- Leitungskräfte wie Wohnbereichsleitungen (WBL) oder Pflegedienstleitungen (PDL)
- Pflegekräfte aus Hospizen und Palliativeinrichtungen
- Ehrenamtliche Helfer mit professionellem Weiterbildungsinteresse
Dieses Aufbaumodul setzt voraus, dass das Basismodul zur Krankheitslehre und zu den Krankheitsbildern der Demenz bereits absolviert wurde. Ohne diese Grundlage ist der Einstieg in den Kurs nicht möglich. Zusätzlich werden Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 bis B2 sowie grundlegende Computerkenntnisse für die Nutzung digitaler Lernmaterialien vorausgesetzt. Berufserfahrung in der Pflege oder Betreuung ist hilfreich, aber nicht formal vorgeschrieben.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Combined-Learning-Format statt, das Präsenzphasen mit Online-Einheiten verbindet. Fallbesprechungen, Rollenspiele und Reflexionsübungen sind zentrale Methoden. Praxisnahe Szenarien aus dem Pflegealltag werden gemeinsam analysiert und Handlungsalternativen entwickelt. Selbststudienphasen vertiefen theoretische Grundlagen. Der Austausch mit Mitlernenden aus ähnlichen beruflichen Kontexten fördert den Praxistransfer.
Der Kurs dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat in Vollzeit. Anbieter gestalten den genauen zeitlichen Rahmen unterschiedlich — üblich sind täglich vier bis sechs Unterrichtseinheiten an Werktagen. Der Gesamtumfang liegt je nach Anbieter zwischen 40 und 80 Unterrichtseinheiten.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Das Dokument bestätigt die absolvierten Inhalte und ist als Weiterbildungsnachweis im pflegerischen Bereich anerkannt. Es handelt sich nicht um einen staatlich anerkannten Berufsabschluss, sondern um eine qualifizierte Ergänzungsqualifikation für bereits tätige Pflegefachkräfte und Betreuungspersonen.
Nutzen & Perspektiven
Die Demenzpflege ist einer der forderndsten und zugleich bedeutsamsten Bereiche der Pflege überhaupt. Qualifizierte Fachkräfte, die professionell, einfühlsam und methodisch fundiert mit demenzkranken Menschen umgehen können, leisten einen unschätzbaren Beitrag für Betroffene und ihre Familien — und sind gleichzeitig in einer Branche mit strukturellem Fachkräftemangel besonders gefragt. Dieser Kurs stärkt genau diese Kernkompetenz. Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist der Kurs über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus können je nach individueller Situation das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung (BFD) der Bundeswehr, Leistungen zur Rehabilitation sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung Bund genutzt werden. Die Förderfähigkeit prüft die zuständige Behörde anhand der persönlichen Situation. Wer diesen Kurs abschliesst, kann nicht nur fachlich besser agieren, sondern entwickelt auch eine stabilere innere Haltung gegenüber einer Arbeit, die emotional viel abverlangt. Selbstfürsorge und professionelle Distanz sind keine Zeichen von Kälte, sondern Voraussetzung für nachhaltige Pflegequalität. Diese doppelte Kompetenz — für Betroffene und für sich selbst — macht den Unterschied zwischen guter und sehr guter Pflegepraxis.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich diesen Kurs ohne Vorkenntnisse belegen?
Nein. Dieser Kurs ist ein Aufbaumodul und setzt voraus, dass Sie das Basismodul zur Krankheitslehre und den Krankheitsbildern der Demenz bereits absolviert haben. Ohne diese Grundlage ist eine Teilnahme nicht möglich.
Für wen ist dieser Kurs besonders geeignet?
Der Kurs richtet sich an Pflegefachkräfte, Pflegehilfskräfte, Betreuungskräfte und Leitungskräfte in stationären und ambulanten Einrichtungen sowie in Hospizen. Auch ehrenamtliche Helfer mit entsprechenden Grundkenntnissen können teilnehmen.
Was unterscheidet diesen Kurs vom Basismodul?
Das Basismodul vermittelt das Verständnis der Erkrankung (Ursachen, Symptome, Verlauf). Dieser Aufbaukurs fokussiert die praktische Handlungskompetenz — also konkret den Umgang mit Betroffenen im Alltag, Kommunikation, Tagesgestaltung und Angehörigenarbeit.
Ist der Kurs über einen Bildungsgutschein förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein förderbar. Zusätzlich kommen das Qualifizierungschancengesetz oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung infrage. Die Förderfähigkeit klären Sie direkt mit der zuständigen Behörde.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Sie erhalten eine trägerinterne qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die Ihre Weiterbildung dokumentiert. Es handelt sich um keine staatliche Berufsqualifikation, aber um einen anerkannten Nachweis für die berufliche Weiterentwicklung in der Pflege.
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Arbeitsmarkt-Report
Pflege- und Gesundheits-Fachkräfte sind seit 2018 durchgehend als Engpassberuf gelistet. Demografische Entwicklung treibt die Nachfrage; höhere Tarife in Pflege und Reform der Pflegeausbildung verbessern Einstiegsbedingungen 2025/26 weiter.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Pflegefachkraft44.976 Stellen
- Altenpfleger/in15.289 Stellen
- Facharzt/Fachärztin Fachrichtung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie468 Stellen
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- Pflegeassistent/Pflegeassistentin113 Stellen
- Altentherapeut/Altentherapeutin110 Stellen