Überblick
Speicherprogrammierbare Steuerungen sind das Herzstück moderner Fertigungs- und Automatisierungsanlagen. SPS-Techniker projektieren, programmieren und warten diese Systeme in der Praxis, von der Einzelmaschine bis zur vernetzten Fertigungslinie. Diese Weiterbildung führt systematisch von den elektrotechnischen Grundlagen bis zur anspruchsvollen SPS-Programmierung mit Siemens S7 und TIA Portal, einschließlich der Anbindung an Profibus und Profinet, der Schaltplanerstellung mit EPLAN P8 sowie der Bedienung von Operatorpanels. Abschluss der Qualifizierung ist eine externe HWK-Prüfung, die den Titel SPS-Fachkraft (HWK) verleiht und deutschlandweit anerkannt ist.
Kursinhalte & Lernziele
Elektrotechnik-Grundlagen und Schaltplanerstellung mit EPLAN P8 Solide Kenntnisse in Schaltungstechnik und Schaltplanerstellung sind die unverzichtbare Basis für jede SPS-Tätigkeit. Dieser Block deckt die wesentlichen elektrotechnischen Grundlagen ab und führt in die professionelle Schaltplanzeichnung mit EPLAN P8 ein, der in der Industrie meistgenutzten Planungssoftware.
- Ohmsches Gesetz, Kirchhoffsche Regeln und Grundschaltungen sicher anwenden
- Schalt- und Steuerungstechnik mit Schützen, Relais und Zeitrelais verstehen
- Schaltpläne normgerecht nach DIN EN 61082 erstellen
- EPLAN P8: Projektanlage, Symbolbibliotheken und Berichtsgeneratoren nutzen
- Schutzmaßnahmen nach VDE 0100 und DGUV Vorschrift 3 kennen
- Betriebsmittelkennzeichnung und Klemmenpläne erstellen
Pneumatik, Elektropneumatik und elektrische Maschinen Industrielle Maschinen kombinieren pneumatische Bewegungsabläufe mit elektrischer Steuerung. Dieser Block vermittelt das Zusammenspiel beider Technologien und erklärt, wie elektrische Antriebe in Automatisierungsanlagen eingesetzt werden.
- Grundschaltungen der Pneumatik: Zylinder, Ventile, Schaltkreise
- Elektropneumatische Schaltungen mit Magnetventilen und Sensorsignalen aufbauen
- Druckluftversorgung, Filter und Wartungseinheiten dimensionieren
- Aufbau und Wirkungsweise von Drehstrommotoren und Frequenzumrichtern
- Motorschutz und Anlassverfahren für unterschiedliche Lasten
- Sensorik: induktive, kapazitive, optische Sensoren und Näherungsschalter
SPS-Programmierung mit Siemens S7 und TIA Portal Siemens S7 300/400/1200/1500 und das TIA Portal sind die in Deutschland und Europa am weitesten verbreiteten SPS-Plattformen. Dieser Block vermittelt alle Programmiertechniken, die für eine professionelle SPS-Tätigkeit erforderlich sind.
- Hardware-Konfiguration: CPU-Auswahl, Ein-/Ausgabebaugruppen, Rack-Aufbau
- Programmiersprachen: KOP (Kontaktplan), FUP (Funktionsplan) und AWL (Anweisungsliste)
- Datenbausteine (DB), Funktionsbausteine (FB) und Organisationsbausteine (OB) strukturieren
- Erweiterte Programmierung: Schrittketten, Timer, Zähler und Merker
- Parametrieren von Analogbaugruppen und Skalierung von Messwerten
- Diagnosefunktionen: Fehlersuche mit Watch-Tabellen und Querverweis
Kommunikation und Netzwerke: MPI, Profibus und Profinet Moderne Anlagen kommunizieren über Feldbusse und Industrial Ethernet. Dieser Block zeigt, wie Siemens-Steuerungen in vernetzte Anlagenstrukturen eingebunden werden und wie Kommunikationsfehler diagnostiziert werden.
- MPI-Kommunikation zwischen mehreren CPUs einrichten
- Profibus-DP: Master-Slave-Konfiguration, GSD-Dateien und Diagnose
- Profinet IO: Device-Konfiguration, GSDML-Dateien und Topologie
- Netzwerkdiagnose mit TIA Portal und Diagnosepuffern
- Datenaustausch zwischen SPS und übergeordneten Systemen
- Grundzüge von Industrie 4.0 und OPC UA als Kommunikationsstandard
Praxisanwendungen und Vorbereitung auf die HWK-Prüfung Alle Programmier- und Planungsblöcke werden durch realitätsnahe Aufgaben vertieft, die den HWK-Prüfungsanforderungen entsprechen.
- Vollständige Steuerungsaufgabe von der Schaltplanerstellung bis zur Inbetriebnahme umsetzen
- SPS-Programm für eine Förderanlage in KOP erstellen und testen
- Operatorpanel mit Betriebszuständen, Fehlermeldungen und Sollwerteingabe projektieren
- Profibus-Teilnehmer in eine bestehende S7-Station einbinden
- Diagnose einer simulierten Anlagenstörung im TIA Portal durchführen
- Schaltplan in EPLAN P8 aus vorhandenem Programm rückableiten
- Aufgaben mit HWK-relevantem Prüfungsstoff unter Zeitvorgabe bearbeiten
- Elektrische Sicherheitsprüfung nach DGUV V3 dokumentieren
- Analogwert-Skalierung und Grenzwertüberwachung programmieren
- Frequenzumrichter über Profibus parametrieren und in Betrieb nehmen
- Komplexe Schrittkette für einen Montageablauf implementieren
- Abnahmetest und Inbetriebnahmedokumentation erstellen
Die praktischen Übungen erfolgen an realen Trainingsanlagen mit Siemens S7- und S15-CPUs, was die direkte Übertragung auf den Berufsalltag sicherstellt.
Lernziele:
- Elektrotechnische Grundlagen sicher beherrschen und auf Steuerungsaufgaben anwenden
- Schaltpläne mit EPLAN P8 professionell erstellen, lesen und interpretieren
- Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorschriften in der Elektrotechnik kennen und umsetzen
- Grundlagen elektrischer Maschinen und Antriebe erklären
- Pneumatische und elektropneumatische Systeme aufbauen und in Betrieb nehmen
- Sensorik und Aktorik in Automatisierungsanlagen einbinden
- Siemens S7 und TIA Portal für einfache und erweiterte Steuerungsaufgaben nutzen
- Hardware-Konfigurationen im TIA Portal anlegen und Baugruppen parametrieren
- Profibus und Profinet als industrielle Bussysteme einrichten und diagnostizieren
- Operatorpanels projektieren, programmieren und in SPS-Systeme einbinden
- SPS-Programme in EPLAN P8 dokumentieren und Praxisaufgaben HWK-konform vorbereiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachleute mit technischem Hintergrund, die gezielt in die SPS-Automatisierungstechnik einsteigen oder ihre vorhandenen Kenntnisse auf einen formal anerkannten Stand bringen wollen.
- Elektroniker, Elektriker und Mechatroniker mit Berufspraxis im Maschinen- oder Anlagenbau
- Techniker aus dem Bereich Metall und Mechanik, die in die Steuerungstechnik wechseln wollen
- Instandhalter und Servicetechniker, die SPS-Systeme eigenständig warten und entstören sollen
- Fachleute aus dem Anlagenbau, die ihre Programmierkenntnisse formal zertifizieren lassen möchten
- Berufswechsler mit elektrotechnischer oder mechanischer Vorbildung
Eine abgeschlossene technische oder elektrotechnische Berufsausbildung oder nachgewiesene Berufspraxis im technischen Bereich wird erwartet. Grundkenntnisse in Elektrotechnik oder Steuerungstechnik erleichtern den Einstieg. Gute PC-Kenntnisse sind notwendig, da alle Planungs- und Programmierwerkzeuge softwarebasiert sind. Kenntnisse in EPLAN oder SPS-Grundlagen sind von Vorteil, aber nicht zwingend Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet theoretischen Unterricht mit intensiven Praxisanteilen an realen SPS-Trainingsanlagen. Schaltplanerstellung, Programmierübungen und Netzwerkeinbindung werden direkt an Siemens-Hardware geübt, nicht nur simuliert. Ergänzende Lehrvideos und Unterrichtsmaterialien ermöglichen das Vertiefen schwieriger Inhalte. Der prüfungsrelevante Stoff wird durch Wiederholung in allen Praxisphasen gefestigt, nicht auf separate Blöcke konzentriert.
Aufgrund der Tiefe der Inhalte, die von Elektrotechnik-Grundlagen bis zur HWK-Externenprüfung reichen, handelt es sich um eine mehrmonatige Vollzeitweiterbildung. Genaue Wochen- und Stundenzahlen hängen vom jeweiligen Anbieter ab. Das Lernpensum ist hoch und erfordert Eigenmotivation und tägliche Übungsbereitschaft.
Die Weiterbildung schließt mit einer externen Prüfung bei der Handwerkskammer (HWK) ab, die zum anerkannten Titel SPS-Fachkraft (HWK) führt. Zusätzlich erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat des durchführenden Bildungsträgers. Der HWK-Abschluss ist bundesweit anerkannt und stellt gegenüber Arbeitgebern in der Industrie einen klaren, formalen Qualifikationsnachweis dar.
Nutzen & Perspektiven
SPS-Techniker gehören zu den gesuchten Fachkräften in der deutschen Industrie. Die Automatisierung von Fertigungsprozessen erzeugt einen anhaltenden Bedarf an Fachleuten, die programmierbare Steuerungen nicht nur bedienen, sondern auch projektieren, parametrieren und entstören können. Mit dem HWK-Abschluss als SPS-Fachkraft gelingt der Einstieg in dieses Berufsfeld auf einer formal anerkannten Grundlage. Die Kombination aus EPLAN-Schaltplanerstellung, S7/TIA-Portal-Programmierung und industriellen Bussystemen deckt genau das Spektrum ab, das in Industrieunternehmen und Sondermaschinenbau täglich gefragt ist. Wer Profibus und Profinet konfigurieren, Frequenzumrichter einbinden und Operatorpanels gestalten kann, ist für die gesamte Bandbreite moderner Maschinensteuerung qualifiziert. Die externe HWK-Prüfung gibt dem Abschluss eine Verlässlichkeit, die rein trägerinterne Zertifikate nicht bieten. Arbeitgeber in der Automatisierungsbranche kennen das HWK-Prüfungsniveau und können die Qualifikation direkt einschätzen. Das erleichtert Gehaltsverhandlungen und den Einstieg in qualifizierte Positionen in der Inbetriebnahme, Instandhaltung und im Service.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der HWK-Abschluss als SPS-Fachkraft?
Der Abschluss SPS-Fachkraft (HWK) ist eine external abgelegte Prüfung bei der Handwerkskammer. Er ist bundesweit anerkannt und belegt fachlich geprüfte Kompetenzen in der SPS-Programmierung und Automatisierungstechnik, die über ein trägerinternes Zertifikat hinausgehen.
Welche SPS-Systeme werden im Kurs eingesetzt?
Der Schwerpunkt liegt auf Siemens S7-Steuerungen und dem TIA Portal, das die aktuellen Siemens-CPU-Familien S7-1200 und S7-1500 unterstützt. Auch ältere S7-300/400-Systeme werden berücksichtigt, da sie in der Industrie noch weit verbreitet sind.
Brauche ich Vorkenntnisse in SPS-Programmierung?
Nein, der Kurs beginnt mit den Grundlagen der Elektrotechnik und führt schrittweise zur SPS-Programmierung. Eine abgeschlossene technische Berufsausbildung und PC-Kenntnisse sind ausreichend. Vorwissen in EPLAN oder SPS erleichtert den Einstieg, ist aber keine Pflicht.
Wird im Kurs auch Schaltplanerstellung gelehrt?
Ja, EPLAN P8 ist ein vollwertiger Kursblock. Teilnehmende lernen, Schaltpläne normgerecht zu erstellen, Betriebsmittelkennzeichnungen vorzunehmen und Stücklisten zu generieren. Die Einbindung des SPS-Programms in die EPLAN-Dokumentation wird ebenfalls geübt.
Sind auch industrielle Bussysteme Teil des Kurses?
Ja, MPI, Profibus DP und Profinet IO werden ausführlich behandelt. Teilnehmende konfigurieren Netzwerkstrukturen im TIA Portal, binden Profibus-Teilnehmer ein und diagnostizieren Kommunikationsfehler, was für die Praxis in vernetzten Fertigungsumgebungen unverzichtbar ist.
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