Überblick
SolidWorks Advanced setzt auf soliden Grundlagenkenntnissen in SolidWorks auf und führt in die praxisnahen Spezialgebiete ein, die im Konstruktionsalltag des Maschinenbaus, Apparatebaus und der Fertigungstechnik täglich anfallen: Blechkonstruktion, die Erstellung ganzer Baugruppen mit mehreren Komponenten, Normteilbibliotheken, Analysetools auf Baugruppenebene sowie die vollständige Dokumentation von Baugruppen mit Explosionsansichten und Detailzeichnungen. Dieser Kurs unterscheidet sich bewusst vom SolidWorks-Einstiegskurs, der parametrische Grundlagen und Einzelteilkonstruktion lehrt: Hier geht es darum, diese Basis auf realistische Konstruktionsprojekte mit mehreren Teilen, Formgebungsverfahren und fertigungsgerechter Detaillierung anzuwenden. Von SolidWorks Expert, das auf Oberflächenmodellierung, Schweißkonstruktionen und Strömungssimulation spezialisiert ist, unterscheidet sich Advanced durch seinen Fokus auf Standard-Konstruktionsprozesse und Blechbearbeitung, die die breite Masse industrieller Projekte ausmachen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Blechkonstruktion in SolidWorks Blechteile folgen einer eigenen Konstruktionsmethodik, weil sie nicht wie Massivteile gefräst, sondern aus Flachmaterial gebogen, gestanzt und gefalzt werden. SolidWorks Sheet Metal kennt die Fertigungslogik und berechnet Abwicklungen und Biegezugaben automatisch.
- Blechteile mit Basisflansch und Kantenflansch anlegen
- Biegezugaben und Biegeverkürzung konfigurieren
- Einschnitte, Ausschnitte und Registerformen einbauen
- Formwerkzeuge (Prägungen, Sicken, Stanzlöcher) einsetzen
- Abwicklung (Flat Pattern) generieren und für Laserzuschnitt exportieren
- Blechbauteil in normgerechter Zeichnung mit Abwicklungsansicht darstellen
Modul 2 — Komplexe Baugruppen und Normteilbibliothek Reale Maschinen bestehen aus Dutzenden oder Hunderten von Teilen. SolidWorks ermöglicht die schrittweise Zusammensetzung von Baugruppen mit frei definierbaren kinematischen Beziehungen und dem direkten Zugriff auf eine umfangreiche Normteilbibliothek.
- Mehrteilige Baugruppen mit Unterbaugruppen strukturieren
- SolidWorks Toolbox: Schrauben, Muttern, Passfedern, Lager und Stifte einsetzen
- Mating-Bedingungen für geführte Bewegungen (Schiebeführungen, Scharniere) definieren
- Property-Manager für Komponenteneigenschaften und Bauteil-Metadaten nutzen
- Benutzerdefinierte Normteile in die Bibliothek aufnehmen
- Konfigurationen auf Baugruppenebene für Produktvarianten anlegen
Modul 3 — Zeichnungsdetaillierung und Dokumentation Professionelle Fertigungszeichnungen gehen über einfache Ansichten hinaus: Sie enthalten Schnittdarstellungen, Detailausschnitte, vollständige Toleranzangaben und Oberflächensymbole, die der Fertigung eindeutige Vorgaben machen.
- Schnittansichten (Vollschnitt, Halbschnitt, Profilschnitt, Ausbruch) einsetzen
- Detailansichten für maßgenaue Kleinstelemente erstellen
- Symbole für Oberflächenrauheit, Form- und Lagetoleranzen nach DIN/ISO platzieren
- Toleranz-Tabellen und Passungsangaben in Zeichnungen integrieren
- Automatische Stückliste aus Baugruppenmodell generieren und formatieren
- Positionsnummern aus der Stückliste in die Zusammenstellungszeichnung einfügen
Modul 4 — Baugruppenanalysen und Kollisionsprüfung Schon vor der ersten physischen Fertigung lassen sich in SolidWorks viele konstruktive Fehler aufdecken: Kollisionen zwischen Bauteilen, kinematische Konflikte und Freiheitsgrad-Fehler werden erkannt und können behoben werden, bevor teure Änderungen in der Fertigung anfallen.
- Interferenzprüfung (Interference Detection) auf Baugruppenebene ausführen
- Bewegungsanalyse für Mechanismen mit definierten Freiheitsgraden durchführen
- Property-Manager für Abstandsmessungen und Massenträgheitsmomente auswerten
- Explosionsansicht und animierte Explosionsschritte für Montagedokumentation erstellen
- Normteil-Kollisionen durch Justierung von Mating-Abständen beheben
Praxisblock — Realitätsnahe Konstruktionsprojekte Die Praxisaufgaben im Advanced-Kurs simulieren typische Designaufgaben aus dem Serienmaschinenbau und der Apparatetechnik.
- Blechgehäuse mit mehreren Flanschen, Prägungen und Montagebohrungen konstruieren
- Abwicklung des Blechgehäuses als DXF für Laserzuschnitt exportieren
- Antriebsbaugruppe (Welle, Lager, Nabe, Passfeder) mit Toolbox-Normteilen zusammenbauen
- Kollisionsprüfung der Baugruppe ausführen und Interferenzen beheben
- Explosionsansicht der Antriebsbaugruppe mit nummerierten Schritten erstellen
- Vollständige Zusammenstellungszeichnung mit Stückliste und Positionsnummern anfertigen
- Detailansicht einer Passbohrung mit Passungstoleranz und Oberflächensymbol erstellen
- Konfiguration für eine Bauteilsvariante mit geändertem Abtriebsdurchmesser anlegen
- Einfache Schiebemechanik mit Führungsbedingungen modellieren und Bewegung simulieren
- Schweiß-Vorbereitung einer Stahlbaugruppe mit Schnittkanten und Flanken kennzeichnen
- Normgerechte Zeichnung eines Blechteils mit Abwicklungsansicht und Biegekanten ausgeben
- Gesamtprojekt: Kleiner Greifer oder Spannvorrichtung vollständig konstruieren, dokumentieren und ausgeben
Die Praxisaufgaben im Advanced-Kurs sind bewusst anspruchsvoller als jene im Grundlagenkurs und verlangen, dass Teilnehmende selbstständig Konstruktionsentscheidungen treffen und deren Auswirkungen auf Baugruppen und Zeichnungen verantworten. Dadurch entsteht ein Kompetenzprofil, das direkt den Anforderungen in Konstruktionsabteilungen mittelständischer Fertigungsunternehmen entspricht.
Lernziele:
- Methodik der Blechkonstruktion in SolidWorks: Flansche, Abwicklungen, Biegezugaben und Schnittfolgen
- Sichere Anwendung von Formwerkzeug-Features für Blechumformung und Stanzung
- Konstruktion und Verwaltung komplexer Baugruppen mit mehreren Unterbaugruppen
- Einsatz der SolidWorks-Toolbox für Normteile (Schrauben, Muttern, Lager, Stifte)
- Baugruppenmodellierung mit Property-Manager-gesteuerten Mating-Bedingungen und Bewegungsfreiheitsgraden
- Explosionsansichten und Explosionsschrittsequenzen für Montagedokumentation erstellen
- Professionelle Zeichnungsdetaillierung: Schnitte, Detailansichten, Symbole, Toleranztabellen und Oberflächenangaben
- Stücklisten aus Baugruppen generieren und in Zeichnungen integrieren
- Einführung in einfache Analysen auf Baugruppenebene: Kollisionsprüfung und Bewegungsanalyse
- Konfigurationsmanagement auf Baugruppenebene für Varianten und Familien
- Normteilbibliotheken erweitern und benutzerdefinierte Elemente verwalten
- Qualitätssicherung von Baugruppen: Interferenzerkennung, Mating-Fehler beheben
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an SolidWorks-Anwender mit Grundlagenkenntnissen, die ihre Kompetenz auf praxisrelevante Konstruktionssituationen ausweiten möchten.
- CAD-Konstrukteurinnen und -Konstrukteure mit SolidWorks-Basis, die im Berufsalltag mit Baugruppen und Blechteilen konfrontiert sind
- Maschinenbaukonstrukteurinnen und -konstrukteure, die Normteile und Varianten in ihrer täglichen Arbeit benötigen
- Technische Produktdesignerinnen und -designer mit Fertigungsbezug
- Fachkräfte aus dem Anlagen- oder Apparatebau, die ihre CAD-Kenntnisse strukturiert erweitern möchten
- SolidWorks-Einsteiger aus vorherigen Kursen, die den nächsten Kompetenzschritt machen wollen
Grundkenntnisse in SolidWorks sind für die Teilnahme an diesem Kurs erforderlich. Dazu gehören das sichere Erstellen von 2D-Skizzen, die Anwendung grundlegender Modellier-Features (Extrusion, Rotation, Verrundungen) sowie ein Verständnis des FeatureManager-Baums und des parametrischen Konstruktionsprinzips. Ohne diese Basis kann der Kurs nicht sinnvoll mitgemacht werden. Ergänzend wird eine technische Berufsausbildung oder ein Ingenieurstudium mit Maschinenbaubezug erwartet.
Ablauf & Abschluss
Im Advanced-Kurs überwiegt die eigenständige Bearbeitung von Konstruktionsaufgaben, die von der Lehrperson begleitet und kommentiert werden. Neue Werkzeuge und Module werden in kurzen Demonstrationen eingeführt, anschließend wenden die Teilnehmenden sie sofort auf vorbereitete Bauteile und Baugruppen an. Dabei entstehen Fragen zum besten Konstruktionsweg — diese gemeinsamen Diskussionen über Konstruktionsmethodik sind ein zentraler Bestandteil des Kurses und schulen nicht nur SolidWorks-Fertigkeiten, sondern konstruktives Denkvermögen.
Der Kurs läuft im Vollzeit- oder Teilzeitformat über mehrere Wochen. Der genaue Umfang variiert je nach Anbieter. Aktuelle Termine und Stundenzahlen finden Sie in den verfügbaren Kursangeboten.
Nach erfolgreicher Kursteilnahme wird ein trägerinternes Zertifikat ausgestellt, das die erworbenen Advanced-Kompetenzen in SolidWorks belegt. Dieses Zertifikat ergänzt ein bereits vorhandenes SolidWorks-Grundlagen-Zertifikat und zeigt potenziellen Arbeitgebern, dass der Inhaber über ein ausgeweitetes, praxisrelevantes Kompetenzprofil verfügt.
Nutzen & Perspektiven
Blechkonstruktion und Baugruppenmanagement mit Normteilen sind die häufigsten Aufgaben in Konstruktionsabteilungen des Maschinen- und Apparatebaus. Wer genau diese Kompetenz nachweisen kann, ist in deutschen Fertigungsunternehmen besonders gefragt — die Stellenanzeigen in diesem Bereich nennen Blechkonstruktion und Baugruppen-CAD regelmäßig als Kernanforderungen. Die Verbindung aus Konstruktionstechnik und Dokumentationskompetenz, die dieser Kurs schult, ermöglicht den Einstieg in eine vollständige Konstruktionsrolle: vom ersten Entwurf über die Baugruppenmontage bis zur fertigungsreifen Zeichnung mit Stückliste. Fachkräfte, die diesen Kurs absolvieren, können den gesamten dokumentierten Konstruktionsprozess abdecken, ohne auf Kollegenunterstützung angewiesen zu sein. Wer nach diesem Kurs weitere SolidWorks-Kompetenz aufbauen möchte, findet im SolidWorks-Expert-Kurs die konsequente Vertiefung in Richtung Oberflächenmodellierung, Schweißkonstruktionen und Simulationswerkzeuge — Themengebiete, die im Advanced-Kurs nur als Ausblick erscheinen, im Expert-Kurs aber zum Kerninhalt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind die Voraussetzungen für SolidWorks Advanced?
Für diesen Kurs sind grundlegende SolidWorks-Kenntnisse erforderlich: sicheres 2D-Skizzieren, Anwendung von Basis-Features (Extrusion, Rotation, Verrundung) und Verständnis des FeatureManager-Baums. Wer diese Grundlagen noch nicht hat, sollte zunächst den SolidWorks-Einstiegskurs belegen.
Was ist Blechkonstruktion und warum ist sie wichtig?
Blechteile werden aus Flachmaterial durch Biegen, Stanzen und Falzen hergestellt. SolidWorks Sheet Metal kennt diese Fertigungslogik und berechnet Abwicklungen (Flat Pattern) und Biegezugaben automatisch. Blechkonstruktion ist ein Kernthema in Maschinenbau, Gerätebau und Anlagenbau, wo viele Gehäuse, Träger und Verkleidungen aus Blech gefertigt werden.
Was unterscheidet SolidWorks Advanced von SolidWorks Expert?
Advanced konzentriert sich auf praxisbreite Themen: Blechkonstruktion, komplexe Baugruppen, Normteile, Kollisionsprüfung und professionelle Zeichnungsdetaillierung. Expert geht in spezialisierte Bereiche: Oberflächenmodellierung, Gusswerkzeuge, Schweißkonstruktionen und Bewegungs-/Strömungssimulationen. Advanced ist der erste Vertiefungsschritt, Expert der zweite.
Was ist die SolidWorks Toolbox?
Die SolidWorks Toolbox ist eine integrierte Bibliothek für Normteile nach DIN, ISO, ANSI und anderen Standards: Schrauben, Muttern, Scheiben, Passfedern, Lager und Stifte stehen als fertige parametrische Bauteile zur Verfügung. Das spart erheblich Zeit bei der Baugruppenkonstruktion, weil Standardkomponenten nicht neu konstruiert werden müssen.
Welchen Abschluss bekomme ich?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat der Bildungseinrichtung, das Ihre erworbenen Advanced-Kompetenzen in SolidWorks dokumentiert. Das Zertifikat ergänzt ein eventuell vorhandenes Grundlagen-Zertifikat und belegt gegenüber Arbeitgebern ein ausgeweitetes, fertigungsnahes Kompetenzprofil.
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