Überblick
EPLAN P8 ist die marktführende CAE-Software für die elektrotechnische Planung von Maschinen und Automatisierungsanlagen. Wer Stromlaufpläne, Klemmenpläne und Betriebsmittellisten professionell erstellen will, kommt an dieser Plattform kaum vorbei. Dieser Kurs qualifiziert Fachkräfte aus Elektrotechnik, Maschinenbau und Automatisierung dazu, mit EPLAN P8 eigenständig vollständige Projektdokumentationen zu erstellen und dabei gleichzeitig die relevanten elektrotechnischen Grundlagen zu vertiefen.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Block vermittelt die elektrotechnischen Grundlagen, die für die Projektierung von Automatisierungsanlagen unabdingbar sind. Grundstrom- und Steuerstromkreise, Schutzmechanismen und die Logik von Steuerungsstrukturen werden systematisch erarbeitet. Ohne dieses Fundament lassen sich selbst einfache Schaltpläne nicht normgerecht erstellen.
- Gleichstrom- und Wechselstromkreise: Grundgesetze und Berechnungen
- Schutzmaßnahmen in Niederspannungsanlagen (TN-, TT-, IT-System)
- Relais und Schütze: Funktion, Schaltzeichen und Anwendung in Steuerungsschaltungen
- Sicherungskonzepte und Leitungsschutz in Verteilersystemen
- Motorschutzschaltungen: Direktanlauf, Stern-Dreieck, Sanftanlauf
- Normen im Schaltschrankbau: DIN EN 61439, VDE 0100
Das zweite Modul führt in EPLAN P8 als Planungswerkzeug ein. Die Software organisiert Elektrodokumentation nicht als einzelne Zeichnungen, sondern als strukturiertes Datenbankprojekt. Lernende verstehen, wie Projekte angelegt, Teilnehmer verwaltet und Änderungen in allen Dokumenten konsistent nachgeführt werden.
- Projektstruktur in EPLAN P8: Seiten, Strukturkennzeichen, Zeichnungsnummern
- Bauteilbibliothek und Artikeldatenbank pflegen und nutzen
- Schaltplanmethodik in EPLAN: Potenzialverfolgung, Verbindungslinien, Querverweis
- Klemmenpläne automatisch aus Stromlaufplänen ableiten
- Kabellisten und Betriebsmittellisten als Fertigungsunterlagen ausgeben
- Revisionsmanagement: Änderungsnachverfolgung und Vergleichsfunktion
Das dritte Modul behandelt die Hardwarekonfiguration von SIMATIC S7-Steuerungen im Planungskontext. Automatisierungsanlagen bestehen aus Steuereinheiten, dezentraler Peripherie und Netzwerkkommunikation. Das korrekte Erfassen dieser Komponenten in EPLAN P8 ist Voraussetzung dafür, dass Stromlaufplan, Klemmenplan und E/A-Liste konsistent sind.
- SIMATIC S7-300/400 und S7-1200/1500: Aufbau und Baugruppen
- Dezentrale Peripherie (ET200) und PROFIBUS/PROFINET-Integration in EPLAN
- Darstellung von E/A-Adressen und Signalflüssen im Schaltplan
- Ablage von SPS-Konfigurationsdaten in der EPLAN-Projektstruktur
- Schnittstelle zwischen Elektroplanung und TIA-Portal-Konfiguration
- Dokumentation von Sicherheitsfunktionen und Safety-Baugruppen
Der Praxisblock verbindet alle Teilgebiete in einem projektbasierten Lernformat. Teilnehmende erstellen unter Anleitung eine vollständige Elektrodokumentation für eine reale Automatisierungsaufgabe. Dabei werden typische Herausforderungen aus dem Projektalltag bearbeitet.
- Pneumatische und elektropneumatische Schaltungen zeichnen und dokumentieren
- Aufbau eines kompletten Schaltschrankprojekts in EPLAN P8
- Makros und Symbolbibliotheken für wiederkehrende Schaltungselemente erstellen
- Fehlersuche in bestehenden Schaltplänen mit EPLAN-Werkzeugen
- Normgerechte Benennung und Kennzeichnung von Betriebsmitteln
- Übergabe der Dokumentation an Fertigung und Inbetriebnahme
- Schnittstellen zu EPLAN-Zusatzprodukten (Pro Panel, Smart Wiring)
- Formatvorlagen und Titelblöcke nach Unternehmensstandards einrichten
- Exportformate für Einkauf, Fertigung und Archiv
- Projektverwaltung und Versionierung im Teamumfeld
- Praxisübungen zu realen Maschinentypen: Förderanlagen, Abfüll- und Bearbeitungsmaschinen
- Qualitätssicherung in der Elektrodokumentation: Konsistenzprüfungen und Design Rule Check
Abschließend werden gängige Fehlerbilder aus der Praxis diskutiert. Inkonsistenzen zwischen Stromlaufplan und Betriebsmittelliste, fehlende Kreuzverweise oder nicht genormte Symbole sind Alltagsprobleme, die mit den erlernten EPLAN-Werkzeugen systematisch gelöst werden. Ein eigenständiger Abschnitt beleuchtet die Integration von EPLAN P8 in den betrieblichen Engineering-Prozess. Moderne Anlagenprojekte entstehen nicht isoliert: Schaltpläne müssen mit Daten aus ERP-Systemen, mit SPS-Konfigurationen aus TIA Portal und mit mechanischen Konstruktionsdaten aus CAD-Systemen zusammenspielen. Lernende verstehen, wie EPLAN P8 in solche Prozesse eingebettet wird, wo Datenaustausch stattfindet und welche Formate und Schnittstellen dabei relevant sind — darunter CSV-Export für Stücklisten, XML-basierte Schnittstellenformate und die EPLAN-API für automatisierte Generierungsprozesse. Ein weiterer Aspekt ist die Normenkunde im internationalen Kontext. Wer Schaltpläne für Maschinen und Anlagen erstellt, die in verschiedene Länder exportiert werden, muss mit unterschiedlichen Normenrahmen umgehen. IEC 60617 definiert Schaltzeichen für internationale Projekte, während NEMA-Normen in Nordamerika gelten. EPLAN P8 unterstützt beide Welten — Lernende erfahren, wie Normensätze gewechselt und Projekte für unterschiedliche Zielmärkte konfiguriert werden.
Lernziele:
- Die EPLAN P8-Oberfläche sicher bedienen und projektorientiert nutzen
- Stromlaufpläne nach geltenden Normen korrekt erstellen
- Hardwarekonfiguration von SIMATIC-S7-Steuerungen in EPLAN P8 abbilden
- Klemmenpläne, Kabellisten und Betriebsmittellisten erzeugen und auswerten
- Grundlagen der Elektrotechnik auf Praxisaufgaben anwenden
- Relais- und Schützschaltungen zeichnerisch darstellen
- Pneumatische und elektropneumatische Schaltungen dokumentieren
- Sicherheits- und Schutzschaltungen normgerecht planen
- Steuerungsstrukturen für Automatisierungsanlagen in einem CAE-System erfassen
- Projektvorlagen und Makros in EPLAN P8 effizient nutzen
- Exportfunktionen für Engineering-Daten und Übergabe an Fertigung und Inbetriebnahme verstehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich gezielt an technische Fachkräfte, die Elektrodokumentationen erstellen oder Automatisierungsanlagen planen und dabei professionelle CAE-Werkzeuge einsetzen wollen.
- Ingenieurinnen und Ingenieure aus Elektrotechnik, Maschinen- und Anlagenbau
- Techniker und Meister aus elektrotechnischen Berufen
- Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit steuerungstechnischer Berufspraxis
- SPS-Programmierer, die ihre Planungskompetenz um die Hardwaresicht erweitern wollen
- CAD-Zeichner aus dem Elektrobereich, die auf ein professionelles CAE-System umsteigen möchten
Vorausgesetzt werden ein technischer oder elektrotechnischer Hochschulabschluss, alternativ eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem einschlägigen elektrotechnischen oder technischen Beruf sowie steuerungstechnische Berufspraxis. Fundierte Kenntnisse in Elektrotechnik und sicherer Umgang mit dem PC sind notwendig. Vorkenntnisse in EPLAN oder anderer CAE-Software sind von Vorteil, aber keine Pflicht.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist stark praxisorientiert. Theoriephasen werden direkt mit Übungsaufgaben an der EPLAN-P8-Software verknüpft. Lernende arbeiten an realen Schaltplanprojekten und erhalten gezieltes Feedback. Synchrone Unterrichtseinheiten ermöglichen interaktives Arbeiten an Schaltplänen; ergänzende Lerneinheiten unterstützen die vertiefte Auseinandersetzung mit Teilbereichen wie Normenkunde oder SPS-Hardwarekonfiguration.
Die Weiterbildung ist als Vollzeitkurs über mehrere Wochen konzipiert. Der genaue Zeitrahmen hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Auf dem deutschen Markt existieren rund 120 Angebote, die Präsenz-, Online- und Blended-Formate umfassen.
Nach erfolgreichem Abschluss stellt der Bildungsträger ein trägerinternes Zertifikat sowie eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung aus. Diese bestätigen die Qualifikation als Elektroprojektant/in mit EPLAN-P8-Kompetenz im Bereich Automatisierungsanlagen. Es handelt sich nicht um eine herstellerspezifische EPLAN-Zertifizierung, sondern um eine durch den Träger ausgestellte Kompetenzbestätigung.
Nutzen & Perspektiven
EPLAN P8 ist in der deutschen Fertigungsindustrie, im Maschinenbau und in der Anlagenplanung der de-facto-Standard für elektrotechnische Projektdokumentation. Wer dieses Werkzeug sicher beherrscht, kann in Ingenieurbüros, bei Automatisierungsunternehmen, in der Fertigungsindustrie und im Anlagenbau direkt produktiv eingesetzt werden. Die Nachfrage nach Fachkräften mit EPLAN-Kompetenz übersteigt das Angebot — ein Wettbewerbsvorteil, der sich direkt in Bewerbungsgesprächen und Gehaltsverhandlungen auswirkt. Der Kurs verzahnt Elektrotechnik-Grundlagen mit konkreter Softwarepraxis, was ihn besonders für Personen wertvoll macht, die bislang nur in einem der beiden Bereiche tätig waren. SPS-Programmierer erweitern ihr Profil um die Hardwareplanung; CAD-Elektroplaner steigen auf ein normgerechtes CAE-System um, das automatisch konsistente Fertigungsunterlagen erzeugt. Für Unternehmen schafft qualifiziertes EPLAN-Personal die Grundlage für durchgängiges Engineering: Von der ersten Schaltplanskizze bis zur Stückliste für die Beschaffung und zur Inbetriebnahmedokumentation entsteht ein konsistenter, fehlerarmer Datenfluss. Wer diesen Prozess versteht und steuern kann, ist im modernen Maschinen- und Anlagenbau eine besonders gesuchte Fachkraft.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist EPLAN P8 und warum ist es wichtig?
EPLAN P8 ist eine professionelle CAE-Software für die Elektrotechnik und Automatisierung. Sie ermöglicht die normgerechte Erstellung von Stromlaufplänen, Klemmenplänen und Betriebsmittellisten in einem datenbankbasierten Projekt. In der deutschen Fertigungsindustrie und im Maschinenbau ist EPLAN P8 weit verbreitet.
Welche Vorkenntnisse werden benötigt?
Vorausgesetzt werden ein technischer oder elektrotechnischer Abschluss oder eine einschlägige Berufsausbildung sowie Berufspraxis in der Steuerungstechnik. Solide Elektrotechnik- und PC-Kenntnisse sind notwendig. EPLAN-Erfahrung ist hilfreich, aber nicht vorausgesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen CAD und EPLAN P8?
CAD-Systeme erstellen Zeichnungen als grafische Objekte. EPLAN P8 ist ein CAE-System, das Elektrokomponenten als Datenobjekte mit Attributen, Querverweisen und Stücklisten verwaltet. Änderungen an einem Bauteil aktualisieren automatisch alle abhängigen Dokumente — das ist der wesentliche Vorteil gegenüber reinen Zeichenwerkzeugen.
Werden im Kurs auch SPS-Grundlagen vermittelt?
Der Kurs behandelt die Hardwarekonfiguration von SIMATIC-S7-Steuerungen im Kontext der Elektroplanung — also die dokumentarische Abbildung von E/A-Karten, Peripherie und Netzwerkkonfiguration in EPLAN P8. SPS-Programmierung in Codesprachen ist nicht Gegenstand dieses Kurses.
Welches Zertifikat erhalte ich?
Nach Abschluss stellt der Bildungsträger ein trägerinternes Zertifikat als Elektroprojektant/in EPLAN P8 aus sowie eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Es handelt sich nicht um eine herstellerspezifische EPLAN-Prüfung, sondern um eine trägerausgestellte Qualifikationsbestätigung.
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