Überblick
Wer in Revit-Projekten regelmäßig mit Standardbauteilen aus der Bibliothek arbeitet, stößt irgendwann an eine Grenze: Sonderfenster, individuelle Türgeometrien oder ein Lichtschacht, der sich automatisch an die Fensterhöhe anpassen soll, lassen sich damit nicht abbilden. Revit Advanced setzt genau dort an. Der Kurs führt in den Familien-Editor ein und vermittelt, wie eigene Fenster-, Tür- und Öffnungsfamilien von Grund auf modelliert werden — mit Flügel, Verglasung, Innenfensterbank und Rahmenkonstruktion als steuerbare Bestandteile. Anders als ein reiner Projektkurs, in dem fertige Bauteile lediglich platziert werden, arbeitet dieser Kurs auf der Ebene der Bauteilkonstruktion selbst: Teilnehmende bauen die Komponenten, die andere später aus der Bibliothek ziehen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Grundlagen des Familien-Editors für Öffnungselemente Der Einstieg klärt, wie sich der Familien-Editor von der normalen Projektumgebung unterscheidet und welche Entscheidungen beim Anlegen einer neuen Familie über deren spätere Funktionsfähigkeit entscheiden. Wer diesen Unterschied nicht versteht, baut Bauteile, die sich im Projekt falsch verhalten oder nicht korrekt in Wände einfügen lassen.
- Familien-Editor vs. Projektumgebung: Unterschiede in Werkzeugen und Zweck
- passende Familienvorlage für Fenster- und Türöffnungen auswählen
- Ursprung, Ebenen und Referenzlinien in der Vorlage korrekt setzen
- Ansichten im Familien-Editor: Grundriss, Vorderansicht, 3D-Ansicht sinnvoll nutzen
- erste Testfamilie anlegen, speichern und in ein Übungsprojekt laden
- typische Anfängerfehler beim Familienaufbau erkennen und vermeiden
Modul 2 — Fensterflügel, Verglasung und Innenfensterbank Dieser Block ist das Kernstück des Kurses: Eine vollständige Fensterfamilie entsteht Schritt für Schritt, vom Rahmen über den beweglichen Flügel bis zur Innenfensterbank. Jedes Element wird als eigener, parametrisch steuerbarer Bestandteil aufgebaut, damit sich die fertige Familie später über Typparameter in Breite, Höhe und Ausführung variieren lässt.
- Fensterrahmen als Grundkörper extrudieren und bemaßen
- Flügelgeometrie konstruieren und über Parameter mit dem Rahmen verknüpfen
- Öffnungsverhalten des Flügels (Dreh-, Kipp- oder Festverglasung) modellhaft abbilden
- Verglasung als eigenes Bauteil mit Glasstärke und Materialparameter anlegen
- Innenfensterbank an die Rahmenunterkante andocken und in der Tiefe steuerbar machen
- Materialzuweisungen für Rahmen, Flügel und Glas differenziert vergeben
Modul 3 — Öffnungen mit Rahmen, Festverglasung und Lichtschacht Nicht jede Öffnung ist ein klassisches Fenster mit Flügel. Dieser Block behandelt Festverglasungen ohne bewegliche Teile sowie Lichtschächte, die typischerweise bei Kellerfenstern oder Untergeschossöffnungen zum Einsatz kommen und sich in ihrer Geometrie nach der zugehörigen Fensteröffnung richten müssen.
- Öffnung mit Rahmen und Festverglasung als eigenständige Familienvariante konstruieren
- Unterschied zwischen beweglicher und fester Verglasung im Familienaufbau
- Lichtschacht-Geometrie modellieren: Wangen, Boden und Abdeckung
- Fensterabhängigkeit einrichten: Lichtschachtmaße folgen automatisch der Fenstergröße
- Referenzparameter zwischen zwei verknüpften Familien austauschen
- Testfälle mit unterschiedlichen Fenstergrößen durchspielen und Anpassung prüfen
Modul 4 — Schneidbare und nichtschneidbare Familien im Projekteinsatz Ob eine Familie eine Wand oder Decke tatsächlich durchschneidet, entscheidet über ihr Verhalten im Gesamtmodell — ein Detail, das in der Praxis häufig zu Modellierfehlern führt, wenn es nicht bewusst gesteuert wird. Dieser Block klärt die technischen Hintergründe und die praktischen Konsequenzen für Fenster- und Türfamilien.
- Konzept schneidbarer Familien: Wandausschnitt automatisch erzeugen
- Konzept nichtschneidbarer Familien: Einsatzbereiche und Grenzen
- Einstellung der Schneidbarkeit in den Familienkategorie-Eigenschaften
- Host-Verhalten: wandbasierte vs. eigenständig platzierte Familien
- Einfügepunkte definieren und deren Einfluss auf die Platzierung im Projekt
- typische Platzierungsfehler bei falsch konfigurierter Schneidbarkeit beheben
Praxisblock — Vollständige Fensterfamilie im Projektkontext Im Praxisteil führen die Teilnehmenden alle Kursinhalte in einer durchgehenden Übung zusammen: eine komplette, funktionsfähige Fensterfamilie mit Flügel, Verglasung, Innenfensterbank und optionalem Lichtschacht, getestet in einem realen Wandmodell.
- eigene Fensterfamilie mit Flügel und Verglasung von Grund auf neu aufbauen
- Innenfensterbank in die Familie integrieren und Tiefenparameter testen
- Festverglasungsvariante derselben Familie als zweiten Typ anlegen
- zugehörigen Lichtschacht mit Fensterabhängigkeit konstruieren
- Familie in ein Wandmodell laden und in unterschiedlichen Wandstärken platzieren
- Schneidbarkeit kontrollieren und bei Bedarf korrigieren
- Parametertabelle der Familie aufräumen und Typnamen konsistent benennen
- Familie in mehreren Varianten (Breite, Höhe) testen und Fehler protokollieren
- fertige Familie in eine persönliche Bauteilbibliothek einsortieren
- Kollisionsprüfung zwischen Fenster, Wand und Lichtschacht durchführen
- Dokumentation der Modellierungsentscheidungen für die spätere Wiederverwendung
- Peer-Review einer fremden Familie nach Funktionsfähigkeit und Sauberkeit
Der Kurs versteht sich als Bindeglied zwischen der reinen Projektarbeit mit Revit und der freien parametrischen Familienerstellung auf Expertenniveau. Während im Grundlagenbereich fertige Bauteile aus Bibliotheken platziert werden, lernen Teilnehmende hier, genau diese Bauteile selbst zu konstruieren — mit Fokus auf die in der Praxis besonders häufig benötigten Fenster-, Tür- und Öffnungsfamilien statt auf freie organische Formen. Am Ende der Weiterbildung steht keine abstrakte Theorie, sondern eine funktionierende, wiederverwendbare Fensterfamilie, die in echten Projekten eingesetzt werden kann. Die Fähigkeit, Bauteile mit korrektem Schneidverhalten und funktionierender Fensterabhängigkeit selbst zu bauen, ist ein Kompetenzsprung gegenüber reiner Bibliotheksnutzung und in Planungsbüros gefragt, die BIM-Modelle nicht nur zusammensetzen, sondern eigene Standards entwickeln.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses beherrschen die Teilnehmenden folgende Fertigkeiten.
- den Familien-Editor in Revit öffnen, strukturieren und für Öffnungselemente nutzen
- eine eigene Fensterfamilie von der leeren Vorlage bis zum ladbaren Bauteil aufbauen
- Flügelgeometrien parametrisch modellieren und über Typparameter variieren
- Verglasung als eigenständigen Familienbestandteil mit Materialparametern anlegen
- eine Innenfensterbank in die Fensterfamilie integrieren und mit dem Rahmen verknüpfen
- Öffnungen mit Rahmen und Festverglasung als kombinierte Familie konstruieren
- Lichtschächte modellieren, die sich automatisch an die zugehörige Fensteröffnung anpassen
- die Fensterabhängigkeit über Referenzparameter steuern, statt Maße manuell nachzuführen
- den Unterschied zwischen schneidbaren und nichtschneidbaren Familien in der Praxis anwenden
- Familienkategorien korrekt wählen, damit Bauteile sich in Wänden richtig verhalten
- Einfügepunkte und Host-Verhalten einer Familie festlegen und testen
- fertige Familien in ein Testprojekt laden, platzieren und auf Fehler prüfen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die sich im CAD-Bereich weiterbilden möchten und bereits mit Revit-Projekten gearbeitet haben.
- CAD-Konstrukteur/innen, die Fenster- und Türfamilien nicht nur nutzen, sondern selbst bauen wollen
- Architekturzeichner/innen mit dem Ziel, projektspezifische Sonderbauteile zu modellieren
- BIM-Modellierer/innen, die Bibliotheken für ihr Büro pflegen oder erweitern
- CAD-Fachkräfte im Übergang von 2D-Zeichnung zu parametrischer Bauteilkonstruktion
Eine technische Ausbildung oder ein Studium im Bereich Technik bzw. Architekturwesen sowie fundierte Computerkenntnisse sind Zugangsvoraussetzung. Sichere Grundkenntnisse in Revit — insbesondere im Umgang mit Wänden, Öffnungen und Ansichten in einem Projekt — werden erwartet, da der Kurs unmittelbar auf dem Familien-Editor aufbaut und keine Revit-Grundlagen mehr vermittelt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs kombiniert angeleitete Modellierschritte mit eigenständigen Übungsphasen direkt im Familien-Editor. Jeder Baustein einer Fensterfamilie wird zunächst vorgeführt und anschließend von den Teilnehmenden in der eigenen Revit-Installation nachgebaut, bevor die nächste Ebene der Komplexität hinzukommt. Zwischenstände lassen sich mit Referenzdateien vergleichen, sodass Modellierfehler frühzeitig sichtbar werden.
Die Kursdauer richtet sich nach der gewählten Angebotsvariante und liegt typischerweise im Bereich mehrerer Wochen. Eine aktuelle Autodesk-Revit-Lizenz muss für die praktische Arbeit vorhanden oder über den Anbieter zugänglich sein.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung bzw. ein trägerinternes Zertifikat über die absolvierte Aufbau-Weiterbildung. Eine externe Autodesk-Zertifizierungsprüfung ist nicht Bestandteil des Kurses; der Nachweis erfolgt über die im Kurs erstellten, funktionsfähigen Bauteilfamilien.
Nutzen & Perspektiven
BIM-Projekte leben von durchdachten, wiederverwendbaren Bauteilfamilien. Wer nur mit Bibliothekselementen arbeitet, ist auf das angewiesen, was der Hersteller oder Dritte bereits modelliert haben — wer eigene Fenster-, Tür- und Öffnungsfamilien bauen kann, löst projektspezifische Anforderungen selbst und schneller, ohne auf externe Bauteile warten zu müssen. Besonders die Fähigkeit, Fensterabhängigkeiten wie automatisch mitwachsende Lichtschächte zu konstruieren, spart in der täglichen Praxis erheblichen Nacharbeitsaufwand: Ändert sich die Fenstergröße, muss der Lichtschacht nicht manuell angepasst werden, sondern folgt dem Parameter automatisch. Diese Art von durchdachter Parametrik unterscheidet professionell aufgebaute BIM-Modelle von improvisierten. Für Planungsbüros, die eigene Bauteilstandards pflegen, sind Mitarbeitende mit Familien-Editor-Kompetenz ein klarer Gewinn: Sie können firmenspezifische Fenster- und Türtypen konsistent modellieren, statt jedes Projekt mit generischen Bibliothekselementen zu behelfen. Das erhöht die Modellqualität und reduziert Korrekturschleifen in der Ausführungsplanung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Revit-Grundkenntnisse für diesen Kurs?
Ja. Der Kurs baut direkt auf dem Familien-Editor auf und setzt voraus, dass Sie bereits mit Revit-Projekten gearbeitet haben, also Wände, Öffnungen und Ansichten kennen. Revit-Grundlagen selbst werden nicht mehr vermittelt.
Was unterscheidet Revit Advanced von einem Revit-Expertenkurs?
Advanced fokussiert auf feste Bauteilfamilien wie Fenster, Türen und Öffnungen mit klar definierter Geometrie. Ein Expertenkurs geht darüber hinaus in freie, organische Formen und komplexere Dachgeometrien. Advanced ist die praxisnahe Zwischenstufe für den Büroalltag.
Was genau bedeutet "schneidbare Familie"?
Eine schneidbare Familie erzeugt automatisch einen Ausschnitt in der Wand, in die sie eingefügt wird — typisch für Fenster und Türen. Nichtschneidbare Familien tun das nicht. Der Kurs zeigt, wie diese Eigenschaft eingestellt wird und welche Folgen eine falsche Konfiguration im Projekt hat.
Wird eine Autodesk-Zertifizierung erworben?
Nein, der Kurs schließt mit einer trägerinternen Teilnahmebescheinigung ab, keine externe Autodesk-Prüfung ist Teil des Programms. Der praktische Nachweis erfolgt über die im Kurs selbst erstellten, funktionsfähigen Fensterfamilien.
Kann ich die erstellten Familien danach in eigenen Projekten weiterverwenden?
Ja, genau das ist das Ziel des Kurses. Die im Praxisblock entwickelte Fensterfamilie mit Flügel, Verglasung und Lichtschacht ist funktionsfähig und lässt sich direkt in reale Projekte laden und dort weiter anpassen.
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