Überblick
Dieses Agile Certificate-Programm bündelt sechs international anerkannte Qualifikationen mit einem gezielten Schwerpunkt: Im Unterschied zu allen anderen Programmvarianten dieser Reihe enthält es kein Scrum Master-Modul — stattdessen kombiniert es EXIN Scrum Foundation, EXIN Scrum Product Owner, PRINCE2 Practitioner (Axelos), PRINCE2 Agile Practitioner (Axelos), ITIL 4 Foundation (Axelos/PeopleCert) und das GPM Basiszertifikat nach IPMA ICB4. Die Kombination adressiert Fachkräfte, die Produktverantwortung im Scrum-Kontext, strukturiertes Projektmanagement nach PRINCE2, IT-Service-Management nach ITIL 4 und europäisch geprägte PM-Kompetenz nach IPMA-Standard in einer einzigen Qualifizierungsmaßnahme nachweisen möchten — ohne separate Coaching-Zertifizierung. Das Programm läuft im Combined-Learning-Format als Vollzeit-Kurs über mehr als drei bis zu sechs Monate.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — EXIN Scrum Foundation: Agile Basis und Scrum-Framework Das Foundation-Modul ist die Pflichtbasis für alle weiteren Scrum-Qualifikationen. Teilnehmende verstehen, wie das iterative Sprint-Modell funktioniert, welche Werte und Prinzipien es trägt und wie Rollen, Ereignisse und Artefakte ineinandergreifen. Das EXIN-Zertifikat ist nach Bestehen sofort gültig und unabhängig vom Product-Owner-Abschluss.
- Das Agile Manifesto in der Praxis: vier Werte, zwölf Prinzipien und ihre Konsequenzen für Teamorganisation
- Scrum-Rollen: Product Owner als Produktverantwortlicher, Scrum Master als Servant Leader, Entwicklungsteam als selbstorganisierende Liefereinheit
- Sprint als Taktgeber: Planning, Daily Scrum, Review und Retrospektive als kontinuierliche Feedback- und Verbesserungsschleifen
- Artefakte: Product Backlog mit Priorisierung, Sprint Backlog als Arbeitsplan, Inkrement als überprüfbares Ergebnis
- Schätzung und Fortschrittsmessung: Story Points, Velocity, Burndown- und Burnup-Charts
- Fortgeschrittene Konzepte: Release-Planung, technische Schulden und kontinuierliche Qualitätsverbesserung
Modul 2 — EXIN Scrum Product Owner: Produktführung und Stakeholder-Management Das Product-Owner-Modul ist das Kernstück des Scrum-Lernwegs in diesem Programm. Da das Scrum Master-Modul bewusst nicht enthalten ist, liegt der gesamte Scrum-Fokus auf der produktverantwortlichen Seite: Wie entsteht eine tragfähige Produktvision? Wie werden Prioritäten gesetzt, wenn Stakeholder-Interessen konkurrieren? Wie übersetzt der Product Owner Nutzerbedürfnisse in Sprint-fähige Backlog-Einträge?
- Rolle, Vollmacht und Grenzen des Product Owners im Scrum-Team und gegenüber der Organisation
- Produktvision formulieren: Vision Board, Lean Canvas, Minimal Viable Product als strategische Werkzeuge
- Backlog-Management in der Tiefe: User Stories schreiben, INVEST-Kriterien, Story Mapping und Priorisierungstechniken
- Akzeptanzkriterien und Definition of Ready als Qualitätsstandard für Sprint-Eingaben
- Business Case Tracking: wirtschaftliche Projektziele über Sprint-Zyklen und Releases hinweg verfolgen
- Stakeholder-Kommunikation: Erwartungssteuerung, Sprint-Review-Vorbereitung und Produktroadmap-Präsentation
Modul 3 — PRINCE2 Practitioner: Projekte auf Anwendungsebene führen Das PRINCE2 Practitioner-Modul (Axelos) befähigt zur eigenständigen Anwendung der Methode. Auf Foundation-Grundlagen aufbauend werden alle PRINCE2-Managementdokumente, Phasenübergänge und Skalierungsoptionen geübt. Das Practitioner-Zertifikat hat eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren und muss anschließend rezertifiziert werden.
- Anwenden der sieben PRINCE2-Prinzipien auf Projektsituationen: von der Beschreibung zur konkreten Entscheidung
- PRINCE2-Managementdokumente im Zusammenspiel: Business Case, PID, Phasenpläne, Register und Berichte
- Pragmatische Fallstudienarbeit: ein vollständiges PRINCE2-Beispielprojekt von der Initiierung bis zum Abschluss durcharbeiten
- Skalierung für kleine und große Projekte: was muss immer enthalten sein, was lässt sich kontextuell anpassen
- Ausnahmemanagement und Phasenübergänge: End-of-Stage Assessment, Ausnahmeberichte und Folgeaufträge
- Prüfungsformat Axelos PRINCE2 Practitioner: objektivbasierte Testfragen, Fallstudienanalyse und Zeitplanung
Modul 4 — PRINCE2 Agile Practitioner: Agile Liefermethoden im PRINCE2-Rahmen PRINCE2 Agile ist keine eigenständige Methode neben PRINCE2, sondern eine Erweiterung für Practitioner. Das Modul zeigt, wie PRINCE2-Governance auf Projektleitungsebene erhalten bleibt, während Teams auf Lieferebene mit Scrum, Kanban oder Lean Start-up arbeiten. Voraussetzung ist ein gültiges PRINCE2-Zertifikat (Foundation oder Practitioner).
- Synthese von Governance (PRINCE2) und agiler Lieferung (Scrum/Kanban) auf verschiedenen Projektebenen
- Welche PRINCE2-Themen und Prozesse bleiben unverändert, welche werden für Agilität angepasst
- Scrum-Ereignisse und PRINCE2-Phasenübergänge: wie beides gleichzeitig in einem Projekt funktioniert
- Flexibilität am Projektergebnis statt starrer Planung: das Agilometer als Steuerungswerkzeug
- Kanban-Flow und WIP-Limits im PRINCE2-Kontext: wann ist Kanban die bessere Wahl gegenüber Scrum
- Prüfungsformat PRINCE2 Agile Practitioner: Szenarienanalyse, Antwortlogik, Zeitmanagement
Modul 5 — ITIL 4 Foundation: IT-Service-Management nach aktuellem Standard ITIL 4 Foundation (Axelos, Prüfungen über PeopleCert) ist die meistgelegte IT-Service-Management-Zertifizierung weltweit. Das Modul vermittelt die Terminologie und das konzeptionelle Gerüst des aktuellen ITIL-4-Frameworks — nicht mehr die ältere v3-Lifecycle-Gliederung, sondern das Service Value System mit seinen Aktivitäten, Leitprinzipien und Practices. Für Fachkräfte, die Projekte in IT-Organisationen leiten oder koordinieren, ist ITIL 4 Foundation eine direkt anwendbare Ergänzung zu PRINCE2 und Scrum.
- Das Service Value System (SVS): wie Servicenachfrage in Wert für Kunden und die Organisation umgewandelt wird
- Die Service Value Chain mit sechs Aktivitäten: Plan, Improve, Engage, Design & Transition, Obtain/Build, Deliver & Support
- Sieben Leitprinzipien von ITIL 4: vom Fokus auf Wert bis zur Optimierung und Automatisierung, und ihre praktische Bedeutung
- Vier Dimensionen des Service-Managements: Organisationen & Menschen, Information & Technologie, Partner & Lieferanten, Wertströme & Prozesse
- Zentrale ITIL 4 Practices im Überblick: Incident Management, Change Enablement, Problem Management, Service Request Management, Service Desk
- Prüfungsformat ITIL 4 Foundation (PeopleCert): 40 Multiple-Choice-Fragen, 60 Minuten, 65 Prozent Bestehensgrenze
Modul 6 — GPM Basiszertifikat: IPMA-Kompetenz nach ICB4 Das GPM Basiszertifikat orientiert sich an den Standards der International Project Management Association (IPMA) und deren Competence Baseline ICB4. Es ergänzt die internationalen Abschlüsse von EXIN und Axelos um eine europäisch geprägte PM-Qualifikation, die insbesondere für Positionen im deutschsprachigen Raum und bei europäischen Auftraggebern relevant ist. Laut Anbieter setzt der GPM-Basislevel die vorherige Teilnahme am PRINCE2-Foundation-Kurs voraus.
- Struktur der ICB4: Perspective, People, Practice als drei Kompetenzbereiche mit 29 Kompetenzelementen
- Überblick über ausgewählte Kompetenzelemente und ihre Bedeutung für reale Projektsituationen
- GPM Basiszertifikat im Verhältnis zu IPMA Level D: gleicher Rahmen, unterschiedliche Prüfungstiefe
- Anwendung von Kompetenzelementen auf Projektsituationen: Dokumentation, Nachweise, Bewertungsmaßstäbe
- Anforderungen und Prüfungsformat des GPM Basiszertifikats
Lernziele:
- Das Scrum-Framework als konzeptionelle Basis für alle weiteren Scrum-Qualifikationen sicher erklären und in Projekten anwenden
- Als Product Owner Produktvisionen entwickeln, Backlogs priorisieren und als Bindeglied zwischen Stakeholdern und Entwicklungsteam agieren
- PRINCE2 auf Practitioner-Niveau in echten Projektszenarien eigenständig anwenden und situationsgerecht anpassen
- PRINCE2 und agile Liefermechanismen verbinden, um hybride Projekte mit strukturierter Governance zu steuern
- Scrum, Kanban und Lean-Ansätze gezielt als Liefermethoden im PRINCE2-Agile-Kontext einsetzen
- ITIL 4 Foundation-Konzepte — Service Value System, Service Value Chain, Leitprinzipien, Practices — auf IT-Service-Management-Situationen übertragen
- Den operativen IT-Betrieb nach ITIL 4-Principles planen und mit Projektübergaben verknüpfen
- Das GPM Basiszertifikat als Qualifikationsnachweis nach IPMA ICB4 erwerben
- Hybride PM-Kompetenz mit Produktverantwortung für Product-Owner-Positionen in PRINCE2-Organisationen aufbauen
- Sechs externe Zertifizierungsprüfungen von EXIN, Axelos und GPM systematisch vorbereiten und ablegen
- In internationalen und europäischen Projektumgebungen methodisch anschlussfähig sein
- Projektergebnisse an IT-Betriebsteams übergeben, die nach ITIL 4-Prozessen arbeiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Das Programm richtet sich an Fachkräfte, die Product-Owner-Kompetenz im Scrum-Kontext mit klassischem Projektmanagement, IT-Service-Management und einer europäischen IPMA-Qualifikation verbinden möchten — und für die die Scrum-Master-Coaching-Rolle nicht im Vordergrund steht.
- Produktverantwortliche und Product Manager in IT-nahen und digitalen Unternehmen
- Projektmanagerinnen und -manager, die ihren methodischen Rahmen um agile Produktverantwortung erweitern wollen
- Fachkräfte in ITIL-4-geprägten Organisationen, die agiles Projektmanagement strukturiert aufbauen möchten
- Berufstätige in Umschulung oder Weiterqualifizierung, die eine breite PM-Zertifizierungsbasis ohne separate Coaching-Qualifikation anstreben
- IT-Koordinatoren und Berater, die Kunden in Projekt- und Betriebsprozessen nach ITIL 4 und PRINCE2 beraten
PRINCE2 Practitioner setzt PRINCE2 Foundation voraus; PRINCE2 Agile Practitioner setzt ein gültiges PRINCE2-Zertifikat voraus. Das GPM Basislevel setzt laut Anbieter die Teilnahme am PRINCE2-Foundation-Kurs voraus. Die EXIN Scrum-Zertifikate und ITIL 4 Foundation haben keine formalen Voraussetzungen; praktische Erfahrung in IT- oder Projektumgebungen ist hilfreich. Vor Kursbeginn findet ein Beratungsgespräch statt, das individuelle Vorkenntnisse und Ziele berücksichtigt.
Ablauf & Abschluss
Das Programm setzt auf das Combined-Learning-Format mit angeleiteten Unterrichtsblöcken und eigenverantwortlichen Selbstlernphasen. Jedes Modul verbindet fachlichen Input mit prüfungsorientierten Übungsaufgaben und realistischen Szenarien. Die PRINCE2-Module nutzen offizielles Axelos-Fallmaterial; das ITIL 4-Modul arbeitet mit PeopleCert-Prüfungsszenarien und Service-Value-Chain-Analysen; das Scrum-Modul setzt auf Product-Backlog-Übungen und Sprint-Simulationen aus der Produktverantwortlichen-Perspektive. Das Programm wird standardmäßig als Vollzeit durchgeführt; Teilzeit ist auf Anfrage möglich.
Das Programm erstreckt sich über mehr als drei bis zu sechs Monate. Die längere Laufzeit gegenüber kleineren Bündeln spiegelt den Umfang von sechs Modulen und sechs Zertifizierungsprüfungen wider — darunter ITIL 4 und GPM als zwei zusätzliche Prüfungen gegenüber schlankeren Dreier-Varianten.
Das Programm führt zu sechs externen Zertifikaten: EXIN Scrum Foundation und EXIN Scrum Product Owner (eigenständige EXIN-Abschlüsse), PRINCE2 Practitioner (Axelos, Rezertifizierung nach drei Jahren), PRINCE2 Agile Practitioner (Axelos, Rezertifizierung nach drei Jahren), ITIL 4 Foundation (Axelos/PeopleCert, unbefristete Gültigkeit auf Foundation-Niveau) und GPM Basiszertifikat (IPMA ICB4). Ergänzend erhalten die Teilnehmenden ein Lehrgangszertifikat des Bildungsträgers.
Nutzen & Perspektiven
Der bewusste Verzicht auf das Scrum Master-Modul ist keine Lücke, sondern eine klare Positionierungsentscheidung. Wer als Product Owner, Projektmanager oder IT-Coordinator tätig ist oder sein möchte, braucht keine separate Scrum-Master-Coaching-Zertifizierung — diese erfordert ein spezifisches Facilitierungs- und Team-Coaching-Profil, das nicht für alle Karrierewege passt. Dieses Programm bündelt stattdessen Produkt-, Projekt- und IT-Betrieb-Kompetenz in einer Lernreise ohne Umwege. Die Kombination von ITIL 4 Foundation und GPM Basiszertifikat ist in dieser Programmfamilie einmalig: ITIL 4 bringt den IT-Betriebsblick mit aktuellem Service Value System, GPM bringt den europäisch geprägten PM-Standard nach IPMA ICB4. Wer beide hat, ist sowohl in IT-Projekten als auch in europäischen Ausschreibungskontexten methodisch anschlussfähig — ein konkreter Vorteil für Behörden, öffentliche Auftraggeber und international tätige Unternehmen, die IPMA als Kompetenzrahmen kennen und erwarten. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung durch einen Bildungsgutschein möglich; für Beschäftigte bietet das Qualifizierungschancengesetz zusätzliche Optionen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum ist kein Scrum Master-Modul enthalten?
Dieses Programm fokussiert sich bewusst auf die Produktverantwortlichen-Rolle (Product Owner) statt auf Scrum-Master-Coaching. Wer beide Rollen kombinieren möchte, findet in der erweiterten Programmvariante mit Scrum Master-Modul die passende Alternative.
Was ist das GPM Basiszertifikat und warum ist es enthalten?
Das GPM Basiszertifikat orientiert sich am IPMA-Standard (ICB4) und ist im deutschsprachigen Raum sowie bei europäischen Auftraggebern eine anerkannte PM-Qualifikation. Es ergänzt die EXIN- und Axelos-Zertifikate um eine europäisch geprägte Perspektive und ist besonders für Positionen in Behörden und bei öffentlichen Auftraggebern relevant.
Welchen ITIL-Standard vermittelt dieses Programm?
Das Programm vermittelt ITIL 4 nach aktuellem Axelos-Standard — mit Service Value System, Service Value Chain, sieben Leitprinzipien und 34 Practices wie Incident Management, Change Enablement und Service Request Management. Die ältere ITIL-v3-Lifecycle-Gliederung ist nicht Prüfungsgegenstand.
Müssen PRINCE2 Practitioner und PRINCE2 Agile Practitioner rezertifiziert werden?
Ja. Beide Axelos-Practitioner-Abschlüsse haben eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren und müssen anschließend rezertifiziert werden. Das Foundation-Zertifikat ist unbefristet gültig. ITIL 4 Foundation ist ebenfalls unbefristet.
Kann ich diesen Kurs berufsbegleitend absolvieren?
Das Programm wird standardmäßig als Vollzeit durchgeführt. Teilzeitoptionen sind individuell auf Anfrage möglich; das Combined-Learning-Format mit Selbstlernphasen bietet dabei eine gewisse Flexibilität in der Tagesgestaltung.
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