Überblick
Kinder und Jugendliche mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) gehören in vielen Schulen, Kindertagesstätten und Horteinrichtungen längst zum Alltag. Dennoch fühlen sich zahlreiche pädagogische Fachkräfte im Umgang mit betroffenen Kindern unsicher oder unzureichend vorbereitet. Diese Weiterbildung vermittelt ein fundiertes, praxisnahes Handwerkszeug, das Erzieherinnen und Erzieher, Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter, Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger sowie andere pädagogische Fachkräfte befähigt, Kinder mit ADHS kompetent, einfühlsam und wirkungsvoll zu begleiten. Der Kurs verbindet theoretisches Wissen über das Krankheitsbild mit konkreten Strategien für den pädagogischen Alltag — und stärkt dabei auch die Selbstfürsorge der Teilnehmenden.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul führt in das Krankheitsbild ADHS ein und schafft eine solide theoretische Grundlage. Teilnehmende lernen, was ADHS tatsächlich bedeutet, welche neurobiologischen Hintergründe bekannt sind und wie sich die Störung im Kindes- und Jugendalter zeigt. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Verhaltensauffälligkeiten herausgearbeitet, sodass Fehleinschätzungen im Alltag vermieden werden können.
- Definition und historische Entwicklung des Begriffs ADHS
- Neurobiologische Grundlagen und aktuelle Forschungslage
- Erscheinungsformen: hyperaktiver, unaufmerksamer und kombinierter Typ
- Prävalenzzahlen und gesellschaftliche Einordnung
- Abgrenzung zu Trotz, Unlust oder anderen Entwicklungsstörungen
- Auswirkungen auf schulische Leistungen und soziale Beziehungen
Das zweite Modul widmet sich Diagnostik und Therapie und gibt pädagogischen Fachkräften einen Einblick in das diagnostische Vorgehen, ohne dass eigene Diagnosestellung das Ziel ist. Vielmehr soll Verständnis für die Zusammenarbeit mit Kinderärztinnen, Psychologinnen und Therapeuten geschaffen werden. Nur wer die diagnostischen Instrumente kennt, kann als Fachkraft sinnvoll berichten und kooperieren.
- Krankheitsbild und ICD-10-Klassifikation im Überblick
- Standardisierte Tests und Beobachtungsbögen für die pädagogische Praxis
- Multimodale Therapieansätze: Verhaltenstherapie, Medikation, Coaching
- Rolle der pädagogischen Fachkraft im Gesamtbehandlungskonzept
- Zusammenarbeit mit Eltern, Therapeuten und schulpsychologischem Dienst
- Dokumentation und Beobachtungsbögen im Alltag
Das dritte Modul befasst sich mit Prinzipien der Unterrichts- und Gruppengestaltung und liefert konkrete methodische Werkzeuge. Eine strukturierte, reizarme und klare Lernumgebung ist für Kinder mit ADHS kein Nice-to-have, sondern eine zentrale Voraussetzung für Lernerfolge. Die Inhalte sind direkt auf die Praxis in Schule, Hort und Kita ausgerichtet.
- Strukturierung des Tagesablaufs und Rituale als Orientierungshilfen
- Raumgestaltung und Reduktion von Ablenkungsquellen
- Differenzierte Aufgabenstellung und Aufgabenstrukturierung
- Positive Verstärkung und Konsequenzpläne
- Umgang mit impulsivem Verhalten in der Gruppe
- Kommunikationstechniken für einen ruhigen und klaren Umgang
Das vierte Modul widmet sich dem allgemeinen Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen im Alltag und vertieft Aspekte der Beziehungsgestaltung sowie der Selbstfürsorge der Fachkräfte. Die Arbeit mit Kindern, die ADHS haben, kann emotional anspruchsvoll sein — dieses Modul schärft die Wahrnehmung für die eigenen Ressourcen und Grenzen.
- Beziehungsaufbau und Vertrauensbildung zu Kindern mit ADHS
- Umgang mit Frustration, Konflikten und Grenzsituationen
- Strategien zur Deeskalation und Krisenintervention
- Elterngespräche führen: Offenheit, Empathie und klare Information
- Selbstfürsorge und Stressprävention für pädagogische Fachkräfte
- Kollegiale Fallberatung und Reflexion im Team
Die Praxiseinheiten umfassen unter anderem folgende Übungen und Aufgaben.
- Beobachtungsübungen zu Verhaltensmerkmalen in realen Situationen
- Rollenspiele zu Eltern- und Lehrkräftegesprächen
- Entwicklung individueller Förderpläne für Fallbeispiele
- Analyse von Video- und Fallbeispielen aus Kita und Schule
- Erstellung strukturierter Tagesabläufe für verschiedene Settings
- Erstellen von Beobachtungsbögen und Dokumentationshilfen
- Übungen zur Selbstreflexion und Ressourcenaktivierung
- Transfer der Lerninhalte in den eigenen Berufsalltag
- Austausch und Reflexion in der Lerngruppe
- Entwicklung eigener Handlungsstrategien für schwierige Situationen
- Anwendung von Verstärkungsplänen in Fallstudien
- Abschlusspräsentation eines individuell erarbeiteten Praxiskonzepts
In summierten Fallanalysen können Teilnehmende ihr erworbenes Wissen direkt auf reale pädagogische Herausforderungen anwenden. Die Ergebnisse werden im Plenum besprochen, sodass ein kollegialer Lernprozess entsteht, der über den Kursabschluss hinaus wirkt. Die Kombination aus Selbstlernphasen, interaktiven Online-Einheiten und betreuten Praxisübungen ermöglicht es den Teilnehmenden, eigene Unsicherheiten Schritt für Schritt zu überwinden und ein stabiles Kompetenzprofil im Umgang mit ADHS aufzubauen.
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung sind die Teilnehmenden in der Lage, das Krankheitsbild ADHS korrekt einzuordnen und von anderen Verhaltensauffälligkeiten abzugrenzen. Sie kennen die verschiedenen Erscheinungsformen der Aufmerksamkeitsstörung sowie typische Verhaltensmerkmale in unterschiedlichen Altersgruppen. Sie verstehen grundlegende diagnostische Konzepte und können standardisierte Beobachtungstools einschätzen. Außerdem können sie den pädagogischen Alltag in Klasse oder Gruppe gezielt strukturieren, um betroffenen Kindern optimale Lernbedingungen zu schaffen. Die Teilnehmenden sind in der Lage, differenzierte Unterrichts- und Betreuungskonzepte zu entwickeln, die den individuellen Bedarfen von Kindern mit ADHS gerecht werden. Sie kennen multimodale Therapieansätze und können diese in die pädagogische Arbeit einbetten. Darüber hinaus stärken sie ihre Kommunikationskompetenz gegenüber Eltern, Lehrkräften und therapeutischen Fachkräften. Sie entwickeln ein Gespür für eigene Belastungsgrenzen und erhalten Strategien zur Selbstfürsorge. Sie können Inklusion und Integration aktiv mitgestalten und innovative Handlungsansätze erproben. Die Teilnehmenden gewinnen Sicherheit im täglichen Umgang mit herausfordernden Situationen. Sie sind befähigt, ihr neu erworbenes Wissen unmittelbar in die Praxis zu übertragen und kollegial weiterzugeben.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an alle, die beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und sich im Bereich ADHS fundiert weiterbilden möchten. Der Kurs ist sowohl als Einstieg in die Thematik als auch als Spezialisierung im Rahmen einer vorhandenen pädagogischen Qualifikation geeignet.
- Erzieherinnen und Erzieher in Kita, Krippe und Hort
- Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter sowie Inklusionshelfer
- Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger
- Grundschullehrkräfte und pädagogische Assistenzkräfte
- Quereinsteiger mit Interesse an der Arbeit mit Kindern
Besondere formale Voraussetzungen bestehen für diese Weiterbildung nicht. Vorausgesetzt wird lediglich ein echtes Interesse an der Arbeit mit Kindern sowie der Wunsch, sich auf dem Gebiet ADHS zu qualifizieren. Vorkenntnisse aus dem pädagogischen oder sozialen Bereich sind willkommen, aber nicht zwingend erforderlich. Da der Kurs im Combined Learning stattfindet, sind grundlegende Computerkenntnisse und Zugang zu einem internetfähigen Endgerät notwendig.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined Learning durchgeführt, das heißt, er verbindet digitale Selbstlernphasen mit betreuten, interaktiven Einheiten. Selbstlernmodule können zeitlich flexibel bearbeitet werden, während die betreuten Einheiten einen strukturierten Austausch und die Vertiefung praxisnaher Inhalte ermöglichen. Didaktisch werden verschiedene Methoden eingesetzt: Textlektüre, Lehrvideos, Fallstudien, Reflexionsaufgaben sowie interaktive Gruppenübungen. Die Teilnehmenden werden durch erfahrene Tutorinnen und Tutoren begleitet, die für Rückfragen zur Verfügung stehen und das individuelle Lerntempo berücksichtigen. Vollzeitteilnahme ermöglicht einen kompakten und fokussierten Lernprozess.
Die Weiterbildung hat eine Dauer von mehr als einem Monat bis zu drei Monaten und wird als Vollzeitkurs angeboten. Je nach Anbieter und individuellem Lernplan können Umfang und Zeitplanung variieren. Die Kombination aus strukturierten Lerneinheiten und eigenverantwortlichen Phasen erlaubt eine intensive, gleichzeitig aber flexible Auseinandersetzung mit den Inhalten.
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Dieses Zertifikat belegt die erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich ADHS und kann als Nachweis für Arbeitgeber, Kollegien und Eltern vorgelegt werden. Ein staatlicher Abschluss oder ein extern anerkanntes Zertifikat wird nicht vergeben; der Abschluss hat jedoch in der pädagogischen Praxis eine hohe inhaltliche Aussagekraft.
Nutzen & Perspektiven
Die Weiterbildung zur pädagogischen Zusatzqualifikation ADHS eröffnet pädagogischen Fachkräften die Möglichkeit, ihr Kompetenzprofil gezielt zu erweitern und sich auf eine der häufigsten Entwicklungsbesonderheiten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorzubereiten. Wer ADHS versteht, agiert sicherer, gelassener und wirksamer — sowohl in der direkten Arbeit mit betroffenen Kindern als auch in der Kommunikation mit Eltern, Therapeuten und Kolleginnen. Dieser Zuwachs an fachlicher Kompetenz ist nicht nur für die Kinder spürbar, sondern stärkt auch die eigene berufliche Zufriedenheit und Belastbarkeit. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit förderbar. Alternativ oder ergänzend stehen je nach individueller Situation das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen der Deutschen Rentenversicherung, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD) sowie Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben als Finanzierungswege zur Verfügung. Eine individuelle Beratung beim zuständigen Jobcenter oder der Agentur für Arbeit klärt, welche Förderung im konkreten Fall greift. Gerade in Zeiten von Inklusion und wachsender Heterogenität in Bildungseinrichtungen ist das spezifische Wissen über ADHS ein messbarer Wettbewerbsvorteil für pädagogische Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Einrichtungen suchen zunehmend nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nicht nur allgemein qualifiziert sind, sondern auch Spezialkenntnisse mitbringen, die einen echten Unterschied im Alltag machen. Diese Weiterbildung liefert genau das: anwendbares Wissen, das sofort wirkt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist diese ADHS-Weiterbildung geeignet?
Die Weiterbildung richtet sich an Erzieherinnen und Erzieher, Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter, Kinderpflegerinnen sowie alle pädagogischen Fachkräfte, die in Schulen, Kitas oder Horten mit Kindern arbeiten. Auch Quereinsteiger ohne pädagogischen Hintergrund können teilnehmen, sofern sie Interesse an der Arbeit mit Kindern mitbringen.
Welche Voraussetzungen brauche ich, um teilzunehmen?
Besondere formale Voraussetzungen gibt es nicht. Vorausgesetzt werden lediglich Interesse an der Thematik sowie grundlegende Computerkenntnisse, da der Kurs im Combined Learning stattfindet. Vorkenntnisse aus dem pädagogischen Bereich sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.
Kann ich die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Ja, bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen der Deutschen Rentenversicherung sowie die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD) kommen als Finanzierungswege in Frage. Eine individuelle Beratung klärt die konkrete Fördermöglichkeit.
Welcher Abschluss wird nach der Weiterbildung vergeben?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Dabei handelt es sich nicht um einen staatlichen Abschluss, jedoch um einen anerkannten Nachweis für die erworbenen Fachkenntnisse im Bereich ADHS.
Wie lange dauert der Kurs und wie ist er organisiert?
Der Kurs dauert in der Regel zwischen einem und drei Monaten und wird als Vollzeitkurs im Combined Learning angeboten. Das bedeutet: flexible Selbstlernphasen werden durch betreute, interaktive Einheiten ergänzt. So können berufliche und private Verpflichtungen mit dem Lernprozess vereinbart werden.
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- Facharzt/Fachärztin Fachrichtung Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie677 Stellen
- Fachpsychotherapeut/Fachpsychotherapeutin für Kinder und Jugendliche121 Stellen
- Erzieher/Erzieherin Fachrichtung Jugend- und Heimerziehung116 Stellen
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