Überblick
Pneumatik und Hydraulik sind in der modernen Fertigungs-, Automatisierungs- und Versorgungstechnik allgegenwärtig. Ob in der Fahrzeugproduktion, im Maschinenbau, in der Prozesstechnik oder im Anlagenbau — Fachkräfte, die fluidtechnische Systeme verstehen, warten und anpassen können, werden in vielen technischen Berufsfeldern dringend gesucht. Diese Weiterbildung vermittelt die grundlegenden Kenntnisse und Kompetenzen in den Bereichen Pneumatik, Elektropneumatik, Hydraulik, Elektrohydraulik und Gastechnik. Sie schafft damit eine solide fachliche Basis, die als Einstieg in die Fluidmechanik dient und zugleich als Voraussetzung für weiterführende Qualifikationen in der Steuerungs- und Regelungstechnik genutzt werden kann. Wer die Grundlagen beherrscht, kann in Arbeitsbereichen tätig werden, in denen Fachkräfte rar sind.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der Pneumatik Das erste Modul legt das Fundament für alle weiteren Inhalte. Teilnehmende lernen, wie Druckluft erzeugt, aufbereitet und in mechanische Bewegung umgewandelt wird, und machen sich mit den wichtigsten Bauteilen und Schaltungskonzepten vertraut.
- Physikalische Grundlagen der Pneumatik: Druckerzeugung und -übertragung
- Hauptkomponenten: Kompressor, Wartungseinheit, Ventile, Zylinder
- Symbole und Schaltzeichen in Pneumatikschaltplänen
- Grundlegende Steuerketten: direkte und indirekte Steuerung
- Sicherheitsanforderungen im Umgang mit Druckluftsystemen
- Anwendungsgebiete der Pneumatik in der industriellen Produktion
Elektropneumatik Das zweite Modul erweitert das Pneumatikwissen um die elektrische Steuerungsebene. Teilnehmende verstehen, wie Sensoren, Aktoren und elektrische Steuerungen in pneumatische Abläufe eingebunden werden, und lernen grundlegende elektropneumatische Schaltungskonzepte kennen.
- Aufbau elektropneumatischer Steuerketten
- Elektrische Sensoren und ihre Funktion in der Pneumatik
- Magnetventile und deren Ansteuerung
- Schaltungsbeispiele mit Endlagenschaltern und Pneumatikzylindern
- Grundlagen der SPS-Anbindung in elektropneumatischen Systemen
- Fehlersuche in elektropneumatischen Steuerungen
Hydraulik und Elektrohydraulik Die Hydraulik ist dort überzeugend, wo große Kräfte auf engem Raum übertragen werden müssen. In diesem Modul lernen Teilnehmende die Besonderheiten hydraulischer Systeme kennen und verstehen, wie elektrische Steuerungen und hydraulische Antriebe in der Elektrohydraulik kombiniert werden.
- Physikalische Grundlagen der Hydraulik: Pascal'sches Gesetz und Druckübertragung
- Hauptkomponenten hydraulischer Systeme: Pumpe, Ventile, Zylinder, Speicher
- Schaltpläne und Symbole in der Hydraulik
- Elektrohydraulische Systeme: Zusammenspiel von Steuerung und Antrieb
- Proportionalventile und Servoventile als Bindeglied zwischen Elektrik und Hydraulik
- Typische Anwendungen der Hydraulik: Pressen, Hebebühnen, Schweißmaschinen
Gastechnik Das vierte Modul behandelt die Grundlagen der Gastechnik, die in technischen Versorgungsanlagen, in der chemischen Industrie und in der Fertigungstechnik eine wichtige Rolle spielt. Teilnehmende lernen die relevanten Gesetzmäßigkeiten, Anlagenkomponenten und Sicherheitsanforderungen kennen.
- Eigenschaften technischer Gase und Gasgemische
- Grundlagen der Gasströmung und Druckregelung
- Komponenten von Gasversorgungsanlagen
- Sicherheitsvorschriften im Umgang mit technischen Gasen
- Anwendungsgebiete der Gastechnik in Industrie und Handwerk
- Abgrenzung Gastechnik und Pneumatik
In der begleitenden Praxisphase werden alle Module durch konkrete Aufgaben vertieft, darunter
- Lesen und Interpretieren eines Pneumatikschaltplans anhand eines realen Anwendungsbeispiels
- Identifikation und Benennung von Pneumatikkomponenten in einem technischen Systemaufbau
- Analyse eines elektropneumatischen Schaltungsbeispiels mit Magnetventil und Endlagensensoren
- Beschreibung eines Fehlerbilds in einer pneumatischen Steuerung und Ableitung von Diagnoseschritten
- Lesen eines hydraulischen Schaltplans und Zuordnung der Symbole zu realen Bauteilen
- Vergleich von Pneumatik und Hydraulik anhand konkreter technischer Anforderungen
- Berechnung einfacher Druck-Kraft-Beziehungen in hydraulischen Systemen
- Einordnung eines Anwendungsbeispiels aus der Praxis in das passende Fluidtechnik-Teilgebiet
- Beschreibung der Sicherheitsanforderungen für den Umgang mit Hydrauliköl und Druckluft
- Erstellung eines einfachen Wartungsplans für ein pneumatisches Bauteil
- Übung zur Fachbegriffskunde: korrekte Verwendung von Fluidmechanik-Terminologie
- Reflexion: Welche weiterführenden Qualifikationen in Steuerungs- und Regelungstechnik bauen auf diesem Kurs auf?
Die Weiterbildung ist so aufgebaut, dass Teilnehmende ohne technische Vorerfahrung einen soliden Einstieg in die Fluidmechanik erhalten. Gleichzeitig bereitet der Kurs auf weiterführende Qualifikationen in der Steuerungs-, Automatisierungs- und Regelungstechnik vor, die direkt auf den Grundlagenkenntnissen aufbauen. Der Fachkräftemangel im technisch-gewerblichen Bereich ist in Deutschland ausgeprägt. Wer eine solide Grundlage in Pneumatik und Hydraulik mitbringt, eröffnet sich Chancen in der Instandhaltung, im Maschinenbau, in der Automatisierungstechnik und in der Fertigungsindustrie — Branchen, die verlässlich ausbilden und langfristige Beschäftigungsperspektiven bieten.
Lernziele:
- Sie verstehen die physikalischen Grundprinzipien der Fluidmechanik und können diese auf pneumatische und hydraulische Systeme anwenden
- Sie erklären den Aufbau und die Funktionsweise von Pneumatiksystemen und identifizieren deren Hauptkomponenten
- Sie lesen und interpretieren Schaltpläne für pneumatische Steuerungen und ordnen Symbole korrekt zu
- Sie kennen die Grundlagen der Elektropneumatik und beschreiben das Zusammenspiel von elektrischer Steuerung und druckluftbetriebenen Aktuatoren
- Sie verstehen hydraulische Systeme und erläutern die Unterschiede zur Pneumatik hinsichtlich Druckniveaus, Medien und Anwendungsbereichen
- Sie kennen den Aufbau und die Wirkungsweise elektrohydraulischer Schaltungen und beschreiben typische Anwendungsszenarien
- Sie verstehen die Grundlagen der Gastechnik und können deren Relevanz für technische Versorgungssysteme einordnen
- Sie erkennen typische Fehlerbilder in fluidtechnischen Systemen und leiten systematische Diagnosevorgehensweisen ab
- Sie kennen die relevanten Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Druckluft- und Hydrauliksystemen
- Sie sind in der Lage, einfache Wartungs- und Instandhaltungsaufgaben an pneumatischen und hydraulischen Systemen vorzubereiten
- Sie kennen die Weiterentwicklungsmöglichkeiten in der Steuerungs- und Regelungstechnik, die auf diesem Grundlagenkurs aufbauen
- Sie können Fachbegriffe aus der Fluidmechanik sicher anwenden und in technischen Gesprächen verwenden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die im technisch-gewerblichen Bereich arbeiten möchten oder bereits tätig sind und ihre Kenntnisse in der Fluidmechanik systematisch aufbauen möchten. Angesprochen sind sowohl Berufseinsteiger als auch erfahrene Fachkräfte, die sich neue Kompetenzfelder erschließen wollen.
- Mechatroniker und Industriemechaniker, die Pneumatik- und Hydraulikkenntnisse vertiefen möchten
- Fachkräfte in der Instandhaltung, die fluidtechnische Systeme selbst diagnostizieren und warten wollen
- Technische Quereinsteiger, die systematisch in die Fluidmechanik einsteigen möchten
- Automatisierungsfachkräfte, die ihre Grundlagenkenntnisse in Pneumatik und Hydraulik ergänzen
- Personen, die eine weiterführende Qualifikation in Steuerungs- und Regelungstechnik anstreben
Für die Teilnahme werden grundlegende PC-Kenntnisse sowie Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 vorausgesetzt. Technische Vorkenntnisse in Fluidmechanik, Pneumatik oder Hydraulik sind nicht erforderlich, da der Kurs als Einstiegskurs konzipiert ist. Grundlegendes technisches Interesse und Bereitschaft zur eigenständigen Bearbeitung von Lernmaterialien erleichtern den Kurseinstieg erheblich.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung wird im Combined-Learning-Format angeboten und verbindet Präsenzunterricht mit digitalen Lernphasen. Im Unterricht wechseln Lehrvorträge, technische Demonstrationen und schematische Schaltungsanalysen miteinander ab, um sowohl theoretisches Verständnis als auch praktisches Denken in technischen Systemen zu fördern. Der Vollzeitunterricht ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten in überschaubarem Zeitrahmen.
Die Weiterbildung hat eine Laufzeit von mehr als einer Woche bis zu einem Monat und wird im Vollzeitmodus durchgeführt. Dieser kompakte Zeitrahmen erlaubt eine strukturierte und fokussierte Einarbeitung in alle vier Themenbereiche der Fluidmechanik. Der genaue Stundenplan variiert je nach durchführendem Bildungsträger.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieser Nachweis dokumentiert die erworbenen Grundlagenkenntnisse in Pneumatik, Elektropneumatik, Hydraulik, Elektrohydraulik und Gastechnik. Der Kurs bereitet explizit auf weiterführende Qualifikationen in der Steuerungs- und Regelungstechnik vor, schließt selbst jedoch keine externe Prüfung oder staatlich anerkannten Abschluss ein.
Nutzen & Perspektiven
Fluidtechnische Systeme sind in deutschen Produktionsbetrieben, Wartungswerkstätten und Anlagenbaubetrieben allgegenwärtig. Wer Pneumatik und Hydraulik grundlegend versteht, kann Fehler schneller diagnostizieren, mit Technikern und Ingenieuren kompetent kommunizieren und eigenverantwortlicher in technischen Umgebungen arbeiten. Diese Grundlagenkompetenz öffnet Türen in Branchen, die strukturell gut gegen Konjunkturzyklus-Risiken aufgestellt sind — darunter Automobil-Zulieferer, Maschinenbau, Chemieindustrie und Energietechnik. Der Kurs ist ausdrücklich als Sprungbrett in weiterführende Qualifikationen konzipiert. Wer nach dem Grundkurs Interesse an Steuerungs- und Regelungstechnik, SPS-Programmierung oder mechatronischen Systemen entwickelt, findet im Bildungsangebot zahlreicher AZAV-zertifizierter Träger passende Aufbaukurse. Damit ist die Weiterbildung nicht nur ein Wissensgewinn für sich, sondern ein strategischer Schritt auf dem Weg zu einer breiteren technischen Qualifikation. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben, die Berufsförderung der Bundeswehr sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung können je nach persönlicher Situation in Betracht kommen. Eine Beratung beim jeweiligen Bildungsträger hilft, den geeigneten Förderweg zu identifizieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich technische Vorkenntnisse mitbringen?
Nein, der Kurs ist als Einstiegskurs konzipiert und setzt keine Vorkenntnisse in Fluidmechanik voraus. Grundlegendes technisches Interesse und PC-Kenntnisse erleichtern den Einstieg, sind aber das einzige fachliche Voraussetzungsniveau. Deutschkenntnisse auf B2-Niveau werden benötigt, da der Unterricht auf Deutsch stattfindet.
Was ist der Unterschied zwischen Pneumatik und Hydraulik?
Pneumatik nutzt Druckluft als Arbeitsmedium und eignet sich besonders für leichte bis mittlere Lasten sowie saubere Umgebungen. Hydraulik verwendet Flüssigkeiten (in der Regel Öl) und kann wesentlich größere Kräfte übertragen, zum Beispiel in Pressen oder Hebebühnen. Beide Systeme werden im Kurs behandelt und miteinander verglichen, damit Teilnehmende für den jeweils richtigen Einsatz das nötige Urteilsvermögen entwickeln.
Für welche Branchen ist dieser Grundkurs relevant?
Pneumatik und Hydraulik kommen in einer Vielzahl von Branchen zum Einsatz: Maschinenbau, Fahrzeugproduktion, Automatisierungstechnik, Anlagenbau, Chemieindustrie und Energietechnik sind nur einige Beispiele. Der Kurs schafft eine Grundlage, die direkt in Instandhaltung, Montage und Wartung eingesetzt werden kann.
Bereitet der Kurs auf weiterführende Qualifikationen vor?
Ja, das ist eines der zentralen Ziele. Die Weiterbildung vermittelt die Grundlagenkenntnisse, die für weiterführende Qualifikationen in Steuerungs- und Regelungstechnik, SPS-Programmierung oder Mechatronik benötigt werden. Viele Bildungsträger bieten passende Aufbaukurse an, die direkt auf diesem Grundkurs aufbauen.
Kann ich die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist eine Förderung über den Bildungsgutschein möglich. Darüber hinaus kommen je nach Situation das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation, die Berufsförderung der Bundeswehr oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Der Bildungsträger berät individuell zum geeigneten Förderweg.
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Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Fachkraft für Mechatronik89.909 Stellen
- Mechatroniker/in51.742 Stellen
- Industriemechaniker/in28.618 Stellen
- Industriemeister/Industriemeisterin - allgemein15.752 Stellen
- Techniker/in für Automatisierungstechnik8.292 Stellen
- Automatisierungstechnik (grundständig)1.122 Stellen