Überblick
Das Totally Integrated Automation Portal (TIA-Portal) von Siemens ist die zentrale Engineering-Plattform für die Automatisierungstechnik — von der Hardwarekonfiguration über die SPS-Programmierung bis hin zur Visualisierung mit SIMATIC HMI. Diese Weiterbildung vermittelt das Basiswissen, das für den eigenständigen Umgang mit dem TIA-Portal notwendig ist. Teilnehmende erlernen, wie man SIMATIC-Steuerungen konfiguriert, Programme in strukturierter Bausteintechnik schreibt, Timer und Zähler nach IEC-Standard einsetzt und Fehler systematisch im Betrieb sucht.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul führt in die Entwicklungsumgebung TIA-Portal ein. Teilnehmende lernen, wie die Software aufgebaut ist, wie Projekte angelegt werden und wie die wichtigsten Fenster und Ansichten zusammenhängen.
- Benutzeroberfläche und Arbeitsbereich des TIA-Portals kennenlernen
- Neues Projekt anlegen und verwalten
- Gerätekatalog und Hardwarekonfiguration: SIMATIC S7 einbinden
- Netzwerk- und Verbindungskonfiguration
- Bibliotheken und Bausteinverwaltung nutzen
Das zweite Modul behandelt die Programmiersprachen und grundlegenden Bausteinarten. Der Schwerpunkt liegt auf dem Kontaktplan (KOP) und dem Funktionsbausteindiagramm (FBD), die im Anlagenumfeld am häufigsten eingesetzt werden.
- Kontaktplan (KOP) und Funktionsbausteindiagramm (FBD) im Vergleich
- Organisationsbausteine (OB), Funktionen (FC) und Funktionsbausteine (FB) anlegen
- Datenbausteine (DB) für strukturierte Datenspeicherung einsetzen
- Globale und Instanz-Datenbereiche verstehen
- Einfache Ein-Ausgabe-Programme erstellen und testen
Das dritte Modul widmet sich den IEC-Timern und IEC-Zählern sowie Vergleichsfunktionen. Diese Bausteine sind in nahezu jeder Automatisierungsaufgabe unverzichtbar und erfordern ein solides Verständnis der Parametrierung.
- TON, TOF und TP (IEC-Zeitfunktionen) parametrieren und einsetzen
- CTU, CTD und CTUD (IEC-Zähler) für Zählaufgaben konfigurieren
- Vergleichsoperationen (EQ, NE, LT, GT) in Steuerungslogik integrieren
- Praxisbeispiele mit Taktgebern, Einschaltverzögerungen und Zählschranken
- Debugging von timer- und zählerbasierten Abläufen
Das vierte Modul schließt mit Programmtest und Fehlersuche. Das systematische Diagnostizieren von Fehlern und das Testen unter realen Bedingungen sind Kernkompetenzen jeder Automatisierungsfachkraft.
- Online-Verbindung zur Steuerung herstellen und Programmstatus beobachten
- Watchdog-Variablen und Forcen von Signalen zum Test einsetzen
- Diagnosepuffer und Systemdiagnose auswerten
- Typische Programmierfehler identifizieren und beheben
- Strukturiertes Testen nach Funktionsabschnitten
Die Weiterbildung verbindet alle Modulinhalte in einer durchgehenden praktischen Lernlinie. Alle Übungsaufgaben finden direkt im TIA-Portal-Schulungssystem statt und sind auf typische Aufgaben aus dem SPS-Alltag ausgerichtet.
- Ein vollständiges SIMATIC-Projekt von Grund auf anlegen
- Hardware konfigurieren und Adressierung der Ein-/Ausgänge einrichten
- Einen OB1-Hauptbaustein mit einfacher Schaltlogik schreiben
- Timer und Zähler in ein reales Steuerungsszenario (z. B. Förderbandsteuerung) einbauen
- Zustandsmaschine mit strukturierten Funktionsbausteinen programmieren
- Datenbaustein für Prozessvariablen anlegen und lesen
- Programm auf simulierte oder reale Steuerung laden
- Online-Status beobachten und Signalfluss nachvollziehen
- Einen gezielt eingebauten Fehler finden und korrigieren
- Diagnosepuffer auslesen und Fehlerursache beschreiben
- Modularer Ausbau des Projekts durch Hinzufügen weiterer Funktionsbausteine
- Abschlusskontrolle des Projekts nach strukturierter Checkliste
Die Übungen sind so gestaltet, dass sie typische Aufgaben aus dem Berufsalltag einer SPS-Fachkraft abbilden.
Lernziele:
Die Weiterbildung vermittelt folgende Kompetenzen, die danach eigenständig in der Praxis eingesetzt werden können.
- Die grundlegende Navigation und Projektstruktur im TIA-Portal
- Die Hardwarekonfiguration von SIMATIC S7-Steuerungen
- Die Erstellung einfacher Programmierbausteine (OB, FB, FC, DB)
- Den Einsatz von IEC-Timern und IEC-Zählern in realen Steuerungsaufgaben
- Vergleichsoperationen und logische Verknüpfungen im Steuerungsprogramm
- Strukturiertes Programmieren zur besseren Wartbarkeit und Wiederverwendung
- Methoden zur Online-Diagnose und Fehlersuche im laufenden Betrieb
- Das Testen und Debuggen von Programmen mit TIA-Portal-Werkzeugen
- Das Laden und Übertragen von Projekten auf die Steuerung
- Die Grundprinzipien der SPS-Datenverwaltung und Speicherorganisation
- Die Einbindung von Ein- und Ausgangssignalen in das Programm
- Das Lesen und Interpretieren von Fehlermeldungen und Diagnosepuffern
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus dem elektrotechnischen und technischen Umfeld, die in die SPS-Programmierung mit Siemens-Systemen einsteigen oder vorhandenes Grundwissen systematisch vertiefen möchten. Angesprochen sind vor allem die folgenden Gruppen.
- Elektrofachkräfte, die TIA-Portal bisher kaum oder gar nicht eingesetzt haben
- Automatisierungstechniker mit Erfahrung an anderen Steuerungssystemen
- Techniker und Meister, die SPS-Programme warten oder erweitern sollen
- Instandhalter, die selbständig Fehler an Siemens-Anlagen diagnostizieren möchten
- Studienabsolventen aus der Elektrotechnik, die praxisnahes Systemwissen suchen
Grundlage ist ein technischer oder elektrotechnischer Studienabschluss oder eine abgeschlossene elektrotechnische Ausbildung — alternativ nachgewiesene steuerungstechnische Berufspraxis. Gute Kenntnisse in der Elektrotechnik und sicherer Umgang mit einem PC sind erforderlich. Erste Berührungspunkte mit Steuerungstechnik oder Schaltplanlesen sind hilfreich, aber nicht zwingend Voraussetzung. Spezielle Siemens-Vorkenntnisse werden nicht erwartet, da der Kurs bewusst beim Basiswissen ansetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht ist stark auf das direkte Arbeiten in der Software ausgerichtet. Technische Konzepte werden zunächst erläutert, dann unmittelbar im TIA-Portal nachvollzogen. Die Teilnehmenden arbeiten an konkreten Steuerungsaufgaben und erhalten Schritt für Schritt Feedback. Lehrmaterialien, Aufgabenblätter und Referenzdokumentationen stehen begleitend zur Verfügung. Gruppen- und Einzelarbeit wechseln sich ab, sodass sowohl Zusammenarbeit als auch eigenständiges Problemlösen geübt werden.
Der Kurs vermittelt das Basiswissen für TIA-Portal und ist typischerweise auf eine intensive Lernphase von einigen Wochen ausgelegt. Je nach Anbieter und Durchführungsformat (Präsenz, Online oder kombiniert) variiert die genaue Stundenzahl. Die Inhalte bauen systematisch aufeinander auf, sodass ein kontinuierliches Mitarbeiten von Anfang an empfohlen wird.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende eine Teilnahmebescheinigung des Bildungsträgers, die den behandelten Stoff und den Lernumfang dokumentiert. Der Kurs legt die Grundlagen für weiterführende Siemens-Trainings im TIA-Portal-Bereich (z. B. Fehlerdiagnose, strukturiertes Programmieren auf höherem Niveau, SCADA-Integration).
Nutzen & Perspektiven
Das TIA-Portal ist der Standard in der deutschen und europäischen Fertigungsindustrie. Wer diese Plattform beherrscht, ist in Automatisierungsprojekten, in der Instandhaltung und in der Anlagenmodernisierung breit einsetzbar. Die Nachfrage nach SPS-Fachkräften mit TIA-Portal-Kenntnissen übersteigt in vielen Industrieregionen das verfügbare Angebot deutlich. Der Kurs gibt Fachkräften ohne TIA-Portal-Vorerfahrung einen strukturierten Einstieg, der gezielt die Wissenslücken schließt, die in der Berufspraxis immer wieder zu Problemen führen — Timer, Zähler, Fehlerdiagnose und Bausteinstruktur. Wer diese Grundlagen solide beherrscht, kann danach selbständig Anlagen programmieren, Fehler finden und Projekte übergeben. Für Berufseinsteiger aus der Elektrotechnik ist die Weiterbildung ein direkter Weg in eines der gefragtesten Aufgabenfelder der modernen Industrie. Automatisierungsanlagen müssen programmiert, gewartet und bei Störungen schnell analysiert werden — das sind Tätigkeiten, die dauerhaft in Betrieben gebraucht werden und nicht ausgelagert werden können. Für erfahrene Fachkräfte, die von anderen Steuerungssystemen wechseln, bietet der Kurs die systematische Einführung in die Siemens-Welt, die selbst angelesene Kenntnisse kaum leisten können. Wer Siemens-Anlagen bisher nur von der Hardware her kennt und jetzt auch die Software beherrschen will, findet hier den richtigen Einstieg.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Benötige ich bereits Erfahrung mit Siemens-Steuerungen?
Nein, der Kurs setzt bewusst bei den Grundlagen an. Vorausgesetzt werden elektrotechnisches Fachwissen und PC-Kenntnisse, aber keine vorherige Erfahrung mit dem TIA-Portal oder Siemens-Steuerungen. Wer bereits an anderen SPS-Systemen gearbeitet hat, wird sich schnell zurechtfinden.
Welche SIMATIC-Steuerungen werden im Kurs eingesetzt?
Der Kurs behandelt die grundlegenden Konzepte, die auf gängige SIMATIC S7-Steuerungen (S7-1200, S7-1500) anwendbar sind. Die genauen Hardwaretypen können je nach Anbieter variieren; die Programmiergrundlagen sind weitgehend übertragbar.
Kann ich nach diesem Kurs eigenständig SPS-Programme erstellen?
Nach dem Kurs beherrschen Sie die Grundlagen, die für einfache bis mittlere Steuerungsaufgaben ausreichen — Timer, Zähler, Bausteinstruktur, Fehlerdiagnose. Komplexe Automatisierungsprojekte mit Sicherheits-SPS oder SCADA-Integration erfordern weiterführende Trainings.
Welche Software muss ich für den Kurs installieren?
TIA-Portal in einer aktuellen Version (typischerweise V17 oder V18). Einige Anbieter stellen die Lizenz für die Kursdauer bereit; andere erwarten, dass die Teilnehmenden Zugang zu einer eigenen Installation haben. Details klären Sie direkt mit dem Anbieter vor Kursbeginn.
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