Überblick
Building Information Modeling (BIM) hat die Arbeitsweise in Architektur, Bauplanung und Bauingenieurwesen grundlegend verändert. Autodesk Revit ist die weltweit führende BIM-Software und in deutschen Architekturbüros, Ingenieurgesellschaften und Bauunternehmen der Standard für die digitale Gebäudeplanung. Dieser Spezialistenkurs vermittelt die erweiterten Funktionen von Revit Architecture auf einem professionellen Niveau: Teilnehmende lernen, Elemente eines bestehenden BIM-Modells präzise zu bearbeiten, benutzerdefinierte Familien und Konstruktionselemente zu erstellen, Gebäudetechnik und Stahlbaufunktionen einzusetzen, Detailzeichnungen und professionelle Planausgaben zu erzeugen und Projekte in der vernetzten BIM-Umgebung mit anderen Gewerken auszutauschen. Der Kurs qualifiziert für den Einsatz in Architekturbüros, Planungsbüros und Bauunternehmen, die mit BIM-Workflows arbeiten, und ist auf die beruflichen Anforderungen als Revit-Spezialist:in ausgerichtet.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul behandelt Projektmanagement und erweiterte Modellierung in Revit Architecture. Professionelles BIM-Modellieren beginnt mit einem strukturierten Projektaufbau und einem sicheren Umgang mit den Modellierungswerkzeugen auf Expertenniveau. Teilnehmende vertiefen hier ihr handwerkliches Können an der Software.
- Projektstruktur und Projektmanagement in Revit
- Erweiterte Wandtypen — mehrschalige Konstruktionen und Materialzuweisungen
- Bearbeitung komplexer Wandelemente — Öffnungen, Aussparungen, Wandabschlüsse
- Modellierung von Gauben, Dachformen und Dachaufbauten
- Familien — systembasierte und komponenten-basierte Familien erstellen und laden
- Übungsprojekt — vollständige Überarbeitung eines Bestandsmodells
Das zweite Modul widmet sich Phasen, MEP-Räumen und Gebäudetechnik. BIM-Modelle bilden in der modernen Planung den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes ab — von der Bestandserfassung über Abbruch bis zum Neubau. Gleichzeitig müssen Architekturmodelle mit der Gebäudetechnikplanung koordiniert werden.
- Phasenmanagement — Bestand, Abbruch und Neubau in einem Revit-Modell
- MEP-Räume definieren, benennen und mit Daten anreichern
- Zonen für Heizung, Lüftung und Kälte konfigurieren
- Grundlagen der Gebäudetechnik in Revit (MEP-Integration)
- Koordination von Architektur- und Haustechnikmodellen
- Kollisionserkennung mit Revit und exportierten IFC-Modellen
Das dritte Modul behandelt Stahlbaufunktionen, Detailzeichnungen und normgerechte Bemaßung. Revit bietet spezialisierte Werkzeuge für den Stahlbau und für die Erstellung hochwertiger Detailzeichnungen, die für Ausführungsplanung und Genehmigungsplanung unerlässlich sind.
- Stahlbaufunktionen in Revit — Träger, Stützen, Verbindungen
- Detailzeichnungen erstellen und mit Detaillinien anreichern
- EQ-Bemaßung und parametrische Bemaßungssteuerung
- Bauelementschlüssel für standardisierte Bauteilbeschriftungen
- Normgerechte Planausgaben für Genehmigung und Ausführung
- Detailbibliotheken — wiederkehrende Detailzeichnungen als Projektstandard
Das vierte Modul umfasst Listen, Auswertungen, Visualisierung, Pläne und BIM-Datenaustausch. Der Mehrwert von BIM gegenüber klassischem CAD liegt in der Datendurchgängigkeit — ein gut aufgebautes Revit-Modell liefert automatisch konsistente Mengenermittlungen, Materiallisten und Pläne.
- Listen und Auswertungen — Türlisten, Fensterlisten, Materiallisten, Flächenberechnungen
- Materialzuweisung und Render-Materialien für Präsentationsrenderings
- Rendering und Walkthrough in Revit — statische Bilder und animierte Kamerafahrten
- Planlayout — Planköpfe, Maßstäbe, Revisionsverwaltung
- IFC-Export und Import für offenen BIM-Datenaustausch
- Kollaboratives Arbeiten mit Revit — Worksharing, Central File, Local File
Im Praxisteil erstellen Teilnehmende einen vollständigen BIM-Plansatz für ein Gebäudeprojekt und setzen dabei alle gelernten Revit-Funktionen in einem kohärenten Projektzusammenhang ein.
- Modellierung eines Gebäudes mit komplexen Wandtypen und Gauben
- Erstellung benutzerdefinierter Familien für Tür, Fenster und Möbelobjekte
- Phasenplanung für ein Umbau-/Erweiterungsprojekt
- Konfiguration von MEP-Räumen und Zonenzuweisung
- Erstellung eines Stahlbaudetails mit Revit-Stahlbaufunktionen
- Generierung vollständiger Listen (Türliste, Fensterliste, Flächenbilanz)
- Erstellung einer Detailzeichnung im Maßstab 1:20
- Rendering-Erstellung für Präsentation beim Bauherren
- Plansatz mit Grundrissen, Schnitten und Ansichten aufbereiten
- IFC-Export und Koordination mit einem Haustechnikmodell
- Worksharing-Übung im Mehrbenutzer-Szenario
- Abgabe eines vollständigen Planpakets als Abschlussarbeit
Die Abschlussarbeit dient als Portfolio-Stück und zeigt Arbeitgebern in Architekturbüros und Bauingenieurgesellschaften die erworbene BIM-Kompetenz in einem realistischen Projektkontext.
Lernziele:
Nach Abschluss dieser Weiterbildung können Teilnehmende erweiterte Modellierungstechniken in Revit Architecture einsetzen und bestehende BIM-Modelle professionell weiterentwickeln. Sie erstellen und bearbeiten komplexe Wandtypen, Öffnungen und Gauben mit korrekter Bauwerkslehre. Sie entwickeln benutzerdefinierte Revit-Familien für wiederkehrende Konstruktionselemente und Ausstattungsobjekte. Sie arbeiten mit Phasen und modellieren Bestandsgebäude, Abbruch und Neubau in einem integrierten Modell. Sie konfigurieren MEP-Räume und Zonen für die Gebäudetechnikplanung und integrieren Systemkomponenten der technischen Gebäudeausrüstung. Sie nutzen Stahlbaufunktionen in Revit für strukturelle Planungsaufgaben. Sie erstellen detaillierte Detailzeichnungen und nutzen EQ-Bemaßungen und Bauelementschlüssel für normgerechte Planausgaben. Sie entwickeln vollständige Listen und Auswertungen aus dem BIM-Modell und exportieren diese für Kostenberechnungen und Berichte. Sie weisen Materialien korrekt zu und erzeugen realistische Renderings und Walkthroughs für Präsentationen. Sie koordinieren ihr Modell mit anderen Gewerken über das IFC-Format und kennen die Grundlagen des offenen Datenaustauschs in der BIM-Umgebung. Sie erstellen professionelle Plansätze für Baugenehmigungsverfahren und Ausführungsplanung. Sie kennen die Grundlagen des kollaborativen Arbeitens mit Revit in einer vernetzten Projektumgebung.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus Architektur, Bauplanung und Bauingenieurwesen, die ihre Revit-Kenntnisse auf ein professionelles Spezialistenniveau bringen und in einer BIM-affinen Arbeitsumgebung tätig sein möchten.
- Bauzeichner:innen und CAD-Konstrukteur:innen mit Revit-Grundkenntnissen
- Architekt:innen und Bauingenieur:innen, die auf BIM-Workflows umsteigen
- Technische Zeichner:innen aus dem Bereich Hochbau und Innenarchitektur
- Personen, die eine Tätigkeit als BIM-Koordinator:in anstreben
- Quereinsteiger:innen mit Computerkenntnissen aus der Bau- und Planungsbranche
Vorausgesetzt werden Computerkenntnisse sowie Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 bis B2. Grundkenntnisse in der Revit-Bedienung oder CAD-Anwendungen sind hilfreich; der Kurs setzt voraus, dass Teilnehmende den Einstieg in die Software bereits vollzogen haben und nun die erweiterten Funktionen erlernen möchten. Kenntnisse in Baukonstruktion oder Architektur erleichtern das Verständnis der modellierten Inhalte, sind aber keine zwingend notwendige Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format durchgeführt und kombiniert Präsenzphasen mit digitalen Lerneinheiten. In den Präsenzphasen werden Revit-Funktionen live demonstriert und in Übungsprojekten angewendet; Fragen aus dem Berufsalltag der Teilnehmenden fließen direkt in den Unterricht ein. Online-Phasen ermöglichen die selbstgesteuerte Wiederholung und die Arbeit am eigenen Abschlussprojekt. Lernende erhalten Zugang zu einer Lernplattform mit Übungsdateien, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Videotutorials zu fortgeschrittenen Revit-Funktionen.
Die Weiterbildung dauert mehr als einen Monat bis zu drei Monate und wird in Vollzeit absolviert. In diesem Zeitraum werden alle wesentlichen Spezialistenfunktionen von Revit Architecture systematisch erarbeitet und in einem vollständigen BIM-Projekt angewendet. Die genaue Stundenzahl variiert je nach Anbieter; typischerweise sind mehrere Hundert Unterrichtsstunden einzuplanen.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Das Zertifikat dokumentiert die erworbenen Spezialisierungskompetenzen in Revit Architecture, BIM-Modellierung, Familienerstellung, Gebäudetechnik-Integration und professioneller Planausgabe. Es handelt sich um keinen staatlich anerkannten Berufsabschluss, wird aber von Architekturbüros und Bauingenieurgesellschaften als Qualifikationsnachweis anerkannt. Das erstellte Portfolio-Projekt ergänzt das Zertifikat als konkreter Kompetenzbeleg.
Nutzen & Perspektiven
BIM ist in der deutschen Bauwirtschaft kein Zukunftsthema mehr, sondern gelebte Praxis. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat BIM als Standard für öffentliche Bauprojekte eingeführt; der private Sektor zieht nach. Revit-Spezialist:innen sind in Architekturbüros, Bauingenieurgesellschaften, Generalunternehmen und Facility-Management-Unternehmen gesucht — und der Bedarf wächst kontinuierlich, da ältere CAD-basierte Workflows durch BIM-Prozesse ersetzt werden. Wer auf dem Niveau eines Revit-Spezialist:in arbeiten kann, bringt deutlich mehr als die Bedienung eines einzelnen Zeichenprogramms mit. Ein tiefes Verständnis der BIM-Datenlogik, die Fähigkeit zur Familienerstellung und die Kompetenz im kollaborativen Modellieren sind es, die erfahrene Berufseinsteiger:innen von Gelegenheitsnutzern unterscheiden. Diese Kompetenzen spiegeln sich direkt in Gehalts- und Karriereperspektiven wider. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist diese Weiterbildung über den Bildungsgutschein förderbar. Ergänzend kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen zur Rehabilitation sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege in Betracht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Revit-Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Der Kurs ist als Aufbau-/Spezialistenkurs konzipiert und setzt voraus, dass Teilnehmende bereits mit der Revit-Benutzeroberfläche vertraut sind und grundlegende Modellierungsfunktionen beherrschen. Wer noch keine Erfahrung mit Revit hat, sollte zuerst einen Einsteigerkurs absolvieren.
Was sind Revit-Familien und warum sind sie wichtig?
Revit-Familien sind parametrische Bibliotheksobjekte, die im Modell platziert und angepasst werden können — zum Beispiel Türen, Fenster, Möbel oder Tragwerkselemente. Wer eigene Familien erstellen kann, ist nicht auf vorhandene Bibliotheken angewiesen und kann modellspezifische Konstruktionselemente präzise abbilden. Diese Fähigkeit ist in der Praxis ein wichtiges Differenzierungsmerkmal.
Was bedeutet IFC und warum ist es für BIM-Projekte relevant?
IFC (Industry Foundation Classes) ist ein offenes Datenformat für den Austausch von BIM-Modellen zwischen verschiedenen Softwareanwendungen. In BIM-Projekten mit mehreren Gewerken — Architektur, Tragwerk, Haustechnik — ist der IFC-Export und -Import entscheidend für die reibungslose Koordination. Der Kurs behandelt IFC als integralen Bestandteil der kollaborativen BIM-Praxis.
Ist die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein förderbar?
Ja. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist eine Förderung über den Bildungsgutschein möglich. Ergänzend kommen das Qualifizierungschancengesetz und Leistungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Bitte beraten Sie sich mit Ihrer Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter.
Welche Berufsperspektiven hat ein Revit-Architecture-Spezialist:in?
Mit dieser Qualifikation stehen Tätigkeiten in Architekturbüros, Bauingenieurgesellschaften, Generalunternehmen und Facility-Management-Unternehmen offen. Da BIM in der deutschen Bauwirtschaft zum Standard wird, ist der Bedarf an qualifizierten BIM-Anwendern kontinuierlich gestiegen. Mögliche Weiterentwicklungen umfassen die Spezialisierung als BIM-Koordinator:in oder BIM-Manager:in.
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Arbeitsmarkt-Report
Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Bauzeichner/in3.021 Stellen
- Forschungs- und Entwicklungsingenieur/Forschungs- und Entwicklungsingenieurin1.566 Stellen
- CAD-Fachkraft (ohne Schwerpunkt)954 Stellen
- Information-Architect118 Stellen
- CAD-Konstrukteur/in1 Stellen
- Revit-Spezialist/in0 Stellen