Überblick
Die Pädagogische Zusatzqualifikation Lernstörungen ist eine praxisorientierte Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte, die in Schulen, Kindertagesstätten, Horten oder in der Schulbegleitung tätig sind oder tätig werden möchten. Im Mittelpunkt stehen die wichtigsten Erscheinungsformen von Lernstörungen — Rechenschwäche (Dyskalkulie), Lese-Rechtschreibschwäche (LRS), Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie allgemeine Lernschwäche und Entwicklungsverzögerungen — und der kompetente Umgang damit im pädagogischen Alltag. Teilnehmende erwerben ein fundiertes theoretisches Grundlagenverständnis und konkrete Interventionsstrategien, die sie unmittelbar in der Arbeit mit betroffenen Kindern und Jugendlichen einsetzen können. Die Qualifikation stärkt die professionelle Handlungsfähigkeit, fördert die Freude an der Arbeit und unterstützt die eigene Stabilität im anspruchsvollen pädagogischen Berufsfeld.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Grundlagen der Lernstörungen Zu Beginn werden die zentralen Begriffe und Erscheinungsformen von Lernstörungen systematisch eingeführt. Teilnehmende lernen, zwischen verschiedenen Störungsbildern zu unterscheiden und ein grundlegendes Verständnis für die Ursachen zu entwickeln, das sowohl neurobiologische als auch soziale und entwicklungspsychologische Dimensionen berücksichtigt.
- Definition und Abgrenzung von Lernstörungen, Lernschwäche und Lernbehinderung
- Neuropsychologische Grundlagen der Lese-, Schreib- und Rechenentwicklung
- Entstehungsmodelle für Dyskalkulie und LRS im Überblick
- ADHS und Aufmerksamkeitsprobleme im Kontext schulischen Lernens
- Entwicklungsverzögerungen und allgemeine Lernschwäche: Differentialdiagnostik
- Statistik und gesellschaftliche Relevanz: Prävalenz von Lernstörungen in Deutschland
Modul 2 — Beobachtung, Diagnose und Dokumentation Um gezielt helfen zu können, müssen pädagogische Fachkräfte Lernstörungen frühzeitig wahrnehmen. Dieses Modul vermittelt systematische Beobachtungsmethoden und zeigt, wie Befunde verständlich dokumentiert und kommuniziert werden — ohne diagnostische Aufgaben zu übernehmen, die Fachleuten aus Psychologie oder Medizin vorbehalten sind.
- Strukturierte Beobachtungsbögen und Screenings im Kindergarten- und Schulalltag einsetzen
- Lernstandsanalysen in Lesen, Schreiben und Rechnen pädagogisch einordnen
- Kooperation mit schulpsychologischen Diensten und Lerntherapeuten vorbereiten
- Fallbezogene Dokumentation als Grundlage für interdisziplinäre Teamarbeit
- Elterngespräche ressourcenorientiert führen
- Datenschutzrechtliche Grundsätze im Umgang mit sensiblen Informationen einhalten
Modul 3 — Interventionsverfahren und Fördermethoden Kernstück der Qualifikation ist das praxisnahe Kennenlernen bewährter Interventionsansätze. Teilnehmende lernen, welche Methoden sich für welche Störungsbilder und welche Altersstufen eignen, und üben deren Anwendung anhand von Fallbeispielen aus der Kita- und Schulpraxis.
- Leseförderung: phonologische Bewusstheit, Silbenmethoden, Lautgebärden
- Rechtschreibförderung: regelbasiertes Lernen, Fehleranalyse, Übungsstrategien
- Rechenförderung: Mengen-Zahlen-Konzepte, handlungsorientiertes Lernen, Strukturierungshilfen
- ADHS-spezifische Förderansätze: Struktur, Bewegung, Feedbacksysteme
- Differenzierte Aufgaben und Materialien für inklusive Gruppen gestalten
- Praxistipps für den Alltag in Schulbegleitung, Hort und Kita
Modul 4 — Selbstfürsorge, Inklusion und Systemkompetenz Pädagogische Fachkräfte, die täglich mit herausfordernden Situationen umgehen, brauchen Ressourcen zur eigenen Stabilisierung. Dieses Modul beleuchtet Aspekte der professionellen Selbstfürsorge und bettet die Lernstörungsförderung in den breiteren Kontext von Inklusion und gesellschaftlicher Teilhabe ein.
- Selbstreflexion und Stressbewältigung für pädagogische Fachkräfte
- Systemisches Denken: Schule, Familie und Fördersystem als Einheit
- Inklusion als Haltung: Chancengleichheit und individuelle Förderung
- Zusammenarbeit mit Eltern, Schule und externen Fachstellen koordinieren
- Grenzen der eigenen Rolle kennen und Verantwortung klar abgrenzen
- Kollegiale Beratung und Supervision als Ressource nutzen
Praxisblock — Fallarbeit und Transfer in die Berufspraxis Der Praxisblock verbindet theoretisches Wissen mit konkreten Handlungssituationen. Anhand ausführlicher Fallbeispiele reflektieren Teilnehmende typische Herausforderungen aus dem Kita-, Schulbegleiter- und Hortalltag und entwickeln gemeinsam Lösungsstrategien.
- Fallanalyse: Kind mit Dyskalkulie im Schulbegleiter-Einsatz
- Fallanalyse: LRS und Beschämungserfahrungen im Unterricht
- Fallanalyse: ADHS und Klassenraummanagement
- Entwicklung eines individuellen Förderplans auf Grundlage eines Fallbeispiels
- Kollegiale Beratungsrunde: Erfahrungen aus der eigenen Praxis einbringen
- Reflexion eigener Reaktionsmuster auf herausforderndes Verhalten
- Auswahl geeigneter Fördermaterialien für verschiedene Altersstufen
- Praktische Übung: Elterngespräch vorbereiten und simulieren
- Erstellen einer Ressourcenkarte für lokale Unterstützungsangebote
- Transfer-Aufgabe: Anpassung einer Förderstrategie an die eigene Einrichtung
- Evaluationsbogen für den eigenen Lernfortschritt ausfüllen
- Abschlussdiskussion: offene Fragen und Weiterentwicklungsperspektiven
Das gesamte Kurskonzept ist auf die unmittelbare Praxisanwendung ausgelegt. Theoretische Inhalte werden stets mit konkreten Fallbeispielen und Praxistipps verknüpft, sodass Teilnehmende die erworbenen Kenntnisse direkt am nächsten Arbeitstag einsetzen können. Die Kursstruktur ermöglicht zudem, eigene Erfahrungen aus dem Berufsalltag einzubringen und im Austausch mit anderen Teilnehmenden zu reflektieren. Dies fördert einen nachhaltigen Lernprozess, der weit über das Kursende hinausreicht.
Lernziele:
Die Teilnehmenden erwerben nach Abschluss der Weiterbildung folgende Kompetenzen.
- Lernstörungen wie Dyskalkulie, LRS und ADHS sicher erkennen und von anderen Entwicklungsauffälligkeiten abgrenzen
- Theoretische Grundlagen zu neuropsychologischen Ursachen von Lernstörungen verstehen und erklären
- Geeignete Beobachtungs- und Einschätzungsverfahren im pädagogischen Alltag anwenden
- Individuelle Interventionspläne für Kinder mit Lernstörungen entwickeln und begleiten
- Förderliche Kommunikation mit Eltern, Lehrenden und anderen Fachkräften führen
- Differenzierte Lernmaterialien und Fördermethoden auswählen und einsetzen
- Inklusionspädagogische Ansätze im Umgang mit Lernstörungen umsetzen
- Stressauslösende Situationen für Kinder mit Lernstörungen im Gruppenalltag reduzieren
- Selbstreflexion als pädagogische Fachkraft stärken und Burnout-Prävention berücksichtigen
- Wissen aus Fallbeispielen auf eigene Berufsrealität übertragen
- Netzwerke mit Fachdiensten, Beratungsstellen und therapeutischen Angeboten nutzen
- Qualitätsmerkmale inklusiver Bildungsarbeit im eigenen Wirkungsbereich benennen und einfordern
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an pädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte sowie an Personen, die in dieses Berufsfeld einsteigen möchten und Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen begleiten.
- Erzieherinnen und Erzieher in Kitas, Hort und Schulen
- Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter (Schulassistenz)
- Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger
- Sozialpädagogische Fachkräfte in der Schulsozialarbeit
- Personen, die sich als Quereinsteiger oder nach einer Auszeit im pädagogischen Bereich qualifizieren möchten
Für die Teilnahme an dieser Weiterbildung sind keine spezifischen formalen Voraussetzungen erforderlich. Eine grundlegende Affinität zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie ein Interesse an inklusiver Pädagogik werden vorausgesetzt. Vorkenntnisse im pädagogischen Bereich sind hilfreich, aber nicht zwingend. Die Weiterbildung eignet sich auch als Vertiefungsmodul im Anschluss an eine Schulbegleiter-Qualifikation oder als Spezialisierung innerhalb einer laufenden Erzieherausbildung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird als Combined Learning angeboten, das heißt als Verbindung aus begleiteten Onlinephasen und Präsenzelementen oder Gruppenarbeiten. Die Unterrichtsgestaltung ist handlungsorientiert und legt großen Wert auf den Transfer in die berufliche Praxis. Fallbeispiele aus dem realen Kita- und Schulalltag bilden den roten Faden durch das gesamte Kursprogramm. Teilnehmende werden aktiv zur Einbringung eigener Erfahrungen ermutigt. Die Kurszeiten richten sich nach Vollzeitmodellen, die eine zügige Qualifizierung ermöglichen.
Die genaue Kursdauer variiert je nach Anbieter. Angeboten wird diese Weiterbildung in der Regel in kompakten Formaten, die eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema in kurzer Zeit ermöglichen. Aktuelle Termine und Stundenpläne sind direkt beim jeweiligen Anbieter zu erfragen.
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat oder eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Je nach Anbieter unterscheiden sich die genaue Bezeichnung und der Umfang des Nachweisdokuments. Das Zertifikat belegt die erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich Lernstörungsförderung und kann als Nachweis für Arbeitgebende und Bewerbungsunterlagen genutzt werden.
Nutzen & Perspektiven
Inklusion ist ein rechtlich verankertes Prinzip, das pädagogische Fachkräfte täglich vor konkrete Herausforderungen stellt. Kinder mit Lernstörungen brauchen Erwachsene, die ihre Bedürfnisse verstehen, ohne vorschnell zu etikettieren, und die gezielte Unterstützung geben können, ohne therapeutische Grenzen zu überschreiten. Diese Zusatzqualifikation versetzt pädagogische Fachkräfte in genau diese Position — sie handeln kompetent, selbstsicher und gleichzeitig mit Respekt für die Grenzen ihrer Rolle. In einem Arbeitsmarkt, der händeringend nach qualifiziertem pädagogischen Personal sucht, schafft diese Spezialisierung einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Einrichtungen, die inklusive Beschulung anbieten oder Schulbegleitung organisieren, suchen ausdrücklich nach Fachkräften mit nachgewiesenen Kenntnissen zu Lernstörungen. Die Qualifikation öffnet damit Türen zu spezialisierten Positionen in Schulen, sozialpädagogischen Einrichtungen und Beratungsstellen. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist diese Weiterbildung häufig über den Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit förderbar. Ebenso kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen zur beruflichen Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine individuelle Beratung beim zuständigen Jobcenter oder der Agentur für Arbeit hilft, den geeigneten Förderweg zu finden und die Finanzierung der Weiterbildung zu klären.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich eine pädagogische Ausbildung für diesen Kurs?
Nein, spezifische Abschlüsse werden nicht vorausgesetzt. Notwendig ist lediglich das Interesse an der Arbeit mit Kindern. Der Kurs eignet sich sowohl für ausgebildete Fachkräfte als auch für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die sich in diesem Bereich qualifizieren möchten.
Kann ich diese Weiterbildung über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist eine Förderung über den Bildungsgutschein möglich. Ebenso kommen das Qualifizierungschancengesetz, Rehabilitationsleistungen oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine Beratung beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit klärt die genauen Möglichkeiten.
Welche Lernstörungen werden im Kurs behandelt?
Der Kurs behandelt Dyskalkulie (Rechenschwäche), Lese-Rechtschreibschwäche (LRS), ADHS, allgemeine Lernschwäche und Entwicklungsverzögerungen. Für jedes Störungsbild werden Grundlagen, Erkennungsmerkmale und konkrete Interventionsstrategien vermittelt.
Kann ich den Kurs auch als Ergänzung zu einer Schulbegleiter-Qualifikation nutzen?
Ja, die Weiterbildung ist ausdrücklich auch als Vertiefungsmodul nach einer Schulbegleiter-Qualifikation geeignet. Die Inhalte bauen auf den dort erworbenen Grundlagen auf und vertiefen den fachlichen Umgang mit Kindern, die von Lernstörungen betroffen sind.
Was kann ich nach der Weiterbildung beruflich tun?
Absolventinnen und Absolventen sind qualifiziert, inklusive Förderarbeit in Schulen, Kitas und Horten zu leisten. Typische Positionen sind Schulbegleitung, Integrationsfachkraft, spezialisierte Erzieherin oder Erzieher sowie Mitarbeit in sozialpädagogischen Einrichtungen mit Inklusionsschwerpunkt.
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