Überblick
SolidCAM gehört zu den leistungsstärksten integrierten CAM-Lösungen für SolidWorks und zählt in der spanenden Fertigung zu den bevorzugten Systemen für komplexe Fräs- und Drehaufgaben. Diese kompakte Spezialisierungsweiterbildung richtet sich an Fachkräfte, die über grundlegende CAD/CAM-Kenntnisse verfügen und sich gezielt in den anspruchsvollen Bearbeitungsarten vertiefen möchten, die in der industriellen Praxis besonders gefragt sind: die Programmierung von Rotationskörpern und Drehabläufen, die Erstellung von Mehrseiten-Modellen für komplexe Werkstücke sowie die Arbeit mit Freiformflächen und der 5-Achs-Simultanbearbeitung. Der Kurs ist bewusst als kompaktes Intensivformat konzipiert — statt breiter Einführung steht die Vertiefung spezifischer Bearbeitungsszenarien im Mittelpunkt.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Drehen und Rotationskörper: Die Programmierung von Rotationskörpern bildet einen zentralen Bestandteil dieser Spezialisierung. Lernende arbeiten sich in die SolidCAM-Drehumgebung ein und bearbeiten dabei realitätsnahe Werkstücke, wie sie in der Serienfertigung und im Werkzeugbau auftreten.
- Grundprinzipien der Drehumgebung in SolidCAM: Koordinatensystem, Bearbeitungsebene
- Schruppen und Schlichten von Außen- und Innenkonturen
- Stechoperationen, Gewindeschneiden und Freistiche
- Angetriebene Werkzeuge für kombinierte Dreh-Fräs-Bearbeitung einrichten
- Simulation des Drehabschnitts und Prüfung auf Kollisionen und Untermaß
- NC-Code-Ausgabe und Übergabe an gängige Drehmaschinentypes
Modul 2 — Mehrseiten-Modelle und komplexe Aufspannkonzepte: Werkstücke, die von mehreren Seiten bearbeitet werden müssen, erfordern eine durchdachte Aufspannplanung und eine konsistente Verwaltung aller Bearbeitungsschritte im CAM-System. Dieser Block behandelt den systematischen Aufbau von Mehrseiten-Projekten in SolidCAM und die effiziente Verwaltung wechselnder Koordinatensysteme.
- Aufspannungen definieren und Bearbeitungsfolgen logisch strukturieren
- Koordinatensystem-Transformationen zwischen Aufspannungen verwalten
- Synchronisierung von Bearbeitungsschritten bei mehr als zwei Aufspannungen
- Umgang mit Spannvorrichtungen in der Simulation
- Kollisionsprüfung über mehrere Aufspannungen hinweg
- Vorbereitung der NC-Ausgabe für mehrachsige Bearbeitungszentren
Modul 3 — Freiformflächen und 3D-Frässtrategien: Freiformflächen stellen für CAM-Anwender oft die größte Herausforderung dar, weil sie keine einfachen geometrischen Regeln folgen und feine Oberflächenqualitäten erfordern. Lernende erarbeiten, wie SolidCAM unterschiedliche Frässtrategien auf gekrümmte Geometrien anwendet und wie die Schrittweite mit der geforderten Oberflächenrauheit in Beziehung steht.
- Morphing-Fräsen, Horizontales Fräsen und Projektionsfräsen im Vergleich
- Schrittweite, Bahnübergänge und Eintauchstrategien für Freiformflächen
- Restmaterialbearbeitung bei tiefen Taschen und Hohlformen
- Werkzeugauswahl für Kugel-, Torus- und Schaftfräser bei Freiformoberflächen
- Simulation der Oberflächenqualität und Rauheitsabschätzung
- Optimierung der Berechnungszeit bei komplexen Flächenprogrammen
Modul 4 — 5-Achs-Simultanbearbeitung: Die Simultanbearbeitung mit fünf Achsen erlaubt es, komplexe Geometrien in einem Aufspann zu fertigen und dabei optimale Schnittbedingungen zu erhalten. Dieser abschließende Block führt durch die SolidCAM-5-Achs-Umgebung und behandelt die besonderen Anforderungen an Werkzeugneigung, Kollisionsvermeidung und Maschinenkinematik.
- Unterschiede zwischen 3+2-Achsbearbeitung und echter 5-Achs-Simultanbearbeitung
- Werkzeugneigung steuern: Lead, Tilt und automatische Kollisionsvermeidung
- Strategien für Impeller, Schaufeln und Freiformbauteile in 5 Achsen
- Maschinenkinematik und Post-Prozessor-Anforderungen für 5-Achszentren
- Simulation mit virtueller Maschine und Kollisionscheck aller Achsbewegungen
- Fehlerbehebung bei typischen 5-Achs-Programmierproblemen
Praxis-Block — Aufgaben aus der Fertigungspraxis
- Programmierung eines Wellenbauteils mit Freistichen und Gewindeschneiden
- Vollständige Mehrseiten-Bearbeitung eines prismatischen Gehäuseteils
- Freiformfläche eines Formkerns mit Restmaterialbearbeitung fertigprogrammieren
- 5-Achs-Simultanprogramm für ein Modellbauteil aufbauen und simulieren
- Werkzeugwegoptimierung durch Strategiewechsel vergleichen und dokumentieren
- NC-Code-Ausgabe für zwei verschiedene Maschinentypen erstellen und vergleichen
- Bearbeitungszeit-Kalkulation anhand eines realistischen Serienteils
- Kollisionsfreie Simulation eines 5-Achsprogramms mit virtueller Maschine durchführen
- Fehleranalyse an einem vorbereiteten Fehlerprogramm durchführen und korrigieren
- Programmier-Review mit Fachfeedback: typische Optimierungspotenziale identifizieren
- Vorbereitung und Übergabe eines vollständigen CAM-Projekts zur Fertigung
- Dokumentation der Programmierstrategie für Kollegenübergaben
Die Übungsaufgaben orientieren sich an Werkstückgeometrien und Bearbeitungsanforderungen, wie sie in Werkzeugbau, Formenbau und Serienfertigung tatsächlich vorkommen. Lernende arbeiten durchgehend in der SolidCAM-Oberfläche und entwickeln damit nicht nur Methodenkompetenz, sondern auch Sicherheit im Umgang mit dem System. Am Ende des Praxis-Blocks haben Teilnehmende eine vollständige Programmierkette — vom CAD-Modell über die CAM-Strategie bis zur NC-Code-Ausgabe — für alle behandelten Bearbeitungsarten selbständig durchlaufen.
Lernziele:
- Rotationswerkstücke in SolidCAM vollständig programmieren und simulieren
- Drehoperationen mit angetriebenen Werkzeugen kombinieren und verwalten
- Mehrseiten-Modelle effizient anlegen, Aufspannungen planen und Bearbeitungsfolgen strukturieren
- Freiformflächen mit geeigneten Frässtrategien bearbeiten und Oberflächenqualität optimieren
- 5-Achs-Simultanbearbeitung einrichten, konfigurieren und kollisionsfrei simulieren
- Werkzeugwege für komplexe Geometrien berechnen und auf Effizienz prüfen
- Post-Prozessor-Ausgaben für verschiedene Maschinentypen verstehen und anpassen
- Bearbeitungszeiten kalkulieren und durch Strategiewahl optimieren
- Typische Fehler bei der NC-Programmierung komplexer Bauteile erkennen und beheben
- Simulationsergebnisse interpretieren und Werkzeugwege gezielt korrigieren
- Ergebnisse aus der CAM-Umgebung für Fertigung und Qualitätssicherung dokumentieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung ist ausdrücklich als Aufbaukurs konzipiert und setzt vorhandene CAD/CAM-Kenntnisse voraus.
- CNC-Programmierer und -Programmiererinnen, die ihren Einsatzbereich auf komplexere Bearbeitungsarten ausdehnen möchten
- Zerspanungsmechaniker mit Erfahrung in der CNC-Fertigung, die CAM-Kenntnisse vertiefen
- CAM-Anwender, die bisher hauptsächlich in 2,5D oder einfacher 3D-Bearbeitung gearbeitet haben
- Fachkräfte aus Werkzeug- oder Formenbau, die Freiformflächen und 5-Achs-Bearbeitung in ihr Repertoire aufnehmen möchten
- Techniker und Technikerinnen, die von einem anderen CAM-System auf SolidCAM wechseln
Für die Teilnahme werden Kenntnisse in der CNC-Programmierung sowie gute PC-Kenntnisse vorausgesetzt. Erfahrung im Umgang mit einem CAD/CAM-System — nicht notwendigerweise SolidCAM — erleichtert den Einstieg erheblich, da der Kurs keine Einführung in die Grundlagen der spanenden Fertigung oder der CAD-Modellierung bietet. Wer bereits mit SolidWorks gearbeitet hat, bringt eine besonders gute Ausgangsbasis mit, da SolidCAM als integrierbares Plug-in für SolidWorks konzipiert ist. Technisches Verständnis für Maschinenkinematik und Fertigungsprozesse wird vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als hands-on Intensivformat gestaltet: Theoriephasen, in denen Konzepte und Strategien erläutert werden, wechseln sich eng mit geleiteten Übungen am System ab. Lernende bearbeiten über den gesamten Kursverlauf konkrete Werkstücke und Programmieraufgaben — von einfacheren Drehabläufen bis hin zu vollständigen 5-Achs-Programmen. Das Intensivformat bedeutet, dass täglich eine hohe Lernmenge verarbeitet wird; die kompakte Struktur hilft dabei, das Erlernte konsistent aufzubauen, anstatt es über lange Zeiträume zu strecken.
Als Intensiv- und Kompaktkurs ist die Weiterbildung auf einen konzentrierten Zeitraum ausgelegt. Die genauen Terminangaben variieren je nach Anbieter; Interessierte wenden sich für aktuelle Kursdaten direkt an die anbietenden Träger.
Teilnehmende erhalten nach Abschluss eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die die behandelten Kursinhalte dokumentiert. Es handelt sich um ein trägerinternes Zertifikat ohne externe Herstellerprüfung. Wer eine weiterführende Zertifizierung in SolidCAM anstrebt, kann diese Weiterbildung als Vorbereitung auf entsprechende Herstellerprogramme nutzen.
Nutzen & Perspektiven
Die 5-Achs-Simultanbearbeitung und die Programmierung von Freiformflächen sind in der modernen Zerspanungsindustrie keine Spezialdisziplinen mehr, sondern zunehmend Standard in Werkzeug- und Formenbau sowie in der Luft- und Raumfahrtfertigung. Wer diese Bearbeitungsarten sicher beherrscht, öffnet sich den Zugang zu Projekten und Positionen, die erhöhte Programmieranforderungen stellen — und entsprechend vergütet werden. SolidCAM als System ist in der Lage, komplexe Geometrien sehr effizient zu programmieren, wenn man die richtigen Strategien kennt. Dieser Kurs vermittelt genau dieses Strategiewissen: nicht als abstraktes Theoriewissen, sondern als angewandtes, an realen Werkstücken erprobtes Können. Die Intensivform stellt sicher, dass das Gelernte in einem zeitlich konzentrierten Rahmen gefestigt wird, ohne die berufliche Praxis länger als nötig zu unterbrechen. Für Unternehmen, die ihre CAM-Abteilung qualifizieren möchten, bietet dieser Kurs einen direkten Mehrwert: Mitarbeiter kehren mit erweitertem Methodenrepertoire zurück und können unmittelbar komplexere Werkstücke übernehmen, die bisher ausgelagert werden mussten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist dieser Kurs auch für Einsteiger in SolidCAM geeignet?
Nein, der Kurs setzt CAD/CAM-Vorkenntnisse voraus und ist als Aufbaukurs konzipiert. Wer noch nie mit einem CAM-System gearbeitet hat, sollte zunächst einen Grundlagenkurs belegen.
Welche Unterschiede gibt es zwischen 3+2-Achsbearbeitung und echter 5-Achs-Simultanbearbeitung?
Bei der 3+2-Bearbeitung werden die Drehachsen positioniert und dann festgestellt — das Werkzeug fährt also in 3 Achsen. Bei der echten 5-Achs-Simultanbearbeitung bewegen sich alle fünf Achsen gleichzeitig, was komplexere Geometrien in einem Aufspann erlaubt und Werkzeugneigung kontinuierlich angepasst werden kann.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Trägers. Eine externe Herstellerzertifizierung ist nicht Bestandteil dieses Kurses.
Ist SolidWorks-Erfahrung nötig?
Nicht zwingend, aber hilfreich, da SolidCAM als integriertes Plug-in für SolidWorks konzipiert ist. CAD-Kenntnisse in einem anderen System helfen ebenfalls. Der Kurs konzentriert sich auf die CAM-Seite, nicht auf CAD-Modellierung.
Kann ich den Kurs für die betriebliche Weiterbildung meiner Mitarbeiter nutzen?
Ja, das Intensivformat ist für betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen gut geeignet. Mitarbeiter erwerben gezielt die Kompetenzen, die für komplexere Fertigungsaufgaben benötigt werden.
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