Überblick
Während SPS-Programme den eigentlichen Maschinenprozess steuern, entscheidet die HMI-Visualisierung darüber, wie Bediener, Instandhalter und Anlagenführer mit dieser Steuerung interagieren können. WinCC Advanced ist Siemens' professionelle SCADA- und HMI-Projektierungsumgebung, vollständig in das TIA Portal integriert. Dieser Kurs behandelt ausschließlich die Visualisierungsseite: Wie entsteht ein funktionsfähiges, ergonomisches und sicheres Bediensystem auf Basis von WinCC Advanced — von der ersten HMI-Konfiguration über Alarmbausteine bis zur Datenbankarchivierung? Das ist ein eigenständiges Aufgabenfeld, das sich von der SPS-Programmierarbeit klar unterscheidet.
Kursinhalte & Lernziele
Einführung in die WinCC-Advanced-Projektierungsumgebung Dieser Einstiegsblock vermittelt einen strukturierten Überblick über die WinCC-Advanced-Oberfläche im TIA Portal. Die Teilnehmenden lernen, wie HMI-Geräte dem Projekt hinzugefügt werden, welche Projektierungsbereiche es gibt und wie das Zusammenspiel zwischen SPS-Projekt und HMI-Projekt im TIA Portal organisiert ist.
- TIA-WinCC-HMI-Projektierungsbereich: Navigation, Werkzeugfenster, Bibliotheken
- HMI-Gerät hinzufügen: Panel-Typen, Displayauflösungen und Verbindungseinstellungen
- Kommunikationsverbindung SPS ↔ HMI: PROFINET-Verbindung parametrieren und testen
- Integrierter vs. eigenständiger WinCC-Advanced-Betrieb
- Versionsverwaltung und Bibliothekskonzept im TIA Portal
- Typische Projektstruktur für industrielle HMI-Applikationen
Prozessbilder und Bildnavigation Das Herzstück jeder HMI-Applikation sind die Prozessbilder. Dieser Block behandelt alle Aspekte der Bilderstellung: von statischen grafischen Elementen über dynamische Anzeigeobjekte bis zur strukturierten Bildnavigation.
- Statische Grafiken, Textfelder und Symbole in Prozessbildern platzieren
- Dynamische Objekte: Anzeigefelder, Schaltflächen, Bargraphen, Kreisanzeigen und Symbole
- Variablenanbindung: HMI-Tags anlegen, Datentypen zuordnen und Aktualisierungszyklus einstellen
- Externe Tag-Verbindung zur SPS-Variable (Direktverbindung vs. HMI-Tag)
- Bildwechsel und Bildnavigation: Permanentbereich, Bildobjekte, Schaltflächenverknüpfung
- Faceplates und Bibliotheksobjekte für wiederkehrende Anzeigeelemente nutzen
- Mehrsprachige HMI-Projekte: Sprachumschaltung und Textverwaltung
Alarmsystem und Meldeprotokollierung Ein professionelles Bediensystem ohne Alarmanzeige ist undenkbar. Dieser Block behandelt die vollständige Einrichtung des WinCC-Advanced-Alarmsystems — von der Alarmdefinition bis zur archivierten Protokollierung.
- Diskretalarm und Analogalarm anlegen und kategorisieren (Fehler, Warnung, Info)
- Alarmprioritäten, Quittierungsgruppen und Quittierungsverhalten einstellen
- Alarmansicht-Objekt im Prozessbild platzieren und formatieren
- Alarmprotokoll: Alarmarchiv einrichten und historische Meldungen abrufen
- Systemalarme von WinCC Advanced und deren Bedeutung
- Alarmexport und Integration mit übergeordneten Systemen
Praxisblock: Datenbankarchivierung, Trenddarstellung, Benutzerverwaltung und Projekttransfer Dieser abschließende Praxisteil verbindet die gelernten Visualisierungskomponenten zu einem vollständigen HMI-Projekt und ergänzt es um die professionellen Funktionen Trendarchivierung, Prozessdatenspeicherung und Zugriffskontrolle.
- Trendarchiv anlegen: Variablen, Aufzeichnungsintervall und Archivgröße einstellen
- Kurvenanzeige-Objekt konfigurieren: Zeitachse, Y-Achsenskalierung, Legende
- Prozessdatenarchivierung für Langzeitaufzeichnungen aktivieren
- Benutzerverwaltung: Benutzer, Gruppen und Sicherheitsstufen anlegen
- Passwortschutz für Bildbereiche, Schaltflächen und Einstellwerte einrichten
- Projekttransfer auf HMI-Panel: TIA-Portal-Transfermethoden (MPI, PROFINET, USB)
- Simulation im TIA Portal: HMI-Verhalten vor dem Transfer testen
- Verbindungsdiagnose und Fehlersuche bei SPS-HMI-Kommunikationsproblemen
- Backup und Restore des HMI-Projekts auf dem Panel
- Grundlegende Optimierungsmaßnahmen für Bildaufbauzeiten und Variablenanzahl
- Leitfaden für die Abnahme und Dokumentation von HMI-Projekten
In diesem Praxisteil entsteht ein vollständiges HMI-Projekt für eine fiktive Anlage — mit Prozessbildhierarchie, Alarm- und Trendanzeige sowie Benutzerverwaltung. Das fertige Projekt wird auf einem realen oder simulierten Panel in Betrieb genommen und getestet. Die abschließende Diskussion widmet sich häufig gestellten Fragen aus der Praxis: Wie viele Variablen kann eine HMI-Verbindung verwalten? Wann lohnt ein PC-basiertes SCADA-System statt eines Panels? Wie werden HMI-Projekte versioniert und archiviert? Diese Einblicke helfen bei der Systemplanung künftiger Projekte.
Lernziele:
Die Teilnehmenden können nach diesem Kurs eigenständig HMI-Projekte in WinCC Advanced anlegen, strukturieren und in Betrieb nehmen. Sie beherrschen die Projektierungsoberfläche und sind in der Lage, vollständige Bedienkonzepte für Maschinen und Anlagen zu entwickeln.
- TIA-WinCC-HMI-Projektierungsumgebung sicher bedienen und strukturieren
- HMI-Panel-Hardware im TIA Portal auswählen, anlegen und konfigurieren
- Prozessbilder mit Standardobjekten, Grafiken und Schaltflächen erstellen
- Variablen zwischen SPS und HMI verbinden und Aktualisierungszeiten einstellen
- Dynamische Objekte (Anzeigefelder, Bargraphen, Kurvenansichten) mit Prozessvariablen verknüpfen
- Bildwechselnavigation und Bildhierarchie sinnvoll strukturieren
- Alarmsystem in WinCC Advanced anlegen, kategorisieren und quittieren
- Alarmprotokollierung und Alarmarchiv einrichten
- Trendarchivierung für Prozessgrößen konfigurieren und Trendansichten erstellen
- Datenarchivierung in Prozessdatenbank aktivieren und auswerten
- Benutzerverwaltung mit Passwortschutz und Zugriffsebenen einrichten
- Projekttransfer auf HMI-Gerät und Kommunikationsverbindung zur SPS prüfen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Angesprochen sind Fachleute, die HMI-Projekte in WinCC Advanced anlegen, warten oder weiterentwickeln möchten — sowie SPS-Programmierer, die ihre Kompetenz um die Visualisierungsebene erweitern.
- Automatisierungstechniker und SPS-Programmierer, die HMI-Projekte aufbauen oder betreuen
- Instandhalter, die Anlagenvisualisierungen verstehen und anpassen müssen
- Elektriker und Elektronikmonteure mit Einstieg in die Anlagenvisualisierung
- HMI-Entwickler, die von einem anderen SCADA-System auf WinCC Advanced wechseln
- Projekteure und Systemintegratoren im Maschinenbau und der Prozesstechnik
Teilnehmende sollten über eine abgeschlossene technische oder elektrotechnische Ausbildung bzw. ein Studium mit technischem Schwerpunkt verfügen oder einschlägige steuerungstechnische Berufspraxis mitbringen. Grundkenntnisse im TIA Portal und im Umgang mit SPS-Variablen sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich — WinCC Advanced kann auch ohne tiefgreifende SPS-Programmierkenntnisse erlernt werden. Gute PC-Anwenderkenntnisse und Interesse an industriellen Prozessen bilden eine gute Grundlage.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist konsequent am realen WinCC-Advanced-Arbeitsplatz ausgerichtet: Statt reiner Folienpräsentation arbeiten die Teilnehmenden direkt im TIA Portal und erstellen von Beginn an ein eigenes HMI-Projekt. Kurze Theorieblöcke leiten jeweils einen Praxisabschnitt ein. Musterbilder und Bibliothekselemente werden bereitgestellt, Teilnehmende passen und erweitern diese schrittweise. Der abschließende Projekttransfer und der Test am Panel oder Simulator bilden die realitätsnahe Abschlusssequenz.
Der Kurs ist als praxisintensive Weiterbildung über mehrere Kurstage konzipiert. Je nach Anbieter sind Präsenzkurse, Online-Formate oder Blended-Learning verfügbar. Die genauen Termine finden Sie beim jeweiligen Kursangebot.
Nach erfolgreichem Kursabschluss stellen die Anbieter eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung oder ein trägerinternes Zertifikat über die erworbenen WinCC-Advanced-Kenntnisse aus. Das Dokument eignet sich als Weiterbildungsnachweis und Referenz für industrielle Projektaufgaben.
Nutzen & Perspektiven
HMI-Visualisierung ist eine Querschnittskompetenz, die in nahezu jedem Automatisierungsprojekt benötigt wird — aber in der Aus- und Weiterbildung oft vernachlässigt wird. Wer WinCC Advanced beherrscht, kann in Projekten sowohl die SPS-Ebene als auch die Bedienerebene abdecken und wird damit für Arbeitgeber aus dem Anlagen- und Maschinenbau besonders wertvoll. Konkret bedeutet das: weniger externe HMI-Dienstleister, schnellere Inbetriebnahme und bessere Wartbarkeit der eigenen Anlagen. Insbesondere die Fähigkeit, Alarmsysteme fachgerecht einzurichten und Trendarchive für Prozessoptimierungen zu nutzen, hebt die Anlagenqualität und erleichtert die Fehlersuche erheblich. In Instandhaltungsabteilungen ist dieses Wissen oft Gold wert. Langfristig öffnet dieser Kurs den Einstieg in weiterführende SCADA-Themen wie WinCC Professional (PC-basierte SCADA), MES-Integration und Condition Monitoring — alles Bereiche, die auf dem soliden Fundament dieser HMI-Projektierkenntnisse aufbauen und die berufliche Entwicklung in Richtung Systemintegration oder Leittechnik vorzeichnen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen WinCC Advanced und WinCC Professional?
WinCC Advanced ist für Panel-basierte HMI-Applikationen optimiert und wird direkt im TIA Portal projektiert. WinCC Professional ist die PC-basierte SCADA-Erweiterung für größere Anlagen mit Serveranbindung, Mehrklientfähigkeit und erweiterten Datenbankfunktionen. Dieser Kurs behandelt ausschließlich WinCC Advanced als Basis für Maschinenvisualisierungen.
Muss ich SPS-Programmierung beherrschen, um diesen Kurs zu machen?
SPS-Grundkenntnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend. WinCC Advanced kann auch ohne tiefgreifende SPS-Programmierkenntnisse erlernt werden. Der Kurs erklärt, wie HMI-Tags mit SPS-Variablen verbunden werden — die eigentliche SPS-Programmierung ist nicht Gegenstand dieses Kurses.
Welche Siemens-Panel-Typen werden behandelt?
Der Kurs orientiert sich an den aktuellen Siemens-Comfort-Panels, die WinCC Advanced vollständig unterstützen. Die Projektierungsmethodik ist jedoch auf alle WinCC-Advanced-fähigen Panels übertragbar. Konkrete Panel-Modelle hängen von der Hardware-Ausstattung des jeweiligen Kursstandorts ab.
Kann ich das Projekt testen, ohne ein reales HMI-Panel zu haben?
Ja. WinCC Advanced enthält eine integrierte Simulationsfunktion, mit der das HMI-Projekt ohne reale Hardware getestet werden kann. Der Projekttransfer auf ein echtes Panel wird im Kurs jedoch ebenfalls behandelt, sofern Hardware verfügbar ist.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs vom TIA-Portal-Technologie-Objekte-Kurs?
Der Technologie-Objekte-Kurs behandelt die SPS-seitige Programmierung von Motion-Control-Achsen, PID-Reglern und Zählerbausteinen. Dieser WinCC-Kurs befasst sich ausschließlich mit der HMI-Visualisierungsebene. Beide Kurse ergänzen sich, können aber unabhängig voneinander besucht werden.
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