Überblick
Dieser Kurs deckt das vollständige Spektrum agiler Projektleitung in zwei Rollen ab: Scrum Master und Product Owner. Beide Rollen werden nicht nur theoretisch erklärt, sondern in ihrer konkreten Zusammenarbeit geübt — denn effektive agile Teams entstehen, wenn beide Rollen ihre jeweilige Verantwortung kennen und Hand in Hand arbeiten. Ergänzt wird das Programm durch Kanban als flussbasierte Alternative zu Scrum und durch DevOps Foundation als technologischer Hintergrundrahmen. Wer diesen Kurs abschließt, kann sowohl als Scrum Master Sprint-Abläufe leiten als auch als Product Owner Backlogs priorisieren, Stakeholder-Erwartungen managen und den Produktwert kontinuierlich maximieren. Die DevOps-Komponente stellt sicher, dass technische Delivery-Aspekte in der Planung nicht blind spot bleiben. Die Kanban-Komponente erweitert das Methodenrepertoire um eine bewährte Alternative für Wartungs- und Support-Teams.
Kursinhalte & Lernziele
Scrum Master — Moderation, Schutz und Sprint-Führung Der erste Block behandelt die Scrum-Master-Rolle in ihrer vollen Tiefe. Scrum Master sind keine Projekt-Manager — sie sind Enabler und Moderatoren. Dieser Unterschied wird anhand konkreter Moderationsübungen, Sprint-Planungsszenarien und Impediment-Situationen erfahrbar gemacht. Der Scrum Master schützt das Team vor äußeren Störungen, ohne selbst in die inhaltliche Arbeit einzugreifen — eine Haltung, die geübt werden will.
- Agile Werte und Scrum-Prinzipien aus dem Scrum Guide
- Scrum-Ereignisse moderieren: Planung, Daily, Kursrückblick, Auswertungsrunde
- Impediment-Identifikation, Priorisierung und Beseitigung
- Team-Schutzfunktion: externe Störungen und Scope Creep managen
- Konfliktmoderation und Teamdynamik im Sprint
- Standortbestimmung zur Sprint-Halbzeit — Frühindikatoren für Verzögerungen
Product Owner — Backlog, Stakeholder und Produktwert Die Product-Owner-Rolle trägt die Verantwortung für den Produktwert. Dieser Block erklärt, wie User Stories entstehen, wie Backlogs priorisiert werden und wie Product Owner Stakeholder-Erwartungen systematisch managen. Der Übergang vom Sprint-Ergebnis zur Release-Planung wird ebenso behandelt wie die Balance zwischen Kurzfrist-Druck und strategischer Produktvision. Wer als Product Owner Prioritätsentscheidungen transparent begründen kann, gewinnt das Vertrauen von Team und Stakeholdern gleichzeitig.
- Produktvision entwickeln und kommunizieren
- User Stories schreiben: Format, Kriterien und Akzeptanzkriterien
- Backlog-Priorisierung: MoSCoW, Value vs. Effort, WSJF
- Sprint-Ziel definieren und Stakeholder-Erwartungen ausbalancieren
- Release-Planung und Roadmap in agilen Umgebungen
- Product Owner und Scrum Master in der Zusammenarbeit — Rollen abgrenzen und verbinden
Kanban — Flussbasiertes Arbeiten und visuelle Steuerung Kanban ist keine Konkurrenz zu Scrum, sondern eine Ergänzung — besonders in Support-, Wartungs- und Betriebsteams. Dieses Modul vermittelt die Grundprinzipien von Kanban, erklärt WIP-Limits als zentrales Steuerungsinstrument und zeigt, wie Kanban-Boards als visuelle Steuerungszentrale eingerichtet werden. Der entscheidende Unterschied zu Scrum: kein fixer Sprint-Takt, sondern kontinuierlicher Fluss mit klaren Kapazitätsgrenzen.
- Kanban-Prinzipien: Visualisierung, WIP-Limit, Flusssteuerung
- Kanban-Board aufbauen: Spalten, Swimlanes, Policies
- WIP-Limits setzen und Bottlenecks identifizieren
- Zykluszeit und Durchsatz als Steuerungsgrößen
- Kumuliertes Flussdiagramm lesen und interpretieren
- Scrum vs. Kanban: Wann welches Framework besser passt
DevOps Foundation — technologischer Kontext für agile Teams Agile Methoden und DevOps entstammen unterschiedlichen Traditionen, ergänzen sich aber in modernen IT-Projekten. Dieses Modul erklärt DevOps konzeptionell und zeigt, wie CI/CD-Prozesse, Deployment-Metriken und technische Schulden in der Sprint- und Backlog-Steuerung berücksichtigt werden müssen. Optimierungsschritte aus Auswertungsrunden fließen hier direkt in technische Backlog-Einträge. Ein Product Owner, der Deployment-Frequenz als Produktkennzahl versteht, trifft bessere Priorisierungsentscheidungen.
- DevOps als kulturelle und technische Arbeitsweise
- CI/CD-Pipeline: Build, Test, Deploy konzeptionell verstanden
- Deployment-Metriken und ihre Bedeutung für den Product Owner
- Technische Schulden identifizieren und in Optimierungsschritte überführen
- Platform-Team und Scrum-Team: Zusammenarbeit und Schnittstellen
- DevOps Foundation-Zertifizierung: Überblick über externe Prüfungsoptionen
Praxis — Integriertes agiles Produktteam Im Praxisteil simulieren die Teilnehmenden den vollständigen agilen Zyklus eines Produktteams über zwei fiktive Sprints — mit Scrum Master, Product Owner, Kanban-Board und DevOps-Bezugspunkten.
- Produktvision und erste Backlog-Befüllung (Product-Owner-Perspektive)
- Sprint-Planung moderieren (Scrum-Master-Perspektive)
- Kanban-Board für das Support-Team parallel betreiben
- Daily Scrum führen und Impediments dokumentieren
- Kursrückblick durchführen und Ergebnisse mit dem Product Owner abstimmen
- Auswertungsrunde mit Optimierungsschritten und Backlog-Einträgen
- Technische Schulden sichtbar machen und priorisieren
- DevOps-Schnittstelle dokumentieren
- Release-Kommunikation an Stakeholder vorbereiten
- Kanban-Durchsatzanalyse für einen simulierten Wartungsbereich
- Abschluss-Standortbestimmung beider Rollen im Team
- Gegenseitiges Feedback in der Rollenausfüllung
Die Praxiseinheit ist bewusst in beide Rollen aufgeteilt — Teilnehmende erleben den Perspektivwechsel zwischen Scrum Master und Product Owner unmittelbar.
Lernziele:
- Das Scrum-Framework mit allen Rollen, Artefakten und Ereignissen vollständig verstehen
- Die Scrum-Master-Rolle mit Moderations- und Schutzfunktion souverän ausfüllen
- Die Product-Owner-Rolle mit Backlog-Management, Release-Planung und Stakeholder-Kommunikation abdecken
- User Stories schreiben, schätzen und nach Geschäftswert priorisieren
- Kanban-Prinzipien und das WIP-Limit-Konzept verstehen und anwenden
- Kumulierte Flussdiagramme und Zykluszeiten in Kanban interpretieren
- DevOps-Prinzipien und CI/CD-Konzepte im agilen Kontext einordnen
- Technische Schulden im Backlog sichtbar machen und gezielt adressieren
- Scrum und Kanban vergleichen und situativ das geeignete Framework wählen
- Optimierungsschritte aus Auswertungsrunden in konkrete Backlog-Einträge überführen
- Agile Rollen und Methoden in bestehende Unternehmensstrukturen integrieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die beide zentralen agilen Rollen vollständig verstehen und ausüben können wollen — sei es, weil sie in kleinen Teams beide Rollen zeitweise einnehmen müssen, oder weil sie eine umfassende agile Qualifikation anstreben. Typischerweise sind dies Projektleitungen, Produktmanager, technische Teamleitungen oder Quereinsteiger aus klassischem PM.
- Projektleitungen in IT- oder Produktunternehmen
- Produktmanager mit Interesse an agiler Umsetzung
- Teamleitungen, die Scrum und Kanban parallel einsetzen wollen
- Quereinsteiger aus klassischen PM-Rollen in agile Umgebungen
- IT-Koordinatoren mit Verantwortung für Entwicklungs- und Betriebsteams
Grundlegende PC-Kenntnisse und Erfahrung in einem Team- oder Koordinationskontext reichen als Ausgangsbasis. Scrum- oder Kanban-Vorkenntnisse sind nicht erforderlich; IT-Fachkenntnisse oder Programmierkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Grundkenntnisse in Englisch sind empfehlenswert, da agile Terminologie weitgehend englisch ist. Berufserfahrung in einem organisierten Projektumfeld erleichtert das Einordnen der Kursbeispiele.
Ablauf & Abschluss
Theorie-Inputs werden konsequent von Rollenspielen, Moderationsübungen und Planungssimulationen gefolgt. Scrum-Ereignisse werden als live moderierte Gruppenübungen geübt; das Kanban-Modul nutzt Visualisierungsübungen an physischen und digitalen Boards. Das DevOps-Modul ist konzeptuell und diskussionsorientiert. Die Praxisphase bringt alle Elemente in einem zusammenhängenden Produktteam-Szenario zusammen.
Der Kurs umfasst vier vollständige Kompetenzbereiche und ist entsprechend umfangreicher als Einzel-Modul-Angebote. Die genaue Dauer variiert je nach Anbieter und Format — üblicherweise mehrere Wochen in Vollzeit oder ein entsprechendes Teilzeitmodell. Alle Module werden vollständig durchlaufen.
Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat oder eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die alle vier Kompetenzbereiche dokumentiert. Externe Zertifizierungen — etwa PSM I von Scrum.org, PSPO I, KMP von Kanban University oder DevOps Foundation von EXIN — können separat angestrebt werden; der Kurs bereitet inhaltlich auf diese Prüfungen vor.
Nutzen & Perspektiven
Wer beide agilen Rollen kennt, kommuniziert anders: Ein Scrum Master, der versteht, wie ein Product Owner Prioritäten setzt, moderiert Sprintplanungen mit mehr Empathie für den Produktfokus. Ein Product Owner, der die Schutzfunktion des Scrum Masters kennt, formuliert User Stories mit mehr Rücksicht auf das Team. Dieses gegenseitige Rollenverständnis ist in der Praxis entscheidend für funktionierende agile Teams. Kanban als Ergänzung ist kein optionales Zusatzwissen, sondern in vielen IT-Organisationen Realität: Support-Teams, Betriebsteams und Maintenance-Teams arbeiten oft nach Kanban-Logik, während Entwicklungsteams Scrum nutzen. Wer beide Frameworks kennt, kann zwischen diesen Einheiten übersetzen und vermitteln — ein Profil, das in skalierten agilen Organisationen sehr gefragt ist. Die DevOps-Komponente stellt sicher, dass Produktentscheidungen nicht im Vakuum getroffen werden: Wer als Product Owner Deployment-Frequenzen und technische Schulden nicht einordnet, riskiert Backlogs, die technisch nicht realisierbar sind. Das Grundlagenwissen aus diesem Kurs schließt diese Planungslücke und macht agile Entscheidungen robuster.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum sind Scrum Master und Product Owner im selben Kurs?
In kleinen Teams übernimmt oft eine Person beide Rollen zeitweise. Außerdem arbeiten beide Rollen eng zusammen — wer beide versteht, kommuniziert effizienter und moderiert besser.
Wann ist Kanban besser als Scrum?
Kanban eignet sich besonders für Support-, Betrieb- und Maintenance-Teams mit kontinuierlichem Aufgabenfluss ohne feste Sprint-Zyklen. Der Kurs erklärt beide Frameworks und zeigt, wann welches besser passt.
Bereitet der Kurs auf externe Zertifizierungen vor?
Ja, inhaltlich. PSM I und PSPO I von Scrum.org, KMP von Kanban University und DevOps Foundation von EXIN können nach dem Kurs als separate externe Prüfungen abgelegt werden.
Muss ich Programmierkenntnisse für das DevOps-Modul mitbringen?
Nein. Das DevOps-Modul erklärt Prinzipien und Konzepte. Technische Implementierung ist nicht Teil des Kurses.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Ein trägerinternes Zertifikat oder eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung, die alle vier Kompetenzbereiche dokumentiert. Externe Zertifizierungen müssen separat erworben werden.
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