Überblick
Kanban ist eine der meistgenutzten agilen Methoden — und zugleich eine der am häufigsten missdeprecated verstandenen. Dieser Kurs geht tiefer als eine einführende Übersicht: Er vermittelt Kanban als eigenständiges System zur Fluss-Optimierung, erklärt das Zusammenspiel mit Scrum und zeigt, wie Agile Coaching im Kanban-Kontext aussieht. Das Ziel ist eine fundierte Professionalisierung für alle, die agile Methoden nicht nur anwenden, sondern in ihrer Organisation verankern und weiterentwickeln wollen. Ergänzend bereitet der Kurs auf die Scrum.org-Zertifizierung Professional Scrum with Kanban (PSK I) vor.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Kanban: Methode und Systemdesign Kanban hat seinen Ursprung in der japanischen Fertigungsindustrie und wurde für die Wissensarbeit adaptiert. Dieses Modul erklärt die Methode vollständig — von den Grundprinzipien bis zum Design komplexer Kanban-Systeme.
- Historischer Hintergrund und Entstehung von Kanban in der Softwareentwicklung
- Kanban-Prinzipien: Visualisierung, Flusssteuerung, explizite Policies
- Aufbau eines Kanban-Boards: Spalten, Swimlanes, Karten
- WIP-Limits: Theorie der Flussoptimierung (Little's Law)
- Pull-Prinzip vs. Push-Prinzip
- Service Classes: verschiedene Arbeitstypen unterschiedlich behandeln
- Kanban-Meetings: Standup, Replenishment Meeting, Operations Review
- Blocker-Management und Eskalationspolitiken
Kanban-Systeme sind keine festen Vorlagen — sie werden an den spezifischen Arbeitsfluss eines Teams angepasst. Dieses Modul vermittelt die Designprinzipien, mit denen ein Kanban-System entwickelt und iterativ verbessert werden kann. Modul 2 — Flussmetriken und kontinuierliche Verbesserung Der Unterschied zwischen Teams, die Kanban wirklich beherrschen, und Teams, die nur ein Board führen, liegt in der datengestützten Verbesserung. Dieses Modul vermittelt die Metriken und Analysetools, mit denen Flussverhalten gemessen und optimiert wird.
- Cycle Time und Lead Time: Unterschied und Messung
- Cumulative Flow Diagram (CFD): Interpretation von Engpässen und Trends
- Throughput: Geschwindigkeit eines Kanban-Systems messen
- Monte-Carlo-Simulation für Vorhersagen (Konzept)
- Kaizen: Continuous Improvement als Kanban-Prinzip
- Service Level Agreements in Kanban-Systemen definieren
- Retrospektiven im Kanban-Kontext strukturieren und nutzen
Daten sind nur dann nützlich, wenn sie zu Entscheidungen führen. Deshalb wird in diesem Modul besonders darauf geachtet, wie Metriken in Teambesprechungen kommuniziert werden — ohne Zahlen um ihrer selbst willen zu präsentieren, sondern als Gesprächsgrundlage für zielgerichtete Verbesserungen. Die Fähigkeit, ein CFD zu lesen und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten, ist eine der wertvollsten Kompetenzen für agile Coaches und Kanban-Praktiker. Praxisblock — Agiles Coaching und PSK-Vorbereitung Der Praxisteil verbindet Methodik mit Anwendungskompetenz. Teams, die Kanban neu einführen, brauchen Unterstützung — und dieser Block bereitet darauf vor.
- Kanban-Einführung in einem Team moderieren: Schritt-für-Schritt-Vorgehen
- Widerstand gegen Kanban erkennen und produktiv umgehen
- Coaching-Gespräch zu WIP-Limit-Einhaltung führen
- Backlog-Hygiene durchführen: veraltete Karten identifizieren und bereinigen
- PSK-Perspektive: Scrum-Events durch Kanban-Metriken bereichern
- Sprint mit Kanban-Metriken auswerten (Throughput, Cycle Time)
- Kanban-Board für ein Scrum-Team einführen (PSK-Szenario)
- Cumulative Flow Diagram lesen und Engpass lokalisieren
- Operations Review vorbereiten und moderieren
- Team-Kanban-Regeln (Policies) gemeinsam entwickeln
- Coaching-Fall: Team überschreitet WIP-Limits dauerhaft
- Systemische Diagnose: Wo liegt der Flaschenhals in diesem Workflow?
Lernziele:
- Kanban als eigenständige Methode zur Flussoptimierung vollständig verstehen
- Kanban-Boards aufbauen, konfigurieren und für unterschiedliche Teams anpassen
- WIP-Limits (Work-in-Progress-Limits) begründen, setzen und auswerten
- Flussmetriken messen und zur kontinuierlichen Verbesserung nutzen
- Cumulative Flow Diagrams und andere Visualisierungen interpretieren
- Engpässe in Kanban-Systemen diagnostizieren und beheben
- Scrum und Kanban im Zusammenspiel verstehen (PSK-Perspective)
- Agiles Coaching als eigenständige Kompetenz entwickeln
- Kanban-Einführungen in Teams und Organisationen moderieren
- Rückstand und Backlog-Hygiene systematisch betreiben
- Agile Prinzipien auf bestehende Organisationsstrukturen übertragen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit beruflichem Hintergrund in IT, Wirtschaft, Geistes- oder Naturwissenschaften, die sich im Bereich agiler Methoden und Coaching professionalisieren möchten.
- Scrum Master, die ihre Kompetenzen um Kanban erweitern wollen
- Agile Coaches, die Kanban-Einführungen begleiten möchten
- Projektmanager/innen in agilen Umgebungen
- Teamleitende, die Flussoptimierung in ihrer Abteilung etablieren möchten
- Personen mit Interesse an einer PSK-I-Zertifizierung von Scrum.org
Ein beruflicher Hintergrund in IT-Technik, Wirtschaft, Geistes- oder Naturwissenschaften wird vorausgesetzt. Grundkenntnisse in agilen Methoden, insbesondere Scrum, sind für das PSK-Modul hilfreich — Scrum-Rollen, Sprint-Struktur und das Konzept des Backlogs sollten bekannt sein. Der Kurs setzt auf konzeptuellem Verständnis auf, nicht auf Vorkenntnissen in einer bestimmten Kanban-Software. Erfahrung mit der Arbeit in Teams oder Projekten ist von Vorteil.
Ablauf & Abschluss
Theorie und praktische Fallarbeit wechseln sich systematisch ab. Kanban-Boards werden live aufgebaut, Metriken werden an realen Datensätzen berechnet, und Coaching-Situationen werden in Gruppenübungen simuliert. Der Kurs kombiniert instruktive Phasen mit selbstgesteuerter Teamarbeit. Je nach Anbieter wird in Präsenz, online oder im Blended-Format unterrichtet.
Die genaue Kursdauer variiert je nach Anbieter und gewähltem Format. Da sowohl Kanban-Systemdesign als auch agiles Coaching als eigenständige Kompetenzfelder vermittelt werden, ist ein substantieller Umfang einzuplanen. Detailangaben bei den Anbietern erfragen.
Teilnehmende erhalten ein trägerinternes Zertifikat des Kursanbieters. Zusätzlich wird die externe PSK-I-Prüfung (Professional Scrum with Kanban) von Scrum.org vorbereitet; diese Prüfung wird eigenständig bei Scrum.org abgelegt.
Nutzen & Perspektiven
Kanban ist eine der wenigen agilen Methoden, die sich ohne vollständige Transformation eines Unternehmens einführen lassen. Teams können mit einem einfachen Board beginnen, WIP-Limits setzen und innerhalb von Wochen messbare Verbesserungen in ihrem Durchfluss erzielen. Das macht Kanban besonders attraktiv für Organisationen, die agiler werden wollen, ohne sofort alles umzustrukturieren — und für Coaches, die Teams schrittweise in neue Arbeitsweisen begleiten möchten. Die PSK-Perspektive — also Scrum durch die Linse von Kanban-Metriken zu betrachten — ist ein inhaltlicher Mehrwert, der über beide Einzelkurse hinausgeht. Sprint-Daten werden mit Flussmetriken verknüpft, Vorhersagen werden datenbasiert statt schätzungsbasiert, und Verbesserungszyklen werden kontinuierlich gestaltet, nicht nur am Ende jedes Sprints. Cycle Time und Throughput geben objektive Auskunft darüber, ob ein Team schneller oder langsamer wird — jenseits von subjektiven Eindrücken und Statusberichten. Diese Metriken in Coaching-Gesprächen einzusetzen, ist eine Kompetenz, die wenige agile Practitioner mitbringen. Wer nach diesem Kurs in einer Agile-Coach-Rolle arbeitet, verfügt über ein konkretes Methodenset: Kanban-Board-Design, Metriken-Auswertung, Coaching-Gesprächsführung und das Verständnis, wie Scrum und Kanban sich gegenseitig verstärken. Das ist eine Kombination, die in agilen Teams und Transformationsprojekten direkt einsetzbar ist. Die optionale PSK-I-Zertifizierung von Scrum.org gibt dieser Kompetenz zusätzlich eine anerkannte externe Bestätigung — ein klarer Vorteil für Personen, die in Bewerbungsprozessen oder internen Stellenwechseln nachweisen möchten, dass ihr Kanban-Wissen über das informelle Niveau hinausgeht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Kanban und Scrum?
Scrum strukturiert Arbeit in feste Zeitintervalle (Sprints) mit definierten Rollen und Zeremonien. Kanban fokussiert auf den kontinuierlichen Fluss von Aufgaben ohne feste Iterationen. Beide Methoden lassen sich kombinieren — der Kurs vermittelt diese Verbindung explizit.
Was ist die PSK-I-Zertifizierung?
Professional Scrum with Kanban (PSK I) ist eine Zertifizierung von Scrum.org, die das Wissen über den kombinierten Einsatz von Scrum und Kanban bestätigt. Die Prüfung wird extern bei Scrum.org abgelegt; der Kurs bereitet inhaltlich darauf vor.
Brauche ich Scrum-Vorkenntnisse für diesen Kurs?
Grundkenntnisse in Scrum sind hilfreich, insbesondere für den PSK-Teil des Kurses. Wer Scrum noch nicht kennt, sollte ggf. vorab eine einführende Scrum-Schulung absolvieren.
Für welche Branchen ist der Kurs geeignet?
Kanban ist branchenunabhängig einsetzbar. Der Kurs richtet sich an Personen aus IT, Wirtschaft, Geistes- und Naturwissenschaften — überall dort, wo Arbeit visualisiert, priorisiert und in Fluss gebracht werden muss.
Welche Software-Kenntnisse werden vorausgesetzt?
Keine spezifischen Softwarekenntnisse. Kanban-Boards können analog (Whiteboard) oder digital geführt werden. Der Kurs erklärt das System; konkrete Tool-Empfehlungen hängen vom Anbieter ab.
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