Überblick
Inventor Advanced richtet sich an Konstrukteure, die Autodesk Inventor im täglichen Einsatz bereits sicher beherrschen und ihre Kenntnisse auf spezialisierte Konstruktionsdisziplinen ausweiten wollen. Der Kurs behandelt drei Kernbereiche, die in der industriellen Praxis besonders gefragt sind: Blechkonstruktion mit Abwicklung und Kantplanung, komplexe Baugruppenmethoden wie Schweißkonstruktionen und Top-down-Design sowie die regelbasierte Modellautomatisierung mit iLogic. Ergänzt wird das Programm durch eine Einführung in die Rohrleitung- und Schlauchleitungsplanung mit Autodesk Inventor Professional. Teilnehmende verlassen den Kurs mit einem Kompetenzprofil, das sie für anspruchsvolle Konstruktionsaufgaben in Maschinen-, Anlagen- und Blechverarbeitungsbetrieben qualifiziert.
Kursinhalte & Lernziele
Blechkonstruktion und Abwicklung Blechteile stellen in Inventor einen eigenen Modellierungsmodus dar, der sich deutlich von der Volumenmodellierung unterscheidet. Teilnehmende lernen alle relevanten Werkzeuge kennen: von der Grundplatte über Biegungen und Falze bis zur vollständigen Abwicklung für die Kantmaschine. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Materialparametern und Biegekonfigurationen, da diese direkt die Fertigungszeichnung beeinflussen.
- Blechteil-Umgebung aktivieren und Materialparameter konfigurieren
- Grundplatten, Flansche und Biegungen nach Fertigungsanforderungen erzeugen
- Biegezugaben, k-Faktor und Biegungsdatenbank einstellen
- Lochausschnitte, Prägungen und Sicken als Blechfeatures anlegen
- Abwicklung erstellen und als DXF für Laserschnitt oder Stanzung exportieren
- Fertigungszeichnung aus Blechbauteil ableiten (Vorderansicht und Abwicklung kombinieren)
Schweißbaugruppen und Top-down-Konstruktion Schweißkonstruktionen erfordern in Inventor eine eigene Baugruppenstruktur, die Schweißnähte, Bearbeitungen nach dem Schweißen und eine normgerechte Dokumentation umfasst. Top-down-Methoden mit Skelettmodellen ermöglichen es, Geometrieänderungen zentral zu steuern und auf alle Komponenten einer Baugruppe zu propagieren — ein erheblicher Vorteil bei vielgliedrigen Konstruktionen.
- Schweißbaugruppe anlegen, Nahtarten und Nahtgeometrien definieren
- Bearbeitungsvorgänge nach dem Schweißen (Fräsen, Bohren) modellieren
- Stücklisten und Schweißzeichnungen mit Nahtbezeichnungen erstellen
- Skelettmodell für Top-down-Konstruktion aufbauen und ableiten
- Geometrie aus übergeordnetem Modell in Einzelbauteile projizieren
- Baugruppenstruktur bei Konstruktionsänderungen automatisch aktualisieren
iLogic und Automatisierung iLogic ist das integrierte Regelwerk in Inventor, mit dem sich parametrische Entscheidungen automatisieren lassen. Ohne tiefe Programmierkenntnisse können Konstrukteure Formeln, Bedingungen und Benutzereingaben verknüpfen, sodass komplexe Konstruktionsfamilien über einfache Eingabeformulare gesteuert werden. In diesem Block lernen Teilnehmende, typische Variantenkonstruktionen zu automatisieren.
- Regelassistent und VBA-Syntax in iLogic kennenlernen
- Parameter auslesen, setzen und Bedingungen formulieren
- iLogic-Formulare für Benutzereingaben gestalten
- Regelauslöser konfigurieren (Parameterwechsel, Dateispeichern)
- Automatisierte Variantenreihen (z. B. Gehäusegrößen) realisieren
- iLogic mit Inhaltscenter-Normteilen kombinieren
Rohrleitungsplanung und Praxisübungen In Inventor Professional steht das Rohr-und-Schlauch-Modul zur Verfügung, mit dem dreidimensionale Rohrverläufe entlang definierter Routen erzeugt werden. Der Block schließt mit einem umfassenden Praxisteil, in dem Teilnehmende eine komplexe Baugruppe eigenständig bearbeiten.
- Routen für starre Rohrleitungen und flexible Schläuche definieren
- Verbindungspunkte und Fitting-Bibliotheken einsetzen
- Rohrleitung in Baugruppenzeichnung dokumentieren und bemaßen
- Explosionszeichnung einer Schweißbaugruppe erstellen und animieren
- Vollständige Baugruppe mit iLogic-Regeln, Blechteilen und Normteilen assemblieren
- Fertigungszeichnung mit Stückliste, Schweißnahtbezeichnungen und Positionsnummern erzeugen
- Vereinfachungsdarstellungen für performante Arbeit mit großen Baugruppen einrichten
- Baugruppen-Stückliste strukturiert als Excel oder CSV exportieren
Große Baugruppen in Inventor können ohne gezielte Performanzmaßnahmen die Arbeitsgeschwindigkeit stark beeinträchtigen. Der Kurs zeigt, wie Positionsdarstellungen, Envelopes und Level-of-Detail-Konfigurationen eingesetzt werden, um auch vielgliedrige Konstruktionen flüssig zu bearbeiten. Dieses Wissen ist insbesondere für Anlagenbauer relevant, deren Modelle hunderte von Komponenten enthalten. Teilnehmende sind nach dem Kurs in der Lage, solche Baugruppen eigenverantwortlich zu strukturieren und zu pflegen.
Lernziele:
- Blechteile in Inventor parametrisch konstruieren und als Abwicklung ausgeben
- Biegezugaben und Blechdickenkompensationen korrekt konfigurieren
- Schweißkonstruktionen als eigenen Baugruppentyp aufbauen und dokumentieren
- Top-down-Konstruktionsmethoden mit Skelettmodellen einsetzen
- Inhaltscenter-Bauteile (Normteile, Kaufteile) in Baugruppen einfügen und verwalten
- Explosionszeichnungen und Montageanweisungen in Inventor Studio erstellen
- iLogic-Regeln schreiben und auf Modellparameter anwenden
- Automatisierte Variantengenerierung über iLogic-Formulare einrichten
- Rohr- und Schlauchleitungen mit Route-Funktionen verlegen
- Stücklisten aus komplexen Baugruppen ableiten und für die Fertigung aufbereiten
- Komplexe Baugruppen mit Vereinfachungsdarstellungen und Positionsdarstellungen performant verwalten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs wendet sich an fortgeschrittene Inventor-Anwender aus technischen Berufsfeldern. Die folgenden Berufsbilder profitieren am meisten von diesem Vertiefungsprogramm.
- Konstrukteure und technische Produktdesigner mit Inventor-Erfahrung auf Grundniveau
- Maschinenbauingenieure in Blechverarbeitungs- oder Anlagenbaubetrieben
- CAD-Fachkräfte, die iLogic-Automatisierung in ihre Konstruktionsabläufe integrieren wollen
- Arbeitsvorbereiter und Fertigungsplaner, die CAD/CAM-Schnittstellen verstehen müssen
- Ingenieure, die Rohrleitung und Schlauchleitungsplanung in Inventor Professional einsetzen
Solide Grundkenntnisse in Autodesk Inventor sind Voraussetzung; idealerweise wurden Grundlagen in einem vorangegangenen Inventor-Kurs oder in der beruflichen Praxis erworben. Ein Studium oder mehrjährige Berufserfahrung in Konstruktion oder Entwicklung sind empfehlenswert. PC-Kenntnisse auf Anwenderniveau sowie ein Grundverständnis technischer Zeichnungen und Fertigungsprozesse werden erwartet.
Ablauf & Abschluss
Die Schulung kombiniert Lehrdemonstrationen am Bildschirm mit umfangreichen Eigenübungen. Dozenten aus der Ingenieurpraxis zeigen zunächst den Arbeitsablauf für jeden Themenblock; Teilnehmende setzen die Schritte sofort an einer eigenen Inventor-Station um. Die Übungsunterlagen basieren auf praxisnahen Szenarien aus Maschinenbau und Blechverarbeitung. In kleineren Lerngruppen können Fragen direkt und individuell beantwortet werden, sodass auch spezifische betriebliche Anforderungen in die Diskussion einfließen können.
Inventor Advanced umfasst üblicherweise vier bis fünf intensive Schulungstage. Die genaue Dauer variiert je nach Anbieter und Programmtiefe. Während des gesamten Kurses stehen Autodesk Inventor Professional-Lizenzen zur Verfügung; eine eigene Softwarelizenz ist nicht erforderlich.
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten Kursteilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsanbieters. Diese bescheinigt die erworbenen Kompetenzen in Blechkonstruktion, Schweißbaugruppen, iLogic und Rohrleitungsplanung. Eine externe Autodesk Certified Professional-Prüfung ist nicht Bestandteil dieses Kurses, kann aber als separater Prüfungsweg im Anschluss abgelegt werden.
Nutzen & Perspektiven
Blechkonstruktion, Schweißbaugruppen und iLogic-Automatisierung sind in der täglichen Konstruktionsarbeit oft die entscheidenden Kompetenzfelder, an denen sich fortgeschrittene von durchschnittlichen Inventor-Anwendern unterscheiden. Wer Abwicklungen fertigungsgerecht erstellt und Biegeparameter korrekt konfiguriert, liefert der Kantmaschine direkt verwendbare DXF-Daten — ohne manuelle Nacharbeit und ohne Rückfragen aus der Fertigung. iLogic-Regeln verändern die Produktivität in Unternehmen mit ausgeprägten Variantenprodukten grundlegend. Konstruktionsfamilien, die früher durch wiederholtes manuelles Abändern entstanden, lassen sich mit einem iLogic-Formular auf Knopfdruck ableiten. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch Fehler durch inkonsistente Parametersätze in parallel gepflegten Dateien. Rohrleitungsplanung in 3D ist eine Anforderung, die im Anlagen- und Sondermaschinenbau zunehmend Standard wird. Wer Routen, Fittings und Verbindungspunkte in Inventor professionell einsetzt, integriert Konstruktion und Planung in einem einzigen Modell — eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem nachträglichen Einzeichnen von Rohrverläufen in 2D-Plänen. Mit diesem Kompetenzprofil sind Absolventen für Stellen vorbereitet, die tiefe Inventor-Kenntnisse über das Grundniveau hinaus voraussetzen. Besonders in Betrieben, die bereits auf Inventor als Unternehmensstandard gesetzt haben, erleichtert die erweiterte Kompetenz den Aufstieg in anspruchsvollere Konstruktionsrollen erheblich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet Inventor Advanced vom Grundkurs?
Der Grundkurs deckt die grundlegende Bedienung, Skizzieren, Bauteil- und einfache Baugruppenmodellierung ab. Inventor Advanced setzt genau dort an und behandelt spezialisierte Disziplinen: Blechkonstruktion mit Abwicklung, Schweißbaugruppen, iLogic-Regelautomatisierung und Rohrleitungsplanung. Diese Themen sind in der industriellen Praxis gefragt, werden aber selten im Grundkurs vermittelt.
Brauche ich für iLogic Programmierkenntnisse?
Grundlegende iLogic-Regeln lassen sich ohne Programmierhintergrund erstellen — der Regelassistent in Inventor führt durch die Syntaxstruktur. Teilnehmende lernen im Kurs, Parameter auszulesen, Bedingungen zu formulieren und einfache Formulare zu gestalten. Für sehr komplexe Automatisierungen sind VBA-Kenntnisse hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.
Wird Inventor Professional oder die Standard-Version benötigt?
Für den Block Rohrleitungsplanung wird Inventor Professional benötigt, da das Rohr-und-Schlauch-Modul nur in dieser Version enthalten ist. Alle anderen Themen des Kurses — Blech, Schweißbaugruppen, iLogic — laufen auch in Inventor Standard. Die Lizenzen werden während des Kurses vom Bildungsanbieter gestellt.
Welches Zertifikat kann ich nach dem Kurs erwerben?
Nach dem Kurs erhalten Teilnehmende eine trägerinterne Teilnahmebescheinigung. Eine externe Autodesk Certified Professional (ACP)-Prüfung kann separat und unabhängig vom Kurs bei einem Autodesk Authorized Test Center abgelegt werden. Der Kursinhalt bietet eine gute inhaltliche Vorbereitung auf diese Prüfung, ohne sie formell zu beinhalten.
Eignet sich der Kurs für Anlagenbauer mit sehr großen Baugruppen?
Ja. Ein eigener Abschnitt behandelt Performanzstrategien für große Baugruppen: Positionsdarstellungen, Vereinfachungsdarstellungen (Envelopes) und Level-of-Detail-Konfigurationen. Gerade für Anlagenbauer mit mehreren hundert Komponenten pro Modell sind diese Techniken essenziell, um die Arbeit flüssig zu halten.
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