Überblick
In Pflegeeinrichtungen, ambulanten Diensten und Betreuungsumgebungen können lebensbedrohliche Situationen jederzeit und ohne Vorwarnung eintreten. Pflegefachkräfte und Betreuungspersonen sind in diesen Momenten die ersten Menschen am Ort des Geschehens — ihre Handlungsfähigkeit entscheidet oft darüber, ob ein Mensch die nächsten Minuten überlebt. Dieser Kurs vermittelt das Wissen und die praktischen Fertigkeiten, die genau in diesen Situationen gebraucht werden: strukturiertes Erkennen von Notfällen, sofortiges Handeln nach bewährten Protokollen und die sichere Bedienung lebensrettender Geräte wie dem AED.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Grundlagen der Notfallbeurteilung Bevor gehandelt werden kann, muss eingeschätzt werden. Dieses Modul vermittelt den systematischen Ansatz zur Erstbeurteilung einer Notfallsituation: Was ist passiert? Wie reagiert die betroffene Person? Welche Sofortmaßnahmen sind jetzt notwendig? Der strukturierte Erstcheck ist die Grundlage jeder weiteren Handlung und verhindert, dass in der Aufregung wichtige Schritte übersprungen werden.
- Das ABCDE-Schema zur strukturierten Erstbeurteilung im Notfall
- Bewusstsein, Atmung und Kreislauf schnell und korrekt prüfen
- Stabile Seitenlage: Indikation, Technik und Grenzen
- Notruf 112 absetzen: Wer, Was, Wo, Wie viele, Warten auf Rückfragen
- Orientierung in der eigenen Einrichtung: Notfallplan, Notfallausrüstung, Zuständigkeiten
- Erste-Hilfe-Material und AED-Standorte kennen und schnell erreichen
Modul 2 — Herz-Lungen-Wiederbelebung und AED-Einsatz Kreislaufstillstand ist der kritischste Notfall in der Pflege — jede Minute ohne Reanimation verringert die Überlebenschance erheblich. Dieses Modul trainiert die Herz-Lungen-Wiederbelebung nach aktuellem ERC-Standard (European Resuscitation Council) und die Bedienung des AED, bis die Handgriffe sitzen und auch unter Stress abrufbar sind.
- Herzdruckmassage: Frequenz, Tiefe, Druckpunkt und Entlastung korrekt ausführen
- Atemspende: Technik, Atemweg freimachen, Mund-zu-Nase-Alternative
- 30:2-Verhältnis und Reanimation durch zwei Personen koordinieren
- AED einschalten, Elektroden korrekt platzieren und Gerät bedienen
- Reanimation fortführen bis Rettungsdienst eintrifft oder Zeichen der Erholung sichtbar sind
- Besonderheiten bei alten, gebrechlichen oder beatmeten Pflegepersonen
Modul 3 — Akutversorgung häufiger Notfallbilder in der Pflege Nicht jeder Notfall ist ein Herzstillstand. In der Pflege sind es häufig Stürze, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, Atemnot und Schlaganfälle, die das sofortige Eingreifen von Pflegepersonal erfordern. Dieses Modul behandelt die typischen Notfallbilder im Pflegealltag mit ihren spezifischen Erkennungsmerkmalen und Sofortmaßnahmen.
- Schlaganfall erkennen: FAST-Schema (Face, Arms, Speech, Time) anwenden
- Herzinfarkt: Symptommuster, Nitroglycerin-Gabe und Lagerung
- Hypoglykämie (Unterzuckerung): Erkennen und Erstmaßnahmen bei bewussten und bewusstlosen Personen
- Krampfanfall: Schutzmaßnahmen, Zeitmessung und Nachsorgeverhalten
- Bewusstlosigkeit ohne Kreislaufstillstand: Lagerung, Überwachung, Reanimatioinsbereitschaft
- Atemnot und Anaphylaxie: erste Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
Modul 4 — Wundversorgung, Blutungsstillung und weitere Akutmaßnahmen Auch Verletzungen und akute körperliche Schäden erfordern im Pflegealltag schnelles, korrektes Handeln. Dieses Modul vermittelt den sicheren Umgang mit Wunden, Frakturen und Vergiftungssituationen — häufige Ereignisse gerade bei mobilitätseingeschränkten oder kognitiv beeinträchtigten Pflegebedürftigen.
- Wundarten unterscheiden und situationsgerecht versorgen
- Starke Blutungen stillen: Druckverband, Druckpunkte, tourniquet-Prinzip
- Sturz und Verdacht auf Fraktur: Lagerung, Bewegungseinschränkung, Schmerzkontrolle
- Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung: Vorsichtsmaßnahmen und Lagerungsregeln
- Vergiftungen und Verätzungen: Gifinformationszentrale kontaktieren, Erbrechen nicht erzwingen
- Atemwegsobstruktion durch Fremdkörper: Heimlich-Handgriff und Rückenschläge bei Erwachsenen
Praxisübungen Ein wesentlicher Teil des Kurses findet als Hands-on-Training statt. Nur durch wiederholtes Üben am Modell und in simulierten Szenarien werden Handlungsabläufe so gefestigt, dass sie im echten Notfall automatisch abrufbar sind.
- Reanimationsübung am Dummy: Herzdruckmassage und Beatmung in korrekter Technik
- AED-Bedienung trainieren: Einschalten, Anlegen, Schock auslösen, Reanimation fortführen
- Stabile Seitenlage korrekt anlegen und Atemweg kontrollieren
- Notruf-Rollenspiel: strukturiert und vollständig kommunizieren
- FAST-Schema an Fallbeispielen anwenden und Handlungsoptionen ableiten
- Druckverband anlegen und Wundversorgung am Übungsmodell
- Zweipersonen-Reanimation koordinieren und Aufgaben klar aufteilen
- Heimlich-Handgriff an Übungsperson durchführen
- Fallsimulation Sturzgeschehen: Erstbeurteilung, Absicherung, Notruf
- Hypoglykämie-Szenario: Bewusstseinslage prüfen und Erstmaßnahmen einleiten
- Krampfanfall-Simulation: schützend eingreifen, Zeit messen, Nachsorge
- Anaphylaxie-Szenario: Adrenalin-Applikation vorbereiten und Lagerung
Lernziele:
- Notfallsituationen in der Pflege schnell und systematisch einschätzen
- Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) nach aktuellem Standard korrekt durchführen
- Einen automatisierten externen Defibrillator (AED) sicher bedienen
- Einen professionellen Notruf mit allen relevanten Informationen strukturiert absetzen
- Schlaganfall- und Herzinfarktsymptome anhand bewährter Erkennungsschemata identifizieren
- Bewusstseinsgestörte Personen korrekt lagern und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes versorgen
- Wunden versorgen, Blutungen stillen und Verbände anlegen
- Vergiftungssituationen erkennen und die richtigen Sofortmaßnahmen einleiten
- Bei Atemwegsobstruktionen gezielt eingreifen und Erstickungsgefahren beheben
- Sturzereignisse als häufigsten Pflegenotfall korrekt einschätzen und absichern
- Im Team koordiniert handeln und Aufgaben klar aufteilen
- Ruhig und handlungsfähig bleiben, auch unter emotionalem Druck
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Fortbildung ist für alle konzipiert, die in einem pflegerischen oder betreuenden Umfeld arbeiten und im Notfall handlungssicher sein müssen.
- Pflegefachkräfte in stationären Einrichtungen, Krankenhäusern und ambulanten Diensten
- Altenpfleger/innen und Pflegehelfer/innen
- Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI
- Personen in der Ausbildung zu einem Pflegeberuf
- Mitarbeitende in Wohngruppen, Tages- oder Kurzzeitpflege
Zugelassen sind Personen mit Hauptschulabschluss oder einem gleichwertigen Abschluss sowie einem einwandfreien polizeilichen Führungszeugnis. Vorkenntnisse im medizinischen Bereich sind hilfreich, aber keine Pflichtvoraussetzung — der Kurs ist so aufgebaut, dass er auch für Einsteiger in Pflegeberufe verständlich ist.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet theoretische Wissensvermittlung mit einem hohen Anteil an praktischen Übungen. Konzeptionelles Verständnis (warum wird welche Maßnahme ergriffen?) und handlungsorientiertes Training (wie genau wird sie ausgeführt?) greifen dabei ineinander. Fallbesprechungen typischer Pflegenotfälle vertiefen das Gelernte und schärfen die Situationswahrnehmung. Im Vordergrund steht, dass Teilnehmende am Ende des Kurses in echten Notsituationen ruhig und strukturiert handeln können — nicht nur wissen, was zu tun wäre.
Konkrete Stunden- oder Tagesangaben hängen vom Anbieter und der gewählten Kursintensität ab. Typischerweise werden solche Notfalltrainings als ein- oder mehrtägige Kompaktkurse angeboten, die sich gut in einen bestehenden Fortbildungsplan integrieren lassen.
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die absolvierten Themenbereiche und Übungseinheiten dokumentiert. Diese kann als Nachweis im Rahmen der beruflichen Weiterbildungspflicht vorgelegt werden.
Nutzen & Perspektiven
In Pflegeeinrichtungen sind lebensbedrohliche Situationen kein seltenes Ereignis, sondern statistisch vorhersehbar. Pflegepersonal, das gezielt für solche Momente ausgebildet ist, trägt maßgeblich dazu bei, dass Betroffene die entscheidenden ersten Minuten überleben und bestmöglich versorgt werden. Diese Kompetenz ist keine Zusatzqualifikation — sie ist Teil professionellen Pflegehandelns. Darüber hinaus schützt solides Notfallwissen auch das Pflegepersonal selbst: wer weiß, was in einer Krisensituation zu tun ist, handelt sicherer, klarer und mit weniger psychischer Belastung. Die Fähigkeit, ruhig zu bleiben und strukturiert zu reagieren, entwickelt sich durch Training — genau das bietet dieser Kurs. Für Einrichtungen bedeutet gut ausgebildetes Personal in Notfallsituationen auch eine höhere Qualitätssicherung und Dokumentationsgrundlage gegenüber Aufsichtsbehörden. Die Investition in diese Fortbildung zahlt sich auf mehreren Ebenen aus — für die betreuten Menschen, das Personal und die Einrichtung insgesamt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist dieser Kurs geeignet?
Für alle, die in einem pflegerischen oder betreuenden Beruf arbeiten und im Notfall handlungssicher sein müssen: Pflegefachkräfte, Altenpfleger/innen, Betreuungskräfte und Pflegehelfer/innen.
Welche Vorkenntnisse brauche ich?
Vorkenntnisse im medizinischen Bereich sind hilfreich, aber keine Pflicht. Der Kurs setzt beim Grundverständnis an und ist auch für Einsteiger in Pflegeberufe geeignet. Vorausgesetzt wird ein Hauptschulabschluss und ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis.
Wie viel Praxis ist enthalten?
Ein wesentlicher Teil des Kurses besteht aus Hands-on-Übungen: Reanimation am Dummy, AED-Bedienung, Notruf-Simulation und Fallszenarien. Nur durch wiederholtes Üben werden Notfallabläufe so gefestigt, dass sie im echten Einsatz sicher abrufbar sind.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die absolvierten Themenbereiche dokumentiert und als Nachweis im Rahmen beruflicher Weiterbildungspflichten verwendet werden kann.
Kann dieser Kurs für die Erfüllung von Fortbildungspflichten genutzt werden?
Ja. Die Teilnahmebescheinigung kann als Nachweis für absolvierte berufliche Fortbildungsmaßnahmen vorgelegt werden. Ob und in welchem Umfang der Kurs für spezifische Nachweispflichten anerkannt wird, hängt von der jeweiligen Einrichtung und dem zuständigen Träger ab.
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